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Polyrhachis dives - Haltungserfahrungen

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Jogi-Bär
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#1 Polyrhachis dives - Haltungserfahrungen

Beitrag von Jogi-Bär » 13. Juni 2005, 13:01

Haltungserfahrung bei Polyrhachis dives

Meine Polyrhachis dives kommen aus Indonesien wo diese Art weitverbreitet ist und sich verschiedene Lebensräume erschlossen haben. Die Nester dieser Ameisenart bestehen aus Gras und Moos die mit den Spinnfäden der Larven zusammengewebt werden.


Unterfamilie: Formicinae
Gattung: Polyrhachis
Art: dives
Vorkommen: Indonesien
Kasten: keine,
Königin: ca. 9-10mm groß, schwarz, Thorax und Gaster mit Gold-Schleier
Arbeiterinnen: schwarz, Thorax und Gaster mit Gold-Schleier
Arbeiterinnen: ca. 6 - 8mm
Nahrung: Insekten, Honig/Zucker - Wasser
Temperatur: heiß, (25 - 30°C)
Luftfeuchtigkeit: >60%
Nest: Stein- oder Wurzelhöhle bereitstellen
Nestbaumaterial: kurze Heu- oder Grashalme, Moos und Sandpartikel
Bodenbeschaffenheit: Sand/Lehm, etwa 2cm hoch
Haltungsklasse: Fortgeschrittene


[color="Indigo"]Eigene Erfahrungen[/color]

Formicariumseinrichtung:
Meine Kolonie ist im Februar 2005 in ein Aquarium mit den Maßen 40x25x25cm eingezogen, in dem eine Kunststeinhöhle steht, die aus dem Aquariumszubehör stammte. Diese hat den Vorteil, das sie sehr leicht und innen hohl ist. So habe ich nur geringen Raumverlust und die Ameisen können auch in dem Kunststein ihr Nest ausbauen. Außerdem ist ein Aquarium über ein Schlauchsystem angeschlossen, das die Maße 80x35x40 cm hat. Dieses ist als Tropenformicarium eingerichtet, mit Wurzeln, künstlichem Wasserlauf und Pflanzen. Bei der Bepflanzung habe ich mich für Tillandsien und verschiedene Hydrokulturpflanzen entschieden, die nicht soviel Ansprüche an die Lichtverhältnisse stellen. Besonderen Wert legte ich bei der Einrichtung darauf, das sich die Ameisen 3 dimensional fortbewegen können. Also auch in die Höhe klettern können, so das eine insgesamt sehr viel größere Lauffläche für die Ameisen vorhanden ist. Damit will ich sie animieren ein natürlicheres Verhalten an den Tag zu legen. Dies wird auch durch das Schlauchwegesystem unterstützt, wo die Ameisen durch Schlauchschleifen längere Wege zurücklegen können. Beleuchtet werden beide Formicarien durch eine 100cm lange Aquariumabdeckung die hängend über den Aquarien angebracht wurde. Als Ausbruchsicherung habe ich Abdeckungen aus Glas beim großen Aquarium und Plexiglas auf dem kleinen Aquarium liegen. Dies hat den Vorteil das ich eine höhere Luftfeuchtigkeit halten kann, ich keinen häßlichen Talkumrand habe und die Verschraubungen für mein Schlauchwegesystem in die Deckeln anbringen konnte. Belüftet werden beide Aquarien durch Entlüftungslöcher, die mit Haushaltssieben, bei denen der Griff entfernt wurde verschlossen sind. Auf dem unteren Rand der Siebe habe ich eine Dichtung aus Silikon gespritzt. So liegen diese nun Plan auf, und die Ameisen können nicht durch einen möglichen Spalt zwischen Glas und Sieb entweichen.

