Es ist ein Werkzeug, bei dem man eben wissen muss, wie man es einsetzt. Der Buchdruck hat auch das Ende der Welt eingelÀutet, weil man plötzlich jeden ketzerischen Schund unendlich vervielfÀltigen konnte. Barristan hat doch gezeigt, dass man die Quellen einer Antwort untersuchen sollte. Das ist bei menschlich generierten Texten nicht anders. Aber ich glaube die Diskussion sprengt hier den Rahmen.
Pincos Piraten - ein Haltungsbericht mit Polyrhachis pirata/baca
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PincoPallino
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#82 Pincos Piraten - ein Haltungsbericht mit Polyrhachis pirata/baca
Hallo zusammen,
eigentlich wollte ich zu diesem Bericht mal wieder Bilder vom Terrarium zeigen, aber darauf mĂŒsst ihr noch ein weing warten. Ich habe vorerst nur eins. Es ist ganz schön grĂŒn geworden und das Nachtlicht ist schon an.
Erstmal aber das Wichtigste vorab. Nachdem ich letzte Woche meine Pheidole wahrscheinlich mit abgelaufenem Invertzucker vergiftet habe, musste ich natĂŒrlich direkt an die Piraten denken. Die haben den selben Invertzucker bekommen. Es scheint sich aber auf sie nicht ausgewirkt zu haben. Ich kann keine VerĂ€nderung bei ihnen erkennen.
SelbstverstĂ€ndlich habe ich das RG auch direkt gegen Zuckerwasser ausgetauscht. Es hat nicht lange gedauert, dann waren sie auch daran. Bald gibt es aber wieder Invertzucker. Frischen. Und ich habe mir vorgenommen, ab jetzt immer zwei Quellen SĂŒĂes bei allen Ameisen anzubieten. Zum einen zur Sicherheit (s.o.), zum anderen natĂŒrlich auch zur Abwechslung. und ich kann zusĂ€tzlich ihre Vorlieben besser erforschen.
NatĂŒrlich gibt es aber auch bei ihnen Tote. Nur halt einzelne alle paar Wochen mal. Das sorgt bei mir aber auch nicht fĂŒr Unruhe. Ich habe die Kolonie schlieĂlich letztes Jahr im Sommer bekommen als sie schon um die 50 Arbeiterinnen hatte. Die Kolonie ist also schon "alt". Und damit ist es auch normal, dass hin und wieder Arbeiterinnen sterben. Eine Tote habe ich vor den Asseln gerettet.
Letzte Woche hatte ich doch tatsĂ€chlich eine TotengrĂ€berin als Ausbrecherin. WĂ€hrend ich die rechte Scheibe offen hatte, ist sie auf der linken Seite auf die AuĂenseite der TĂŒr geklettert. Es ist echt spannend, ein Becken ohne Ausbruchsschutz zu haben (wenn die Ameisen am Glas klettern können). Beim Versuch, sie auf der Hand zu fotografieren, ist die Tote dann schlieĂlich im Becken der Schnappis gelandet.
Man sieht hier auch wieder, wie groĂ sie sind. Trotzdem fĂŒhlt man sie so gut wie gar nicht, wenn sie auf einem krabbeln. Und sie sind zum GlĂŒck ĂŒberhaupt nicht aggressiv. Mit meinen Schnappis wĂ€re ich da vorsichtiger bzw. Ă€ngstlicher.
Jetzt zum Wissenschaftlichen. Ich habe mal wieder zwei Arbeiterinnen beim Paarlauf beobachten können. Wahrscheinlich wurden der Neuen (neu auĂerhalb des Nests) die wichtigsten Landmarken gezeigt. Sie machen dabei wirklich jeden Schlenker nach, den die fĂŒrhrende Ameise macht. Wie so ein optisches Echo ![]()
Jetzt, wo die Kolonie allmĂ€hlich gröĂer wird, ist auch ihre TagaktivitĂ€t nicht mehr so ausgeprĂ€gt. Ich kann sie immer hĂ€ufiger auch nach Einbruch ihrer Nacht drauĂen beobachten. Manchmal laufen sogar mitten in der Nacht noch welche herum. Vor allem wenn das Fressen mal wieder erst gegen Abens kommt, bleiben sie mittlerweile gerne lĂ€nger drauĂen. Und macnhmal fressen sie sogar am nĂ€chsten Tag wieder am Futter des Vortags. Das haben sie anfangs nie gemacht. Sie scheinen hungriger zu werden. Auch im RG fĂŒr SĂŒĂes ist viel hĂ€ufiger und mehr AktivitĂ€t als frĂŒher. Und auch hier nachts.
