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Crematogaster scutellaris

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bennu
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#1 Crematogaster scutellaris

Beitrag von bennu » 11. September 2021, 17:44

Hallo,

Bei einem Haus wurde ein Befall mit Rotkopfameisen Crematogaster scutellaris festgestellt. Offenbar schon über 10 Jahre lang mit zahlreichen Nestern im Haus und der Umgebung. Nun haben die Ameisen angefangen die Dachbalken zu fressen, weshalb die Tiere leider bekämpft werden müssen.

Bei der Bekämpfung habe ich eine gewisse Faszination für die Ameisen entwickelt. Also nicht nur für die Rotkopfameisen, sondern auch für die anderen Ameisenarten die hier so leben. Die scheinen sich ja extrem zu unterscheiden in der Lebensweise.

Vielleicht hat jemand Lust, einige Anfänger-Fragen zu den Rotkopfameisen zu beantworten?

- Scheinbar gibt es bei verschieden große Arbeiterinnen zwischen vielleicht 4 und 6 mm länge. Sind das minor und majors? Oder einfach Arbeiterinnen unterschiedlichen Alters? Haben die unterschiedliche Aufgaben? Die kleineren scheinen deutlich mehr an den Frassködern interessiert zu sein als die großen.

- Einmal habe ich beobachtet, wie Arbeiterinnen reihenweise kleine weiße/graue Kügelchen (0,5mm, rund) aus einem Nest getragen haben. Ich nehme an das waren Eier? Ist das eine Reaktion auf das Gift? Oder ist es üblich dass die in mehreren Nestern aufgezogen werden? Kann ich davon ausgehen, dass die Königin in dem Nest war, aus dem die Eier getragen wurden?

- Wenn ich Ameisenstraßen zwischen den Nestern beobachtet habe, sah ich oft keinen Unterschied zwischen den "kommenden" und "gehenden" Ameisen, also nichts das sie herum getragen haben, der Hinterleib war auch ungefähr gleich "dick". Was genau machen die?

- Ich habe ein Nest in einem abgestorbenen Baumstumpf geöffnet und unzählige Ameisen gefunden. Aber da war sonst nichts, keine Eier, nur viele Ameisen die dicht an dicht aufeinander gehockt sind. Was machen die dort? Ist das einfach eine Art Ruheplatz?

Vielen Dank

Gastuevian

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#2 Crematogaster scutellaris

Beitrag von Gastuevian » 11. September 2021, 18:37

Hallo und herzlich Willkommen!

Schön, dass dich die Faszination auch gepackt hat.

Ich bin kein Experte von Crematogaster scutellaris. Aber ich versuche deine Fragen zu beantworten. Vielleicht finden sich Experten, die noch bessere Antworten parat haben.

bennu hat geschrieben:
11. September 2021, 17:44
- Scheinbar gibt es bei verschieden große Arbeiterinnen zwischen vielleicht 4 und 6 mm länge. Sind das minor und majors? Oder einfach Arbeiterinnen unterschiedlichen Alters? Haben die unterschiedliche Aufgaben? Die kleineren scheinen deutlich mehr an den Frassködern interessiert zu sein als die großen.
Es gibt Arten, bei denen sich die Körpergröße oder auch Proportionen z.B. von Kopf zu Thorax, sichtlich unterscheiden. Man nennt das Polymorphismus. Man spricht dann hier von Minor, Media und Major. Je nach Größe. Die Übergänge sind fließend. Bei Crematogaster scutellaris würde ich nicht von einem Polyphormismus sprechen. Zumindest ist er dann nicht sonderlich ausgeprägt. Die Größe einer Ameise hat nichts mit dem Alter zu tun. Eine adulte Ameise hat die endgültige Größe und Gestalt. D.h. man erkennt am letzten Larvenstadium bzw. an der Puppe schon die Größe der Ameise.

