User des Monats Mai 2021   ---   Anja  ---   Danke vom TEAM Ameisenforum  

Izulas Haltungsbericht seiner Ameisenkolonien

Erfahrungen in der Haltung europäischer Ameisen.
Antworten
Izula
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

#1 Izulas Haltungsbericht seiner Ameisenkolonien

Beitrag von Izula » 21. Juni 2018, 00:54

Hallo liebes Ameisenforum,

nachdem ich nun seit gut eineinhalb Jahren Ameisen halte und sich in dieser Zeit einige Kolonien angesammelt haben und ich mit diesen auch einige Erfahrungen sammeln konnte, möchte ich diese gern mit euch teilen :). Bei den Ameisenkolonien handelt es sich ausschließlich um europäische Arten (Süd- und Mitteleuropa).

Lasius niger: Angefangen habe ich vor eineinhalb Jahren mit der Art Lasius niger, da ich mich erst einmal mit einer einfach zu haltenden Ameisenart an die Ameisenhaltung herantrauen wollte. Gestartet habe ich also mit einer Gyne und fünf Arbeiterinnen, welche sich seit dem auf ca. ~250 Arbeiterinnen entwickelt haben. Da ich sie jedoch bald abgeben werde, möchte ich mich nur kurz zu dieser Ameisenart äußern. Gehalten habe ich die Lasius niger Gyne zu Beginn in einem 20x20 cm großen (kleinen) Becken mit integriertem Ytong Nest, welches sie aber nicht wirklich angenommen haben, da ich es nicht bewässert habe (auf Grund der Gefahr von Schimmel) da ich bei all meinen Ameisenkolonien einen Deckel verwende. Dieser besitzt zwar ausreichend Belüftungsöffnungen, jedoch herrscht auf Grund des Deckels trotzdem ein anderes "Klima" und der Luftaustausch findet nicht in dem Maß statt, wie mit einem offenen Formicarium. Daher verweilte die Kolonie zunächst in ihrem RG + Wassertank, grub sich jedoch später in das Bodensubstrat, da ich dieses als damaliger Ameiseneinsteiger zu hoch aufgefüllt hatte. Da ich jedoch die Ameisen nicht stören wollte, beließ ich es dabei und ließ sie in der Erde "leben". Da mir jedoch das Formicarium zu karg war, kaufte ich in einem Baumarkt zwei kleine Pflanzen (genauer Pflanzenname ist mir nicht mehr bekannt, es waren Pflanzen mit sehr fleischigen Blättern) und stellte sie in das Formicarium und goss sie natürlich regelmäßig. Den Ameisen schien dies zu gefallen und sie zogen mit all ihrer Brut in die kleinen Töpfe der Pflanzen und gruben die Erde darin regelrecht um und bauten kleine Gänge. Im unteren Teil des Topfes (wo kaum Wasser durchdringt, da ich immer sehr wenig über eine kleine fünf Milliliter Spritze goss), lagerten sie die Puppen und im oberen und feuchten Bereich lagerten sie die Eier sowie die Larven. Wo sich die Königin zu diesem Zeitpunkt aufhielt kann ich nicht genau sagen, da ich damals nur einen Topf mal geöffnet habe, um mir das dortige Treiben etwas genauer anzuschauen. Gefüttert habe ich die Ameisen so ziemlich mit allem, was sich in meiner Küche so finden ließ und da ich anfangs noch mit der Insektenfütterung sehr zaghaft war, probierte ich es zunächst mit Käse, Hackfleisch und Ei (als Proteinquelle), welches mit keiner großen Begeisterung angenommen wurde. Daher versuchte ich es zunächst mit Fruchtfliegen, da mir diese jedoch sehr schnell ausgingen bzw. verstarben, stieg ich auf Mehlwürmer um, welche ich jedoch auf Grund ihres "harten" Chitinpanzers immer aufschneiden musste, was ich nicht gern tat und ich nun letztlich auf Schokoschaben umgestiegen bin und diese auch erfolgreich "züchte". Als Kohlenhydratquelle bot ich zunächst Honig und Honigwasser an, welches die Ameisen zwar annahmen, jedoch Zuckerwasser immer bevorzugten, wenn dieses ebenfalls angeboten wurde. Herauskristallisiert hat sich dabei (bei all meinen Kolonien, außer den Messor barbarus) ein Sirup, den es in jedem großen Lebensmittelgeschäft zu kaufen gibt und der aus verschiedenen Invertzuckern besteht, welcher mit Wasser verdünnt gut angenommen wird. Dabei ist mir aufgefallen, dass dieser so gemischt sein muss/soll, dass er sehr flüssig ist, da die Ameisen ihn ansonsten nur sehr schwer/langsam aufnehmen können. Abschließend ist zu sagen, dass diese Ameisenart sehr temperatur-, luftfeuchtigkeits- und störungsunempfindlich ist, aktiv furagiert, sich auch ohne Winterruhe gut entwickelt (jedoch die Eierproduktion im Winter nachgelassen hat) und wenig Platz benötigt. Temperaturen schwankten von 17-22° Grad im Winter bis 20-30°Grad im Sommer (Dachgeschosswohnung). Da ich jedoch im Moment einige Ameisenkolonien halte und ich mich anderen Arten widmen möchte, gebe ich diese Kolonie demnächst ab, weshalb ich nichts weiter zu dieser Art schreiben werde.

