User des Monats Juli 2021   ---   ChrisV87  ---   Danke vom TEAM Ameisenforum  

Es begann als Experiment - jetzt haben wir doch einige Fragen

FamilieK
Einsteiger
Offline
Beiträge: 3
Registriert: 15. Juni 2021, 11:15
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 0

#1 Es begann als Experiment - jetzt haben wir doch einige Fragen

Beitrag von FamilieK » 15. Juni 2021, 11:39

Hallo zusammen,
unser Sohn, 2. Klasse, soll in Sachkunde einen Vortrag über ein Tier halten. Er entschied sich (ohne Bezug dazu zu haben) für Ameisen.
Wir unterstützen unsere Kinder bei solchen Aktionen sehr gerne und so habe ich eine kleine Ameisenfarm (Eduplay, 15€) gekauft, mit dem Ziel ein paar Ameisen im Garten einzufangen und darin genauer beobachten zu können und sie anschließend wieder frei zu lassen. Dass man ein paar Ameisen nicht einfach einfangen und dann ohne Königin dauerhaft halten kann, ist uns klar. Schon gar nicht in dieser "Spielzeug"-Ameisenfarm.
Die Faszination ist jetzt aber doch größer geworden und wir spielen mit dem Gedanken uns doch wirklich dauerhaft Ameisen als Haustiere zuzulegen.

Nun ja, zuallererst wollte ich aber fragen, wie das denn mit dieser kleinen Spielzeug-Ameisenfarm ist. Die Ameisen graben sich hier emsig einige Gänge und inzwischen (2 Tage) auch eine Höhle.
Wie lange kann man die Ameisen denn darin halten, bevor man sie wieder frei lassen sollte. Werden sie von ihrer Kolonie denn nach einer Woche Abwesenheit noch akzeptiert?

Die nächste Frage betrifft den Vortrag in der Schule. Unser Sohn würde die Ameisenfarm natürlich gerne in die Schule mitnehmen.
Geht das denn grundsätzlich mit dem Transport usw.? Es gibt dabei natürlich Erschütterungen. Auf jeden Fall würden wir ihn an dem Tag mit dem Auto in die Schule bringen und nicht mit dem Bus fahren lassen.

Falls wir uns dazu entscheiden doch wirklich Ameisen als Haustiere anzuschaffen, werden wir uns natürlich erst genauestens informieren. Eine Frage vorweg.
Einer der Hauptgründe warum wir bislang keine Haustiere haben, ist, dass wir auch mal in den Urlaub fahren möchten und niemanden bitten können, sich um die Tiere zu kümmern.
Wäre es mit Ameisen denn grundsätzlich möglich, auch mal eine oder gar zwei Wochen nicht anwesend zu sein?

Liebe Grüße
Melanie K.

Benutzeravatar
Meinerseinereiner
Halter
Offline
Beiträge: 307
Registriert: 18. Mai 2021, 19:12
Hat sich bedankt: 226 Mal
Danksagung erhalten: 182 Mal

#2 Es begann als Experiment - jetzt haben wir doch einige Fragen

Beitrag von Meinerseinereiner » 15. Juni 2021, 11:59

Hallo Melanie, willkommen im Forum

Ameisen vom Weg einzusammeln ist an sich kein Problem, die lassen sich auch ein paar Tage allein halten, ist halt nix für ewig aber das ist euch ja bekannt.

Ernährung wäre machbar mit etwas Zuckerwasser ( 1 Tropfen auf einem Stück Alufolie z.b ) oder Honigwasser und mit Teilen von kleinem Getier wie Grashüpfer ( bitte nicht lebendig und nicht im ganzen, den kriegen sie evtl. nicht klein ).

Diese "Kästen " mit dem vorgefertigten Gel sind zwar nett um es sich anzuschauen aber eben nicht gerade haltungsfreundlich.

Für euer Projekt evtl. ausreichend aber für etwas später als Haustier zum Halten m.M.n. ungeeignet.

Was die Zeitspanne angeht würde ich die nicht länger als nötig halten und was danach die Akzeptanz der Kolonie angeht kann ich leider nicht weiter helfen. Mal böse gesagt eine gesunde Kolonie kann sowas in der Natur bei ein paar Tieren verschmerzen.

