Harpegnathos saltator - Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Ponerinae
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#17 AW: Harpegnathos saltator - Video

Beitrag von GinToxic » 15. März 2011, 17:56

Erstmal vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht.

Aber eine Frage habe ich noch, die brennt mir übrigens schon ewig auf der Zunge aber irgendwie konnte ich noch nie eine Antwort finden.

Von wem werden Gamergates begattet, von fremden oder eigenen Männchen? Eigentlich wäre es ja sehr paradox wenn es die eigenen Männchen wären, da es dann ja zu Inzucht kommen würde. Ich komme auf diese Idee weil oft davon gesprochen wird das eine solche Kolonie "ewig" existieren würde, da sie sich immer wieder selber begattete Gamergates hervorbringen.

Egal welche Antwort ich bekomme, gilt diese dann für alle Arten mit Gamergates, oder kann man das nicht pauschalisieren?

Gruß
Daniel

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#18 AW: Harpegnathos saltator - Video

Beitrag von Baumarkthammer » 15. März 2011, 18:33

Das ist bei Harpegnathos saltator immer ein Männchen aus der eigenen Kolonie.
Es werden laut den Quellen, die ich im weiteren Verlauf der Facharbeit nennen werde (das war nur Teil 1), tatsächlich nur Männchen aus der eigenen Kolonie. Das steht aber nochmal später drin.
Das hat durchaus Sinn bei Harpegnathos, da im Gegensatz zu zB Diacamma spp. auch eine Königinnenkaste vorhanden ist. Die Kolonien mit Gamergate sichern so das Fortbestehen ihrer eigenen Gene und sichern so die Nachkommenschaft vor "Verschmutzung" durch fremde Gene.
Ein Austausch kommt so also nur bei der Begattung der gynomorphen Königin zustande.
Das hat Vorteile wie auch Nachteile. Zum einen ist so der Genaustausch beschränkter, zum anderen setzen sich so das Erbgut der Königin aber mit Sicherheit durch, was auch das Ziel jedes Tieres ist. Wobei mir spontan keine andere Art einfällt, von der ich gelesen hätte, bei der dies ebenfalls so ist. Da scheint Harpegnathos saltator auch recht eigen zu sein.

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#19 AW: Harpegnathos saltator - Video

Beitrag von GinToxic » 15. März 2011, 18:59

Heisst also, es werden durchaus Geschlechtstiere, männliche und weibliche, aufgezogen, die sich dann auch mit fremden Tieren aus anderen Kolonien verpaaren. Sollte aber in einer vorhandenen Kolonie die Königin, oder die begattete Gamergate sterben, so wird eine Arbeiterin durch ein "eigenes" Männchen begattet.

Bei anderen bekannten Ponerinae(Mymercia, Diacamma) werden die Arbeiterinnen von "fremden" Männchen begattet und somit zu Gamergates, so richtig?

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#20 AW: Harpegnathos saltator - Video