Messor barbarus: Nachdem ich also einige Erfahrungen mit der Art Lasius niger gesammelt habe, entschloss ich mich eine weitere Art zu halten und die Entscheidung fiel auf die südeuropäische Art Messor bararus, welche eine Körner sammelnde Ameisenart ist. Gekauft habe ich die Kolonie mit einer Gyne und ca. ~20 Arbeiterinnen, welche ich in einem 30x20 cm Becken halte. Seitdem ich sie besitze habe ich ihnen schon einige Nester angeboten, um sie aus ihrem RG + Wassertank zu locken, jedoch wurden diese bisher nicht angenommen. Versucht habe ich es zunächst mit einem Ytong Nest, welches ich aber auf Grund der Schimmelgefahr (siehe Lasius niger Erfahrungen) nicht bewässert habe, ich jedoch gelesen hatte, dass man diese Art auch trocken halten kann, wenn man ihnen genug Wasser anbietet. Was ich dazu sagen muss ist jedoch, dass sich auf Grund des Deckels die Luftfeuchtigkeit in den Becken immer zwischen 50% und 60% bewegt und sie nur steigt, wenn ich das Bodensubstrat bewässere, was soweit ich weiß gute Werte für die Ameisennester bzw. Arenen sind. Durch den Deckel herrscht also eine Art "Mikroklima" in den Becken und durch seitliche und obere Belüftung findet trotzdem ein ausreichender (Frisch-)Luftaustausch statt. Nachdem sie das Ytong Nest nicht angenommen hatten, versuchte ich es mit einem Acrylnest, welches eine Bewässerungsfunktion beinhaltet, sie dieses jedoch auch nicht annahmen. So halte ich sie bisher erfolgreich in ihrem RG + Wassertank, welches ich mit einer roten Folie abgedeckt habe, um sie beobachten zu können. Seit ich sie besitze (Anfang diesen Jahres) ist die Kolonie auf ca. ~50 Arbeiterinnen angestiegen und es findet sich Brut in allen Stadien. Kürzlich konnte ich erkennen, dass sich in der Brut auch eine Major (Supermajor) Arbeiterin befindet, da die Nacktpuppe fast so groß ist, wie die Gyne selbst. Als Nahrung biete ich ihnen verschiedene Körner an, jedoch habe ich gemerkt, dass sie sehr gern Amaranth-, Quinoa- und Chiasamen annehmen, jedoch die Amaranthsamen bevorzugen. Auch Schokoschaben nehmen sie neben den Samen sehr gern an, jedoch auf Grund der Größe der Kolonie nur eine Kleine/Mittelgroße in der Woche. Die Temperatur halte ich meist zwischen 24°und 30° Grad und die Luftfeuchtigkeit auch zwischen 50% und 60% (auf Grund meiner Dachgeschosswohnung), sollten die Temperaturen fallen, heize ich sie mit einer sieben Watt Heizmatte. Bisher entwickelt sich die Kolonie sehr gut und die Gyne legt fleißig Eier, jedoch habe ich gemerkt, dass sie sehr erschütterungs- und lichtempfindlich sind, weshalb man bei ihnen wirklich sehr aufpassen muss, dass sie sich nicht gestört fühlen. Obwohl ich der Kolonie stetig Wasser durch eine kleine 60 ml Tränke anbiete, habe ich gemerkt, dass sie ab und zu gern auch etwas von meinem Zuckerwasser annehmen, welches ich Probeweise mal in ihr Becken gestellt habe. Neben Körnen sammelt diese Ameisenart eigentlich alles in ihr Nest, entweder zur Nahrungsaufnahme oder um damit ihr Nest zu verschließen oder es auszukleiden. Angenommen wurde bisher Sand/Lehm, Fichtennadeln, Granulat und Pinienrinde. Bevor ich der Kolonie ein neues Nest anbiete, warte ich ab, bis ihnen ihr altes RG + Wassertank zu klein/trocken wird und sie aktiv nach einer neuen Nestmöglichkeit suchen, da es ihnen ja anscheinend in ihrem RG + Wassertank zu gefallen scheint :).

Camponotus cruentatus: Da ich schon immer von großen Ameisenarten begeistert war und ich kürzlich im Frankfurter Zoo eine Blattschneiderkolonie beobachten konnte, entschied ich mich eine große Ameisenart zu halten. Die Entscheidung fiel auf Camponotus cruentatus, da mir Camponotus im Allgemeinen sehr gut gefallen und mir Camponotus cruentatus, auf Grund ihrer Größe und Färbung, besonders gut gefallen. So erwarb ich eine Gyne, welche mit zwei Pygmäen und ohne Brut geliefert wurde. Da bereits zwei Pygmäen vorhanden waren, entschied ich mich das RG + Wassertank (welches jedoch ausgetrocknet/leer war) in ein Becken zu legen und ihnen ein Ytong Nest anzubieten, was sie jedoch nicht angenommen haben. Seit ich diese Art halte (ca. einen Monat), hat sich die Kolonie nur schleppend entwickelt, wenngleich Camponotus sich auf Grund ihrer Größe nur sehr langsam entwickeln. Nachdem ich die Gyne erhalten hatte, legte sie am folgenden Tag ca. ~sechs Eier, welche sie einige Zeit pflegte, bis ich eines Tages nach der Kolonie schaute und sah, dass sich aus den sechs Eiern nun eine sehr große Larve und zwei kleine Larven entwickelt haben und die anderen drei Eier wohl von der Gyne gefressen wurden. Angeboten habe ich ihnen bisher Zuckerwasser, welches sehr gut angenommen wird und der Gaster der Gyne sehr prall gefüllt ist, sowie kleine Schokoschaben, welche aber nur mittelmäßig angenommen werden. Die Temperaturen bewegen sich im Moment zwischen 24°und 28° und die Luftfeuchtigkeit beträgt 50% bis 60%. Da ich etwas enttäuscht über die Entwicklung der Kolonie bin, habe ich mich entschieden, mit einer anderen Camponotus Art fortzufahren, um einen Vergleichswert zu generieren und kaufte mir eine Camponotus ligniperdus Gyne.

