Kannenpflanzen: Ringelreihen der Evolution!

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#1 Kannenpflanzen: Ringelreihen der Evolution!

Beitrag von Gast » 24. Januar 2014, 08:58

Carnivor, herbivor, detritivor, Räuber, Parasiten, Symbionten, Ko-Evolution: In unglaublicher Vielfalt hat sich die Evolution in der Gattung Nepenthes, bei den tropischen Kannenpflanzen ausgetobt!
Es gibt hier ja einige User, die neben den Ameisen auch fleischfressende Pflanzen betreuen.
„Die Fallensteller“
ist der Titel einer wunderbaren Dokumentation in der Zeitschrift GEO vom Februar 2014. Ich kann nur empfehlen, sich das Heft zu beschaffen (D: 6,90 €).

„Eigentlich“ erwartet man ja, dass solche Pflanzen Tiere, vor allem Insekten, anlocken und in den Fallen verdauen.
Aber: Da gibt es Nepenthes ampullaria, eine Kannenpflanze, die ihre großen Behälter am Waldboden aufstellt. Die Deckel sind reduziert und stehen weit offen: Laub und Detritus fallen vom Kronendach hinein und werden dort zu Pflanzennahrung „kompostiert“.

Die Rajah-Brookes Kannenpflanze auf Borneo produziert reichlich Nektar, anscheinend am Deckel, lockt damit Spitzhörnchen (Tupaias, Scandentia) an und lässt sich mit dem Kot der kleinen Säuger füttern. Gleichzeitig leben in ihren Kannen zahlreiche Mückenlarven, die gegen das saure Verdauungs-Gebräu resistent sind.

Die Ameisenart Camponotus schmitzi, die in angeschwollenen Blattstielen von Nepenthes bicalcarata wohnt, ihre Wirtspflanze verteidigt und aus ihren Fangtrichtern rechtmäßige Insektenbeute klaut, ist uns bereits länger bekannt: http://www.ameisenwiki.de/index.php/Camponotus_schmitzihttp://www.ameisenwiki.de/index.php/Camponotus_schmitzi
Aber das ist schon ein „alter Hut“, wenn man erfährt, dass in den lang gestreckten Kannen von Nepenthes hemsleyana eine kleine, nachts Insekten jagende Fledermaus gut geschützt den Tag verbringt: Ihr Kot und Urin sind prächtiger Dünger, der direkt in die „Verdauungsflüssigkeit“ der Kannen gerät!

Und schon kaum noch glaubwürdig: Am Mount Kinabalu in Borneo gibt es gleich mehrere Froscharten, die ihre Eier in Kannenpflanzen ablegen, und deren Kaulquappen sich unverdaut in diesem Milieu entwickeln! Was sich wohl sonst noch in den rund 100 Arten der Kannenpflanzen verbergen mag?

Dabei habe der große Begründer der Systematik, Carl von Linné, 1786 auf einen Bericht über die Fleisch fressende Venusfliegenfalle recht unwirsch reagiert: So etwas gibt es nicht, das verstößt gegen die gottgewollte Ordnung der Natur!

Fazit: Lesenswert in jedem Fall, und mit fantastischen Bildern belegt!

MfG,
Merkur

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#2 AW: Kannenpflanzen: Ringelreihen der Evolution!

Beitrag von Erfurter Ameisenjung » 29. Januar 2014, 20:22

Kleiner Beitrag dazu:

In dem aktuellen GEO-Magazin (Ausgabe Februar 2014) findet ihr einen sehr interessanten Beitrag über Camponotus schmitzi, dass ich euch empfehlen möchte. Es ist eingebettet in eine Reportage über carnivore Pflanzen und wirklich toll bebildert. Inhaltlich geht es um die Symbiose zwischen den Ameisen und der Pflanze. Auch die anderen von Merkur angesprochenen weiteren Unglaublichen Kooperationen zwischen Pflanze und Tier.

So sieht die Zeitschrift aus:
http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geo_magazin/das-himalaya-experiment-76886.html#page/1
Um die Ameisen geht es auf Seite 36-40

Ich möchte keine Werbung für GEO machen. Die paar Seiten, in denen es um die Ameisen geht, kann man auch mal im Stehen im Bahnhofskiosk lesen. Allein für die Bilder lohnt es sich.

Grüße
Ameisenjung
Armeisen!!!

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