Beitrag von Baumarkthammer » 15. März 2011, 20:30

Jagdverhalten
Beim Jagen verlassen sich die Arbeiterinnen zur Lokalisierung von Beute ganz auf ihr Sehvermögen.
Die Beute wird mit den Augen fixiert und mit wackelnden Links-/Rechtsbewegungen ihres ganzen Körpers zielstrebig verfolgt. Dieses „Wackeln“ ist noch nicht erforscht und lässt auf eine Spezialisierung bezüglich des Beuteschemas der Ameisen spekulieren. Das gute Sehvermögen ist ein weiterer Fakt aus dem die Nestdekoration sehr interessant ist und lässt vermuten, dass diese Dekoration vielleicht zur Orientierung dienen könnte, da die Augen der Ameisen stark nach vorne konzentriert sind, fällt es den Arbeiterinnen schwer sich zu orientieren, während sie die erstochene Beute tragen.
Ist die Ameise beim Jagen erst nahe genug gekommen, springt sie ihre Beute an, diese Sprünge können bis etwa 10cm weit sein [16] Anschließend wird die Beute gestochen und betäubt ins Nest gebracht, wo sie betäubt aufbewahrt wird.
Harpegnathos saltator ist eine der wenigen Ameisenarten die springen kann und die ihr Sprungverhalten auch als normale Fortbewegungsmethode benutzt [17]
Die Arbeiterinnen jagen, wegen ihres solitären Jagdverhaltens meist Beute die kleiner oder etwa gleich groß ist wie die Arbeiterinnen selber. Dabei ist das Geschick beim Überwältigen von Spinnen bemerkenswert, wie z.B. Springspinnen (Marpissa cf. muscosa ) und Zitterspinnen (Pholcus phalangioides), welche während meiner Beobachtungen gezielter und geschickter angesprungen wurden als andere Tiere (meist Acheta domesticus in adultem oder subadultem Stadien). Die Verfütterung dieser Spinnen an Larven aber auch an Imagines scheint den Tieren auch deutlich einfacher zu Fallen als die Verfütterung von den meisten Insekten, bewirkt durch die Beschaffenheit der Tiere, die Spinnen scheinen im Vergleich zu anderen Tieren weicher zu sein. Dieses Jagdverhalten lässt auf eine Spezialisierung der Tiere schließen. Es müssten allerdings Beobachtungen im Freiland unternommen werden, um diese These zu bestätigen.

Nestbau
Die Nester von Harpegnathos saltator weisen eine ungewöhnliche Struktur auf. Sie bestehen nur aus wenigen Kammern und werden auf komplizierte Weise im Boden angelegt. Der Hauptgrund dafür ist, wie schon erwähnt, die Monsunzeit.
Die Ameisen legen eine oder einige wenige flache Kammern dicht unter der Erdoberfläche an.
Von innen ist das Nest mit zerrissenen Hüllen von geschlüpften Puppen [19] (siehe Bild 2 in Anhang) bedeckt, diese dienen, auch bei Vorhandensein von anderem Material, als Verpuppungshilfe für die Larven; Bei der Verpuppung werden die Larven komplett in diese zerrissenen Hüllen eingegraben.

Bild

Bild

Das Nest von Harpegnathos saltator ist also sehr wertvollem, da ohne diese Fetzen von Puppenhüllen die Verpuppung von Larven nur sehr schwer möglich ist. Dieses Verhalten wurde als „Wall-papering“ bezeichnet [20]

Bild

Außerdem kommt es vor, dass eine tiefergelegene Kammer vorhanden ist, wahrscheinlich als Wasserabfluss.
beiterinnen.
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16 C. Baroni Urbani, G. S. Boyan, A. Blarer, J. Billen und T. M. Musthak Ali: A novel mechanism for jumping in the indian ant Harpegnathos saltator (Jerdon) (Formicidae, Ponerinae). Cellular and Molecular Life Sciences, Volume 50, Supplement 1. 1993 Zeile 21
17 C. Baroni Urbani, G. S. Boyan, A. Blarer, J. Billen und T. M. Musthak Ali: A novel mechanism for jumping in the indian ant Harpegnathos saltator (Jerdon) (Formicidae, Ponerinae). Cellular and Molecular Life Sciences, Volume 50, Supplement 1. 1993 Abstract Zeile 1f.
19 http://www.springerlink.com/content/p041l3573925q817/ Stand vom 2.3.2011
20 C. Peeters, B. Hölldobler, M. Moffett und T. M. Musthak Ali:“Wall-papering” and elaborate nest architecture in the ponerine ant Harpegnathos saltator. Insectes Sociaux Volume 41, Number 2, 1993 Titel
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@GinToxic, die gynomorphen Königinnen werden nur von Männchen aus fremden Kolonien begattet.
Die Gamergates, von denen es übrigens durchaus mehrere geben kann, werden nur von Männchen aus der eigenen Kolonie begattet. Übrigens nur wenn sie jung sind steht in einer der Quellen. Die Kolonie wird also mit dem Erscheinen von Gamergates polygyn. Es werden wahrscheinlich, ab den Zeitpunkt ab dem Männchen hervorgebracht werden, dauernd Arbeiterinnen begattet, legen dann nur nicht unbedingt Eier, weil sie in der Hierarchie zu weit unten sind.
Bei Diacamma kann die Begattung auch von Männchen aus der eigenen Kolonie erfolgen, muss es allerdings nicht.
Myrmecia, die du wahrscheinlich meinst, sind keine Ponerinae, haben so weit ich weiß auch sehr selten Gamergates. Die wahrscheinlich von dir gemeinten, hier "gängigen" Arten, haben keine Gamergates.