Campontus ligniperdus: So erwarb ich also eine Camponotus ligniperdus Gyne, welche mit einer Pygmäe und ohne Brut geliefert wurde. Auch diese kleine Gründerkolonie legte ich in ein kleines Becken und bot ihnen ähnliche Haltungsparameter, wie der Camponotus cruentatus. Jedoch verhielt sich die Kolonie seit Beginn sehr seltsam und die Pygmäe lief sehr häufig wild im Becken herum, bis sie eines Tages verstarb. Nachdem die Pygmäe verstorben war, nahm ich das RG + Wassertank wieder heraus verschloss es und legte es abgedunkelt in mein Ameisenregal. Nach einer Woche schaute ich nach der Gyne, welche tatsächlich fünf kleine Eier gelegt hatte, diese jedoch nach einer weiteren Woche wieder gefressen hatte und seitdem auch keine weiteren Eier gelegt hat. Etwas enttäuscht teilte ich meine Erfahrungen in diesem Forum und erhielt glücklicherweise von dem sehr netten Forumsmitglied Abaton23 eine eigens von ihm gesammelte Camponotus herculeanus Gyne und was soll ich sagen, diese war kein Vergleich zu den bisher von mir gekauften Camponotus Gynen, doch dazu mehr im Camponotus herculeanus Haltungsbericht. Warum ein solcher Unterschied zwischen den Gynen herrscht weiß ich nicht, jedoch entschied ich mich auf Grund der guten Erfahrungen, bei einem anderen Ameisenshop (wie bisher), eine kleine Camponotus ligniperdus Kolonie zu erwerben und so kaufte ich mir eine Camponotus ligniperdus Gyne mit ca. ~20 Arbeiterinnen und ca. ~40 Puppen sowie übrige Brut in allen Stadien. Gehalten wird diese Kolonie in zwei 30x20 cm Becken und einem integrierten Korknest, welches ich trocken halte, jedoch die Luftfeuchtigkeit zwischen 50% und 60% in der Arena und somit auch im Nest liegt (die Temperatur beträgt derzeit zwischen 24° und 28° Grad). Die kleine Kolonie hat sich in ihrem Korknest sehr gut eingelebt, wobei das Nest für diese Kolonie noch recht groß ist und somit 1/3 der Kammern mit Brut und der Kolonie selbst gefüllt und 2/3 leer ist, wobei einige Kammern mit trockenen und leeren Chitinpanzern der Schokoschaben gefüllt sind. Die Arbeiterinnen der Kolonie furagieren sehr selten und meist dann nur nachts, denn sie halten sich größtenteils im Nest auf und pflegen die Brut oder betreiben "Körperpflege" oder Fütterung (Trophallaxis). Sehen kann ich dies durch die angebrachte rote Folie, was sehr interessant ist, da diese Art, wie viele Camponotus Arten sehr groß ist. So verbringe ich manchmal 30 Minuten vor dem Becken und studiere regelrecht das Verhalten dieser Ameisen. Dabei ist mir aufgefallen, dass sie zumeist immer mindestens eine Arbeiterin vor die zwei Nesteingänge postieren und die Eingänge manchmal mit Fichtennadeln verschließen und manchmal nicht. Auch besitzen sie eine Kammer in ihrem Nest, welche sie als "Klo" verwenden, da ich mich eines Tages wunderte, warum eine Stelle im Nest etwas dunkler am Boden war, als die übrigen. So beobachtete ich die Ameisen, wie sie in diese Kammer liefen und ihren Gaster in eine der Ecken drücken, dort wo die Verfärbung zu sehen ist, ihren Gaster kurz bewegen und anschließend dort wieder verschwinden. Auch haben sie in diese Kammer, sowie in alle anderen Kammern wo Futterreste zu finden sind, kleine Granulatstücke und Fichtennadeln getragen haben um es wahrscheinlich trocken zu halten. Futter biete ich ihnen in Form von Zuckerwasser an, welches sie sehr gern annehmen und ähnlich wie die Honigtopfameisen den Majorarbeiterinnen geben, welches sie in sehr prall gefüllten Gastern aufbewahren, denn die Minor- und Mediaarbeiterinnen weisen diese großen Gaster nicht auf. Schokoschaben nehmen sie auf Grund der Brutvielfalt auch sehr gern an, jedoch reichen dort ca. zwei größere Schaben in der Woche. Die Gyne hat bereits ein weiteres großes Eierpaket gelegt, was mich sehr gefreut hat, da es zeigt, dass die Haltungsparameter zu stimmen scheinen. Eine weitere interessante Beobachtung konnte ich eines Tages feststellen, als ich am morgen nach dem Aufstehen feststellte, dass trotz eines großen Steinchens in der Wassertränke eine Arbeiterin es geschafft hatte, in die Tränke zu gelangen und hilflos an der Wasseroberfläche in der Tränke zappelte. Ich befreite sie natürlich sofort und versuchte sie so gut es ging von dem Wasser zu befreien und setzte sie zurück in das Becken. Sogleich kamen drei Arbeiterinnen zu ihr und betrillerten sie und halfen ihr zu trocknen, indem sie ihren Gaster und Thorax zu säubern begannen. Man konnte eine regelrechte Freude an dem Verhalten der Ameisen erkennen, dass sie ihre Schwester wieder hatten. Ob sie die Hilfepheromone der Arbeiterin im Wassertank wahrnehmen konnten bezweifle ich zwar, jedoch merkte man ihnen an, dass sie eine Ameise zu vermissen schienen, was irgendwie zeigt, dass auch Insekten so etwas wie Gefühle besitzen, jedoch vielleicht in einer anderen Art und Weise, wie wir Säugetiere bzw. Menschen und wir diese eben noch nicht gänzlich verstehen.

Camponotus herculeanus: Als ich die Gyne von Abaton23 erhielt, hatte sie bereits ein großes Eierpaket, welches sich seitdem sehr schnell entwickelt hat. Die Gyne besitzt nun sieben Puppen und hat bereits ein neues kleines Eierpaket gelegt. Gehalten wird die Gyne in ihrem abgedunkelten RG + Wassertank unter ähnlichen Haltungsparametern wie die anderen Camponotus Gynen und ihr Gaster ist immer noch sehr prall gefüllt. Ich bin gespannt, wie sich diese Kolonie entwickelt :) und da ich nun sehr von dem Ameisenvirus angesteckt bin, entschied ich mich nach langer Recherche, eine weitere Ameisenart zu halten und entschied mich für eine Manica rubida Gyne. Ergänzend kann ich noch sagen, dass man Gynen während der Gründung nicht stören sollte und da ich dieses Risiko so gering wie möglich halten möchte, schaue ich nur bei Dunkelheit nach ihnen und verwende eine Stirnlampe, welche ich mit Rotlicht ausgestattet habe. So habe ich gemerkt, dass ich die Gyne anschauen kann, ohne dass sie etwas davon mitbekommt bzw. sie sich sehr ruhig verhält.

Manica rubida: Erhalten habe ich demnach eine Gyne und ca. ~10 Larven, welche ich in einem abgedunkelten RG + Wassertank halte, welches jedoch geöffnet in einer kleinen Arena liegt, da diese Art semiclaustral gründet und die Gyne Nahrung sucht. Da diese Art es etwas feucht mag, beträgt die Luftfeuchtigkeit, auf Grund des Bodensubstrates, ca. ~70% bis 80% und die Temperatur 24°bis 28° Grad. Zu beobachten ist, dass diese Gyne sehr viel furagiert und vor allem Zuckerwasser zu sich nimmt sowie bisher eine kleine Schokoschabe angenommen hat. Sie gräbt sehr gern im Bodensubstrat und hat den Eingang des RG + Wassertank mit Bodensubstrat und Pinienrinde sowie Granulat verschlossen. Da ich diese Gyne noch nicht sehr lang besitze, kann ich des weiteren noch nicht viel berichten. Jedoch scheinen die Larven seit dem Erhalt etwas an Fülle zugelegt zu haben, was bedeutet, dass sie sich weiterentwickeln bzw. wachsen. Besonders hat mir an dieser Art gefallen, dass sie die größte Knotenameise Deutschlands ist und somit einen Giftstachel besitzt. Ich bin gespannt, wie sich diese Kolonie entwickelt.

Myrmica rubra: Da ich Gefallen an den Knotenameisen gefunden habe, habe ich mir bereits eine große Kolonie Myrmica rubra (ca. ~100 bis 200 Arbeiterinnen) gekauft, welche ich jedoch noch nicht erhalten habe, jedoch bereits Arena und Nest (Acrylnest) vorbereitet sind.

So das war es zunächst mit dem Haltungsbericht und ich melde mich wieder, wenn es etwas zu ergänzen gibt :). Vielleicht hört sich das bisher nach sehr vielen Kolonien an, jedoch haben alle Kolonien ausreichend Platz, sodass sie bis nächstes Jahr denke ich keine neuen Becken/Ergänzungen benötigen. Da ich ausreichend Futter habe/züchte ist das somit auch gut abgedeckt und nachdem man die Ameisen gefüttert und für ausreichend Wasser gesorgt hat, erfordern Ameisen nicht wirklich viel Aufwand, um sie zu halten. Da ich in meiner Kindheit mit vielen Tieren groß geworden bin (Kaninchen, Meerschweinchen, Tauben, Hühner und einer Katze), weiß ich um die Verantwortung Tiere zu halten und sich um diese zu kümmern. Meine Dachgeschosswohnung macht es mir weiterhin sehr einfach, für ausreichend warme Temperaturen für die Ameisen zu sorgen, ohne jedoch zusätzlich Wärmequellen anbieten zu müssen, was die Haltung sehr erleichtert.

