Welche Gyne hab ich?

Berichte & Beobachtungen - Meinungen & Fragen [einheimische und exotische Arten]
Mänä
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#9 Welche Gyne hab ich?

Beitrag von Mänä » 7. Mai 2020, 12:24

Ich kann es nicht so gut erkennen. Entweder Formica oder Lasius.

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Zitrus

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#10 Welche Gyne hab ich?

Beitrag von Zitrus » 7. Mai 2020, 13:03

Malte0815 hat geschrieben:
7. Mai 2020, 12:08
Sehr spannend war mein Rückweg denn dort entdeckte ich ca. ca. 200 Meter weiter eine riesige Kolonie roter Waldameisen. Es waren bestimm 300 Wegmeter am Stück auf denen sich jeweils 100te Tiere befanden, mal auch etwas weniger aber meist wirklich sehr viele Tiere zusammen. Sind dies dann mehrere Kolonien oder gehören die wirklich zu einer? Sowas hab ich persönlich noch nie gesehen, achte jetzt aber auch natürlich ganz anders drauf also zuvor.
Bei manchen Waldameisen-Arten, wie z.B. Formica pratensis kommt Polydomie vor:
Als polydom werden Kolonien bezeichnet, die mehr als ein Nest besitzen. Polydomie kann einer Kolonie auf unterschiedliche Weise nützlich sein. Zum einen wird der Aktionsradius der Kolonie erheblich erweitert, wodurch die Kolonie eine größere Fläche belaufen kann. Zum anderen befinden sich dadurch Nester in allen Teilen des Territoriums und es fällt der Kolonie leichter, es gegen Angriffe anderer Kolonien zu verteidigen. Viele polydome Arten sind auch polygyn, jedoch gibt es hier zahlreiche Ausnahmen, beispielsweise Camponotus gigas.
https://ameisenwiki.de/index.php/Polydomie
Malte0815 hat geschrieben:
7. Mai 2020, 12:11
Ich habe mir soeben mal Bilder der Camponotus ligniperdus angesehen, wie kann ich diese denn sicher von der roten Waldameise unterscheiden? Sie sehen für mich rech ähnlich aus - etwas größer ist die Camponotus ligniperdus, oder?
Camponotus- und Formica-Arten unterscheiden sich sowohl vom Aussehen, als auch von der Größe und vom Verhalten her sehr.
Unsere heimischen Camponotus sind deutlich größer, gestreckter und ihr Thorax ist nicht wie bei Formica in zwei "Höcker" unterteilt.
Das Rot bei C.ligniperdus und C.herculeanus ist dunkler, manchmal fast violett. Camponotus sind polymorph, das heißt es gibt "normalgroße"
Arbeiterinnen (Minore), mittlere (Media) und große (Majore). Letztere können so groß werden, wie die Königin, haben aber einen verhältnismäßig
größeren Kopf und kleineren/anders geformten Thorax. Während Formica ziemlich flink unterwegs sind, vor allem bei Wärme, haben es Camponotus
meist nicht eilig und bleiben oftmals auf ihrem Weg stehen, um sich "umzusehen". Es ist typisch, einzelne Camponotus-Arbeiterinnen vorzufinden,
ohne eine weitere in Sicht, Formica (vor allem Waldameisen) sind da etwas straffer organisiert. Was Nester angeht, bauen Camponotus keine
Hügel sondern nisten für gewöhnlich in der Erde/ in Holz.
Malte0815 hat geschrieben:
7. Mai 2020, 12:18
Das waren übrigens die Arbeiter, dich ich in unmittelbarer Nähe der Gyne gesehen habe, könnt ihr mich auch sagen, was das für welche sind? Leider ist die Qualität hier nicht sehr berauschend. Das sind keine Formica oder?
Übrigens waren diese auch der Grund warum ich die Gyne überhaupt erst mitgenommen habe.
Die Ameisen sind nicht wirklich im Fokus auf den Bildern aber von der Kopfform sehen die für mich nach Lasius fuliginosus aus, könnte auch eine Serviformica-Art sein.
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#11 Welche Gyne hab ich?

