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Myrmecia pavida - Haltungserfahrungen

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Darius
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#1 Myrmecia pavida - Haltungserfahrungen

Beitrag von Darius » 8. September 2005, 19:17

Bei der Haltung meiner Myrmecia Kolonie wollte ich natürlich nichts falsch machen. Daher habe ich vor der Anschaffung erst einmal in meinen Büchern nachgeguckt, ob sich dadrin etwas über Bulldoggenameisen finden ließe. Meine Hoffnungen wurden jedoch leider enttäuscht. Die meisten literarischen Werke gaben gar keine Auskunft über diese speziellen Tiere und wenn überhaupt etwas darin stand, waren es nur ein oder zwei Seiten, deren Inhalt mir nicht bei der Haltung weiterhelfen konnte. Ich habe mich also an den Computer gesetzt und in diesem Forum sämtliche Threads über Myrmecia gelesen. Besonders die Haltungserfahrungen haben mir sehr weiter geholfen. Trotz all der interessanten Berichte war ich zwar von den Tieren sehr beeindruckt, aber immer noch nicht überzeugt, ob ich mir wirklich eine Kolonie zulegen sollte. Meine größtes Problem bestand in den angeblich ja so schmerzhaften und gefährlichen Stichen dieser Ameisenart. Nach einem Telefonat mit Frank war ich aber guter Dinge - er sagte mir, dass die Stiche zwar im vergleich zu denen von anderen Ameisen schmerzhafter sind, aber einem Menschen nur sehr selten wirklich lebensgefährlich werden. Meine Haltungserfahrungen zeigen bisher auch, wie sehr Medien eine Tierart in Verruf bringen können. Die Ameisen meiner Myrmecia Kolonie haben bisher nur einmal bei einer Neststörung aggressiv reagiert. Letztendlich habe ich mich ja glücklicher Weise doch für die Haltung dieser faszinierenden Tiere entschieden.
Der ein oder andere hat sicher keine Probleme damit sich Tiere anzuschaffen, über die er nichts weiß, von deren Gewohnheiten und nötigen Pflege er keine Ahnung hat. Das sind aber bestimmt die Wenigsten. Viele Tierhalter sind jedoch um das Wohlergehen ihrer Tiere bemüht. Meistens kann man auch nur dann ihr natürliches Verhalten wirklich beobachten, wenn man ihren Bedürfnissen nachkommt und ihnen ihren Lebensraum möglichst naturgetreu nachahmt. Ohne die dafür nötigen Informationen ist das aber oft nicht möglich, ja meistens sogar eine Quälerei für die Tiere. Daher finde ich es wichtig seine Erfahrungen, besonders von so selten gehaltenen Tieren, mit anderen Menschen zu teilen.
Das Formicarium meiner Myrmecia ist waldähnlich eingerichtet. Der Untergrund besteht aus Sand, oben drüber habe ich Tannennadeln gestreut. Hier und da liegen ein paar Stücken Rinde. Außerdem habe ich das Ganze mit einem Tannenzapfen und einem Schneckenhaus verziert. In der linken oberen Ecke befindet sich ein Stück Moos. In dem 30cmx20cmx20cm (lxhxb) großen Becken liegen auch ein großer Stein so wie ein kleiner und ein großer Stock. Ich beheize das Becken nicht extra, so das die Temperatur Tag wie Nacht bei ca. 23°C liegt. Als Abdeckung benutze ich der Zeit noch ein zurechtgebogenes Stück Fliegendraht. Die Ameisen leben in einem Ytongnest, dass auf einer Höhe mit der Erde abschließt, d.h. eigentlich sind die drei Kammern unterirdisch. Zur Verschönerung hat mein Vater das Nest braun angemalt.
Am Sonntag vor etwa 4 Wochen war es dann so weit. Frank kam mich besuchen und brachte mir die Kolonie in einem alten Marmeladeglas mit. Sie bestand aus der Königin, einer Arbeiterin so wie einer Larve. In dem Glas hatten sie ein Stück Pappe, um sich zu verstecken. Aufgeregt wie ich war legte ich das Glas auf den Sandboden des Formicariums und öffnete es vorsichtig. Zunächst versteckte die Arbeiterin sich hinter der Pappe, so das nur die Königin zu sehen war. Nach kurzem Zögern verlies die Königin das Glas um den ersten, kurzen Erkundungsgang zu machen. Nach kurzer Zeit, vielleicht 20 oder 30 Sekunden, kehrte sie zum Glas zurück und guckte nach der Arbeiterin und der Brut.
Diesen Moment nutzte ich aus und legte der Königin eine halb tote Kellerassel hin, welche sie aber völlig ignorierte. Aus Angst, die Assel würde die Brut anknabbern nahm ich sie bald wieder heraus. Nachdem die Königin sah, dass im Glas noch alles in Ordnung war, verlies sie es wieder, um abermals die Gegend zu erforschen. Auch dieses Mal kehrte sie bald wieder zurück. Jetzt wartete eine angequetschte Zitterspinne darauf, gefressen zu werden. Daran dachte die Königin aber nicht, im Gegenteil, erst musterte sie die Spinne misstrauisch, als diese mit dem Bein zuckte wurde sie hochkant aus dem Marmeladeglas geworfen. Dann ging es wider auf Erkundungstour. Das Hin- und Hergelaufe wiederholte sich vielleicht 10 Minuten lang immer wieder, wobei die Queen immer mehr Zeit außerhalb des Glases verbrachte. Nun wurde auch die Arbeiterin neugierig und half der Königin ein geeignetes Nest zu finden. Zunächst wurde das gesamte Formicarium untersucht. Auch nachdem der Eingang zum Ytongnest gefunden wurde, zogen sie nicht gleich ein. Erst als ich mich etwa eine halbe Stunde vom Nest abgewannt hatte und danach wieder hineinguckte, war die Kolonie mit Sack und Pack umgezogen. Ich bot (und biete) den Tierchen Wasser, so wie Zuckerwasser an und probierte es noch am gleichen Tag mit einem dritten Futtertier: einem Grashüpfer. Dieser wurde angenommen und der Larve angeboten, welche einen riesigen Hunger hatte. Am nächsten Tag war der ganze Grashüpfer aufgefressen. In den folgenden drei Tagen futterten die Kleinen einen Grashüpfer und zwei Fliegen. Dann hatten sie aber auf Fliegen scheinbar keinen Appetit mehr, denn diese wurden auf einmal nicht mehr angerührt. Jetzt, nach dem das Nest bezogen wurde, stellten sich die Erkundungsgänge langsam ein. Eine Woche lang kümmerte sich die Arbeiterin um die Larve und die Königin bewachte den Nesteingang. Doch dann tat sich etwas im Ameisenhaus. Die Hoheit begann mit der Eiablage. Innerhalb kurzer Zeit legte sie 10 Eier, welche fort an gehegt und gepflegt wurden. Noch am gleichen Tag konnte ich beobachten, wie die Arbeiterin Sand in das Nest trug und ihn auf die Larve legte. Am nächsten Tag lag an der Stelle keine Larve mehr, sondern eine Puppe. Bis jetzt ist noch keine Arbeiterin oder Larve geschlüpft. Ich glaube aber nicht, dass es noch allzulange dauern wird. Auch wird momentan keine tierische Kost angenommen. Ich mache mir deswegen keine Sorgen, denn sie haben ja zur Zeit keine Larven. Ab und zu lege ich trotzdem einen Grashüpfer vor den Nesteingang. Es könnte ja sein, dass die Königin für eine evtl. erneute Eiablage Eiweiß benötigt.
Falls es etwas Neues zu berichten gibt werde ich es euch natürlich nicht vorenthalten.