Erschütterungen mögen die kleinen nie egal welche Art ihr mal später wollt.
Was den Urlaub angeht, kann man bei manchen Arten gut vorfüttern und entsprechend viel Wasser anbieten das manche Arten gut auch mal ne Woche allein auskommen. Besser ist natürlich jemanden der mal 5 min Zeit hat und frisches Protein und Wasser so alle 2-3 Tage anbieten kann. Ist ja nun kein Riesenaufwand.

Warte mal ab es werden sich sicherlich noch ein paar noch erfahrene Halter hier melden und mich untstützen bei den Fragen und sofern ich einen Mist erzählt haben soll verbessern.

LG Meinerseinereiner
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Meinerseinereiner für den Beitrag:
FamilieK

[VA]
Einsteiger
Offline
Beiträge: 70
Registriert: 7. Februar 2021, 13:22
Hat sich bedankt: 59 Mal
Danksagung erhalten: 79 Mal

#3 Es begann als Experiment - jetzt haben wir doch einige Fragen

Beitrag von [VA] » 15. Juni 2021, 12:00

Hallo Melanie,
Diese Spielzeug Farm ist absolut ungeeignet.
jede Ameisenkolonie hat ihren ganz eigenen Geruch.Die Ameisen erkennen so ob Freund oder Feind,wer zur Kolonie gehört und wer nicht.
Der Geruch geht verloren nach einiger Zeit und die Arbeiterinnen werden nicht mehr von der Kolonie akzeptiert.Ich würde jetzt bereits nach 2 Tagen sagen,lieber freilassen bevor der Geruch veloren geht.Eine Woche dürfte viel zu viel sein.Das klingt etwas doof und blöd,gerade weil ihr Sohn damit einen Vortrag halten will.Mit dem Transport ist das etwas schwierig,durch Erschütterungen könnten die Gänge einstürtzen.
An artgerechter Ameisenhaltung mit richtigen Farmen beispielsweise :
zuallererst,eine Königin könnt ihr euch selbst fangen.Da gibt es viele Bilder im Internet,wie diese ungefähr aussehen.Diese Königinnen schwärmen bereits jetzt,dann meist von der Gattung Camponotus oder Lasius.
In ein paar Wochen dürfte es auch für die Lasius niger (deutscher Name : schwarze Wegameise,also die kleinen schwarzen,die quasi überall sind) soweit sein,da laufen meist dutzende Königinnen rum,dabei sollte man darauf achten dass man nur eine Königin ohne Flügel einfängt.Diese Art ist auch eine klassische Einsteigerart,die recht einfach zu halten ist.
Wenn man mal eine oder gar zwei Wochen wegfährt,sollte das kein Problem darstellen.
Das hatte ich letztens erst.Dafür versorge ich die Ameisen mit einer Tränke mit Wasser,ein Reagenzglas mit Zuckerwasser (Kohlenhydrate) und getrockneten Insekten,wenn der Hunger zu gross wird scheinen die auch da ran zu gehen.


LG
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor [VA] für den Beitrag (Insgesamt 2):
MeinerseinereinerFamilieK

FamilieK
Einsteiger
Offline
Beiträge: 3
Registriert: 15. Juni 2021, 11:15
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 0

#4 Es begann als Experiment - jetzt haben wir doch einige Fragen

Beitrag von FamilieK » 15. Juni 2021, 12:28

Meinerseinereiner hat geschrieben:
15. Juni 2021, 11:59
Diese "Kästen " mit dem vorgefertigten Gel sind zwar nett um es sich anzuschauen aber eben nicht gerade haltungsfreundlich.
Danke schonmal für deine Antwort. Ein Gel ist nicht in der kleinen Ameisenfarm drin - das fand ich schon von vorn herein so dermaßen unnatürlich, dass ich gleich gesagt habe, dass das nichts ist.
Die Farm haben wir mit Sand vom Altrhein gefüllt. :-) Gefüttert haben wir zunächst indem wir saftiges Obst rein gelegt haben, dann mit Zuckerwasser in einem Schraubverschluss.