LG Abra

P.S: Bilder füge ich am Wochenende ein :) und zum Diskussionsthread geht es hier entlang diskussion-zu-izulas-haltungsbericht-seiner-ameisenkolonien-t58208.html

Izula
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

#2 Re: Izulas Haltungsbericht seiner Ameisenkolonien

Beitrag von Izula » 24. Juni 2018, 13:27

So ich möchte nun einige Bilder und Updates meiner Kolonien ergänzen. Da ich die Lasius niger Kolonie abgebe und auch überlege die Camponotus cruentatus "Kolonie" abzugeben, beschränke ich mich nun nur noch auf die Kolonien, welche ich auch weiterführen möchte :).

Messor barbarus: Sehr viel gibt es seit meinem Update bisher nicht zu berichten. Die Königin legt fleißig Eier und die Brut entwickelt sich sehr gut, man kann bei den Nacktpuppen schön erkennen, wenn sie sich langsam dunkel färben und dann bald aus ihrem "Schlaf" erwachen :). Ich habe ihnen auch neue Körner/Samen angeboten, also neben den bisher angebotenen Amaranth-, Quinoa- und Chiasamen habe ich nun auch Leinsamen und geschälte Sonnenblumenkerne angeboten. In ihrem Nest liegen bisher eine Unmenge an Amaranth- und Leinsamen. Quinoa- und Chiasamen werden nur noch bedingt eingetragen und an die Sonnenblumen hat sich bisher niemand gewagt, was aber auch daran liegen kann, dass sie so groß sind. Hier mal ein Bild, wie es derzeit bei ihnen aussieht:
Messor barbarus2.jpg

Auf dem Bild kann man den riesen Kopf der (Super)Major Puppe erkennen, deren Kopf so groß ist, wie der der Gyne :) sowie die vielen eingetragenen Samen/Körner und den Nesteingang, welchen sie komplett mit Pinienrinde verschlossen haben :). Auf Grund der vielen Larven nimmt die Kolonie sehr gern die ein oder andere Schokoschabe zu sich und verwertet diese komplett :). Obwohl ich viele Samen/Körner füttere, welche einen hohen Fett und Proteingehalt aufweisen, nehmen sie trotzdem tierisches Protein gern an, was zeigt, dass bei dieser Art eine Zufütterung von tierischem Protein sinnvoll ist.

Camponotus ligniperdus: Auch hier gibt es nicht sehr viel neues zu berichten. Es ist derzeit Brut in allen Stadien vorhanden, wobei sehr viele Puppen vorhanden sind, die, wenn sie alle gleichzeitig schlüpfen, die Kolonie um einige Arbeiterinnen ergänzen werden. Da ich ihnen stetig Kohlenhydrate und Proteine anbiete weiß ich nicht, wie viel sie davon wirklich täglich zu sich nehmen. Die Major Arbeiterinnen weisen jedoch einen sehr gut gefüllten Gaster auf und da die Gyne stetig neue Eier legt, denke ich dahingehend sollte alles gut sein. Eine Arbeiterin kam jedoch mit einer Fehlbildung aus ihrer Puppe (kurze verbogene Beine und kleine eingerollte Antennen), weshalb sie sich kaum bewegen kann und ich denke, dass sie demnächst leider sterben wird. Sie wird von den Arbeiterinnen immer auf unterschiedliche Bruthaufen bzw. Brutkammern gelegt. Eine weitere Beobachtung machte ich, als eine Arbeiterin gestorben war und sie von zwei anderen Arbeiterinnen aufgegessen worden ist. Ich habe im Internet mal versucht diesbezüglich etwas in Erfahrung zu bringen und habe gelesen, dass andere Halter ähnliche Beobachtungen gemacht haben. Da sie jedoch ausreichend Futter angeboten bekommen, finde ich ein derartiges Verhalten jedoch etwas ungewöhnlich. Jedoch werden sich die Ameisen dabei schon etwas gedacht haben und daher sollte man die Biologie nicht in Frage stellen :). Auch ist mir aufgefallen, dass die Gyne ab und zu auf "der Seite" liegt und man denken könnte, dass es ihr nicht gut geht. Jedoch ist meine Vermutung, dass die Gyne auf diese Weise schläft/ruht und mir auch dabei auffällt, dass sie in der Position von den übrigen Arbeiterinnen geputzt wird. Auch kann ich beobachten, dass viele Arbeiterinnen nur mit einem Bein in ihrem Korknest hängen und die übrigen Glieder dann putzen (sieht aus wie ein Kletterer an einer Steilwand). Da vor dem Nest eine rote Folie angebracht ist, konnte ich kein wirklich gutes Bild machen:
C. ligniperdus.jpg


P.S: Ich habe aus dem Wald mal ein Stück Fichtenholz mitgenommen, an welchem sich sehr viel trockenes Harz befindet, da ich gelesen habe, dass dies gegen einige ungebetene Gäste helfen kann und Waldameisen dies auch verwenden. Auch wenn es keine Wirkung hat, es riecht dadurch sehr gut im Formicarium :)

Camponotus herculeanus: Auch hier gibt es nicht viel neues zu berichten. Die Gyne hat weiterhin einige Puppen und ungefähr die gleiche Menge an neuen Eiern gelegt, welche jedoch unter den Puppen liegen. Ihr Gaster ist sehr prall und sie ist wirklich eine sehr ruhige und störunanfällige Gyne :). Hier ein Bild von ihr:
C. herculeanus.jpg


Manica rubida: Der von mir kürzlich erworbenen Gyne geht es sehr gut. Sie hat das Reagenzglas verschlossen und läuft nur noch sehr selten in der Arena herum, denn vorher hat sie sehr viel gegraben und erkundet. Die Larven sind in den letzten Tagen sehr viel gewachsen und nun richtig prall und rund. Angenommen hat sie bisher eine weitere Schokoschabe und Zuckerwasser. Hier ein Bild von ihr:
Manica rubida.jpg
Manica rubida2.jpg


Myrmica rubra: Meine Kolonie Myrmica rubra ist angekommen und ich habe sie gleich in ihre Arena + Nest gelegt. Sogleich sind sie herausgeströmt und haben ihre Umgebung erkundet und sehr sehr viel gegraben. Eigentlich müsste man sie, so wie auch die Manica rubida, "Maulwurfsameisen" nennen :), weil sie einfach unglaublich viel und gern graben (viel mehr als Lasius niger). Nach ihrer Ankunft sind sie auch gleich in ihr Nest gezogen und stapeln dort die Brut, welche bereits vorhanden war. Es sind zwei Gynen und etwa 100 Arbeiterinnen + 40-50 Puppen, einige Larven und neue Eier. Die Brut haben sie auf den zwei bewässerten Gipspunkten gelagert und scheinen sich in dem Nest recht wohl zu fühlen. Auch bei dieser Art ist mir aufgefallen, dass sich Ameisen zum Putzen und Füttern auf die Seite legen, scheint also nicht nur bei Camponotus vorzukommen. Auf Grund der vielen Puppen und wenigen Larven haben sie bisher nicht viel an Protein zu sich genommen und bisher nur sehr viel Zuckerwasser aufgenommen. Ich versuche das Nest durch die beiden befeuchteten Gipspunkte ausreichend feucht zu halten und in der Arena habe ich durch das Bodensubstrat sowie den Deckel und eine kleine Tonschale mit befeuchtetem Granulat für bisher ausreichende Feuchtigkeit gesorgt. Ich denke 70-80% sollten ausreichend sein. Hier zwei Bilder der Kolonie:
Myrmica rubra.jpg
Myrmica rubra2.jpg


Abschließend noch ein Bild von meiner derzeitigen "Ameisenecke" :)
20180624_115458.jpg


LG Abra

Izula
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

#3 Re: Izulas Haltungsbericht seiner Ameisenkolonien

Beitrag von Izula » 12. Juli 2018, 21:26

Hallo liebe Ameisenfreunde,

nun möchte ich ein kleines Update meiner Kolonien geben und auch noch eine neue Kolonie hinzufügen :).

