Gynen am offenen Fenster zugeflogen.

Bestimmungsanfragen - bitte auf genaue Angaben achten.
Fennek
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#1 Gynen am offenen Fenster zugeflogen.

Beitrag von Fennek » 1. August 2020, 00:20

Hallo liebe Ameisenfreunde!

Heute hat es die große Ameisengöttin da oben gut mit mir gemeint. Heute abend, 31.07.2020 zwischen 2200h und 2300h sind mir mitten in Berlin Gynen direkt ins Zimmer geflogen. Ich vermute, dass sie sozialparasitär gründen, da ihre Flügel eine schwarze Färbung haben. Weiter bin ich diesmal aber leider nicht gekommen.
Könnt ihr mir da weiter helfen?
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Zitrus

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#2 Gynen am offenen Fenster zugeflogen.

Beitrag von Zitrus » 1. August 2020, 00:26

Fennek hat geschrieben:
1. August 2020, 00:20
Ich vermute, dass sie sozialparasitär gründen
Da liegst du richtig, es scheint sich um Lasius umbratus oder eine andere sozialparasitäre Lasius-Art zu handeln.
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#3 Gynen am offenen Fenster zugeflogen.

Beitrag von Fennek » 1. August 2020, 00:37

Mensch, das war ne sehr schenlle Antwort, danke dir!
Na dann leg ich mal los und sortier wieder unausgefärbte L. niger Arbeiterinnen und puppen aus.

Fennek
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#4 Gynen am offenen Fenster zugeflogen.

Beitrag von Fennek » 1. August 2020, 00:45

Zitrus hat geschrieben:
1. August 2020, 00:26
es scheint sich um Lasius umbratus oder eine andere sozialparasitäre Lasius-Art zu handeln.
Um ein wenig dazu zu lernen frag ich jetzt mal, woran du das festmachst, dass es sich um eine Chthonolasius-art handelt?

Tibor
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#5 Gynen am offenen Fenster zugeflogen.

Beitrag von Tibor » 1. August 2020, 01:24

OK, wow, Hallo Leute... Sorry,
Ich muss jetzt auch was schreiben bzw fragen :

Ich will ja nicht ganz blöd fragen, deswegen habe ich das wundervoll eingerichtete Lexikon hier benutzt,erstmal. Aber leider bin ich nicht wirklich viel schlauer geworden.
Als Sozialparasitismus bezeichnet man in der Biologie eine besondere Form des Parasitismus. Sozialparasitismus ist definiert als die Beziehung zwischen zwei Tierarten, bei der sich eine eusoziale Art mit steriler Arbeiterkaste (oder eine Art, die ihre Arbeiterkaste sekundär verloren hat) das Sozialsystem anderer, ebenfalls eusozialer Arten zunutze macht. Sozialparasiten sind außerordentlich spezialisierte Arten, denen es typischerweise gelingt, durch Thorax der Ameisen. Der Begriff ist von den Spinnen entliehen, jedoch bei Ameisen eher fraglich, da es hier kein Prosoma gibt. Der Begriff Mesosoma soll auf die Umkonstruktion des Thorax aufmerksam machen, der ja ein zusätzliches Segment vom Abdomen dazu bekommen hat.">Mimikry oder andere Formen der Tarnung die reichhaltigen, aber stark bewachten Ressourcen einer Kolonie eusozialer Lebewesen auszubeuten. Sozialparasitismus tritt vor allem bei Hymenopteren auf. (Wikipedia

Soo.... Ich versteh den Absatz jetzt nur bedingt, glaube auch es ist ein Satzfehler drin n größerer der wohl Inhalt rausgeschnitten hat.

Kann mir Vllt jemand mir ganz kurz erläutern was es hier mir sSozialparasitismus auf sich hat?
Und wieso muss man da puppen bzw Weisse Larven von einer anderen Art rauben und zu solch einer gyne dazu tun? Können die garnicht selber gründen? Also "weiß "weil da noch kein Duft, soviel Check ich. Aber das drum Rum... Warum überhaupt?

Bitte verzeiht mir die wahrscheinlich abermals blöd gestellte Frage... Von noch so einem Neuling :D

Weiß ja schon was, aber Lücken tauchen dann doch noch viele auf.... Geb mein bestes :-)

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#6 Gynen am offenen Fenster zugeflogen.

Beitrag von Serafine » 1. August 2020, 02:18

Sozialparasitische Arten sind nicht in der Lage selbst Brut aufzuziehen, sie brauchen dafür Arbeiterinnen einer anderen Art. Normalerweise dringen sie dafür in die Kolonie einer anderen Art ein und töten deren Königin, woraufhin die Arbeiterinnen zur neuen Königin "überlaufen". Bei einigen Arten sind die Königinnen in der Lage selbst Kokons zu öffnen (z.B. Formica sanguinea), andere können nicht mal das.
Die meisten Sozialparasiten kommen nach der Gründungsphase ohne fremde Arbeiterinnen aus, es gibt aber auch ein paar Arten, die so hyperspezialisiert sind, dass die Kolonie ständig für Nachschub an fremden Arbeiterinnen sorgen muss (z.B. Polyergus, da sind selbst die Arbeiterinnen nicht in der Lage Futter zu sammeln oder Brut zu versorgen). Dafür überfallen sie Kolonien in der Nähe und stehlen deren Puppen.
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#7 Gynen am offenen Fenster zugeflogen.

