Camponotus compositor im 200l Becken

Unterfamilie: Formicinae
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Zitrus
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#1 Camponotus compositor im 200l Becken

Beitrag von Zitrus » 19. Februar 2020, 14:57

Nach langer Vorbereitung und nachdem ich lange genug Informationen aus euch herausgepresst habe, wie Saft aus einer Zitrone,
hier endlich der Haltungsbericht :idea:

Wie manche vielleicht in meinem anderen Thread gelesen haben, wurde mein Aquarium nach über einem Jahrzehnt Betrieb leider undicht. Ich musste es räumen und es stellte sich die Frage, was ich mit einem leeren 200l Becken anfangen soll. Ich entschied mich, mein altes Hobby wieder aufzunehmen und ein Formicarium daraus zu machen. Was zuvor aussah, wie ein Unterwasser-Dschungel...
P1050955.JPG
...gleicht nun eher einer Wüstenlandschaft.
Front.jpg
Inspiriert von einem AntsCanada-Video, war mir klar, dass ich ein größeres Stück Holz brauche und den Boden dreidimensional gestalten will, um dem Ganzen etwas optische Tiefe zu verleihen. Eine umgestürzte Kiefer lieferte mir einen sehr schönen Ast und indem ich für den Bodengrund fast ausschließlich groben Kies und nur eine dünne Schicht Sand-Lehm-Gemisch verwendet habe, konnte ich ihn nach hinten hin ziemlich hoch aufschichten, ohne Gefahr zu laufen, dass die Ameisen ein Erdnest anlegen. Ansonsten besteht die Deko aus einem Sandstein, Nadeln, Zweigen und Kiefernzapfen.

Beleuchtet wird das Becken mit zwei T5 Röhren, eine 27mm Bohrung dient als Erweiterungsmöglichkeit und damit die Ameisen nicht auf Reisen gehen, habe ich in der Abdeckung doppelseitiges Klebeband angebracht und mit Talkum bestrichen; das soll angeblich ewig halten.

Beim Nest habe ich mich für ein einfaches Ytong-Nest entschieden, welches ich mit Lehm bestrichen habe. Unter dem Nest befindet sich eine regelbare 7W Heizmatte und ein Thermometer mit Sensor ermöglicht es mir, die richtige Temperatur einzustellen. Fürs Erste ist es geschlossen. ;)
Nest.jpg
Jetzt aber endlich mal zu den Ameisen! Schon als mir die Idee mit dem Formicarium in den Sinn kam, war klar, dass es eine exotische Camponotus-Art werden soll. Letztendlich habe ich mich für C. compositor entschieden, da es sich um eine relativ unbekannte Art handelt, was einen besonderen Reiz auf mich ausgeübt hat. Außerdem sind sie, wie ich finde, ziemlich schön gefärbt und für relativ wenig Geld zu haben. Am Sonntag habe ich sie mir bestellt und nach einem Tag Versand kam gestern eine Gyne mit Arbeiterin und Brut heil bei mir an. Mein erster Gedanke war "die sind aber klein". :lol: Natürlich wusste ich zuvor, dass es sich hierbei nicht gerade um die Größte Camponotus-Art handelt aber in natura sieht die Art wirklich eher wie eine kleine Serviformica aus. :) Leider habe ich die Gelegenheit verpatzt, ein anständiges Foto zu schießen und habe nur ein Video gedreht. Vielleicht könnt ihr trotzdem erkennen, dass die Beine und Fühler dunkelrot sind. Oben links läuft eine Milbe rum aber ich nehme an, dass es sich um eine normale "Futtermilbe" handelt.


Nach dem Fotoshooting habe ich das Reagenzglas mit Alufolie eingewickelt und ins Becken gelegt. Hier wird die kleine Kolonie hoffentlich auf eine gute Größe heranwachsen, bevor sie dann ins eigentliche Nest umzieht. Im Hintergrund könnt ihr den "Sägestaub" sehen. Hoffen wir mal, dass die anderen Kreaturen im Formicarium nichts gegen Ameisen haben. :?
RG.jpg
Ich habe ihnen eine selbst gebastelte Tränke und Kohlenhydrate in Form von Honig und Dattelsirup hingestellt aber das ist bisher nicht genug gewesen, um die Arbeiterin herauszulocken. Hin und wieder geht sie mal zur Mündung vom RG und kehrt direkt wieder um. Die große Welt da draußen ist wohl noch etwas zu angsteinflößend für die kleine aber die Tage sollten noch ein paar neue Arbeiterinnen schlüpfen und Ameisen sind bekanntlich gemeinsam stark!