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#21 AW: Harpegnathos saltator - Haltungsbericht

Beitrag von Baumarkthammer » 16. März 2011, 22:01

Körperbau von Harpegnathos saltator
Wie für Ponerinae üblich unterscheidet sich die Gynomorphen und Arbeiterinnen nicht so sehr wie bei Formicinae und anderen Ameisen-Unterfamilien.
Die monomorphen Arbeiterinnen sind etwa 1,5cm die Gynomorphen etwa 1,7cm lang und sehr schlank, sowohl die Arbeiterinnen als auch die Gynomorphen haben hell braune säbelartige Mandibeln, die am Ansatz verdickt sind und zum Mandibelende schpitz zulaufen und mit zahlreichen Zähnchen und Härchen bedeckt sind. Die Mandibeln haben eine sehr große Fläche und sind zum Festhalten von Beute gedacht, sind aber ansonsten mit ihrer Länge von etwa 4-5mm hinderlich bei anderen Tätigkeiten wie Nahrungszerlegung und hindern die Arbeiterinnen auch teils daran sich selber zu säubern.

Bild

Der Kopf (Caput) der Tiere ist im Vergleich zum Rest vom Körper der Arbeiterinnen breiter und verfügt in etwa über 1291±159 um³, mandibelnaher Muskelmasse [22], was in Relation zur Gesamtmasse der Arbeiterinnen im Vergleich zu anderen Ameisen der Unterfamilie Ponerinae viel ist, was auf ebenfalls eine Anpassung an das räuberische Leben der Tiere ist. Zum Vergleich hat Diacamma spp. in etwa nur 282±11 um³ nah an den Mandibeln gelagerter Muskelmasse [23], trotz vergleichbarer Größe. Die Augen der Arbeiterinnen sind stark nach vorne fokussiert und verfügen über etwa 1400 Ommatidien [24]. Des weiteren verfügen die Arbeiterinnen über drei Ocellen auf der Kopfvorderseite.
Caput, Thorax der Ameisen. Der Begriff ist von den Spinnen entliehen, jedoch bei Ameisen eher fraglich, da es hier kein Prosoma gibt. Der Begriff Mesosoma soll auf die Umkonstruktion des Thorax aufmerksam machen, der ja ein zusätzliches Segment vom Abdomen dazu bekommen hat.">Mesosoma und Metasoma haben eine einheitliche braune Färbung, die Gaster ist schwarz. Bei Arbeiterinnen ist der Prothorax nur sehr lose mit dem Mesothorax verbunden, was dem Prothorax und dem Kopf eine sehr große Flexibilität verleiht. Die am Prothorax befindlichen Beine sind etwa 5mm lang.
Der Mesothorax mit dem angewachsenen Epinotum ist sehr flach auf den Metathorax aufgewachsen, welcher wiederum ebenfalls sehr abgeflacht ist. Hierdurch sind das zweite und dritte Beinpaar auffällig weit weg vom ersten Beinpaar angelagert.

Bild

Der Petiolus ist relativ dünn und ebenfalls bräunlich. Die Gaster hat die für Ponerinae typische Einschnürung und ist länglich und dünn.
Der sehr gestreckte Körperbau ist eine weitere bemerkenswerte Anpassung von Harpegnathos saltator an die räuberische Lebensart. Durch die beiden langen hinteren Beinpaare (Beine des zweiten Beinpaares sind 1cm lang, die des dritten 1,3cm) die weit hinten sitzen, ist es den Tieren möglich auf den beiden hinteren Beinpaaren zu stehen und trotzdem ihr Gaster unter den Beine hindurchzuführen und ihrem Beutetier einen paralysierenden Stich zu versetzen, welches durch das vorderste Beinpaar und die Mandibeln festgehalten wird.