Beitrag von Fennek » 1. August 2020, 11:52

Bitte entschuldigt und überlest doppelte Buchstaben an Stellen wo sie nicht hingehören. Das liegt leider an derr Qualität der Bluetooth-Tastatur, mit der ich diesen Post getippt habe. Rechtschreib- und Groß-Klein-Fehler hingegen gehören zu mir ;)
Tibor hat geschrieben:
1. August 2020, 01:24
Ich will ja nicht ganz blöd fragen, deswegen habe ich das wundervoll eingerichtete Lexikon hier benutzt,erstmal. Aber leider bin ich nicht wirklich viel schlauer geworden.

Cool, dass du recherchiert hast! Und 'ja', da stimmt was mit dem Lexikoneintrag nicht so ganz.

Wikipedia ist meiner Meinung naach als erste Anlaufstelle und für einen schnellen, kurzen, oberflächlichen Eindruck immer hilfreich. Der Artikel, den ich dazu gefunden habe, scheint auf den ersten Blick ganz patent zur orientieerung zu sein.
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Sozialparasitismus
Wichtig dabei ist bei Wikipedia allerdings kritisch zu lesen und im Hinterkopf zu haben, dass das was da steht auch murks bzw. nicht so ganz genau differenziert und stichhaltig sein kann.
Speziell zu Ameisen-Themen hat sich für mich www.ameisenwiki.de als sehr hilfreicch herrausgestellt.
Der Artikel zum Sozialparasitismus ist hier verlinkt: https://www.ameisenwiki.de/index.php/Gr ... rasitismus
Und natürlich darf hier das Ameisenforum als Informationsquelle nicht vergessen werden. Wqenn ein wenig Zeit zum suchen und Lust auf detillierte Infos besteht.
Tibor hat geschrieben:
1. August 2020, 01:24
Soo.... Ich versteh den Absatz jetzt nur bedingt, glaube auch es ist ein Satzfehler drin n größerer der wohl Inhalt rausgeschnitten hat.

Seh ich auch so. Daa sind zwei Teilstücke unterschiedlicher Artikel zusammengefügt worden. (An der '///' markierten Stelle)
Sozialparasiten sind außerordentlich spezialisierte Arten, denen es typischerweise gelingt, /// durch Thorax der Ameisen. Der Begriff ist von den Spinnen entliehen, jedoch bei Ameisen eher fraglich, da es hier kein Prosoma gibt. (Wikipedia)
Körperaaufbau, also Thorax und Abdomen haben nichts mit Gründungsformen, also Sozialparasitismus zu tun. Allerdings - nur aus Gründen der Vollständigkeit - deuten verschiedene Merkmale am Körper einer Gyne wohl auf Sozialparasitismus hin. Das geht dann eher in die Richtung 'Bestiummung'. Darin bin ich noch nicht wirklich gut informiert oder trainiert, deshalb schreib ich dazu jetzt auch nicht weitres. Der eingefügte Textteil über Abdomen und Thorax in deinem Zitat hat auf jeden Fall nichts mit der Gründung zu tun.

