Blattschneiderameisen und Wurzeln ?

Allgemeine Fragen und Themen über exotische Ameisenarten (hier keine Berichte)
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#1 Blattschneiderameisen und Wurzeln ?

Beitrag von Gast » 24. Oktober 2012, 18:07

[font=Times New Roman]Man kennt die Bilder von Blattschneiderameisen-Nestern, die mit Beton ausgefüllt und dann ausgegraben werden: Es sind riesige Bereiche im Boden, in denen die Ameisen voluminöse Kammern und weite Laufstraßen ausheben, siehe z.B. hier:[/font]
[font=Times New Roman]http://www.israng.ch/mediawiki/index.php?title=Bild:Blattschneiderameisennest.jpg[/font]

[font=Times New Roman]Insbesondere in tropischen Waldgebieten müssen die Tiere dabei auf Unmengen von Wurzeln und Würzelchen stoßen, die der Grabarbeit im Wege sind. Mir ist bekannt, dass Pilzgärten zum Teil an solchen freigelegten Wurzeln „aufgehängt“ werden. Über eine weiter gehende Nutzung des Wurzelwerks weiß ich nichts![/font]

[font=Times New Roman]Ich frage mich daher, was die Ameisen mit dem Wurzelwerk anfangen, das ihnen beim Graben in die Quere, und sozusagen zwischen die Mandibeln kommt. Es muss eigentlich weitgehend beseitigt werden.[/font]
[font=Times New Roman]Sind solche Wurzeln Abfall, der außerhalb des Nestes auf dem Aushub landet?[/font]

[font=Times New Roman]ODER: werden auch Wurzeln klein geschnitten und als Pilzsubstrat verwertet?[/font]

[font=Times New Roman]Ich kann mich nicht erinnern, zu dem Thema je etwas gelesen zu haben. Grundsätzlich wird immer nur von oberirdisch wachsendem Pflanzenmaterial geschrieben, von Blättern, Blüten, Knospen, die von den Ameisen ins Nest eingetragen und an den Pilz „verfüttert“ werden.[/font]

[font=Times New Roman]Hier im AF gibt es ein paar User, die Zugang zur wiss. Literatur haben. Sie spreche ich besonders an: Ist Euch je etwas zu diesem Thema aufgefallen?[/font]

[font=Times New Roman]Die Halter von Blattschneiderameisen möchte ich allenfalls ganz vorsichtig fragen, ob sie je Wurzeln an ihre Kolonien „verfüttert“ haben. Vielleicht kann man auch mal vorsichtig (!) Versuche machen. – Problematisch könnte es sein, dass die Ameisen in ihren Heimatgebieten zwar Wurzeln von Pflanzen verwerten, dass sie aber mit den Wurzeln mitteleuropäischer Pflanzen nicht zurechtkommen (Giftstoffe? Repellents?). [/font]
[font=Times New Roman]Zerschnittene Möhren aus dem (unbegifteten) Garten, Wurzeln junger Brombeerpflanzen, die man leicht ausgraben kann, Wurzeln von Beerensträuchern oder Bäumen, die gerodet werden müssen … ; das wäre vielleicht erste Versuche wert.[/font]

[font=Times New Roman]Was haltet Ihr davon?[/font]

[font=Times New Roman]MfG,[/font]
[font=Times New Roman]Merkur[/font]

t0kt0k
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#2 AW: Blattschneiderameisen und Wurzeln ?

Beitrag von t0kt0k » 24. Oktober 2012, 18:22

Hallo Merkur..

Kurz dazu, ich habe bereits erfolgreich "Möhren/Karotten" an eine kleine Atta cephalotes "verfüttert". Dies war im Winter ein alternativ Material.

Ich habe diese aber nicht in einem Stück, sondern in schmalen Streifen angeboten.

Mfg Christopher

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NIPIAN
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#3 AW: Blattschneiderameisen und Wurzeln ?

Beitrag von NIPIAN » 24. Oktober 2012, 19:56

Hoi,


ich habe nächste Woche Prüfungen, danach kann ich mal den Bibliotheksausweis nutzen. Macht mich mal darauf aufmerksam, wenn ich nach den Spätschichten (nee, nix saufen, gleich nach der letzten Prüfung gehts wieder arbeiten -_-) zu beduselt für das eigenständige Erinnern bin.

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Jumpstyle
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#4 AW: Blattschneiderameisen und Wurzeln ?