Bild

Die langen sehr kräftigen Hinterbeine verleihen den Tieren auch ihre Sprungkraft. Durch synchrone Bewegungen der hinteren beiden Beinpaare ist es den Tieren möglich ihre Sprünge zu vollbringen [25]
Meso- und Metathorax sind bei den Gynomorphen und den Männchen die Vorder- bzw. Hinterflügel eingelenkt. Die Gaster der Gynomorphen ist dicker als die der Arbeiterinnen. Die Gynomorphen zeigen einen für ihre Familie typischen Aufbau des Mesosomas. Die Königinnen haben ebenfalls drei Ocellen auf der Kopfvorderseite.
Insgesamt sind die Königinnen etwas größer als die Arbeiterinnen.

Bild


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22 Jürgen Paul und Wulfila Gronnenberg: OPTIMIZING FORCE AND VELOCITY: MANDIBLE MUSCLE FIBRE ATTACHMENTS IN ANTS 3 March 1999 Table 1
23 Jürgen Paul und Wulfila Gronnenberg: OPTIMIZING FORCE AND VELOCITY: MANDIBLE MUSCLE FIBRE ATTACHMENTS IN ANTS 3 March 1999 Table 1
24 C. Baroni Urbani, G. S. Boyan, A. Blarer, J. Billen und T. M. Musthak Ali: A novel mechanism for jumping in the indian ant Harpegnathos saltator (Jerdon) (Formicidae, Ponerinae). Cellular and Molecular Life Sciences, Volume 50, Supplement 1. 1993 Zeile 35
25 http://www.springerlink.com/content/v63866v044t078v8/ Stand vom 2.3.2011 Zeile 4
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#22 AW: Harpegnathos saltator - Haltungsbericht

Beitrag von Baumarkthammer » 23. März 2011, 15:13

Nestdekoration
Die Nestdekoration von Harpegnathos saltator ist aus vorher genannten Gründen sehr interessant. Es lässt sich kaum erklären warum die Ameisen genau das Nest dekorieren, es können aber einige Spekulationen gemacht werden.
Zunächst lässt sich vermuten, dass die furagierenden Arbeiterinnen Probleme damit haben könnten ihr Nest, besonders wenn sie Beute zurück ins Nest tragen, zu finden. Die Beute wird nämlich stets vor den Augen getragen, weswegen es naheliegend ist, dass sie das Sichtfeld der Tiere beeinträchtigt. Eine auffällige Nestdekoration wäre also bei der Orientierung der Arbeiterinnen hilfreich.
Außerdem könnten während der Monsunzeit die wahrscheinlich schimmelnden und verwesenden Pflanzenreste weit weniger wasserdurchlässig sein, als der Lehmboden in dem die Nester angelegt sind. Dies wäre nur eine der zahlreichen Anpassungen an die Monsunzeit die bei dem Nestbau der Tiere eine zentrale Rolle spielen.
Da Harpegnathos saltator aber wahrscheinlich vorwiegend auf Grasflächen vorkommen ist es auch möglich, dass das angeschleppte Pflanzenmaterial als Tarnung fungiert.
Die Ameisen könnten auch mit der Dekoration potentielle Beute anlocken.
Es ist also nicht möglich, in einem Versuch festzustellen wozu das Nest dekoriert wird, dazu müssten Freilandbeobachtungen gemacht werden.
Es können aber Versuche gemacht werden zu der Dekorationsweise der Ameisen. Diese Dekorationsweise will ich in meinem Versuch etwas genauer untersuchen.