Brut:
Als die Kolonie ankam, bestand diese aus etwa 100 Arbeiterinnen aber sehr wenig Larven. Dies war ein Problem, da die zu geringe Anzahl der Larven eine sofortige Umsiedelung ins Formicarium ausschloß.Die Arbeiterinnen brauchen zum Nestbau zwingend die großen Larven, da diese das Nistmaterial verweben. Hier bewahrheitet sich wieder, Geduld ist eine der größten Tugenden beim halten von Ameisen. Also wurden die Mädels mit dem Transportbehälter ins Formicarium gestellt, damit sie nicht ohne Haus und Heim dastehen. Nach 3 Wochen hatten sie dann ein gewisse Anzahl an größeren Larven, so das ich eine Zwangsräumung ihrer Fertigbehausung durchführte. Binnen eines Tages wurde aus Heu, Sand und der Larvenseide eine erst Unterkunft in die Kunststeinhöhle gebaut. Dabei konnte man sehr gut beobachten, wie die Arbeiterinnen die Larven hielten, und diese einen Faden absonderten, der die verschiedenen Baumaterialien verband. Was mich erstaunte, war die Tatsache, das sich die Larven, obwohl sie schon für den Nestbau ihre Fäden verwenden, danach immer noch genug Energie hatten, ihre Puppenkokons zu weben. Ich ging immer davon aus, das die Larven ihr ganzes „Pulver“ für den Nestbau verwenden und dann nach der verpuppung als Nacktpuppen im Nest verbleiben. Bei diesen Maisen bekommt der Begriff Kinderarbeit eben eine ganz neue Dimension!

Futter:
Beim Futter sind sie nicht gerade wählerisch. Für die Mädels biete ich Zuckerwasser an, dem eifrig zugesprochenwird. Zusätzlich bekommen sie noch Trinkwasser angeboten, das oft aufgesucht wird. Insekten werden aktiv erjagt. Selbst Heimchen werden innerhalb von 5-10 Minuten nach einsetzen ins Formicarium erlegt. Da helfen auch Sprungbeine wenig, wenn 50 „Raubinsekten“ auf der Jagd sind. Ansonsten werden alle Insekten angenommen und an die hungrigen Larven verfüttert. Sie nehmen bei mir auch sehr gerne Tetra Rubin Fischflockenfutter. Anfangs hatte ich die Befürchtung das sie dies zum ausbau ihres Nestes verwenden, doch dies hat sich zum Glück als Trugschluß erwiesen. Bild

Bauverhalten:

Bei diesen Ameisen, braucht man sich wegen des Nestes kaum Gedanken machen, denn hier arbeiten Frauen! Man sollte ihnen kurze Heuhalme, Sand und Moos zur Verfügung stellen und den Rest erledigen die Mädels. Es ist erstaunlich mit welcher Geschwindigkeit eine neue Kammer gebaut wird. Innerhalb von 3 bis 4 Stunden ist eine neue Kammer bezugsfertig. Die Wände sind weich und elastisch wenn man sie berührt. Bild

Verhalten:
Die Ameisen sind ausgesprochen tagaktiv. Dies kann man besonders morgens erkennen, wenn die Beleuchtung sich einschaltet sind nur sehr wehnige Tiere unterwegs. Auch konnte ich Bautätigkeiten meist nachmittags beobachten.

Geschlechtstiere:
Nach 31/2 Wochen fand ich ein totes Männchen im Formicarium, seit diesem Zeitpunkt keine weiteren Geschlechtstiere! Besonderheiten: Die Tiere sind außergewöhnlich friedlich! Nur bei der zwangsräumung ihres Transportbehälters wurde ich angegriffen.Dies beschränkte sich aber nur auf ein zwicken in Finger und Hand. Das Bauverhalten ist bei dieser Art hoch interessant. Es ist nicht so spektakulär wie bei Oecophylla smaragdina, doch vom Grundprinzip ist es gleich. Man nehme Larven, etwas Baumaterialien und verwebe alles zu einem Nest. Die rekrutierung um eine neue Futterquellen zu erschließen ist sagenhaft, innerhalb von einigen Minuten ist der Kadaver eines frischgetöteten Heimchen von Ameisen bedeckt und dies obwohl die Verstärkung erst über einen 1m langen Verbindungs-Schlauch vom kleineren Nestformicarium rekrutiert werden muß.

