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Polyrhachis spec. - Haltungserfahrungen

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#1 Polyrhachis spec. - Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 21. Mai 2009, 14:46

[SIZE="5"][color="DarkRed"]Polyrhachis spec.[/color][/SIZE]


Bei dieser Art ist es nicht möglich, Einblick in das Nest zu erhalten. Darum werde ich hier nur regelmässig über meine Erfahrungen, Beobachtungen und Erlebnisse mit diesen Ameisen schreiben.



[SIZE="3"][color="DarkRed"]Taxonomie[/color][/SIZE]
Subfamilia: Formicinae
Tribus: Camponotini
Genus: Polyrhachis Smith, 1857
Species: Unbestimmte Polyrhachis Art.


[SIZE="3"][color="DarkRed"]Allgemeines[/color][/SIZE]
Heimat: Indonesien
Habitat: Tropischer Regenwald
Kolonie: Vermutlich monogyn.
Koloniegröße: Gering
Gründung: ?
Arbeiterinnen: Monomorph
Nestbau: Webt Nester zwischen Blätter.
Nahrung: Zuckerwasser und Insekten.
Winterruhe: Keine (siehe Herkunftsland)


[SIZE="3"][color="DarkRed"]Aussehen / Färbung[/color][/SIZE]
Königin: Schwarz mit metallisch-silbrigem Glanz und rötlichen Beinen, ca. 10 mm
Arbeiterinnen: Wie Königin, ca 5-6 mm
Alle Morphen besitzen deutlich sichtbare Dornen.
Männchen: ?


[SIZE="3"][color="DarkRed"]Bemerkungen[/color][/SIZE]
Kleine friedliche Polyrhachisart welche Ihre zierlichen Gespinstnester zwischen Blättern anlegt. Die Kolonien sind nicht sehr volkreich und so auch ideal für ein Gemeinschaftsbecken.


Wie bei allen tropischen Arten, sollte der Infektionsthread beachtet werden.


Hier kann diskutiert werden.

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#2 AW: Polyrhachis spec. - Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 21. Mai 2009, 14:57

[SIZE="5"][color="DarkRed"]Haltungsbericht[/color][/SIZE]



Ankunft

Am 20.05.2009 sollte das Packet bei mir ankommen. Natürlich bin ich gleich von der Arbeit nach hause gefahren um nachzusehen ob das Packet da war. Da war es!
Wie immer hatte der Briefträger es vor meine Wohnungstür gelegt.
Schnell war es aufgemacht und nach den Ameisen gesehen.
Das also sind sie, meine ersten Polyrhachis. Was hat man von ihren Verwandten, den Polyrhachis dives, nicht schon alles vor Schauergeschichten gehört.
Diese Art jedoch ist um einiges kleiner und wird auch bei weitem nicht so Volksstark.

Jedenfalls befand sich im Reagenzglas ein kleines Blätternest und einige Ameisen mit Brut.
Schnell war nachgezählt. Neben der Königin, welche nur etwas größer als die 9 Arbeiterinnen ist, befinden sich noch 4 Puppen, eine größere Larve und einige Eier und kleine Laven im RG.

Bild
Das Reagenzglas mit dem alten Blattnest und den Ameisen.


Diese Art soll im asiatische Gemeinschaftsbecken, zusammen mit meinen Myrmicaria arachnoides und meinen Harpegnathos venator leben.

Bild
Das asiatische Tropenbecken.

Also hab ich das RG in das Becken gelegt und den Verschluss vom Nest gezogen. Schell waren die ersten Tiere dabei das neue Reich zu erkunden. Ja, und schnell sind sie auch, diese Ameisen.
Jedenfalls erkundeten die Arbeiterinnen bald schon das gesamte Becken und ich verlies erstmal die Wohnung um noch andere Dinge zu erledigen.
Später, als ich wieder heimkam und eigentlich nur noch ins Bett wollte, sah ich noch mal kurz nach meinen neuen Mitbewohnern. Und siehe da, erwischte ich doch eine Arbeiterin dabei, wie sie eine Puppe aus dem RG trug. Jetzt war ich natürlich neugierig wo hin sie diese brachte.
Erst mal ging es die Scheibe hoch und die Decke entlang. Dabei kam schon die nächste Arbeiterin mit der großen Larve aus dem Nest gelaufen und eilte die selbe Strecke hinter der anderen her.
Doch wo wollen die denn hin?
Ich traute meinen Augen nicht, die zwängten sich doch tatsächlich durch einen kleinen Spalt und liefen direkt zum Lampenkasten und dort in ein kleines Loch.
Jetzt kam der Moment, in welchen ich in nackte Panik verfiel.
Aus dem Aquarium im Berliner Zoo wusste ich ja schon, dass diese Gattung äusserst ausbruchsfreudig ist, aber dass meine neuen Ameisen gleich am selben Abend noch das weite suchten verblüffte mich dann doch etwas.
Zum Glück haben sich die kleinen Racker da mit dem Falschen angelegt.
In Windeseile hab ich die Arbeiterinnen mit der Brut eingefangen und die restlichen Tiere ins RG gesperrt. Dann nahm ich den Beleuchtungskasten vom Becken um nachzusehen wo sich die Königin und die restlichen Ameisen verbargen. Zu meiner Erleichterung haben sie sich nur in zwei Schraubenlöcher eingenistet. Diese sind nicht tief und ich könnte die Ameisen und die Brut daraus hervorlocken und auch einsperren.
Anschließen hab ich wieder alle ins RG gesperrt und dieses erstmal gut verschlossen. Als Strafe mussten sie die Nacht hinter Schloss und Riegel verbringen.
Na und ich konnte mich erst mal von dem Schreck erholen bevor ich dann endlich ins Bett gehen konnte.