Versuchsaufbau
Materialien & Durchführung
Der Versuch wurde mit einer 40 Arbeiterinnen großen Kolonie Harpegnathos saltator durchgeführt. Die Gyne ist vorhanden und es sind keine Gamergates in der Kolonie. Erste Alate (nur Gynomorphen) sind schon zur Welt gekommen. Es ist Brut in allen Stadien vorhanden.
Als Dekorationsmaterial wurden zunächst mit Lebensmittelfarbe eingefärbte Papierstückchen vom Maß 5mmx5mm angeboten, später wurden zerschnittene Blattstücke (keine Blütenstücke) von Nidularium spp., verschiedene vertrocknete und grüne Laubblätter angeboten (Quercus spp., Rubus sectio, Fagus spp. und andere) später wurden auch zerschnittene Blüten, sowie Blütenstiele und Blätter von Galanthus spp. angeboten, sowie Rinde verschiedener Bäume und Blütenstücke einer gelben Narcissus spp. angeboten, sowie Narcissus spp. in Lila, Rot und weiß.
Die Kolonie lebte während des Versuches in einem etwa 20x25cm großem Beobachtungsnest, welches zur Kontrolle der Tiere eine Scheibe an der Oberseite hat, während des Versuches war das Nest verdeckt und wurde nur zu Kontrollzwecken eingesehen. Das Nest wurde aus Ytongstein gemacht.
Das Nest war mit einem etwa 7cm langem Schlauch mit einem Becken (1m lang, 20cm breit, 40cm hoch, Glas und Holz) verbunden, welches 10cm hoch mit rötlich brauner Lehmerde gefüllt war. Zu Versuchsbeginn der Schlauch etwa 3cm unter der Oberfläche in die Erde geleitet, die Ameisen sollten sich ausgraben und den nun neu entstandenen Ausgang dekorieren.
Wie in 3.1 schon bemerkt, ist ein Umzug bei diesen Ameisen höchst unwahrscheinlich, deswegen wurde vorausgesetzt, dass die Kolonie im Nest bleiben würde. Die relative Luftfeuchtigkeit während des Versuches in dem Becken betrug
etwa 80%±10% und die Temperatur schwankte zwischen 20 und 23°C, was für die Tiere angemessen ist. Das Nest wurde warmgehalten, bei etwa 23°C±4°C.
Der Lehmboden war während des Versuches mäßig feucht, um ein Ausschwärmen der Alaten unwahrscheinlicher zu machen, welche, wie unter 3.1 gesagt, bei starken Regenfällen bzw. hoher Bodenfeuchte zum Schwärmen verleitet werden könnten.
Das Becken stand während des Versuches vor dem Fenster, damit Sonnenlicht einfällt, so sollte gewährleistet, dass der Versuch nicht durch künstliches Licht von Leuchtkörpern verfälscht wird.