Camponotus ligniperdus: Meiner Camponotus ligniperdus Kolonie geht es sehr gut und es dürften im Moment ca. 100 Arbeiterinnen sein. Erhalten hatte ich die Kolonie mit viel Brut (und ca. 30-40 Arbeiterinnen), welche nun ungefähr zu 2/3 geschlüpft ist. Die Königin hat bereits einige neue Eier gelegt und es ist Brut in allen Stadien vorhanden. Letzte Woche bemerkte ich, dass in einer Ecke des Nestes die "Futterreste" anfingen zu schimmeln (nicht das Korknest selbst, sondern nur das Futter). Ich war mir unschlüssig, was ich tun sollte. Letztlich entschied ich mich aber, das Korknest samt Arbeiterinnen, Gyne und Brut herauszuholen und es zu säubern. Ich bin sehr behutsam vorgegangen und habe es tatsächlich geschafft, die schimmeligen Reste zu entfernen und die "Müllkammern" mit Fichtenharz zu bestücken, da ich gelesen hatte, dass Waldameisen dies tun, um Schimmel/Pilzen vorzubeugen. Während der Aktion ist mir zum Glück/leider nur eine Arbeiterin verunglückt, was ich recht gut finde, wenn man bedenkt, dass es um die 100 Tiere sind. Nach einem riesen "Gewusel" sind alle wieder in das Korknest eingezogen und alle Kammern werden wie zuvor für die jeweiligen Aufgaben genutzt. Über die Fichtenharz Stücke haben die Ameisen einige Fichtennadeln gelegt und halten sich in dieser Kammern nun sehr oft auf und verwerten dort Futter oder verrichten ihr Geschäft, was ich schon des Öfteren beobachten konnte. Auch überlegte ich mir, wie ich einem erneuten schimmeln der Futterreste vorbeugen kann und entschied mich, die von mir angebotenen Schokoschaben nun nicht mehr einfach in die Arena zu legen, damit die Arbeiterinnen diese in das Nest tragen. Daher entschied ich mich ein Stück Holz mit einer Nadel zu bestücken, auf welche ich die Schokoschaben nun spieße und die Ameisen diese nun vor Ort verwerten müssen. Lediglich den Kopf und die Beine der Schokoschaben tragen sie noch in das Nest, aber da diese sehr trocken sind und fast nur aus Chitin bestehen, denke ich ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass diese schimmeln. Denn die Schokoschaben wurden zuvor nie richtig verwertet und ihr Gaster wurde meist nicht gefressen, sondern nur der Kopf und Thorax. Auch habe ich ihr zweites Becken umgestaltet und die Korkröhre herausgenommen und es mit Fichtenrinde und Kiefernrinde bestückt. Da meine Ameisen, sobald es dunkel wird, sehr viel furagieren, konnte ich feststellen, dass das zweite Becken nun sehr oft und häufig besucht wird, seitdem ich es verändert habe. Vorher wurde es meist nur von 2-3 Arbeiterinnen genutzt/untersucht :)

Camponotus herculeanus: Der von Abaton23 erhaltenen Camponotus herculeanus Gyne geht es sehr gut. Vor 1 1/2 Wochen sind die Arbeiterinnen geschlüpft, ganze 8 an der Zahl und die Gyen hat bereits neue Eier gelegt. Ich habe ihnen nun eine ähnliche Arena/Nest Kombination angeboten, wie den Camponotus ligniperdus und diese haben sie ebenso gut angenommen. Vor zwei Tagen habe ich meine Eltern besucht und bin mit ihnen im Wald spazieren gegangen und habe natürlich dabei Ausschau nach Ameisen gehalten. Wie es der Zufall will, habe ich ein großes Nest von Camponotus herculeanus gefunden, welches sich in einem am Boden liegenden Baumstamm befand. Ich entschloss mich, nach einigen Puppen zu suchen und diese meiner Camponotus herculeanus Kolonie zu geben, um ihre "Entwicklung" etwas zu beschleunigen und nahm einige Puppen mit. Zu Hause angekommen habe ich sie dann gleich angeboten und am nächsten Morgen waren alle Puppen im Reagenzglas und im Korknest verteilt, was mich sehr gefreut hat. Mal sehen, wann die ersten Arbeiterinnen daraus schlüpfen :)

Myrmica rubra: Meine Myrmica rubra machen mir leider etwas Sorgen, da es nicht mehr so gut läuft, wie am Anfang. Zuerst ist die Kolonie aus dem Acrylnest ausgezogen und unter ein großes Holzstück in der Arena gezogen. Da ich den Ameisen jedoch die Wahl lasse, was sie lieber haben, störte mich dies nicht weiter. Nach einigen Tagen bemerkte ich sehr viele Geschlechtstiere in der Arena (so wie es für mich aussah nur Männchen), welche versuchten sich mit den Arbeiterinnen zu paaren, was die Arbeiterinnen natürlich nicht mochten und sich wehrten. Seitdem bemerke ich immer wieder, wie manche Arbeiterinnen nun andere Arbeiterinnen angreifen und diese töten und dann mit den toten Arbeiterinnen in der Arena herumlaufen. Ich habe natürlich gleich versucht, im Internet etwas über dieses Verhalten in Erfahrung zu bringen und bin auf ähnliche Beobachtungen bei dieser Art gestoßen. Jedoch konnte ich keine Erklärung finden, weshalb ich einfach abwarten werde, bis das Verhalten aufhört.

Manica rubida: Meiner Manica rubida Gyne geht es auch sehr gut, denn sie hat neue Eier gelegt und alle Larven haben sich zu Nacktpuppen entwickelt. Was mir jedoch aufgefallen ist, dass die Gyne nun kein Futter mehr annimmt, was sie zuvor sehr viel und auch häufig getan hat. Da sich die Brut aber entwickelt hat und auch neue Eier gelegt wurden, denke ich, dass alles in Ordnung sein sollte.