Probleme und Gefahren:
In den ersten 2 Monaten hatte ich eine ungewöhnlich hohe Sterblichkeitsrate bei den Arbeiterinnen. Ich habe daraufhin die Luftfeuchtigkeit im Nestformicarium gesengt, Temeratur erhöht und die Insekten-Nahrung variiert. Was der Ausschlag für die anschließende Besserung war, kann ich im nachhinein nicht sagen. Ich denke das hier einige Faktoren zusammen gekommen sind und die Probleme verursacht haben. Auch ist darauf zu achten das den Ameisen stets Trinkwasser angeboten wird, da dies zum befeuchten der Brut und des Nestes zwingend gebraucht wird. Weitere Probleme sind bis jetzt nicht aufgetreten. Hier kann über den Haltungsbericht diskutiert werden Hier geht es zum Tropenformicarium in dem die Tiere leben.

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#2

Beitrag von Jogi-Bär » 20. Juni 2005, 14:22

Update 20.06.2005:

Der Kolonie geht es ausgezeichnet!
Hatte vor kurzem eine Krise (im nachhinein hatte nur ich die Krise, nicht die Ameisen) als die Tiere komplett aus dem Nest ausgezogen sind und sich in den Verbindungsschläuchen einquartierten. Dies gab mir zumindest die möglichkeit die Entwicklung des Volkes zu kontrollieren. Was ich sah war nur erfreulich. Jede Menge Brut, vom Ei bis zur Puppe war alles vorhanden. Allerdings wären meine Mädels keine Kanditaten für das „Big Brother Dorf“, denn nach dem sie eingezogen sind, begannen sie auch schon die Schläuche mit Spinnseide zuverkleiden, was einen Einblick ungemein erschwerde.
Anfangs versuchte ich die Ameisen wieder zum auszug zu bewegen, in dem ich die Schläuche mit einem Spotstrahler anleuchtete, dies hatte aber nur zur folge, das die Brut in einem kühleren Teil der Schläuche gelagert wurde. Auch konnte ich feststellen das die Ameisen Wasser in die Schläuche transportierten, da diese von innen mit Wasser benetzt waren, was vor dem Einzug nicht der Fall war.
Ich habe den Versuch einer Zwangsräumung abgebrochen und mir Gedanken gemacht, was den Auszug aus dem Nest provoziert hatte. Da ich am Tag vor dem Auszug den Spotstrahler zulange anließ, vermutete ich, das die Temperatur im Nest zu hoch wurde und zwangsläufig die Luftfeuchtigkeit zu stark absank.
Also habe ich darauf verzichtet das Nest direkt zu erwärmen. Die Richtigkeit meiner Theorie zeigte sich eine Woche später als die Tiere mit dem Großteil der Brut ins Ausgangsnest zurückzogen.
Ein Teil der Ameisen blieb in den Schlauchsegmenten, die nicht als Durchgangsweg vom Nistformicarium zum Tropenformicarium dienten. So habe ich in diesen Schlauchschleifen kleine „Zweignester“ die aber wenig Brut enthalten.
Mittlerweile wurde der Ausbau am alten Nest wieder aufgenommen. Hier wurde sogar bis an die Scheibe gebaut. so das ich in eine Kammer sehen kann. Dies habe ich mit roter Folie abgeklebt, in der Hoffnung das die Scheibe nicht zugesponnen wird und ich weiterhin in die Kammer blicken kann. Die Kammer hat die Größe einer Walnuss. Gestern wurde eine weitere Kammer angebaut und ich konnte beobachten wie eine Zwischenwand aufgebrochen wurde um eine Verbindung zwischen beide Kammern zu schaffen.