Beobachtung
Am ersten Tag, an dem nur die genormten und gefärbten Papierstücke angeboten wurden, fand keine Dekoration statt, im weiteren Verlauf des Versuches wurden diese Papierstücke weiterhin ignoriert. Am dritten Tag wurden die genannten Laubblätter (trocken/braun und frisch/grün), verschiedenen Blüten und der Rest des naturbelassenen Materials angeboten. Am dritten Tag wurden hauptsächlich die grünen Blätter zum Nest getragen und zuerst unstrukturiert verteilt, vereinzelt nahmen Arbeiterinnen vertrocknete Stücke der Laubblätter an und legten sie zu den grünen Blattstücken.
Um 21Uhr am vierten Tag (es war bereits kein Tageslicht vorhanden) begann ein Tier die Blattstücke räumlich zu trennen. Dabei wurden die braunen/trockenen Blattstücke mittig gelagert, die grünen wurden zur Fensterseite angeordnet. Um 22Uhr wurde die Arbeiterin von einer anderen Arbeiterin abgelöst, die nun das Umsortieren weiterführte.
Am morgen (um 12Uhr) des fünften Tages war das komplette grüne Laub unter das trockene geschichtet worden. Gegen 15Uhr begannen einzelne Arbeiterinnen gezielt aus dem Nest zu kommen um das Nest zu dekorieren, angebotene Futtertiere wurden dabei ignoriert! Es wurden nun erstmals Stücke von Papier angenommen, welche bogenförmig am Eingang angelagert wurden, es wurde allerdings nur das ungefärbte weiße Papier genommen, welches auch Ausgangsstoff für die restlichen Papierproben war. Es wurden auch Blütenstücke von den Narcissus spp. und auf einem Haufen auf Fensterseite angeordnet. Im späteren Tagesverlauf wurden auch einige Stücke Rinde in das Nest getragen und den Larven bei der Verpuppung angelegt. Die gezielt Material tragenden Arbeiterinnen zeigten bei der Auswahl des Materials ein neues Verhalten, das Material wurde nun äußerst intensiv mit den Fühlern untersucht.
Die Arbeiterinnen zeigen ein bemerkenswertes Verhalten am Nesteingang: werden sie durch Außenfaktoren erschrocken, so springen sie schnell unter trockene Laubstücke und verharren so bewegungslos.
Am sechsten Tag gegen 14Uhr wurde der Nesteingang stark verkleinert indem grüne Papierstücke in den Eingangstunnel gezogen wurden und teilweise darüber gelegt wurden. Sämtliche Blütenstücke wurden mit trockenen Laubblättern überdeckt.
Es zeigte sich erster Schimmel, welcher von den Tieren nicht beachtet wurde.
Da der Lehmboden im Beobachtungsbecken trocken wurde und anfing an einigen Stellen trocken und staubig zu werden wurde erstmalig der Lehmboden bewässert.
Am Morgen des siebten Tages wurde der Nesteingang mit Pflanzenmaterial verschlossen und blieb vier Tage verschlossen. Es schien nicht als würden Versuche unternommen werden das Nest wieder zu öffnen, Anordnung des Pflanzenmaterials blieb gleich.
Da kein Fressen mehr im Nest vorhanden war und das Wohlergehen der Tiere so unter Gefahr stand musste das Experiment an dieser Stelle abgebrochen werden.
Während des ganzen Experimentes wurden nur drei Rindenstücke in das Nest eingetragen, keine Laubblätter etc.
Während des ganzen Versuches wurden Materialstücke in verschiedensten Größen verbaut, teilweise hatten die Arbeiterinnen wegen der Größe erhebliche Probleme diese zu tragen. Am Ende war auf einer Grundschicht aus überwiegend grünen Laubblättern verschiedenster Pflanzen ein Ring aus vertrocknetem Laub und wiederum darauf ein Ring aus weißem Papier zu erkennen.

Bild

Auswertung
Aus dem Fakt, dass die gefärbten und genormten Papierstücke nicht angenommen wurden, hingegen das ungefärbte weiße Papier, lässt sich ableiten, dass eines Kriterien der Tiere wohl der Geruch bzw. die Beschaffenheit ist, die Farben dieser gefärbten Papierstücke unterschieden sich kaum von den der naturbelassenen Materialien.
Da die benutzten Materialien räumlich aufgeteilt waren lässt sich sagen, dass die Tiere wahrscheinlich Vorzüge in der Farbwahl haben, bzw. einige Farben gezielt ordnen. So wurden braune Materialien auf Grüne gelegt; Gelbe Blütenstücke wurden stets vom weißen Papier getrennt. Außerdem wurden bis auf die Gelben Narcissus spp. Stückchen alle anderen Stücke dieses Materials ignoriert.
Es lässt sich also eindeutig sagen, dass die Arbeiterinnen ihre Materialwahl von der Farbe aber auch von der sonstigen Beschaffenheit der Materialien abhängig machen, allerdings scheint die Farbe ein sehr wichtiger Faktor zu sein.


Das war meine Facharbeit "Verhaltensbeobachtungen an der exotischen Ameisenart Harpegnathos saltator", ich hoffe sie hat euch gefallen.
Alle Bilder wurden selber gemacht, alle Messungen wie Mandibellänge etc wurden selber gemacht oder sind mit Fußnoten markiert. Die Messungen wurden entweder an lebenden oder an frisch toten Ameisen vorgenommen, eine Verfälschung der Messungen durch Vertrocknung ist also ausgeschlossen.