Beitrag von Jumpstyle » 24. Oktober 2012, 20:54

Hallo Merkur,

ich kann zwar bei der Klärung der Frage bisher nicht mitwirken.
Aber ich finde diese Info ganz witzig:
Mir ist bekannt, dass Pilzgärten zum Teil an solchen freigelegten Wurzeln „aufgehängt“ werden.

Weil in der Haltung, in meinem Haltungsbericht auch einmal zu finden, hängen sie die Pilze öfter an die "Brücken".
Wusste nicht, dass das auch in der Natur der Fall ist.



LG Jump

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#5 AW: Blattschneiderameisen und Wurzeln ?

Beitrag von Gast » 7. November 2012, 17:19

[font=Times New Roman]Inzwischen habe ich zwei Kollegen angeschrieben, die beide viel über Blattschneider gearbeitet haben.[/font]

[font=Times New Roman]Zur Nutzung von Wurzeln als Substrat für die Pilzzucht ist beiden nichts bekannt![/font]

[font=Times New Roman]Das Aufhängen von Pilzkulturen an größeren Wurzeln ist bei Eidmann beschrieben und abgebildet:[/font]
[font=Times New Roman]Eidmann H (1932): Beiträge zur Kenntnis der Biologie, insbesondere des Nestbaus der Blattschneiderameise Atta sexdens L. - Zeitschr. Morphol. Ökol. Tiere 25:154-183.[/font]

[font=Times New Roman]Auch in einem Buch ist dies zu finden:[/font]
[font=Times New Roman]Weber NA (1972) Gardening Ants - The Attines. Philadelphia: The American Philosophical Society. [/font]

[font=Times New Roman]Ich besitze die Arbeiten leider nicht, aber habe sie früher in einer Institutsbibliothek gesehen.[/font]

[font=Times New Roman]Hier wurde ich auf eine neuere Arbeit hingewiesen: [/font]
[font=Times New Roman]Fernández-Marín H., Zimmerman J.K. and Wcislo W.T. 2004. Ecological traits and evolutionary sequence of nest establishment in fungus-growing ants (Hymenoptera, Formicidae, Attini). Biological Journal of the Linnean Society 81: 39-48.[/font]
[font=Times New Roman]http://www.stri.si.edu/sites/publications/PDFs/Wcislo_Fernandez-Marin%20et%20all%20(2004)%20BJLS.pdf[/font]

[font=Times New Roman]Es wird beschrieben, dass einige Arten der Attini während der Koloniegründung feine Wurzeln als Unterlage („platform“) für ihre ersten Pilzgärten benutzen.[/font]
[font=Times New Roman]Acromyrmex octospinosus kann so den ersten Pilzgarten an Würzelchen aufhängen, die in die Gründungskammer ragen (in der Arbeit abgebildet). - Vielleicht eine Anregung für die Gestaltung der Gründungskammern neu gekaufter Acromyrmex-Königinnen?[/font]

[font=Times New Roman]Die Arbeit enthält eine Fülle von Informationen über die Blattschneider-Koloniegründung, sowohl der ursprünglichen (z. B. Mycocepurus, Cyphomyrmex, Trachymyrmex, ...)als auch der höchst entwickelten Gattungen (Atta, Acromyrmex).[/font]
[font=Times New Roman]Ein erstaunliches Verhalten ist die Nutzung der abgeworfenen Vorderflügel als „platform“ um darauf den ersten Pilzgarten anzulegen![/font]

[font=Times New Roman]Diese Veröffentlichung von Fernández-Marín et al. (2004) sollte für jeden Blattschneider-Halter von großem Interesse sein. Klar ist gesagt, dass alle Attini einschließlich der Gattung Acromyrmex semiclaustral gründen. Nur die Arten der Gattung Atta betreiben claustrale Koloniegründung. Die Arbeit enthält darüber hinaus sehr viele weitere Informationen über den Umgang mit dem Pilz, die Lagerung der Brut, Anzahl abgelegter Eier und vieles mehr.[/font]

[font=Times New Roman]MfG,[/font]
[font=Times New Roman]Merkur[/font]

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#6 AW: Blattschneiderameisen und Wurzeln ?

Beitrag von skateduffy » 7. November 2012, 19:14

Hallo Merkur,

ich danke dir für die interessante Fragestellung und die hilfreichen Antworten, die sich daraus ergeben haben. Die Arbeit werde ich in den nächsten Tagen verschlingen. Zudem werde ich in der kommenden Woche ein paar Versuche mit feinem Wurzelwerk machen. Ich werde sowohl einzelnen Königinnen als auch einer kleinen Kolonie Wurzeln anbieten und beobachten, was damit angestellt wird.

LG Kevin
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