FamilieK
Einsteiger
Offline
Beiträge: 3
Registriert: 15. Juni 2021, 11:15
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 0

#5 Es begann als Experiment - jetzt haben wir doch einige Fragen

Beitrag von FamilieK » 15. Juni 2021, 12:40

Danke, [VA], für deine Antwort
[VA] hat geschrieben:
15. Juni 2021, 12:00
Diese Spielzeug Farm ist absolut ungeeignet.
Dass diese für die Haltung ungeeignet ist, ist uns klar. Wir würden natürlich noch eine richtige Farm anschaffen. Die Spielzeugfarm war natürlich nur als reine Beobachtungs-Hilfe gedacht. Quasi als besseres Lupenglas.
[VA] hat geschrieben:
15. Juni 2021, 12:00
jede Ameisenkolonie hat ihren ganz eigenen Geruch.Die Ameisen erkennen so ob Freund oder Feind,wer zur Kolonie gehört und wer nicht.
Der Geruch geht verloren nach einiger Zeit und die Arbeiterinnen werden nicht mehr von der Kolonie akzeptiert.Ich würde jetzt bereits nach 2 Tagen sagen,lieber freilassen bevor der Geruch veloren geht.Eine Woche dürfte viel zu viel sein.Das klingt etwas doof und blöd,gerade weil ihr Sohn damit einen Vortrag halten will. Mit dem Transport ist das etwas schwierig,durch Erschütterungen könnten die Gänge einstürtzen.
Danke für die Info. evtl. lassen wir die Ameisen frei und sammeln uns nochmal weitere ein.
[VA] hat geschrieben:
15. Juni 2021, 12:00
An artgerechter Ameisenhaltung mit richtigen Farmen beispielsweise :
zuallererst,eine Königin könnt ihr euch selbst fangen.Da gibt es viele Bilder im Internet,wie diese ungefähr aussehen.Diese Königinnen schwärmen bereits jetzt,dann meist von der Gattung Camponotus oder Lasius.
In ein paar Wochen dürfte es auch für die Lasius niger (deutscher Name : schwarze Wegameise,also die kleinen schwarzen,die quasi überall sind) soweit sein,da laufen meist dutzende Königinnen rum,dabei sollte man darauf achten dass man nur eine Königin ohne Flügel einfängt.Diese Art ist auch eine klassische Einsteigerart,die recht einfach zu halten ist.
Das klingt ja super - mal schauen ob wir eine Königin finden. Wie gesagt würden wir uns dann auch eine richtige Farm zulegen.
[VA] hat geschrieben:
15. Juni 2021, 12:00
Wenn man mal eine oder gar zwei Wochen wegfährt,sollte das kein Problem darstellen.
Das hatte ich letztens erst.Dafür versorge ich die Ameisen mit einer Tränke mit Wasser,ein Reagenzglas mit Zuckerwasser (Kohlenhydrate) und getrockneten Insekten,wenn der Hunger zu gross wird scheinen die auch da ran zu gehen.
Damit wären alle meine "Anti-Haustier"-Argumente den Kids gegenüber tatsächlich unwirksam, wenn es um Ameisen gehen sollte. Ameisen machen keinen Lärm, keinen Dreck (zumindest keinen den man ständig wegräumen/-putzen muss), keinen schlimmen Geruch. Die Arbeit mit den Tieren hält sich auch in Grenzen, sie haaren nicht und man kann sie bei entsprechender Vorsorge auch mal einige Tage alleine lassen. Sie brauchen nicht viel Platz sondern wären auch in unserer kleinen Wohnung haltbar. (Puh - da kann ich ja fast nicht mehr nein sagen.)

Danke schonmal für deine Antworten.

[VA]
Einsteiger
Offline
Beiträge: 70
Registriert: 7. Februar 2021, 13:22
Hat sich bedankt: 59 Mal
Danksagung erhalten: 79 Mal

#6 Es begann als Experiment - jetzt haben wir doch einige Fragen

Beitrag von [VA] » 15. Juni 2021, 12:45

Finde ich sehr gut, dass das so aufgenommen wird!
So eine Königin fängt man normalerweise in einem Reagenzglas, die gibt es teilweise auch in Apotheken.
Eine Lasius niger Königin gründet erstmal claustral, d.h. sie hat genug Futterreserven von ihrer Mutterkolonie mitbekommen, um die ersten Arbeiterinnen
aufzuziehen. Also Futter braucht sie erstmal keines. Ein Reagenzglas präpariert man so :) :)