Vor ein paar Tagen hat die Sonne ins Terrarium geschienen. Ich weià nicht, ob es daran lag, aber in den Sonnenstrahlen am Boden waren ca. zehn blaue Piraten womit auch immer beschÀftigt. Ich habe dann die VorhÀnge vorsichtshalber weiter zugezogen und nach einer Weile waren sie wieder verschwunden. Am Boden sieht man sie sonst so gut wie nie. Nur manchmal beim Holen von Baumaterial.
Und dieses Wochenende war dann auch mal wieder eine Arbeiterin fĂŒr ein Foto-Shooting zu haben. Darauf haben sie echt nur selten Bock.
Oh, ich habe noch etwas Wissenschaftliches. Diese Art macht bei Aufregung offenbar auch KlopfgerÀusche. Ich habe heute frische Heimchen in ihren Futtertopf gelegt, als noch zwei Arbeiterinnen darin waren. Eine hat sofort mit dem Klopfen angefangen. Dabei schlagen sie ihren Hinterleib gegen den Boden, wohl um Kolleginnen zu warnen. Kurz danach waren aus zwei Arbeiterinnen ungefÀhr zehn geworden.
Aber das Beste habe ich mir fĂŒr den Schluss aufgehoben. Ich hatte mir schon seit lĂ€ngerem vorgenommen, das Loch in der Kokosnuss, die ich ihnen als Nest angeboten habe, etwas aufzubohren, um den Eingang attraktiver zu machen. Zum GlĂŒck habe ich das nicht gemacht. Gestern habe ich mal wieder mit Null Erwartung zum Eingang geschaut. Bisher war da immer noch so eine ganz dĂŒnne Kokosfaser im oder vor dem Loch. Aber die war weg. Und das Licht der Taschenlampe im Eingang hat eine Bewegung provoziert. Es sah aus wie FĂŒhler. Und dann kam tatsĂ€chlich ein Pirat aus dem Loch. Jetzt gerade leuchte ich wieder rein und direkt sehe ich eine Bewegung. Ich glaube, sie sind umgezogen. Oder kurz davor. Zum Aufbohren ist es jetzt zu spĂ€t. Aber ich bint total froh, dass sie mein Angebot angenommen zu scheinen haben. Und es unterstĂŒtzt die These, dass sie zumindest anfangs gern in Holz nisten. Theoretisch wĂ€re es sogar möglich, dass die Kokosnuss aus ihrer Heimat kommt. Ich habe sie schlieĂlich am Strand in der selben Weltregion gefunden. Und diese Kokosnuss war schon lange unterwegs. Eine Weile sollte sie als Nest genĂŒgen. Ich hoffe, dass sie ab dem Moment, in dem es zu eng wird, ihr Nest selber bauen. Warten wirs ab. Fotos folgen...
GrĂŒĂe vom Pinco
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#83 Pincos Piraten - ein Haltungsbericht mit Polyrhachis pirata/baca
Hallo zusammen,
hier kommen die versprochenen Fotos. Leider bei schlechtem Licht und mit leicht verwackeltem Zoom. Auf dem ersten Bild sieht man das Loch nicht komplett. Trotzden kann man erkennen, dass es nicht mehr rund, wie von einem Bohrer ist. Sie passen es an...
Auf dem zweiten verlĂ€sst gerade eine das Piratennest. Die FĂŒhler des folgenden Piraten kann man schon im Eingang sehen. Wenn sie nicht alle umgezogen sind, haben sie zumindest ein Zweignest gegrĂŒndet. Hoffentlich lassen sie mich an ihrem nĂ€chsten Umzug teilhaben.