Messor barbarus: Meine Messor barbarus Kolonie explodiert förmlich, denn die Gyne legt unglaublich viele Eier und die Brut entwickelt sich sehr schnell. Neben vielen Minor- und Mediaarbeiterinnen, habe ich nun auch einige Majorarbeiterinnen, wobei eine davon fast so groß ist, wie die Gyne selbst und ihr Kopf ungefähr doppelt so groß ist, wie der der Gyne. Es entwickeln sich auch stetig neue Majorlarven aus den gelegten Eiern, was bei einer Kolonie von ca. 50-60 Arbeiterinnen ganz gut ist, denke ich. Samen nehmen sie eigentlich nur noch Amaranth an und verspeisen alle zwei Tage eine mittlere Schokoschabe, welche sie sofort in das Reagenzglas tragen. Vielleicht liegt die rasante Entwicklung an dem vielen Protein, jedoch halte ich die Ameisen auch stets bei 24-29°Grad. Mal sehen, wie lange das Reagenzglas ihnen noch reicht, denn es ist zusammen mit der Brut und den Körnern schon sehr voll. Ich denke ich werde ihnen dann ein Nest aus Ytong anbieten, jedoch weiß ich noch nicht, ob ich selbst eines baue oder ein gutes kaufen werde bzw. eines finde.

Formica sanguinea: Letztens wurde bei dem Händler meines Vertrauens eine kleine Formica sanguinea Kolonie angeboten mit ca. 15 Arbeiterinnen. Da ich Waldameisen total spannend finde und ich sie auf Grund von Abaton23 Gründungsbericht unbedingt auch halten wollte, kaufte ich sie kurzerhand. Angekommen sind dann eine Gyne und 15 Arbeiterinnen und etwas Brut, wobei es nur 2 Formica fusca Arbeiterinnen sind und der Rest Formica sanguinea, was mich sehr gefreut hat. Bei der Brut waren leider keine Eier dabei, sondern nur einige Puppen sowie Nacktpuppen. Ich habe für sie natürlich gleich eine Arena/Nest Kombination gebastelt. Da ich gelesen hatte, dass sie meist in Erdnestern unter Stämmen leben, habe ich ihnen zwei kleine Korknester in die Arena getan und den Rest mit Waldbodensubstrat aufgefüllt und darüber Fichtennadeln, Fichtenrinde und einen kleinen Baumstumpf gelegt. Sie sind auch gleich in eines der beiden Korknester eingezogen :).
Da ich heute etwas Zeit hatte, bin ich nachmittags in einen Wald* gefahren, in welchem ich schon einige Waldameisen angetroffen hatte und habe mich auf die Suche nach Formica sanguinea und Formica fusca Nestern gemacht, um einige Puppen zu holen, um für sie einen "Raub" zu simulieren. Nach einiger Zeit entdeckte ich drei Formica sanguinea Nester sehr nah beieinander (ca. im Umkreis von 200m). Die Nester waren teils in und unter Baumstämmen und teils in die Erde gebaut und ich konnte bei einem großen Nest einige Puppen mitnehmen. Im Nest selbst konnte ich sowohl Formica sanguinea sowie Formica fusca Arbeiterinnen antreffen, was mich neben der Nestbauweise auch noch weiter in der Bestimmung bestätigt hat (damit ich keine geschützte Art mitnehme). Zu Hause habe ich dann die Puppen von den Holz- und Erdresten befreit (hat ca. 2 Stunden mit der Pinzette gedauert) und dann habe ich die Puppen in einer kleinen Schale in die Arena gelegt. Zunächst konnte ich keine Regung erkennen, da alle Arbeiterinnen im Korknest waren. Jedoch seit eben haben die Formica sanguinea Arbeiterinnen angefangen, die Puppen wie von der Tarantel gestochen in das Nest zu tragen. Dabei werden sowohl kleine Puppen sowie sehr große Puppen in das Nest getragen, weshalb ich nicht sagen kann, ob es sich bei den Puppen nur um Hilfsameisen Puppen handelt, oder ob auch Formica sanguinea Puppen dabei sind. Jedenfalls werden alle Puppen in das Nest getragen, was zeigt, dass sie wohlmöglich auch Puppen ihrer eigenen Art "rauben" und annehmen, ähnlich wie meine Camponotus herculeanus auch die Puppen ihrer Art angenommen haben. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich die Puppen entwickeln und werde euch natürlich weiterhin berichten :)

*(Der Wald ist ein Traum für Ameiseninteressierte, denn ich habe dort bereits Formica rufa/polyctena, Formica sanguinea, Formica fusca, Lasius niger, Camponotus herculeanus und Myrmica rubra gefunden. Teilweise kleine und teilweise sehr große Nester mit einigen tausend Arbeiterinnen an der Oberfläche)

P.S: Neue Bilder gibt es am Wochenende und alle Ameisenbecken habe ich nun mit digitalen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmessern ausgestattet :)

Izula
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

#4 Re: Izulas Haltungsbericht seiner Ameisenkolonien

Beitrag von Izula » 15. Juli 2018, 14:09

Da ich ein kleines Update bezüglich meiner Becken und Nester geplant habe, werden neue Bilder wohl erst Dienstag kommen können :)

Izula
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

#5 Re: Izulas Haltungsbericht seiner Ameisenkolonien

Beitrag von Izula » 21. Juli 2018, 16:53

Hallo liebe Ameisenfreunde,

nun ein weiteres kleines Update meiner geliebten Ameisenkolonien :)

Camponotus ligniperdus: Bei meinen Camponotus ligniperdus gibt es nicht viel Neues zu berichten. Sie sind tagsüber sehr inaktiv und sitzen im Nest sehr nah beieinander und nur einige Arbeiterinnen fouragieren außerhalb des Nestes. Nachts (sobald die Dunkelheit eingesetzt hat) ist hingegen eine deutliche Aktivität zu verzeichnen. Dann werden beide Becken erkundet und auch die Gyne bewegt sich innerhalb des Nestes, wohingegen sie des Tages über umringt von ihren Arbeiterinnen "schläft". Jedenfalls sieht es so aus, da sie meist mit angelegten Antennen regungslos in einem Kneul von Arbeiterinnen verweilt und ihre Position so gut wie nie ändert. Ich habe mal gelesen, dass Camponotus im Allgemeinen nachtaktiv sein sollen, von daher denke ich, dass dieses Verhalten in Ordnung ist bzw. der Art entsprechend ist, denn meine Camponotus herculeanus zeigen ein ähnliches Verhalten. Die meisten Puppen sind nun geschlüpft und aus den neu gelegten Eiern (ca. 30) haben sich indes kleine Larven entwickelt. Trotz ihres Hungers ist die Proteinaufnahme in der letzen Zeit deutlich zurückgegangen und ich füttere nur noch alle zwei Tage eine Schokoschabe. Zuckerwasser wird hingegen immer noch sehr gern und häufig aufgenommen und ich kann fast jeden Tag die Schale neu befüllen. Ach so, der Schimmel ist auch wieder aufgetreten und somit habe ich mich ein weiteres mal dafür entschieden, das Nest davon zu säubern, um einer Ausbreitung vorzubeugen. Es lief ähnlich gut wie das Mal davor. Jedoch habe ich diesmal den Schimmel aus dem Kork ausgekratzt und das Nest für 20 Minuten im Backofen bei 100° Grad gebacken, sodass der Schimmel hoffentlich abgetötet worden ist. Mit Harz habe ich das Nest nun nicht mehr bestückt, da die Kammern nun leerer sind und besser gelüftet werden können. Auch meine Idee mit dem Futter auf einer Nadel hilft, dass die Ameisen keine Nahrung (in Form von Schokoschaben) mehr in das Nest tragen können, wo es dann später anfängt zu schimmeln. In den Kammern liegen nun lediglich die Puppenhüllen und es sieht soweit trocken aus. Nur ihre Toilette ist in einer Ecke immer etwas dunkel, was wohl daran liegt, dass sie bei ihrem Toilettengang immer einen winzigen Tropfen ihrer Ausscheidungen in diese Ecke geben und es dort somit "feucht" ist. Ich hoffe aber, dass der Schimmel nun beseitigt ist, sonst muss ich mir etwas anderes einfallen lassen. Auch habe ich ihre Becken optisch "neu" gestaltet und versucht diese noch naturgetreuer zu gestalten, so wie ich es eben in ihrem natürlichen Lebensraum vorgefunden habe.