Bei weiteren Fragen, gerne fragen!
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor [VA] für den Beitrag:
FamilieK

Gastuevian
Einsteiger
Offline
Beiträge: 92
Registriert: 7. August 2020, 15:02
Hat sich bedankt: 184 Mal
Danksagung erhalten: 77 Mal

#7 Es begann als Experiment - jetzt haben wir doch einige Fragen

Beitrag von Gastuevian » 15. Juni 2021, 14:03

Koloniegeruch hält sich deutlich länger als nur ein paar Tage. Z.B. besteht nach 5 Monaten Winterruhe der Koloniegeruch immernoch. Es gibt Halter, die bei Lasius niger nur das Nest mit der Königin einwintern und die restichen Arbeiterinnen bei Zimmertemperatur weiterhalten. Ein Zusammenführen nach der Winnterruhe ist problemlos möglich.

Wenn man temporär nur Arbeiterinnen hält, gehen Kohlenhydrate in Orndung. V.a. wenn sie in der Farm graben. Aber Eiweiß sollte nicht angeboten werden, da Arbeiterinnen ohne Brut und ohne Köngigin die aufgenommenen Proteine nicht über Trophallaxis weitergeben können. Die große Menge an Proteinen, die sie verdauen müssen, schadet ihnen dann. Da wir aber im Normalfall Arbeiterinnen mit Brut und Königin zusammenhalten, kommt dieser Fall sehr selten vor.

Zu der Spielzeugfarm. So lange grabfähiger Sand ohne schädliche Zusätze drin ist, ist doch alles in Orndung. Die Farmen vom Antstore sind im Grunde auch nichts anderes, nur aus Glas. Ich glaube selbst Anschlüsse für Schläuche sind mittlerweile an den Plastikdingern dran.

Ansonsten hast du ja schon genügend Gründe, die für eine Haltung der Ameisen sprechen.

Finde das ein tolles Projekt und tolle Unterstützung für deinen Sohn!
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Gastuevian für den Beitrag:
FamilieK

PincoPallino

User des Monats November 2020
Halter
Offline
Beiträge: 162
Registriert: 7. Juli 2019, 14:37
Auszeichnung: 1
Hat sich bedankt: 45 Mal
Danksagung erhalten: 213 Mal

#8 Es begann als Experiment - jetzt haben wir doch einige Fragen

Beitrag von PincoPallino » 15. Juni 2021, 14:16

Hallo Melanie,

noch eine Anmerkung zum "Kolonieduft" und seiner Vergänglichkeit. Nach allem, was ich weiß, müssen die Ameisen schon lange vom Rest der Kolonie getrennt sein, um nicht wiedererkannt zu werden. Und mit lange meine ich Monate. Ich hatte bei meinen Ameisen eine Quarantäne-Station eingerichtet, in der ein paar Exemplare mind. 2 Monate verbracht haben. Sie wurden anschließend ohne Probleme von der Kolonie wieder aufgenommen. Ich habe mal gehört, dass sich so ein Kolonieduft über längere Zeit verändern kann. Ameisen, die diese Veränderung wegen Abwesenheit nicht mitbekommen, haben dann tatsächlich ein Akzeptanzproblem. In der Praxis dürfte das aber nur selten passieren.

Und dann noch ein Hinweis zum Urlaub. Ich kann jetzt nicht für alle Arten sprechen, aber es ist durchaus möglich, die Ameisen auch über Wochen alleine zu lassen. Rapunzulas Camponotus nicobarensis wurden z.B. schon für 3 Wochen sich selbst überlassen. Natürlich nicht ohne gründliche Vorbereitung. Wasser und Süßes kann man ja in größeren Mengen bereit stellen. Damit ist das Überleben der Kolonie gesichert. Körnerfresser sollten auch kein Problem darstellen. Und Insekten kannst du vorher in größeren Mengen verfüttern. Wenn die Gaster erstmal voll sind, reicht das für eine Weile.

Wenn ihr so richtig in die Ameisenhaltung einsteigen wollt, vergesst nicht, auch über die Futtertiere nachzudenken. Die brauchen auch Platz und Aufmerksamkeit...

Grüße vom Pinco
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor PincoPallino für den Beitrag:
FamilieK

Antworten

Zurück zu „Einsteiger Fragen und Informationen“