Myrmecia cf. fulvipes - Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Myrmeciinae
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#1 Myrmecia cf. fulvipes - Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 18. Oktober 2009, 17:19

[SIZE="5"][color="DarkRed"]Myrmecia cf. fulvipes[/color][/SIZE]




[color="DarkRed"][SIZE="3"]Taxonomie[/SIZE][/color]
Subfamilia: Myrmeciinae
Tribus: Myrmeciini
Genus: Myrmecia Fabricius, 1804
Species: Myrmecia fulvipes Roger, 1861


[SIZE="3"][color="DarkRed"]Allgemeines[/color][/SIZE]
Herkunft: Australien Victoria, nähe Melbourne.
Habitat: Australischer Busch, lichter Eukalyptus Wald.
Kolonie: Monogyn.
Koloniegröße: Gering.
Gründung: Semiclaustral.
Arbeiterinnen: Monomorph, kaum Größenunterschiede untereinander.
Nestbau: Erdnester.
Winterruhe: Hält eine Winterruhe bei Temperaturen unter 20°C. Siehe Herkunft.


[SIZE="3"][color="DarkRed"]Aussehen/Färbung[/color][/SIZE]
Königin/Arbeiterin: Schwarz, Beine rötlich/gelb, Gaster golden behaart.


[SIZE="3"][color="DarkRed"]Größe[/color][/SIZE]
Königin: ca. 15 mm;
Arbeiterinnen: ca. 10-12 mm;


[SIZE="3"][color="DarkRed"]Entwicklungsdauer[/color][/SIZE]
Arbeiterin: ?





[SIZE="3"][color="DarkRed"]Bemerkungen[/color][/SIZE]
Auch diese Myrmecia Art verfügen über eine sehr gute visuelle Wahrnehmung. Arbeiterinnen jagen einzeln und töten die Beutetiere, kleine Insekten und Spinnen, mit ihrem Giftstachel.
Weiterhin suchen sie Nektarien von Bäumen und Sträuchern auf, um dort an die zuckerhaltigen Pflanzensäfte zu gelangen.
Die Art wirkt noch etwas kleiner als meine Myrmecia chrysogaster und ist damit die kleinste Myrmecia Art die ich halte.
Allerdings sind diese Ameisen sehr aufmerksam und versuchen auch anzugreifen. Eine gewisse Aggressivität ist somit durchaus vorhanden.
Myrmecia fulvipes gehört zum Mandibularis-Artenkomplex.

[SIZE="3"][color="Red"]Warnhinweis! [/color][/SIZE]
Das Gift von Myrmecia ist dem von Bienen und Wespen ähnlich und kann deshalb zu allergischen Reaktionen führen. Es muss deshalb unbedingt darauf geachtet werden, dass keine unbeteiligten Personen mit den Ameisen in Kontakt kommen und versehentlich gestochen werden.




[SIZE="3"][color="DarkRed"]Haltungsbedingungen[/color][/SIZE]
Temperatur: Zimmertemperatur, im Sommer eventuell mit einem Wärmespot. Im Winter etwas kühler.
Melbourne liegt in der subtropischen Klimazone. Der wärmste Monat ist der Februar mit einer Durchschnittstemperatur von 20,2°C. Der kälteste Monat ist der Juli mit 9,7°C im Mittel.
Feuchtigkeit: Das Nest sollte einen feuchten und einen trockenen Bereich aufweisen. Gelegentliches Sprühen im Becken ist ausreichend.
Formicariengröße: Etwa 40x30x20 cm.
Futter: Kleine Insekten und Spinnen, Zuckerwasser und Wasser.



Hier kann diskutiert werden.


Wie bei allen exotischen Arten sollte der Infektionsthread beachtet werden.

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#2

Beitrag von swagman » 18. Oktober 2009, 17:21

[SIZE="5"][color="DarkRed"]Haltungsbericht[/color][/SIZE]



Ankunft und Unterbringung.