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Darius
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#2 Neues von meinen Myrmecia

Beitrag von Darius » 22. Juni 2006, 10:36

Mittlerweile habe ich noch ein paar weitere Puppen von fab bekommen, wodurch meine Kolonie nach dem Schlupf aller Tiere aus 3 Arbeiterinnen und 3 weiblichen Geschlechtstieren bestand. Die beiden geschlüpften Geschlechtstiere haben sich nach ein paar Tagen ihre Flügel abgestreift, wodurch ich sie nicht mehr von der eigentlichen Königin unterscheiden kann. Nun wurden wieder Eier gelegt, welche aber nie lange existierten sondern immer nach ein paar Tagen wieder gefressen wurden. Ich bot den Myrmecia weiterhin Wasser, Honigwasser und ab und zu Insekten (Heimchen) an. Die Futtertiere wurden zwar eingetragen und ab und zu wurde auch ein bisschen von ihnen gefressen, aber es wurden nun keine neuen Eier mehr gelegt. So hielt ich die Myrmecia bestimmt 5 Monate ohne, dass neue Brut hinzu kam. Doch dann im Frühling wurden plötzlich wieder Eier gelegt, die auch 2 Wochen lang überlebten doch auch diese wurden wieder gefressen, ein paar Tage später wurden wieder neue Eier gelegt, die abermals gefressen wurden. So geht es bis jetzt noch. Nun ist die erste Arbeiterin gestorben. Außerdem habe ich in das Becken noch ein paar Leptothorax sp. gesetzt, die eine Eichel bewohnen. Ab und zu kommen die Myrmecia aus ihrem Ytongnest heraus und trinken etwas von dem Honigwasser. Viel mehr Neues gibt es leider nicht zu berichten, da die Koloniegründung nicht erfolgreich war. Ich habe die Kolonie Mathis geschenkt, der sie in 4 Wochen bei mir abholen wird. Er kann sie dann noch beobachten und Erfahrungen mit den Tieren sammeln. Mein Haltungsbericht ist an dieser Stelle also beendet, es sei denn Mathis will ihn weiterführen.

Grüsse, Darius

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Mathis Funke
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#3

Beitrag von Mathis Funke » 22. Juni 2006, 13:06

Tja so ist das. Hier nochmal ein fettes Dankeschön an Darius. :D. Hab leider kaum zeit was zu schreiben aber schonmal soviel: Die Hoffnung stirbt zuletzt ;)

Gruß Mathis
"Du Floh am Sack eines toten Kamels, wenn du mich noch einmal ansprichst kastrier ich dich."

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