Gasterspezialisierung?

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PincoPallino

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#1 Gasterspezialisierung?

Beitrag von PincoPallino » 25. April 2026, 02:39

Hallo zusammen,

es gibt da eine Frage, die ich mir schon seit Jahren stelle und die ich jetzt endlich mal formulieren muss. Ameisen mit Sozialmagen speichern Vorräte, also Proteine, Kohlenhydrate und Wasser, für die Kolonie. Aber wie genau funktioniert das?

Sind die Tanks immer nur mit einer Flüssigkeit gefüllt oder mischen sie die auch? Nach meiner Vorstellung müssten sie immer nur sortenrein tanken. Wer Larven füttern will, braucht ja keine Kohlenhydrate usw.

Aber was macht dann eine Ameise, die noch halb vol mit Wasser ist und eine gute Proteinquelle findet? Kotzt sie erst ihren Magen leer? Füllt sie einfach auf?

Das führt zur Frage, ob sich einzelne Ameisen vielleicht sogar auf verschiedene Futterquellen spezialisieren. Gibt es evtl. welche, die immer nur zu Kohlehydratquellen gerufen werden? Vermutlich ist das übertrieben, aber weiß das jemand mit Sicherheit?

Achso, ich meine keine Ameisen, wie z.B. Honigtöpfe, da stellt sich die Frage natürlich gar nicht erst. Ich meine "normale" Ameisen. Und da die meisten sehr opportunistisch sind, wird es wohl keine solchen Spezialisierungen geben.

Kann mir jemand bei diesen Fragen/diesem Thema weiterhelfen?

Grüße vom Pinco




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Veiget
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#2 Gasterspezialisierung?

Beitrag von Veiget » 25. April 2026, 05:56

Sehr interessante Frage.

Ich kann mir vorstellen, dass eine weitere oder andere Nahrungsquelle eher mit Pheromone für die Kolonie oder spätere Wiederkehr markiert wird, statt die aufgenommene Flüssigkeit/ Nahrung zu verschwenden und "auszukotzen".

Gruß




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ReliAnt

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#3 Gasterspezialisierung?

Beitrag von ReliAnt » 25. April 2026, 12:05

Ja das ist in der Tat eine interessante Frage.

Das wurde in 2021 mal in einer Studie näher beleuchtet.

Dabei wurde die Trophallaxis anhand Camponotus floridanus genauer untersucht.

Hier der Link zur Veröffentlichung der Studienergebnisse:

https://elifesciences.org/articles/74005

Es scheint mir nach dem Durchlesen so, als wäre der Mageninhalt des Sozialmagens (dem zweiten Magen) weniger abhängig vom eigenen Individuum, sonder mehr von der Reife / dem Alter der Kolonie.

Die Ameisen scheinen die aufgenommenen Materialen zu verstoffwechseln und mit Wachstumshormonen, chemischen Signalen, Biomarkern etc. zu versehen. Abhängig vom Bedarf der Kolonie.

Also weitaus mehr als nur ein Speicher für eine bestimmt Flüssigkeit. So teilen sie sich wohl nicht nur Kalorien, sondern auch das Hormon- und Verhaltenssteuerungssystem.
Durch die Verstoffwechselung je nach Koloniealter und Zustand kann wahrscheinlich auf die verschiedenen Bedarfe in den unterschiedlichen Stadien einer Kolonie eingegangen werden.

Bei jungen Kolonien wird der Sozialmageninhalt wohl für die schnellen Verarbeitung von Kohlenhydraten ausgerichtet, während sie bei reifen Kolonien vermehrt Speicherproteine für die Aufzucht von großen Soldaten oder neuen Königinnen fokussieren.

Konkret lese ich damit heraus, dass ein Auswürgen von Flüssigkeit einzig der Weitergabe und nicht der Umlagerung auf eine andere Flüssigkeit dient, da hierfür durch die Verstoffwechselung / Anreicherung die Notwendigkeit nicht gegeben ist.

Quasi die Arbeitsteilung des Stoffwechsels. Faszinierend.

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PincoPallino

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#4 Gasterspezialisierung?

Beitrag von PincoPallino » 25. April 2026, 18:24

Vielen Dank für diese Antwort.

Warum hatte ich auch erwartet, dass es eine einfache Erklärung gibt :)

Das Thema ist also noch viel komplizierter. Mir war bisher nur bekannt, dass die Nahrung auch vorverdaut wird, aber das ist mir alles neu. Sehr interessant. Und eigentlich war das bei diesen kleinen Chemiefabriken auch nicht anders zu erwarten.

Ich frage mich nur, ob ich die Energie aufbringe, den ganzen Artikel zu lesen.




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