An die Admins*: Wenn möglich, ggf. bitte im Lexikon korrigieren. (sozialparasitismus-t33380.html)
Tibor hat geschrieben:
1. August 2020, 01:24
Kann mir Vllt jemand mir ganz kurz erläutern was es hier mir sSozialparasitismus auf sich hat?
siehe untere Beiträge, den Link weiter oben oder einfach mal zum Themenbereich 'Gründunsformen bei Ameisen' suchen. Da wirst du einiges finden.
Tibor hat geschrieben:
1. August 2020, 01:24
Und wieso muss man da puppen bzw Weisse Larven von einer anderen Art rauben und zu solch einer gyne dazu tun? Können die garnicht selber gründen? Also "weiß "weil da noch kein Duft, soviel Check ich. Aber das drum Rum... Warum überhaupt?
Kurz umrissen dringt die Gyne einer sozialparasitären Art für die Gründung einer eigenen Kolonie in ein fremdes Nest einer nahverwanten Ameisenart ein, tötet die Gyne, nimmt ihren Platz ein und lässt ihre eigene Brut von den übernnommenen Arbeiterinnen aufziehen. So wäre es - für die Gyne, die mir gesternbend ins Fenster flog, im besten Fall - unter natürlichen Umständen passiert. Da die Gute aber bei mir gelandet ist (eventuell, weil meine L. cf niger Kolonien aus dem offenen Fenster hinausgeduftet haben) möchte ich versuchen, die natürlichen Voraussetzungen zur Gründung risikoarm nachzustellen. Ich versuchhe die nötigen Faktoren zu generieren und dabei die (in der Natur) zwangsläufigen Faktoren zu überspringen.
D.h.:
Wenn es sich, wie hier vermutet, um eine L. umbratus Gyne handelt, brauch sie zur Gründung nötigerweise L. niger Arbeiterinnen, um sich und ihre eigene Brut versorgen zu lassen, bis ihre Brut geschlüpft ist. Zwangsläufig muss sie dafür eine L. niger Kolonie finden, den Kolonieduft annehmen, unbemerkt eindringen, bis zur Gyne vordringen, diese töten bzw. außer Gefecht setzen und in Tarnung auf das Schlüpfen der eigenen Brut warten. Diese zwangsläufigen Schritte sind alle sehr risikobehaftet, da die L. cf umbratus Gyne von der L. cf niger Koloniee getötet werden kann. Wenn es der L. cf umbratus Gyne jedoch gelingt, ist die L. cf niger Gyne tot und ihre Kolonie wirrd nach und nach austerben. Also gäbe es so oder so verluste. Daher überspringe ich die zwangsläufigen Schritte und präsentiere der L. cf umbratus Gyne das, was sie eigentlich wirklich brauch: L. cf niger Arbeiterinnen.
Aber, da ausgefärbte Arbeiterinnen bereits auf den Kolonieduft, in dem sie geschlüpft sind, geprägt sind und die L. cf umbratus Gyne als Eindringling sehen, nehme ich nur grade frisch geschlüpfte Arbeiterinnen (nicht larven).
Wenn eine Arbeiterin aus ihrem Kokon geschlüpft ist, ist sie die erste Zeit (mehre Stunden bis 1-2 Tage - genaue Zeitangabe weiß ich nicht) noch ganz weiß bis fast durchsichtig. Der Chitinpanzzer ist noch nicht ausgehärtet. Genau in dieser Aushärtungsphase wird sie auf ihren Kolonieduft geprägt. Wenn ich sie zu diesem Zeitpunkt, wo die Arbeiterin noch 'weiß' ist, zur L. cf umbratus Gyne setze, wird sie auf den Umbratusduft geprägt, nimmt die L. cf umbratus Gyne als Teil ihrer Kolonie an und versorgt die fremde Gyne und die fremde Brut, als wäre es ihre eigene. Somit kann dann die L. cf niger-Ausgangskolonie weiterleben, weil ihr nur ein paar Arbeiterinnen fehlt und die Gyne nicht getötet wurde. Gleichzeitig kann die L. cf umbratus Gyne ihre eigene Kolonie gründen.
L. cf niger-Puppen lege ich mit dazu, weil - trotz mehrerer L. cf nniger-Kolonien, die ich betreue - die Anzahl der weißen Arbeiterinnen begrenzt ist. Die L. cf umbratus Gyne brauch wohl eine gewisse AAnzahl an L. niger-Arbeiterinnen. Bis jetzt hab ich dazu keine genaue Angabe finden können und Zahlen zwischen 10-50 AArbeiterinnen gehört/gelessen. Icch denke, es geht darum, eine einigermaßen stabile Koloniegröße zu immitieren, und da scheint mir diese Angabe als plausiibel.
Tibor hat geschrieben:
1. August 2020, 01:24
Bitte verzeiht mir die wahrscheinlich abermals blöd gestellte Frage... Von noch so einem Neuling :D
Ach quatsch, nur durch Fragen stellen und Antworten suchen lernt mensch weiter ;)
Tibor hat geschrieben:
1. August 2020, 01:24
Weiß ja schon was, aber Lücken tauchen dann doch noch viele auf.... Geb mein bestes :-)
Je mehr wir Wissen, umso mehr können wir abschätzen, was wir alles nicht wissen. Und der letztere Teil wird immer mehr sein.
Mut zur Fehlerfreundlichkeit und neugierig bleiben! ;)

So, ich klink mich dann hier mal aus. Dieser Post ist beim Schreiben eh viell viel viiiel länger geworden, als ich beim Beeginnen geplant hatte. Ich hoffe, ich konnte alle Klarheiten beseitigen.

Formicable Grüße
Fennek
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#8 Gynen am offenen Fenster zugeflogen.

Beitrag von Zitrus » 1. August 2020, 12:32

Fennek hat geschrieben:
1. August 2020, 00:45
Um ein wenig dazu zu lernen frag ich jetzt mal, woran du das festmachst, dass es sich um eine Chthonolasius-art handelt?
Sie sind ziemlich gut anhand ihres großen, herzförmigen Kopfes und der verhältnismäßig kleinen Gaster von den claustral-gründenden Lasius-Gynen zu unterscheiden:

Lasius Gynen.png
https://crazyants.de/wp-content/uploads ... imiert.pdf
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