Am 10.10.2009 kam endlich das ersehnte Päckchen an, nachdem die Ameisen drei Tage unterwegs waren.
Natürlich war ich schon etwas angespannt, hatten die Myrmecia diese lange Versanddauer heil überstanden? Sie hatten, ein Glück.
Munter und durchaus etwas aufgeregt sammelten sie ihre Brut zusammen.

Das Volk lebt vorerst in einer Haushaltsdose(15x30x10cm) mit einem größeren Reagenzglas als Nest und einer dünnen Schicht Erde/Sand Gemisch als Bodengrund.
Das Reagenzglas wurde, nachdem die Transportbox geöffnet war, sehr schnell bezogen. Den oberen Rand der Haushaltsdose hab ich mit Paraffin gesichert, ein entweichen der Ameisen ist dadurch beim hantieren unmöglich. Selbstverständlich ist der Behälter mit einem passenden Deckel versehen.
Leider hat wohl eine der beiden Larven den Transport nicht überstanden und wurde später aus dem Nest gebracht und im Becken entsorgt. Sie haben jetzt noch eine Larve und etwa 10 Eier. Da das Volk aber schon 14 Arbeiterinnen umfasst, wird es sicherlich nicht lange dauern bis wieder Brut in allen Stadien vorhanden ist.

Diese Myrmecia Art ist bisher recht aktiv und auch etwas aggressiver als die anderen beiden kleinen Arten die ich halte. Überrascht man eine Arbeiterin im Behälter, versucht sie sofort auf den Störenfried loszugehen. Sie sind dabei recht schnell und verfolgen dabei jede Bewegung um sofort auf die bösen Finger loszugehen, die es wagen in ihrem Territorium zu hantieren.

Insekten werden Momentan noch ignoriert, da fast nur Eier vorhanden sind. Dürfte sich aber mit dem Schlupf der Larven bald ändern.
Zuckerwasser wird aber gerne genommen.

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#3

Beitrag von swagman » 15. November 2009, 19:08

15.11.2009

Umzug und Volkswachstum.

Die kleine Kolonie lebt inzwischen in einem kleinen Falltür-Terrarium mit Ytong-Nest.
Die Ameisen sind selbstständig und recht schnell aus dem Reagenzglas in das weitaus geeignetere Ytong-Nest umgezogen.
Leider haben die Eier den Transport wohl nicht überstanden. Es waren zwar später 14 Eier im Reagenzglas, aber beim Umzug konnte ich nur noch 4 Larven und keine Eier mehr finden.
Inzwischen haben sich schon zwei der Larven verpuppt, die beiden anderen werden wohl bald folgen. Neue Eier konnte ich noch nicht erkennen, allerdings sind die Kammern voller Sand was es nicht gerade leicht macht eventuelle Eier zu entdecken.

Honigwasser wird begeistert genommen, bei Insekten sind sie noch etwas wählerisch. Heimchen werden meist nicht angenommen, allerdings lassen sie sich gut mit kleinsten Larven der Argentinischen Schabe versorgen.
Ansonsten ist die Aussenaktivität zur Zeit recht ruhig.


Das neue Becken:

Bild

Eine Arbeiterin beim Futtersammeln:

Bild

Bild


Stand: 14 Arbeiterinnen, 2 Puppen und 2 Larven.

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#4 AW: Myrmecia cf. fulvipes - Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 4. Februar 2010, 10:07

04.02.2010

Diapause/Winterruhe.