Camponotus herculeanus: Auch bei meinen Camponotus herculeanus gibt es nicht sehr viel Neues zu berichten. Aus den Puppen, welche ich aus dem Nest einer Camponotus herculeanus Kolonie in einem Waldstück entnommen habe, sind bisher 5 große Arbeiterinnen geschlüpft, welche deutlich größer sind, als die ersten Pygmäen der Gyne. Im Vergleich zu den Camponotus ligniperdus ist mir aufgefallen, dass sie einen etwas breiteren Kopf besitzen und ihr Thorax etwas hellbraun ist (bei Camponotus ligniperdus ist dieser dunkel rot/braun). Auch hat die Gyne weitere neue Eier gelegt und es sind einige Larven vorhanden, jedoch ist auch bei ihnen der Proteinbedarf sehr gering. Sie ziehen immer wieder von dem Korknest zurück in das Reagenzglas und aus diesem dann wieder in das Korknest. Wohingegen die Gyne oft mit 2 Arbeiterinnen im Korknest sitzt und einige Puppen bei sich hat und der Rest der Kolonie samt Brut ist dann im Reagenzglas. Da der Eingang des Korknestes und des Reagenzglases jedoch sehr nah beieinander liegen und sie diese mit einem kleinen Hügel aus Nadeln und Rinde verschlossen und verbunden haben, denke ich, dass sie gar nicht unterscheiden können, dass es 2 Nester sind und denken, dass sie sich in einem großen Nest mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen befinden. Des weiteren ist mir aufgefallen, dass der Gaster der Gyne wirklich riesig ist und ich nicht weiß, ob dieser physogastrisch ist oder sie einfach nur viele Nahrungsreserven angelegt hat. Denn meine Camponotus ligniperdus Gyne weist einen normalen Gaster auf, legt jedoch so wie die Camponotus herculeanus Gyne Eier. Daher gehe ich davon aus, dass bei kleinen Kolonien die Gyne die Nahrung in ihrem Gaster speichert und bei großen Kolonien übernehmen dies dann die übrigen Arbeiterinnen, vorwiegend die Majore bei meinen Camponotus ligniperdus.

Myrmica rubra: Bei meinen Myrmica rubra hat sich seit dem letzten Update doch etwas positives getan und zwar sind die "Angriffe" auf andere Arbeiterinnen weniger geworden und es werden eigentlich nur noch geflügelte Männchen "angegriffen", herum getragen und entsorgt. Da ich ihre Arena zuvor mit Erde bestückt und bewässert hatte, war diese viel zu feucht, was ich leider erst gemerkt hatte, als ich eines von meinen neuen Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmessern dort reingelegt hatte. Angezeigt wurden mir da zwischen 90-100%, was viel zu hoch war und ich auch dort mit Schimmel an Futter zu kämpfen hatte. Somit habe ich das Substrat getauscht und es nun nur noch mit Seramis und Pinienrinde befüllt und befeuchte es mit einem Stück Holz, welches ich besprühe und siehe da die Luftfeuchtigkeit hält sich nun um die 70%. Das gefällt den Ameisen so gut, dass der überwiegende Teil der Arbeiterinnen nun in der Arena auf und in dem Holzstück sitzt und die 2 Gynen und ein Teil der Brut in dem Acrylnest verweilen. Jedoch bin ich mit dem Acrylnest für diese Art nicht so zu frieden, da es nicht so gut angenommen wird, wie erhofft. Entweder es ist zu groß oder nicht feucht genug, jedoch sollte auch in diesem genug Feuchtigkeit herrschen, da ich an das andere Ende des Nestes auch noch ein kleines befeuchtetes Reagenzglas angeschlossen habe, welches aber nicht genutzt wird. Daraus kann ich nur schließen, dass sie wahrscheinlich natürliche Materialien bevorzugen und ihnen die Struktur einfach besser gefällt. Des weiteren habe ich ihnen eine kleine Schale mit Wasser und einem Stein in ihre Arena gegeben, auf welchem sie häufig sitzen. Neben einer Tränke und einer Schale mit Zuckerwasser dachte ich, dass sie dies wie eine zusätzliche Wasserquelle nehmen können und bei bedarf dort "baden" können :), was sie anscheinend auch tun. Auch verdunstet das Wasser aus der Schale und hält die Luftfeuchtigkeit in der Arena weiterhin konstant. Zuckerwasser sowie Protein nehmen sie gut auf, jedoch haben sie nicht so viel Brut, was ich aber nur anhand der Brut in dem Acrylnest einschätzen kann. Denn was sie eventuell unter oder in dem Holzstück eingetragen haben, weiß ich nicht. Jedoch ist in dem Holzstück ab und zu eine der Gynen zu sehen, weshalb ich glaube, dass meine Vermutung stimmen könnte. Ansonsten scheint es ihnen jedoch ganz gut zu gehen und ich überlege, für diese Kolonie auch ein Gipsnest zu besorgen. Jedoch will ich damit noch abwarten und schauen, wie sie sich in dem Acrylnest entwickeln.