Bild
"Haben Sie einen Termin bei Queen-mum?"

Bei der Nahrung bin ich dazu übergegangen die großen Heimchen abzutöten, bevor ich sie verfüttere, da die Mädels mit ausgewachsenen Heimchen doch etwas Probleme beim erjagen haben. Kleinere Heimchen werden weiterhin lebend ins Tropenformicarium gegeben und von den Ameisen erjagt. Einige konnten sich erfolgreich vor den Ameisen verstecken, so das jetzt einige ausgewachsene Tiere im Tropenformicarium zirpen. Diese haben auch schon die Blattläuse meiner Mädels weggefressen. Auch wird von den Heimchen das Flockenfutter das die Ameisen am Tag nicht gefressen haben, in der Nacht weggeputzt. Hier offenbarte sich ein weiterer Vorteil meiner Glasabdeckung. Denn ohne dieser, hätte ich bestimmt schon einige Ausbrecher in der Wohnung, da ausgewachsene Heimchen recht sprungstark sind. Ich bin guter Dinge das auch diese „Untermieter“ irgendwann von meinen Mädels erlegt werden und den Weg alles vergänglichen gehen(hoffentlich bald, den die Nachtkonzerte sind verd... lautX()!

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#3

Beitrag von Jogi-Bär » 19. September 2005, 12:28

Update 19.09.2005:

Die Kolonie hat jetzt eine Größe von etwa 700 Workerinnen. Da sehr viele Arbeiterinnen im Nest bleiben und ich darin keinen Einblick habe, kann ich die Anzahl nur aufgrund der Ausdienstler schätzen.
Als ich das Nestformicarium mit einem Spotstrahler erwärmte, haben die Arbeiterinnen die Puppen zum erwärmen darunter gelagert. Bei dieser Gelegenheit konnte ich Puppen sehen die in Größe und Umfang von den Arbeiterpuppen abwichen. Da Polyrhachis dives monomorph sind und ich bis dato auch keinen Größenunterschied bei den Puppen festgestellt habe, könnten dies meine ersten Königinnen-Puppen sein.
Habe zur besseren Beurteilung eine große und 3 Arbeiterinnenpuppen entnommen und abgelichtet.
Da schon des öfteren auch Männchen auftauchten, bin ich gespannt wie sich alles weiter entwickelt.
Bild
Bild
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Habe wegen des rasanten Wachstums der Kolonie die Fütterung im Nestformicarium eingestellt, da die Ameisen den Abfall nicht ins größere Aquarium transportieren und durch den erhöhten Verbrauch von Futterinsekten zuviel Abfall im Nestaquarium verbleibt. Der ist schwer zu entfernen, da hier die größte Ameisendichte vorherrscht und in Nestnähe, bei Störung, diese sehr agressiv reagieren.
Stattdessen habe ich einen durchsichtigen 5 Liter Eimer angeschlossen, der leicht zu reinigen geht. Wird eine Großreinigung durchgeführt, ersetze ich den Eimer durch einen sauberen, so ist dir Streßbelastung für die Tiere auf ein Minimum reduziert ist. Wenn man den Austausch der Eimer in den frühen Morgenstunden vornimmt, halten sich kaum Arbeiterinnen darin auf, die eingefangen und zurückgesetzt werden müssen.
Der begrenzte Platz im Eimer ermöglicht es nun, sprungstarke Insekten lebend zu verfüttern, da kaum Raum vorhanden ist, den Arbeiterinnen auf Dauer zu entkommen.
Mittlerweile ist der Nahrungsverbrauch auf 10-15 Grashüpfer am Tag angestiegen. Zur Zeit ist dies noch kein Problem da man Grashüpfer auf den abgemähten Wiesen leicht mit der Hand fangen kann.

Bild
Hier sieht man den Eimer mit dem Schlauchanschluß.

Bild
So sieht es im Eimer aus, wenn sich die Mädels mit den Heuhüpfern "vergnügt" haben.

