Odontomachus sp. - Haltungserfahrungen (Schwarmflugverhalten und Arbeiterköniginnen)

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#1 Odontomachus sp. - Haltungserfahrungen (Schwarmflugverhalten und Arbeiterköniginnen)

Beitrag von Joschi » 16. Juli 2003, 19:36

Allgemein
Die Odontomachus Kolonie stammt aus der dominikanischen Republik. Im Antfarm Forum wird O.bauri oder O.brunneus als Art vermutet. Fotos finden sich im Fotoforum hier. Ergatomorphe Königinnen, können sowohl etwas kleiner als auch etwas größer als die Arbeiterschaft sein, sind aber durch das verstärkte Thorax der Ameisen. Der Begriff ist von den Spinnen entliehen, jedoch bei Ameisen eher fraglich, da es hier kein Prosoma gibt. Der Begriff Mesosoma soll auf die Umkonstruktion des Thorax aufmerksam machen, der ja ein zusätzliches Segment vom Abdomen dazu bekommen hat.">Mesosoma (Flügelmuskulatur) zu erkennen.

Die Kolonie bestand aus ca. 10 Arbeitern und einer begatteten Königin und wurde 2001 gefangen.

Zu den Beobachtungen
Am 18.9. 2002 haben ich erstmals geflügelte Geschlechtstiere bei den Odontomachus ausgemacht, es waren für eine solche Kolonie verhältnismäßig viele, konnte aber wegen teilweiser Blickversperrung ins Nest nicht die genaue Zahl ausmachen.

Am 30.9. schwärmten 7 dieser Geschlechtstiere in die Wohnung, die anderen verblieben im Nest. Es waren Königinnen, die bei der Kolonie geblieben sind. Mitte Oktober hatten alle diese Tiere ihre Flügel verloren, sie fungierten ab sofort als Arbeiter in der Kolonie. Von diesem Zeitpunkt an waren so viele unbegattete Königinnen vorhanden, dass bis Ende Januar nahezu die Hälfte aller Außenarbeiten von ihnen verrichtet wurde.

Ab Anfang Februar fiel mir schließlich ein verstärktes Tragen von Körperteilen auf. Bis in den April hinein wurden von den Arbeitern reihenweise abgetrennte Köpfe, Beine und Gaster ins Wasser geworfen. Auch viele Thorax der Ameisen. Der Begriff ist von den Spinnen entliehen, jedoch bei Ameisen eher fraglich, da es hier kein Prosoma gibt. Der Begriff Mesosoma soll auf die Umkonstruktion des Thorax aufmerksam machen, der ja ein zusätzliches Segment vom Abdomen dazu bekommen hat.">Mesosoma waren dabei, die verstärkte Gestalt dieser Mittelleiber (Flügelmuskulatur) ließ eindeutig darauf schließen dass diese Teile zu Königinnen gehörten. Ab Mai war bis zum heutigen Tag schließlich keine einzige Königin mehr in der Außenarbeit zu sehen, sie waren verschwunden.
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Also zusammenfassend: Die Kolonie produzierte Geschlechtstierbrut, die im September schlüpfte. Ende September flogen einige dieser aus, der Großteil jedoch verblieb im Nest, verlor nach einigen Wochen zusehends seine Flügel und fungierte als Arbeiter. Diese "Arbeiterköniginnen" verschwanden im ersten Quartal des folgenden Jahres, die Leichenteile waren jedoch, da es eine isolierte Insel ist, eindeutig auszumachen, genaue Ursache des Massentodes bleibt unklar, zumal kein Arbeiter-Thorax der Ameisen. Der Begriff ist von den Spinnen entliehen, jedoch bei Ameisen eher fraglich, da es hier kein Prosoma gibt. Der Begriff Mesosoma soll auf die Umkonstruktion des Thorax aufmerksam machen, der ja ein zusätzliches Segment vom Abdomen dazu bekommen hat.">Mesosoma darunter war.

Dies warf viele Fragen auf, und mögliche Erklärungen habe ich mir schon im Kopf überlegt. Eine Amerkung hierzu: Ich habe keine Ahnung, wie bei Odontomachus die Männchen aussehen, ich habe noch nie eines eindeutig identifizieren können, scheint weitaus schwerer zu sein als bei unseren einheimischen Arten.

Also bisher nur Spekulationen: Vielleicht sind nur Männchen ausgeflogen, während die Königinnen im Nest verblieben. Als fremde Männchen ausblieben, verloren sie dann vielleicht ihre Flügel und verblieben als Arbeiter in der Kolonie? Wie sind sie dann gestorben, was war der Auslöser? Vielleicht weil die Kolonie nun erneut Geschlechtstierbrut hervorbringt? Wurden die Königinnen von den Arbeitern getötet?

Nach diesen erst groben Beobachtungen werde ich dieses Jahr detaillierter darauf achten, wie dieses Verfahren vonstatten geht. Ich werde die geflügelten Tiere, die ausschwärmen, länger aufbewahren, vielleicht kann mir ja jemand helfen sie als Männchen oder Königinnen zu identifizieren.
vG Joschi

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#2

Beitrag von Joschi » 1. September 2003, 15:12

In der Kolonie hat sich vieles gewandelt: Es werden nur noch Männchen aufgezogen. Aus allen vielen Puppen, die ich nach dem Urlaub sah, sind Männchen geschlüpft, das zieht sich bis heute hin. Jede Nacht schwärmen etwa 5 davon aus und fliegen mir gegen den Bildschirm. Die Kolonie hat zwar noch Larven und Puppen, aber ich denke auch daraus werden Männchen schlüpfen.

Ich habe die Kolonie im Jahr 2001 in Mittelamerika eingesammelt, somit lebt sie jetzt 2 Jahre in Haltung, ich weiß allerdings nicht, wie alt die Königin im Freiland schon war. In "The Ants", Seite 169 (eine meiner Hauptnachschlageseiten mit den Daten über Lebensdauer), findet sich eine Angabe, wonach eine Odontomachus sp. Königin nur 4 Jahre alt werden soll. Dies in Verbundenheit mir der hohen Männchenproduktion bringt mich in die Vermutung, dass die Nestkönigin entweder tot ist, oder die Ablage befruchteter Eier aufgegeben hat und somit stark geschwächt ist.

Ich werde die Kolonie bald in eine Ytong Kammer umsiedeln, sodass ich mir das gesamte Volk mal anschauen kann.
vG Joschi

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