Manica rubida: Meiner Manica rubida Kolonie geht es sehr gut und sie sind mir wirklich ans Herz gewachsen. Aus den Nacktpuppen sind nun 8 Arbeiterinnen geschlüpft und es sind noch 2 Puppen und einige Larven sowie ein neues Eierpaket vorhanden. Da die Ameisen bisher in einem Reagenzglas lebten, welches in einer kleinen Arena lag, war ich damit etwas unzufrieden. Daher besorgte ich für sie ein kleines Gipsnest, da ich gelesen hatte, dass man Gips gut bewässern kann und mir die glatte Oberflächenstruktur des Gipses besser gefällt, als von Ytong. So stattete ich ihre Arena mit dem Gipsnest aus und änderte auch das Substrat von Erde zu Sand, da ich in dem neu erworbenen Buch von B. Seifert (Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas) gelesen hatte, dass diese Art sandige Böden bevorzugt. Tatsächlich sind sie dann auch aus dem Reagenzglas zunächst unter die Futterschale in den Sand gezogen. Jedoch hielt dies nicht lang und sie zogen in das Gipsnest ein, welches ich leicht bewässere und die Luftfeuchtigkeit bei 70% halte. Was mir aufgefallen ist, dass sich unter der Futterschale im Sand Kondenswassertropfen gebildet hatten unter welchem die Ameisen zunächst saßen. Jedoch war ihnen dies anscheinend zu feucht, weshalb sie nun das Gipsnest bevorzugen, in welchem die Luftfeuchtigkeit ihren Bedürfnissen nach passt, es aber nicht feucht ist bzw. es kein sichtbares Wasser gibt. Wenn ich die Manica rubida Kolonie beobachte, fällt mir immer wieder ihre Ähnlichkeit zu Wespen auf und auch ihr Jagen ähnelt dem der Wespen. Zuckerwasser und Protein nehmen sie sehr gern auf und sogar die Gyne nimmt an der Jagd an den Schokoschaben teil. Ein Bild davon ist unten im Beitrag eingefügt :)

Messor barbarus: Auch für meine Messor barbarus Kolonie habe ich ein schönes und großes Gipsnest besorgt, da die Kolonie so langsam in dem Reagenzglas keinen Platz mehr hatte. Auch diese sind gleich nach dem Einbau in das Gipsnest gezogen und man kann ihnen irgendwie anmerken, dass sie sich darüber freuen. Sie haben viele Kammern mit Körnern/Samen befüllt und ihre Brut in der Mitte des Nestes platziert. Auch fouragieren sie nun sehr viel im und um das Nest herum, wohingegen sie vorher im Reagenzglas nur sehr wenig Aktivität zeigten. Ansonsten entwickelt sich die Kolonie sehr gut und es wird stetig neue Brut produziert und unter den Larven lassen sich immer wieder neue Majorlarven entdecken. Bisher sind zwei wirklich große Majorarbeiterinnen vorhanden, wobei eine davon wirklich sehr groß und komplett schwarz gefärbt ist und eine ähnliche Größe wie die Gyne selbst aufweist. Die andere Majorarbeiterin hat einen sehr großen Kopf, welcher rötlich gefärbt ist. Die übrigen Major- und Mediaarbeiterinnen sehen normal aus :). Auch weiterhin lieben sie Amaranthsamen und nehmen manchmal noch einige Chiasamen mit, weshalb ich ihre Ernährung nun dabei auch belasse (und nicht weiter experimentiere) und ihnen nur noch zusätzlich Schokoschaben und manchmal etwas Zuckerwasser gebe, was auch gut angenommen wird. Das Gipsnest lässt sich sehr gut mit einer Pipette von oben befeuchten, jedoch muss ich darauf achten, dass Nest bzw. die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ansteigen zu lassen, damit die Samen/Körner nicht keimen oder schimmeln. Jedoch sind die Messor barbarus wirklich sehr organisiert und tragen trotz des großen Nestes ihren Müll außerhalb ihres Nestes und nicht wie meine Camponotus ligniperdus in leere Kammern ihres Nestes. Auch sind mir weiße Streifen an der Scheibe des Nestes aufgefallen, was einigen anderen Haltern von Messor barbarus bei ihren Kolonien auch schon aufgefallen ist. Ich vermute, dass es sich hierbei um Ausscheidungen der Ameisen handelt, welche sie anders wie beispielsweise meine Camponotus ligniperdus nicht in eine spezielle Ecke bzw. Kammer des Nestes tun, sondern ausscheiden, wenn sie eben müssen. Jedenfalls kommt es mir so vor und die milchig weiße Farbe würde auch zu ihrer Ernährung passen, da das Ameisenbrot eine ähnliche Farbe aufweist.

Formica sanguinea: Zuletzt möchte ich nun auf meine Formica sanguinea Kolonie eingehen, welche sich seit dem letzten Update wirklich sehr gut entwickelt hat. Aus den aus dem Nest einer "wilden" Formica sanguinea Kolonie entnommenen Puppen sind wirklich sehr viele Ameisen geschlüpft und wurden gut in die Kolonie aufgenommen. Auch hat die Gyne ein neues Eierpaket gelegt, welches täglich zu "wachsen" scheint bzw. es immer mehr Eier werden und welches von einer Arbeiterin stets zwischen den Mandibeln getragen wird. Die Gyne ist innerhalb des Nestes aktiver, als beispielsweise meine Camponotus ligniperdus/herculeanus. Im allgemeinen sind die Formica sanguinea auch etwas aggressiver, als meine übrigen Ameisen, jedoch drohen sie immer nur und gehen in Angriffsposition, spritzen jedoch nicht ihre Ameisensäure. Dies passiert dann, wenn ich sie füttere, die Arena reinige oder sie außerhalb des Nestes mit Licht anleuchte. Da Formica und im Speziellen Formica sanguinea eine außerordentlich gute Sicht haben, ist dies auch nicht verwunderlich. Über den Nesteingang, welches sich neben einem kleinen Baumstumpf in der Erde befindet, habe ich ein kleines Fichtenrindenstück gelegt, um den Eingang etwas zu schützen (Licht/Bewegung). Diesen haben die Arbeiterinnen nun noch weiter mit Pinienrinde und Nadeln zu einem kleinen Haufen geformt, was ihre Verwandtschaft zu anderen Waldameisen, welche Hügelnester bauen, verdeutlicht. Futter nehmen sie sehr gut und gern auf und sowohl Formica sanguinea als auch Formica fusca Arbeiterinnen beteiligen sich dabei und nicht, wie in vielen Berichten zu lesen, nur an der Arbeit innerhalb des Nestes. Ich bin gespannt, wie sich diese Kolonie entwickelt und freue mich bereits auf das nächste Jahr mit ihnen. Da wird jedoch eine Erweiterung, in Form eines zweiten Beckens, erforderlich sein, um ihnen ein ausreichendes fouragieren zu ermöglichen :)

LG Abra

P.S: Ich habe mir, wie bereits oben aufgeführt, das Buch von B. Seifert "Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas" gekauft und bin sehr begeistert von diesem Werk. Unglaublich, dass nur eine Person diese ganzen wertvollen Informationen zusammengetragen hat. Interessant finde ich auch, dass sich die darin aufgeführten Beobachtungen bzw. Informationen mit den Erfahrungen decken, welche ich beispielsweise in meinem Waldstück gemacht habe, in welchem ich Ameisen häufig beobachte :)

Anbei einige Fotos:
Meine Ameisenecke I
20180721_152530.jpg

Meine Ameisenecke II
20180721_152606.jpg

Messor barbarus Gipsnest
20180721_152445.jpg

Formica sanguinea Haufen/Hügel
20180721_152424.jpg

Manica rubida Gyne beim Jagen
20180721_153707.jpg

Formica sanguinea und Formica fusca bei der Nahrungsaufnahme
20180721_205228.jpg

Antworten

Zurück zu „Europäische Arten“