Sollte ich vielleicht ein bisschen Honig auf einem Stück Backpapier o.ä. direkt vor oder sogar ins RG legen?
Schließlich will ich nicht, dass sie mir verhungern. :)

Ich mache die Beleuchtung nur hin und wieder mal an und die Temperatur steigt dann auf 27°C und mehr. Ist das zu viel? Vielleicht sollte ich die Beleuchtung erstmal einfach aus lassen, ich will die Ameisen nicht versehentlich rösten. :roll:

Wie ihr seht, gehen mir die Fragen nicht aus und ich wäre sehr dankbar, wenn ihr mir im Diskussionsthread mit diesen und zukünftigen Fragen weiterhelfen würdet! camponotus-compositor-im-200l-becken-di ... 60485.html

Ansonsten vielen Dank, dass ihr in meinen Haltungsbericht geschaut habt. Natürlich wird es für den Anfang eher wenig zu berichten geben, nehme ich an, aber ich werde immer Updates posten, wenn sich was bei den Ameisen tut. ;)
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#2 Camponotus compositor im 200l Becken

Beitrag von Zitrus » 22. Februar 2020, 20:32

Nachdem die ersten Tage nichts los war, habe ich gestern verwundert festgestellt, dass sich jede Menge Stücke Sand-Lehm-Gemisch im Reagenzglas befanden. Zuerst war ich verwirrt, da ich annahm, die kleine Pygmäe sei zu schmächtig, um solche Brocken zu tragen aber dann kam sie hervor und setzte ihre Kraft unter Beweis:


Die große Nadel hat sie auch selbst angeschleppt aber das Perlite, dass ich als Baumaterial zur Verfügung gestellt habe, wurde ignoriert. :)

Was Proteine angeht, habe ich leider kein passendes Insekt im Haus aber ich habe jetzt mal ein Stückchen Katzenfutter angeboten; vielleicht
wird das ja angenommen. Ich weiß, es ist nicht optimal aber leider gab es bei MyAnts keine Fruchtfliegen. Ich werde kommende Woche welche besorgen.

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#3 Camponotus compositor im 200l Becken

Beitrag von Zitrus » 1. März 2020, 16:48

Es gibt Zuwachs! Obwohl die Arbeiterin, welche beim Erhalt der Kolonie dabei war, das Reagenzglas barrikadiert hat, konnte ich mithilfe einer
Taschenlampe erkennen, dass mehrere neue Arbeiterinnen geschlüpft sind. Sie sind aktuell noch etwas schüchtern und sitzen lieber bei Mama,
während die "erstgeborene" Pygmäe inzwischen kreuz und quer durchs Formicarium läuft. Heute habe ich erstmals eine der neuen Arbeiterinnen
außerhalb des RG's gesehen. Da die Fruchtfliegen, welche ich bestellt habe, noch nicht angekommen sind und kleinere Mücken/ Ei-Eiweiß ignoriert
wurden, entschied ich mich, ihnen eine "richtige" Fliege anzubieten, welche mit gemeinsamen Kräften erfolgreich ins RG gehievt werden konnte.



Am Ende vom Video seht ihr etwas, das ich öfters beobachten kann. Die Arbeiterin nimmt Rückstände von verdunsteten Wassertropfen auf der
Tränke auf. Ich nehme mal an, dass die Ameisen so ihren Bedarf an Mineralien decken. Hat jemand von euch Ähnliches beobachtet?

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#4 Camponotus compositor im 200l Becken

Beitrag von Zitrus » 22. März 2020, 15:03

Der Kolonie geht es soweit gut, es laufen aktuell fast immer Arbeiterinnen rum aber es hapert noch etwas mit der Kommunikation außerhalb vom RG,
da kommt es schon mal zu Missverständissen. ;) Heute gab es leckere Fruchtfliegen aus dem Gefrierfach:



Das weiße, was die andere Arbeiterin rein trägt, ist Vogelkot, den sie auf dem Ast gefunden hat... naja, wenns schmeckt. :roll:

Ansonsten gefällt ihnen der Kastanien-Honig nach wie vor sehr aber sie haben vor kurzem aufgehört, das Leitungswasser zu trinken.
Ich fülle die Tränke nun mit Wasser aus einer nahegelegenen Quelle, das gefällt ihnen anscheinend besser.

Je nachdem, wie "zu" das RG ist, kann ich mehr oder weniger die Brut erkennen, aktuell gibt es definitiv Puppen, wie es mit Larven
und Eiern steht, kann ich nicht erkennen.

Bis jetzt kann ich über diese Art sagen, dass sie sehr tagaktiv ist. Wenn ich nachts reinschaue, sehe ich nie eine Arbeiterin und was
sie überhaupt nicht leiden können, ist, wenn von draußen kühlere Luft reinzieht, dann sieht man gar nichts mehr von ihnen. ;)
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