Werde mir für den Winter eine alternative Nahrungsquelle überlegen müssen, da der Zukauf von diesen Mengen an Heimchen mein “Haushaltsgeld“ stark beanspruchen würde. Eine eigene Zucht ist wegen der lauten „Liebesgesänge“ der Männchen und des knappen Raumangebotes nicht realisierbar.
Habe Versuche mit Hackfleisch durchgeführt, mit geringem Erfolg. Argentinische Waldschaben werden erst nach deren Ableben interessant, da zuvor der Chitinpanzer die Schaben vor den Ameisen schützte und nach dem Dahinscheiden der weiche Bauch Angriffsfläche bietet, um ans Innere der Schabe zu kommen.
Stabheuschrecken wurden, solang dies fit waren auch nicht beachtet. Erst wenn diese etwas hinfällig wurden, haben die Ameisen Notiz von den Baculum extradentatum genommen, was mit dem baldigen Ableben des Insekts endete.
Bild
Stabheuschrecke bei der Häutung.

Werde noch einige Versuche mit Shrimps, Ei und Katzenfutter durchführen um weitere Alternativen auszutesten.
Der Zuckerwasserverbrauch ist der Arbeiterinnenzahl entsprechend. Am Tag werden um die 10 ml konsumiert. Seit einigen Wochen biete ich das Zuckerwasser in einem Wasserspender für Ziervögel an, so brauche ich nicht jeden Tag das Zuckerwasser erneuern.
Mittlerweile habe ich Milben entdeckt, die im Abfall leben. An den Ameisen oder ihrer Brut sind diese Milben nicht anzutreffen. Werde dies aber weiterhin beobachten.

Im Tropenformicarium muß eine Umgestaltung vorgenommen werden. Das Zimmer-Efeu
vertrug die konstant hohe Luftfeuchtigkeit nicht und faulte nach einiger Zeit. Nun bin ich dabei mir andere Pflanzen nachzuziehen, die mit dem Klima besser zurecht kommen.
Durch die hohe Luftfeuchtigkeit hat sich die Wurzel, aus der ich den Wasserlauf gestaltet habe, verzogen und es entstanden Risse, durch die das Wasser tropft. Nun muß der Wasserlauf nachbearbeitet werden um eine Dichtigkeit zu gewährleisten.
Im Tropenformicarium habe ich außerdem Kellerassel, Silberfischchen und Moderkäfer eingesetzt, die den Abfall in den Spalten und unzugänglichen Stellen entsorgen sollen.
Außer den Kellerassel habe ich keine dieser Untermieter wiedergesehen. Ein Ausbruch kann ausgeschlossen werden, da das Aquarium dicht ist. Selbst die Microheimchen die vor einiger Zeit aufgetreten sind, weil einige erwachsene Heimchen den Mädels immer wieder entkamen und für Nachkommenschaft sorgten, konnten daraus nicht entweichen.

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#4

Beitrag von Jogi-Bär » 6. Februar 2006, 14:58

Update 06.02.2006:

Nach langer Zeit wieder ein Bericht über meine Polyrhachis dives.
Die Vermutung, das die größeren Puppen weibliche Geschlechtstiere sind, hat sich bestätigt.
2 Wochen nach der Sichtung der Puppen, konnte ich die ersten Jungköniginnen beobachten. Vorwiegend kurz vor Sonnenaufgang und in den ersten Morgenstunden waren diese dann am aktivsten. Hier konnte ich auch beobachten, wie einige Jungköniginnen versuchten abzufliegen. Da beide Formicarien einen Deckel besitzen, war dies nicht von Erfolg gekrönt. Interessant war auch die Tatsache das einige Gyne bereits ohne Flügel unterwegs waren. Ob diese schon ohne Flügel schlüpften, oder recht schnell nach dem schlüpfen diese verloren, kann ich nicht sagen. Jedoch bin ich ziemlich sicher, das diese flügellose Jungköniginnen nicht begattet waren, da erstens keine Männchen vorhanden waren und die flügellosen Jungköniginnen nach einigen Wochen verstarben.
Also, war dann in der Folgezeit mein Motto: „es müssen Männer her“!
Dies war leichter gesagt, als getan. Meine Aufrufe an die „Ameisenfreaks“ in Deutschland nach Polyrhachis-Männchen wurden nicht erhört. Meine Kolonie hatte nur Jungköniginnen hervorgebracht, also was tun?
Ich separierte einige Arbeiterinnen mit 4 ArbeiterinnenPuppen, um eine Eiablage zu provozieren. Jedoch haben weder die Arbeiterinnen noch die später geschlüpften Jungarbeiterinnen, unbefruchtete Eier gelegt. Anscheinend haben bei dieser Ameisen-Art die Arbeiterinnen die Fähigkeit verloren, Eier zu legen, wenn keine befruchtete Königin vorhanden ist.
Daraufhin setzte ich mich mit Herrn Kalytta in Verbindung. Er hatte zu diesem Zeitpunkt leider auch keine. Er versprach mir allerdings, sobald eine seiner Kolonien Männchen hätte, mir diese mit einigen Arbeiterinnen zuzuschicken.
Also war Geduld angesagt. Auch war mir nicht klar, wie lange die Arbeiterinnen, die Jungköniginnen im Nest tolerieren. Ich konnte immer wieder beobachten, wie plötzlich eine Jungkönigin von Arbeiterinnen attackiert und dann getötet wurde. Jedoch waren dies immer einzelne Aktionen, gegen ein bestimmtes Tier.
Bis zum heutigen Tag leben immer noch einige Prinzessinen unbehelligt in der Kolonie.
Kurz vor Weihnachten war es soweit.
Ich bekam Post! Eine Briefsendung mit 15 Männchen und einigen Arbeiterinnen.
Danke hierfür nochmals an Herrn Kalytta!
Leider war ich gerade voll im Umzugsstress, so das ich erst einmal versuchte die zukünftigen „Mama`s und Papa`s“ in einem leeren Aquarium mit einigen Ästen zur Kopulation zu bewegen. Hat nicht funktioniert!
Also nächster Versuch:
Habe in den Morgenstunden, als die Jungköniginnen wieder besonders aktiv waren, ein Männchen ins Formicarium gesetzt. Auch dies hat nicht funktioniert, sondern nur das Ableben des Männchens beschleunigt.
Dann habe ich 3 Jungköniginnen zu den Männchen mit ihren Pflegearbeiterinnen gesetzt.
2 Jungköniginnen verstarben binnen einer Woche. Eine überlebte und wurde akzeptiert, nur zur kopulation kam es nicht.
Nun gingen mir die Ideen aus. Im Zimmer die Ameisen fliegen zu lassen kam nicht in Frage.
Mittlerweile lebt auch nur noch ein Männchen. Er und die eine Queen leben in trauter Zweisamkeit zusammen, wie Bruder und Schwester.
Da mein Umzug nun abgeschlossen ist, werde ich nun versuchen dem letzten Männchen
doch noch seine Schüchternheit auszutreiben.

Eine andere Beobachtung hat mich in Erstaunen versetzt! Ich war immer davon ausgegangen, das Weberameisen keine Erdgänge anlegen.
Nun konnte ich genau dieses bei meinen Ameisen beobachten. Es wurden Gänge in die Erdschicht gegraben, so das auch hier Brut gelagert wurde.
Die letzten 4 Monate hat auch der Eiweißverbrauch stark nachgelassen, so das man davon ausgehen kann, das in den Wintermonaten weniger Brut produziert wird.
Diese Beobachtung wurde mir auch von einem anderen Halter bestätigt.
Es werden immer noch 2-4 große Heimchen am Tag gefressen, doch kein Vergleich zu den Sommermonaten.

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