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Erstlingsart gesucht

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-cc
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#1 Erstlingsart gesucht

Beitrag von -cc » 23. August 2022, 21:35

Hallo zusammen,
Ich bin Chris, 33 Jahre alt, komme aus der Pfalz und bin neu in der Welt der Ameisen.

Das Thema Ameisen fasziniert mich schon seit längerem und in letzter Zeit habe ich mich immer mehr belesen.
Da ich nun auch endlich meine Frau überzeugen konnte und es sicher auch für unseren kleinen Sohn (2,5 Jahre) sehr spannend sein wird, stehe ich vor der wichtigsten Entscheidung.
Welche Art soll die Erste werden?

Ich würde euch kurz einen kleinen Einblick in meine Möglichkeiten/Wünsche/Parameter geben soweit ich denke, dass diese hilfreich sein könnten.

1.Räumlichkeiten/Stellplatz:
Wir beziehen eine Wohnung mit kleinem Garten. Da die Temperaturen im Winter aber in den letzten Jahren immer mehr schwanken, glaube ich nicht, dass dort eine konstante Temperatur haltbar ist.
Einen Kellerraum gibt es nicht, also fällt diese Art der Überwinterung auch weg.
In der Wohnung soll der Platz für die Ameisen auch überschaubar bleiben. Geplant ist das ANTCUBE Starter Set ( außerdem ist
"in Grenzen halten" eine Bedingung meiner Frau ;) ).
Also wäre eine Art super, die sich zwar natürlich fortpflanzt, aber die nicht schon nach 6 Monaten die Arena "sprengt".

2. Wünsche/Möglichkeiten:
Ich habe gelesen, dass es Arten gibt, die nicht überwintern müssen. Aufgrund meiner Möglichkeiten und Begebenheiten, wäre eine Art die nicht überwintert super für uns.
Da ich ja noch Neuling bin und vermutlich erst ein wenig in meine neue Verantwortung reinwachsen muss, wäre eine Art welche mir auch mal kleine Fehler verzeiht ein Traum.
Beim Belesen, habe ich natürlich schon ein paar Arten ins Auge gefasst, allerdings schwanke ich da fast täglich um im Glauben zu wissen welche Art perfekt wäre.
Deshalb bin ich auf nichts festgelegt und hoffe hierbei auf eure Expertenmeinungen und euer Schwarmwissen.


Ich danke euch im Voraus und bin natürlich für alle Tipps und Tricks wirklich dankbar!

Noch eine schöne Restwoche euch allen!
Chris

Wolfi91

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#2 Erstlingsart gesucht

Beitrag von Wolfi91 » 23. August 2022, 22:33

Heyhey,

Klingt nach einer Art die nicht sehr Zahlreich werden darf. Ein paar exotische Camponotus würden da in Frage kommen.
Recht große Camponotus brauchen aber auch bei kleineren Kolonien der Körpergröße geschuldet etwas mehr Platz....🤔

Camponotus cf. albosparsus gibt's aktuell beim Antstore. Laut Angaben keine Winterruhe und Koloniegröße soll bei 1.000 liegen.
Die Arbeiter scheinen weder besonders groß noch besonders klein. Würde sich auch anbieten da man sie mit 11-25 Arbeiter bekommt, das wäre für einen Einsteigen gut geeignet.

Ansonsten würde mir noch Camponotus japonicus in den Sinn kommen. Allerdings werden hier die Arbeiter etwas größer und oft bekommt man nur Königin mit 3-5 Arbeiter. Gerade zu Beginn kann das 1-2 Jahre Langeweile und wenig Aktivität bedeuten.

Empfehle auf jeden Fall eine Camponotus Art die sich bei 1.000 Arbeiter einpendelt und beim Kauf schon mehr als 10Arbeiter hat.

Grüße Wolfi

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#3 Erstlingsart gesucht

Beitrag von AtTheAnt » 24. August 2022, 09:01

Hallo und herzlich willkommen beim geilsten Hobby überhaupt.

Ich würde dir für den Anfang - ja ich habe deinen Beitrag gelesen - eine einheimische Art empfehlen. Ich habe letztes Jahr mein Antcube-Starterset (20cm^3) im Kühlschrank überwintert. Es war exakt so groß wie ein Gemüsefach. Wenn ihr im Garten eine Laube oder dergleichen habt, könnte man da auch etwas überwintern.

Als Einstiegsameise hatte ich mir die Lasius niger geholt. Sie sind günstig und entwickeln sich gut. Empfehlen würde ich sie nicht, da sie mMn einfach zu klein sind. Das macht die Beobachtung schwierig. Formica-Arten sind etwas größer und entwickeln sich auch gut. Aus diesem Jahr habe ich eine Formica cunicularia in einer Combiarena, noch im Neströhrchen, die wirklich schön zu beobachten ist.

Ich rate dir also eine Formica-Art zu nehmen und sie einen Winter im Gemüsefach (Wasservorrat!) Zu überwintern. Wenn du dann noch Freude hat, kannst du sie bequem auswildern und dir eine andere holen. Ich habe ehrlich gesagt viel Spaß dabei, schwärmende Königinnen (in überschaubarer Zahl) zu fangen, aufzuziehen und dann eben wieder freizulassen. Mein Platzangebot ist auch begrenzt.