Weiter zur Haltung
Einige Zeit her habe ich von zwei zusammengewachsenen Puppen berichtet. Es ist leider kein Einzelfall geblieben.
Die Ameisen legen öfters mehrere Larven zur Verpuppung auf einen Haufen Puppenreste. Da die Larven sehr wenig Platz haben neigen sie dazu sich leicht zu verkleben.
Die Arbeiterinnen versuchen dann oft die verklebten Larven zu trennen, schaffen es nur nicht immer.
Im Extremfall verkleben sich drei Puppen, vielleicht auch mehr.

Bild

Es wurden während der Versuche für meine Facharbeit auch große Rindenstücke zwischen die Larven gelegt, meiner Meinung nach um sie eben daran zu hindern sich aneindner zu verpuppen.

Bild

Zu Zeiten des Fotos hat sich leider keine Lave verpuppt. Außer diesen schweren Rindenstücken wurden übrigens keine anderen Materialien ins Nest getragen. Auch kein Sand als Verpuppungsmaterial, was ich erwartet habe.
Es kommen übrigens endlich mehr Geschlechtstiere als Arbeiterinnen zur Welt. Die Jungköniginnen schwärmen zum Glück auch noch nicht, denn ich habe keinerlei Männchen, was mich etwas stört. Ich habe auch versucht von anderen Haltern Männchen zu erhalten, aber vergebens. Zumal es scheint, dass keine anderen Halter mehr vorhanden sind? Sollte jemand aber Männchen von Harpegnathos saltator haben, kann er sich gerne melden.
Dateianhänge
GEDC0012.JPG
P1020733.JPG

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#23 AW: Harpegnathos saltator - Haltungserfahrungen

Beitrag von Baumarkthammer » 18. Juni 2011, 23:02

Falls ihr gezweifelt habt; Ja, die Kolonie gibts noch. Ich habe sie nicht abgegeben.
Nach meiner Facharbeit gibt es doch recht wenig über die Kolonie zu berichten. Es passiert außerdem nicht viel neues.
Die Ameisen ziehen keine Männchen auf und haben auch aufgehört Jungköniginnen aufzuziehen, was mir nicht so ungelegen kommt.
Die Königin lebt immernoch und ist immernoch sehr vital. Sie hält die Kolonie immernoch in Schach, obwohl ich die Kolonie jetzt etwa so lange habe, wie das durchschnittliche Lebensalter einer Königin unter den oft so hoch gelobten Laborbedingungen gewäsen ist. Man bedenke dabei, dass die Kolonie als ich sie bekommen habe schon für die Art relativ groß war.

Die Königin sieht sich nun aber neuen Rivalinnen gegenüber.
Eine Jungkönigin hat schon vor einiger Zeit ihre Flügel abgeworfen und scheint die reproduktive Königin etwas zu ärgern. Immer wieder wird die flügellose Jungkönigin von ihr verscheucht.

Bild

Königinnen sind rechts und links mittig, leider etwas unscharf.

Unter den Arbeiterinnen richtet das etwas Verwirrung an wie man im Bild auch sieht, sie müssen ausweichen.
Am Verhalten kann man die beiden zum Glück gut unterscheiden.
Die reproduktive Königin bewegt sich langsam und gemächlich, sie hält sich außerdem meistens auf dem Puppenberg auf und lässt sich putzen.
Die flügellose Jungkönigin muss selber etwas Arbeiten und bewegt sich weitestgehend wie eine Arbeiterin.

Mehr gibt es aber zu der Kolonie nicht zu sagen.

Bild

[Wenn die Bilder nicht sichtbar sind, bitte PM an mich!]

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#24 AW: Harpegnathos saltator - Haltungserfahrungen

Beitrag von Baumarkthammer » 16. September 2011, 17:17

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