Bild
Der Lampenkasten mit den Schraubenlöchern.

Morgens entschloss ich mich dann dazu, diese Ameisen vorerst in einer Haushaltsdose unter zu bringen. Da noch kaum Larven vorhanden sind um ein Nest zu weben, werde ich sie erstmal etwas aufziehen.
Jedenfalls hab ich ihnen ein neues Reagenzglas hergerichtet und mit Alufolie umwickelt.
Dort können sie erstmal einziehen wenn sie wollen.
Ansonsten haben sie etwas Zuckerwasser bekommen und einige Fruchtfliegen. Beides haben sie mit großer Gier angenommen.

Bild
Die Haushaltsdose mit den beiden Reagenzgläsern. Auch hier dient Moos als Feuchtigkeitsspeicher und tropische Asseln und Springschwänze als Aufräumkolonne.

Bild
Eine der Arbeiterinnen.

So viel zu meinen ersten Erlebnissen mit dieser Gattung. Ich befürchte jedoch, dass es in in nächster Zeit noch einiges mehr zu berichten gibt.^^

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#3 AW: Polyrhachis spec. - Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 27. Juli 2009, 20:10

27.07.2009

Umzug in neues Becken.

So, nachdem es nicht geklappt hat diese Art mit den Myrmicaria arachnoides zusammen zu halten, hab ich sie jetzt in das Becken der südamerikanischen Camponotus sp. gesetzt.
Die Myrmicaria haben ja fast sofort versucht die Polyrhachis zu vernichten.
Die Camponotus waren, bzw. sind zwar auch recht aufgeregt über ihre neuen Mitbewohner, lassen diese jedoch bisher völlig in ruhe. Auch wenn es schon etliche Kontakte gegeben hat. Man geht sich dann schnell aus dem Weg.

Für den Umzug hab ich die Haushaltsdose, in welcher die Polyrhachis bisher lebten in das Becken gestellt und an einer Ecke den Deckel geöffnet.
Wie zu erwarten, sind die ersten Arbeiterinnen schon nach kurzer Zeit aus der Box gekommen und haben ihre neue Umgebung erkundet.
Keinen Tag später sind sie aus ihrem Reagenzglas aus zwischen den Blättern einer Guzmania gezogen.
Dort sind sie gerade fleißig dabei mit allerlei Zeugs ein Nest zu weben.
Dabei wächst die Pflanze sozusagen auf dem Dach des Camponotus Nestes. Bin mal gespannt, ob die ihre neuen Nachbarn dort dulden werden.
Allerdings sind die Polyrhachis sehr viel schneller und agiler als die Camponotus. Ich denke, dass es schon klappen wird mit der Gemeinschaftshaltung dieser beiden Arten.
Die Polyrhachis haben ja auch nur kleine Völker. Merkt man schon am Wachstum, denn sie haben es seit ich sie halte noch nicht mal auf 20 Arbeiterinnen gebracht.

Na ja, werden mal beobachten wie es mit dem Füttern und so funktioniert. Die Camponotus können mit ihrer großen Anzahl und den Majoren die Futtertiere leicht für sich vereinnahmen. Aber man kann ja recht gezielt füttern. Am Zuckerwasser werden sie sich schon einigen.

Das Nest:
Bild
Noch unfertig, müssen erst neue Larven aufgezogen werden damit sie weiteres Material verweben können.

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#4

Beitrag von swagman » 20. November 2009, 19:45

20.11.2009


Rettung der Kolonie.

Heute war es soweit, als ich von der Arbeit heimgekommen bin und wie üblich als allererstes nach meinen Ameisen gesehen habe, da entdeckte ich die komplette Kolonie der Polyrhachis spec. am Deckel des Terrariums.
Fast jede Ameise, inklusive der Königin, trug Brut mit sich herum und alle liefen ziemlich aufgeregt am Glas auf und ab.
Ein Blick zu ihrem Nest bestätigte meine Befürchtungen, dort waren einige der Camponotus spec. versammelt. Auch eine der noch wenigen lebenden Major-Arbeiterinnen war dabei.
Anscheinend ist das Camponotus Volk nun so groß geworden, dass sie ihr Territorium nun vollends für sich beanspruchen und die anderen Ameisenkolonie aus ihrem Nest gejagt haben.
Ich konnte zwar beobachten, dass die Camponotus versucht haben die Polyrhachis festzusetzen, aber diese sind einfach schneller und stärker und können sich gut befreien.

Jedenfalls hab ich eiligst ein Reagenzglas hergerichtet und in eine der Haushaltsdosen getan, welche ich ja gerne für Ameisen verwende. Dann hab ich die Polyrhachis einzeln samt Brut gefangen und in die Dose gesetzt.
Die Kolonie ist wie erwartet nicht sehr groß und besteht nur aus 5 Arbeiterinnen und Brut.
Jetzt muss ich mir erstmal überlegen was ich mit diesen Volk mache, da ich sie ja leider nun in keinem meiner Tropenbecken halten kann.

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#5 AW: Polyrhachis spec. - Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 30. Januar 2010, 13:04

30.01.2010

Ende des Berichtes.

Tja, leider musste ich nach meiner Rückkehr aus Australien verstellen, dass die Königin gestorben ist.
Haltungsfehler während meiner Abwesenheit schließe ich aber aus, da das Volk noch eine größere Menge an Brut hat und auch die Arbeiterinnenzahl wieder gut angestiegen ist.
Schade, aber so ist es eben mit der Natur.

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