Generell sind große Ameisen und kleine Kolonien nicht üblich. Große, gut zu beobachtende, Ameisen brauchen viel Platz. Ameisen, die nie mehr 20*20*20cm brauchen sind meist so klein, dass du nichts siehst.

Camponotus japonicus sind ähm, wie viele andere Camponotus-Arten, recht langsam in der Entwicklung.
post442447.html#p442447
Wenn du auf Herausforderungen stehst und Geduld hast...

Zusammenfassend kenne ich keine Art, die groß genug zum Beobachten ist, keine Winterruhe hält und ewig mit der kleinen Combiarena zufrieden ist.

Liebe Grüße und sag uns, wofür du dich entscheidest.

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#4 Erstlingsart gesucht

Beitrag von Intro » 24. August 2022, 10:16

Wenn du dann noch Freude hat, kannst du sie bequem auswildern und dir eine andere holen.
Gilt allerdings nur für Tiere, die man selbst gefangen hat bzw. deren genauen Fundort man kennt. Sprich man sollte auch einheimische Arten nur in der Region aussetzen, aus der sie wirklich stammen. Die Begründung findet man im Internet unter "intraspezifische Homogenisierung".
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Intro für den Beitrag:
ChrisV87

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#5 Erstlingsart gesucht

Beitrag von Arthur Dent » 24. August 2022, 10:18

AtTheAnt hat geschrieben:
24. August 2022, 09:01

Ich rate dir also eine Formica-Art zu nehmen und sie einen Winter im Gemüsefach (Wasservorrat!) Zu überwintern. Wenn du dann noch Freude hat, kannst du sie bequem auswildern und dir eine andere holen. Ich habe ehrlich gesagt viel Spaß dabei, schwärmende Königinnen (in überschaubarer Zahl) zu fangen, aufzuziehen und dann eben wieder freizulassen. Mein Platzangebot ist auch begrenzt.

Ja, das habe ich dieses Jahr auch gemacht. Ich hätte hier mehrere Kolonien abzugeben bei Interesse (Lasius brunneus/Lasius niger).

Wie machst du das mit dem Auswildern würde mich interessieren.

VG Arthur

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#6 Erstlingsart gesucht

Beitrag von AtTheAnt » 24. August 2022, 20:06

Zum Auswildern füttere ich die Kolonie ordentlich, suche mir ein lauschiges Plätzchen ohne viel Ameisenaktivität und verstecke es dort (im Gestrüpp) mit entferntem Stopfen. Meist gibt es noch etwas Starthilfe. Eine Blaubeere oder sowas. Dann gucke ich alle paar Wochen vorbei und wenn das Röhrchen leer ist, nehme ich es wieder mit, putze es und nutze es erneut. Ich mache mir keine Illusionen. Die ausgewilderten Kolonien müssen hart schuften, um zu überleben.

Zum Thema intraspezifische Homogenisierung: ich halte die Problematik bei z.B. Lasius niger für ähm überschaubar. Aber grundlegend ist es richtig. Ich habe bisher auch nur selbst gefangene Königinnen (wieder vor Ort) ausgewildert und das hauptsächlich, um kleinere Familienmitglieder nicht zum Weinen zu bringen. Rein ökologisch ist es sicherlich total egal, ob ich iwo ein paar Lasius niger auswildere oder nicht. Aber einfrieren oder abkochen...


BTW: Eine Kolonie Lasius niger aus diesem Jahr hätte ich auch abzugeben.

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#7 Erstlingsart gesucht

Beitrag von Intro » 28. August 2022, 16:16

Zum Thema intraspezifische Homogenisierung: ich halte die Problematik bei z.B. Lasius niger für ähm überschaubar.
Aber man hat sich ja schon früher getäuscht... Lieber ein Volk mehr abbrühen als auch nur ein kleines Risiko für ein Ökosystem eingehen.

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#8 Erstlingsart gesucht

Beitrag von Erne » 28. August 2022, 17:00

Intraspezifische Homogenisierung eine Thematik wo ich immer am Überlegen bin, wie läuft sowas in der Natur ab, wie weit können sich schwärmende Ameisen überhaupt ausbreiten?
Bei Arten die nur mit wenigen Geschlechtstieren schwärmen, ist eine räumlich eingeschränkte Ausbreitung noch nachvollziehbar.
Arten wie z. B. Lasius niger, Lasius flavus, einige Formica Arten ebenfalls, schwärmen mit vielen, sehr vielen Geschlechtstieren.
Bei z. B. Schwarmflügen von Lasius niger ist oftmals mitzuversorgen wie hoch diese aufsteigen.
Ersichtlich an den Schwalben die sich einfinden um Geschlechtstiere dieser Arten zu fangen, selbst Stare konnte ich dabei schon beobachten.
Oftmals schwärmen diese Ameisen bei Gewitterlagen, verbunden mit labilen Luftströmungen.
Kommen Ameisen in diese Strömungen können sie mit der Thermik über sehr viele Kilometer versetzt werden.

@-cc
Ameisen ohne Winterruhe, nicht besonders kompliziert in der Haltung, munter und aktiv, schaue Dir die Gattung Cataglyphis an.

Grüße Wolfgang
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