Höchste Zeit mal wieder was zu berichten, bekomm schon Schimpfe deswegen.
Also, bis kurz vor meinem Abflug nach Australien wartete ich noch auf das schlüpfen der vier Puppen, leider wurde es nichts. Die Zeit war zu kurz und ich war schon weg als die Arbeiterinnen alle gesund und munter geschlüpft sind.
Das war es dann aber auch schon wieder.
Da ich nämlich diese Kolonie zusammen mit der von Myrmecia spec. nicht beheizt habe, wurden auch bei beiden keine Eier mehr gelegt.
Dahinter steckte Absicht. Zwar währe es natürlich schön wenn die kleinen Völker wachsen würden, auf der anderen Seite jedoch wollte ich meine Urlaubsvertretung nicht überfordern mit der Ameisenbetreuung.
Die großen Kolonien zu füttern ist relativ einfach, diese kleinen jedoch richtig zu versorgen braucht Erfahrung.
Deshalb sollten die M. fulvipes lieber noch mal eine Diapause einlegen. Noch einmal deshalb, weil sie ja zuvor schon in Australien Winter hatten und es jetzt eigentlich Sommer für sie wäre. Aber es klappte bisher problemlos.
Inzwischen steht das Volk wieder warm und zeigt auch vermehrt Aktivität. Sie haben auch schon erste Insekten angenommen und ich denke, dass bald wieder Eier gelegt werden.
Zusätzlich halte ich sie im Moment auch etwas feuchter, um damit den Frühling nachzugestalten. Wobei es im Herkunftsgebiet eher regelmässig regnet und nur ein leichter Anstieg im Frühjahr zu verzeichnen ist.

Gibt also nicht wirklich was zu berichten. Aber bevor sich noch jemand Sorgen macht, es geht ihnen gut.^^

Stand: 18 Arbeiterinnen, keine Brut.

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#5 AW: Myrmecia cf. fulvipes - Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 12. August 2010, 16:05

29.07.2010 bis 12.08.2010

Vorwort
Lange habe ich nichts berichtet aus dem einfachen Grund, dass es nichts zu berichten gab.
Die Königin legte einfach keine Eier, obwohl ich die Haltungsbedingungen und auch die Unterbringung einige male verändert hatte.
Momentan leben sie in einem 20cm x 10cm x 10cm kleinem Glasbecken mit einem kleinen Ytong-Nest.
Das gesamte Becken wird mit einer Heizmatte von unten auf 26°C Tags und Nachts beheizt.
Zum Glück starben nur sehr wenige Tiere, so dass sich die Kolonie in keinem kritischen Zustand befindet.

Aktuelle Ereignisse und Überlegungen.
Ende Juli entdeckte ich endlich einige Eier im Nest meiner Myrmecia fulvipes.
Seit letzten Winter warte ich nun schon darauf, ein gutes Beispiel wie viel Geduld man als Ameisenhalter manchmal so aufbringen muss.

Warum es so lange gedauert hat lässt sich nicht sicher sagen, aber eine Vermutung haben ich schon.
Fakt ist, dass die Tiere kurz vor ihrem Fang in Australien ihre Winterruhe beendet hatten und erste Brut aufzogen. Dann haben sie in Gefangenschaft noch einige Arbeiterinnen aufgezogen, allerdings wurde es in meiner Wohnung nun bedingt durch den deutschen Winter ziemlich kalt und die Temperatur sank auf unter 20°C. Daraufhin wurde keine Brut mehr produziert.
Dies war gewollt, da ich im Winter für längere Zeit verreiste war und so eine Kolonie weniger zu versorgen war.
Anschließend jedoch dauerte dieser zustand der Diapause dann bis ende Juli an, obwohl die Temperaturen wieder stiegen und teilweise über 30°C betrugen.
Jetzt, zu einer Zeit in welcher es in Australien wieder Frühjahr ist, wurden wieder Eier gelegt und erste Larven befinden sich nun bereits im Nest.
Folgen diese Ameisen also einem endogenen Rhythmus? Hat die gewissermaßen aufgezwungene Winterruhe in unserem Winter die Tiere so durcheinander gebracht, dass sie bis jetzt eine Diapause einlegten und erst nun wieder ihrem Rhythmus folgen?
Ein ähnliches Problem zeigt sich auch bei meinen Myrmecia chrysogaster, diese Kolonie zieht nach der Diapause in unserem Winter jedes mal nur Geschlechtstiere auf und erst sehr spät nur sehr wenige Arbeiterinnen. Vielleicht auch weil sie durch die versetzte Winterruhe völlig durcheinander gebracht werden?