Es gibt Arbeitsteilung bei den Ameisen. Das hängt natürlich von der Koloniegröße ab. Aber es wird z.B. unterschieden in Brutpflege, Erkundung(Fouragieren), Futterbeschaffung, Reinigung.. diese Unterscheidung hängt widerum tatsächlich vom Alter ab. Ältere Ameisen sind entbehrlicher. Damit übernehmen die älteren Ameisen die gefährlicheren Aufgaben außerhalb des Nests. D.h. ältere Ameise fouragieren und tragen Futter ein. Jüngere betreiben Brutpflege. Bei manchen Arten hängt die Aufgabenteilung auch tatsächlich von der Körpergröße ab. Bei Blattschneidern sind die Blattschneider und Blattträger die größten Ameisen. Die Brutpflege im Pilz übernehmen die kleinen Schwestern. Bei Atta-Arten gibt es dann sogar noch die ganz großen Schwestern, die man dann als Soldaten bezeichnet, die nur für die Verteidigung zuständig sind.

Aber evtl. sind die Crematogaster scutellaris doch polymorpher als ich denke und dann so organisiert, dass die eher kleineren Arbeiterinnen das Futter beschaffen und die großen absichern.
bennu hat geschrieben:
11. September 2021, 17:44
- Einmal habe ich beobachtet, wie Arbeiterinnen reihenweise kleine weiße/graue Kügelchen (0,5mm, rund) aus einem Nest getragen haben. Ich nehme an das waren Eier? Ist das eine Reaktion auf das Gift? Oder ist es üblich dass die in mehreren Nestern aufgezogen werden? Kann ich davon ausgehen, dass die Königin in dem Nest war, aus dem die Eier getragen wurden?
Das werden wohl tatsächlich Eier gewesen sein. Ob mehrere Nester vorhanden sind, hängt stark von der Art und den Begebenheiten ab. Crematogaster scutellaris ist monogyn. D.h. es existiert nur eine Gyne, also eine weibliche Ameise, die befruchtete Eier legen kann. D.h. wenn in anderen Nestern Brut gepflegt wird, kommt sie ursprünglich aus dem königlichen Nest. In welchem Stadium sie weggetragen werden, hängt vermutlich von den klimatischen Bedingungen ab. Verschiedene Brutstadien verlangen nach verschiedenen Bedingungen in Bezug auf Feuchtigkeit und Temperatur. Ob es eine Reaktion auf das Gift war, kann ich dir nicht beantworten. Deine Annahme, dass die Königin im Nest war, aus dem die Eier kamen, sollte also richtig sein. Außer es gäbe Gründe die Eier nochmals in ein anderes Nest zu bringen.
bennu hat geschrieben:
11. September 2021, 17:44
- Wenn ich Ameisenstraßen zwischen den Nestern beobachtet habe, sah ich oft keinen Unterschied zwischen den "kommenden" und "gehenden" Ameisen, also nichts das sie herum getragen haben, der Hinterleib war auch ungefähr gleich "dick". Was genau machen die?
Manche Ameisen fouragieren nur und geben dann z.B. Meldung über gefundenes Futter oder angetroffene Feinde. Manche Arbeiterinnen sammeln mit ihrem Körper Wärme an exponierten stellen und tragen diese Wärme in das Nest ein. Manche Arten haben einen wenig ausgeprägten Sozialmagen, so dass man manchmal nur schwer erkennen kann, ob im Sozialmagen etwas transportiert wird. Bei Messor sp. und Attini weiß ich, dass es so ist. Dies sind beide auch sog. Knotenameisen. Evtl. sind bei allen Knotenameisen die Sozialmägen nicht sonderlich ausgeprägt??
bennu hat geschrieben:
11. September 2021, 17:44
- Ich habe ein Nest in einem abgestorbenen Baumstumpf geöffnet und unzählige Ameisen gefunden. Aber da war sonst nichts, keine Eier, nur viele Ameisen die dicht an dicht aufeinander gehockt sind. Was machen die dort? Ist das einfach eine Art Ruheplatz?
Gut möglich, dass die Ameisen dort Wärme gesammelt haben oder sich tatsächlich nur ausgeruht haben. Ameisen ruhen tatsächlich. In großen Kolonien findest du ganze Haufen von Ameisen, die völlig bewegungslos sind. Das machen sie natürlich bevorzugt an einem komfortablen Platz. Evtl. ist dicht unter der Rinde so ein bevorzugter Platz.
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