Beitrag von Malte0815 » 7. Mai 2020, 15:59

Zitrus hat geschrieben:
7. Mai 2020, 13:03
Malte0815 hat geschrieben:
7. Mai 2020, 12:08
Sehr spannend war mein Rückweg denn dort entdeckte ich ca. ca. 200 Meter weiter eine riesige Kolonie roter Waldameisen. Es waren bestimm 300 Wegmeter am Stück auf denen sich jeweils 100te Tiere befanden, mal auch etwas weniger aber meist wirklich sehr viele Tiere zusammen. Sind dies dann mehrere Kolonien oder gehören die wirklich zu einer? Sowas hab ich persönlich noch nie gesehen, achte jetzt aber auch natürlich ganz anders drauf also zuvor.
Bei manchen Waldameisen-Arten, wie z.B. Formica pratensis kommt Polydomie vor:
Als polydom werden Kolonien bezeichnet, die mehr als ein Nest besitzen. Polydomie kann einer Kolonie auf unterschiedliche Weise nützlich sein. Zum einen wird der Aktionsradius der Kolonie erheblich erweitert, wodurch die Kolonie eine größere Fläche belaufen kann. Zum anderen befinden sich dadurch Nester in allen Teilen des Territoriums und es fällt der Kolonie leichter, es gegen Angriffe anderer Kolonien zu verteidigen. Viele polydome Arten sind auch polygyn, jedoch gibt es hier zahlreiche Ausnahmen, beispielsweise Camponotus gigas.
https://ameisenwiki.de/index.php/Polydomie
Malte0815 hat geschrieben:
7. Mai 2020, 12:11
Ich habe mir soeben mal Bilder der Camponotus ligniperdus angesehen, wie kann ich diese denn sicher von der roten Waldameise unterscheiden? Sie sehen für mich rech ähnlich aus - etwas größer ist die Camponotus ligniperdus, oder?
Camponotus- und Formica-Arten unterscheiden sich sowohl vom Aussehen, als auch von der Größe und vom Verhalten her sehr.
Unsere heimischen Camponotus sind deutlich größer, gestreckter und ihr Thorax ist nicht wie bei Formica in zwei "Höcker" unterteilt. Das Rot bei C.ligniperdus
und C.herculeanus ist dunkler, manchmal fast violett. Camponotus sind polymorph, das heißt es gibt "normalgroße" Arbeiterinnen (Minore), mittlere (Media) und
große (Majore). Letztere können so groß werden, wie die Königin, haben aber einen verhältnismäßig größeren Kopf und kleineren/anders geformten Thorax.
Während Formica ziemlich flink unterwegs sind, vor allem bei Wärme, haben es Camponotus meist nicht eilig und bleiben oftmals auf ihrem Weg stehen,
um sich "umzusehen". Es ist typisch, einzelne Camponotus-Arbeiterinnen vorzufinden, ohne eine weitere in Sicht, Formica (vor allem Waldameisen) sind da
etwas straffer organisiert. Was Nester angeht, bauen Camponotus keine Hügel sondern nisten für gewöhnlich in der Erde/ in Holz.
Malte0815 hat geschrieben:
7. Mai 2020, 12:18
Das waren übrigens die Arbeiter, dich ich in unmittelbarer Nähe der Gyne gesehen habe, könnt ihr mich auch sagen, was das für welche sind? Leider ist die Qualität hier nicht sehr berauschend. Das sind keine Formica oder?
Übrigens waren diese auch der Grund warum ich die Gyne überhaupt erst mitgenommen habe.
Die Ameisen sind nicht wirklich im Fokus auf den Bildern aber von der Kopfform sehen die für mich nach Lasius fuliginosus aus, könnte auch eine Serviformica-Art sein.

Super interessant! Vielen vielen Dank für eine ausführliche Antwort!
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#12 Welche Gyne hab ich?

Beitrag von Malte0815 » 7. Mai 2020, 18:42

Könnt ihr mir sagen, um welche Art es sich hier handelt? Diese habe ich direkt bei mir vor der Haustür ihr Nest befindet sich am Fuß einer großen Eiche im Boden. Auch die Eiche selbst wird fleißig erklommen.

Edit: Und könnt ihr mir eventuell ein gutes Buch zum Bestimmen der unterschiedlichen Arten empfehlen?
Dateianhänge
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#13 Welche Gyne hab ich?

Beitrag von Zitrus » 7. Mai 2020, 19:17

Dürfte Lasius fuliginosus sein. Ist auch typisch, dass sie den Baum erklimmen. Bücher kenne ich leider keine zum bestimmen,
es gab aber vor kurzem einen Thread zum Thema: https://ameisenforum.de/post428143.html?

logilogo
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#14 Welche Gyne hab ich?

Beitrag von logilogo » 7. Mai 2020, 20:31

Also ich sag da auch mal was, Wir haben draussen einen Spielplatz Mit einem angrenzendem Wald,dort habe ich mal mein Glück mit einem Baum versucht und zwar unter einem Ast unter dem war eine Wurzel und dort befanden sich Ameisen. Und das waren Lasius Niger also sieht es bei dir auch nach Lasius ???irgendwas aus. Liebe grüsse LOGO

Malte0815
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#15 Welche Gyne hab ich?

Beitrag von Malte0815 » 7. Mai 2020, 23:12

Zitrus hat geschrieben:
7. Mai 2020, 19:17
Dürfte Lasius fuliginosus sein. Ist auch typisch, dass sie den Baum erklimmen. Bücher kenne ich leider keine zum bestimmen,
es gab aber vor kurzem einen Thread zum Thema: post428143.html?
Vielen Dank, habe mir Bilder angesehen, sieht wirklich sehr sehr passend aus. Schade, auch nix fürs Reagenzglas :roll: ;)
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#16 Welche Gyne hab ich?

Beitrag von Zitrus » 7. Mai 2020, 23:31

Malte0815 hat geschrieben:
7. Mai 2020, 23:12
Schade, auch nix fürs Reagenzglas :roll: ;)
Allerdings, eine erfolgreiche Gründung hinzubekommen ist schon eine Herausforderung und so eine Kolonie von L.fuliginosus kann mehrere
Millionen Tiere stark werden. Du kannst dich ja schon mal nach Kolonien von Arten umschauen, die du gerne halten würdest. Wenn die dann
schwärmen, findest du mit etwas Glück eine Gyne. Außer Lasius niger, über die stolpert man förmlich. ;)

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