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#6 AW: Myrmecia cf. fulvipes - Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 1. März 2011, 16:32

01.03.2011

Rückblick

Obwohl letzen Sommer Eier gelegt wurden, entwickelten sich daraus leider keine Arbeiterinnen. Die Larven schafften es nicht sich zu verpuppen, ich habe den damaligen Sand im Verdacht, denn auch bei einem anderen Volk mit diesem Sand im Becken gab es vermehrt Probleme beim verpuppen der Larven. Natürlich sehr ärgerlich, zumal immer wieder einmal eine Arbeiterin stirbt und das Volk nun schon recht zusammengeschrumpft ist. Darum hab ich die Haltungsbedingungen abermals verändert. Inzwischen lebt das Volk wieder in einem Reagenzglas-Nest, da es bessere Bedingungen bietet. Der Sand wurde natürlich auch gegen ein anderes Substrat getauscht.

Weiterhin beschloss ich, die Kolonie diesen Winter warm durchzuhalten um eine Temperaturbedingte Legepause von Vornherein zu verhindern.
Leider wurden allerdings keine neuen Eier gelegt, die Kolonie verhielt sich trotz warmen Temperaturen die meiste Zeit ruhig und zurückgezogen.

Aktuelles

Das Verhalten der Kolonie änderte sich vor einigen Wochen nun etwas. Es werden inzwischen vermehrt Heimchen angenommen und die M. fulvipes sind auch sonst sehr aktiv geworden.
Vielleicht tut sich endlich doch noch etwas?
Allerdings habe ich derzeit keine Möglichkeit ins RG-Nest zu blicken.
Schuld daran ist die plötzliche Nestbautätigkeit der Ameisen. Reichte es dem Volk bisher aus den Eingang zum Nest etwas zu verkleinern, so ist ihnen inzwischen eingefallen einen schönen Nesthügel zu errichten.

Bild

Klar, ich könnte sie trockener halten um die Nestbautätigkeit zu verhindern, aber ich sehe keinen Grund hierfür. Die Ameisen scheinen auch sehr viel aktiver zu sein wenn sie etwas feuchter gehalten werden, was schließlich auch ihrem Herkunftsort entspricht.
Erstaunlich genug, dass sie trotz der nur dünnen Schicht Substrat so einen großen Hügel aufschütten konnten. Doch der feuchte Sand ist stabil genug um darin zu graben. Den Aushub haben sie dann als Hügel vor dem RG-Eingang aufgeschüttet. Dadurch wurde die Sandschicht natürlich etwas höher und sie konnten noch besser graben und den Hügel noch höher aufschütten.
Immerhin lässt sich so auch sehr schön die Entstehung eines Nesthügels und der Nestbau beobachten. Gänge oder ähnliches finden sich nicht, es sind lediglich einfache, unregelmässig geformte Kammern die ineinander übergehen und nicht höher als eine Arbeiterin sind. Bisher wird dieses Erdnest, welches inzwischen immerhin über die Hälfte des Beckens einnimmt, kaum genutzt.
Auch unter den Näpfen für das Zucker- bzw. Wasser befinden sich Kammern, wodurch ich etwas vorsichtig sein muss beim wechseln. Es kommt schon mal vor, dass sich eine Arbeiterin unten ans Deckelchen geklammert hat. Da diese Art ziemlich aggressiv ist, ist hier schon etwas Vorsicht geboten.


Hier gibt es eindeutig zu wenige Bilder der Hübschen, darum häng ich noch eines an:

Bild

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#7 AW: Myrmecia cf. fulvipes - Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 3. Juli 2011, 12:14

03.07.2011

Ende des Haltungsberichtes

Leider endet dieser Bericht, da heute früh die Königin tot im Becken lag.
Das Ganze muss dann wohl als gescheiterter Haltungsversuch vermerkt werden.
Welche Haltungsbedingungen letztlich nicht passten, konnte ich leider auch nicht herausfinden. Allerdings vermute ich noch immer, dass die Verschiebung unserer Jahreszeiten gegenüber den Australischen einen nicht unerheblichen Einfluss hatte.
Andere Haltungsbedingungen könnten natürlich auch eine Rolle spielen, nur leider lässt sich mit nur einer Kolonie hier kaum etwas herausfinden.

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