Die letzten Tage konnte ich die Piraten wieder bei ihrem BegrĂ€bnisritual beobachten. Sie tragen seit Tagen eine Leiche umher. Wer sie trĂ€gt, hat immer mehrere TrauergĂ€ste um sich herum. Am Nachmttag ziehen sie dafĂŒr anscheinend gern in die Sonne an den Boden des Beckens. Auch jetzt sehe ich da noch ein paar rumkrabbeln. Ihre AktivitĂ€t ist immer weniger auf den Tag beschrĂ€nkt. FĂŒr mich ist das ein Zeichen, das die Kolonie wĂ€chst und mutiger wird, bzw. mehr BedĂŒrfnisse hat, die befriedigt werden wollen. Da ich die Scheiben unten immer noch nicht geputzt habe, kommen nur solche Fotos davon heraus:
Und jetzt, Piraten von unten
und hinten
von hinten UND der Seite
und bei etwas intimeren Momenten ![]()
GrĂŒĂe vom Pinco
PS: Schaut hier jemand AntsCanada? Er hat ziemlich genau so lange blaue Ameisen (cayniventris) wie ich. Seine nisten auch in Holz, scheinen aber kaum Proteine zu sich zu nehmen und sich auf FrĂŒchte zu konzentrieren. Ein paar Versuche mit FrĂŒchten habe ich auch schon gemacht. Bisher konnte ich sie aber noch nicht darauf entdecken. Scheint sie nicht zu interessieren. Meine Vermutung: Bei ihm bekommen sie nur "wilde" Nahrung, kein Zuckerwasser. Und da sie nicht jagen, dĂŒrften sie in der Baumkrone Probleme haben, tote Insekten zu finden. Meine haben es da einfacher und viel weniger Konkurrenz. Ich schĂ€tze mal, dass seine nicht so viel
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PincoPallino
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#84 Pincos Piraten - ein Haltungsbericht mit Polyrhachis pirata/baca
Hallo zusammen,
ich habe ja schon öfters berichtet, dass die Piraten ihre Toten tagelang herumtragen. Wenn nachmittags die Sonne ins Becken scheint, was jetzt glĂŒcklicherweise wieder hĂ€ufiger passiert, suchen sie die hellen Spots gezielt auf. Sie scheinen die Sonne sehr zu mögen. Ob beim Totenkult oder einfach nur so.
Bei so einem groĂen Becken macht ein wenig partielle Sonneneintrahlung nichts aus. Wenn ich glaube, dass es zu viel wird oder ich nicht zu Hause bin, ziehe ich die VorhĂ€nge weiter zu.
Sie haben weiterhin Proteinbedarf, was darauf schlieĂen lĂ€sst, dass sie
Hier noch ein paar SchnappschĂŒsse.
Beim nöchsten Bild gefÀllt mir vor allem der Schatten, bei dem man sogar die Dornen sehen kann.
Da ich bisher immer von ihrer Friedfertigkeit berichtet habe, muss ich der VollstĂ€ndigkeit halber jetzt auch tatsĂ€chlich mal vom Gegenteil berichten. Gestern hatte ich mal wieder die TĂŒr auf und unten auf der TĂŒrschwelle war ein Pirat, den ich ĂŒberreden wollte, wieder zurĂŒck ins Becken zu gehen. Irgendwie hat meine Ăberzeugungskraft nicht ausgereicht. Sie wurde sehr aufgeregt, hat geklopft und ist schlieĂlich auf meine Hand gekrabbelt. Nach ein paar Sekunden hat es sich angefĂŒhlt, als ob sie versuchen wĂŒrde, mich zu beiĂen. So richtig erfolgreich war sie nicht. Ich bin mir nicht mal sicher, ob das Wirklich ein Angriff war. Falls ja, hat sie schnell gemerkt, dass sie nichts ausrichten kann. Vor diesen Piraten muss man keine Angst haben.
GrĂŒĂe vom Pinco
Logbuch des Captains
#3 - Inselzeit 4324
Wir sind schon lange auf der Insel und haben uns eine neue Unterkunft gesucht. Wir haben eine perfekte Höhle gefunden, die uns Schutz und Ruhe bietet. Der Eingang ist leicht von nur einem Piraten zu verteidigen. Doch sie wird uns nicht ewig genĂŒgend Platz bieten. Wir schicken daher stĂ€ndig Kundschafter aus und manche berichten von einer Welt auĂerhalb der Insel. Aber, zum Klabautermann, sie können ihre Pfade nicht zurĂŒckverfolgen. Die Wege von dieser Insel scheinen vielfĂ€ltig, verschwinden aber immer wieder. Diese Insel ist verhext. Aber sie bietet uns alles, was wir zum Ăberleben brauchen. Einige Crewmitglieder trĂ€umen schon davon, uns ein Baumhaus zu bauen. Und da hier fast tĂ€glich neue Piraten anheuern, wird das auch irgendwann nötig sein.
Danach bauen wir uns ein neues Schiff. Noch fehlen uns die Ressourcen, um Segel zu weben. Aber nicht mehr lange...
Verdammt, was wĂŒrde ich jetzt fĂŒr ne Buddel voll Rum geben!
