Verpuppungsprobleme Camponotus ligniperda

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K Kris
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#1 Verpuppungsprobleme Camponotus ligniperda

Beitrag von K Kris » 14. Juni 2006, 11:24

Schöne Grüsse an alle,

Vorgeschichte/Angaben:
Ich habe letztes Jahr eine vom Schwarmflug zurückkehrende Jungkönigin Camponotus ligniperda eingefangen. Sie verbrachte die ersten 2/3 Monate, bis die ersten Arbeiterinnen schlüpften, im RG und siedelte dann in ein zu grosses Ytong-Nest um. Von Oktober bis anfang April war die Königin samt 6 Arbeiterinnen in Winterruhe im Kühlschrank. 2 Arbeiterinnen starben während der „Überwinterung“ (vermutlich daran, dass ich vor der Winterruhe nicht ausreichend Futter angeboten hatte). Der Kolonie ging es gut und die 4 Larven, die mitüberwintert hatten, gediehen recht gut. Zwei von ihnen verpuppten sich und entwickelten sich zu schönen Arbeiterinnen, die im vergleich zu den 6 aus der ersten Generation auch deutlich grösser sind. Bald nach der Winterruhe (mitte April) legte die Königin einen Haufen neuer Eier in zufriedenstellender Anzahl. Diese Eier gediehen prächtig, Im Mai schlüpften Larven und diese wuchsen recht schnell heran. Die Brut wurde gut gepflegt und verminderte sich nicht im geringsten. Bald nachdem die Larven schlüpften siedelte ich die Kolonie in ein neues und kleineres Ytong-Nest um. Die Larven werden jetzt seit Ende Mai eine nach der anderen verpuppungsreif. Hier kommen wir jedoch zum Problem!

Problem:
Der erste Kokon wurde am 29. Mai gesponnen. Weitere folgten nunmehr seit dem 4. Juni. Allem Anschein nach geht es dem ersten Kokon gut, alle weiteren wurden jedoch bald nach der Fertigstellung von den Arbeiterinnen wieder geöffnet und die (Vor)Puppen darin verspeist. Vorgestern noch waren in der Kolonie 4 Kokons, heute leider nur noch einer. Ich habe gestern beobachtet wie eine Larve im Vorpuppenstadium von zwei Arbeiterinnen eifrig vertilgt wurde. Wo ist bzw. könnte das Problem liegen?

Es kann nicht an Nahrungsmangel liegen, denn ich füttere tagtäglich mit frischer Honigwasserlösung und Mehwurmlarven/käfern.

Temperatur? Zwischen 22°C und 25°C seit April. Ein bischen niedrig aber dennoch nicht zu niedrig, oder doch? Ich muss jedoch hinzufügen, dass die ersten 10 Junitage ein bischen zu kühl für diese Jahreszeit waren und die Temperatur im Zimmer ein oder zwei mal bis fast 20°C herabsank.

Feuchtigkeit? Vielleicht könnte auch hier das Problem liegen. Ich bewässere den Wassertank ein bis zwei mal die Woche. Die Bewohnerinnen scheinen jedoch trockenere Nestteile zu bevorzugen. Ausserdem ist auch Trinkwasser fast durchgehend vorhanden.

Gerade ist eine neue Larve (von mindestens 20 die noch übrig sind) am Kokonspinnen...ich hoffe das diese es schafft, denn wenn es so weitergeht, nimmt das kein gutes Ende (ich habe auf diese Weise schon 4 oder gar 5 Puppen verloren)



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Darius
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#2 RE: Verpuppungsprobleme Camponotus ligniperda

Beitrag von Darius » 14. Juni 2006, 12:07

Hi K Kris,

möglicherweise mögen die Camponotus keine Mehlwürmer bzw. Mehlwurmlarven. Fressen sie die denn oder lassen sie die öfters liegen? Vielleicht solltest du es mal mit anderen Futtertieren versuchen. Haben sie wirklich genug Wasser? Besonders bei den momentan herrschenden Temperaturen würde ich ihnen ständig Honigwasser und auch pures Wasser anbieten.
Die Ameisen bevorzugen zwar die trockneren Teile des Nests, aber Ameisen lagern ihre Brut je nach Entwicklungsstadium immer an verschiedenen Stellen des Nests mit veschiedener Feuchtigkeit und Temperatur, desshalb ist es vielleicht notwendig das Nest mehr zu befeuchten.
Camponotus habe ich noch nicht gehalten, aber kann es sein, dass auch diese Art Brutzyklen hat? D.h. wenn die Puppen sich fertig entwickelt haben und zu fertigen Ameisen geworden sind fängt die Königin erst an neue Eier zu legen. Falls dies der Fall ist gab es vielleicht bei dem letzten Brutzyklus Probleme mit der Entwicklung der Larven durch starke Temperaturschwankungen o.ä..
Welches Substrat verwendest du in der Arena? Das gleiche, wie als die Camponotus noch in dem zu großen Ytongnest gewohnt haben?
Was hast du seit dem Umzug in den kleineren Ytong am Formicarium verändert?

Gruß, Darius



K Kris
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#3

Beitrag von K Kris » 14. Juni 2006, 12:47

Hi,

Die Mehlwürmer werden nur hin und wieder liegengelassen, aber meistens angenommen.

Die Brut wird bisher immer auf einem sehr kleinem Raum gehalten, egal ob es Eier, Larven oder Puppen sind - die verschiedenen Stadien werden nicht umgelagert.

Soweit ich weiss legen C. ligniperda Königinnen zweimal jährlich Eier (abgesehen vom ersten Gründungsjahr bei Spätgründerinnen), also eine Frühlingsbrut, die im gleichen Jahr schlüpft, und eine überwinternde Sommerbrut, die im nächsten Frühling schlüpft.

Die Temperaturschwankungen könnten ausschlaggebend sein!?

Am Ytong-Nest und Arena ist nichts verändert worden, ausser eben der Nestgrösse. Substrat verwende ich keines - sehr spartanische Einriuchtung - was aber bisher noch keiner meiner Kolonien geschadet hat.

Und dieses Verpuppungsproblem ist nur bei C. ligniperda vorhanden.



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Boro
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#4

Beitrag von Boro » 14. Juni 2006, 15:12

Hallo Kris!
Ich denke, es könnte an der "eintönigen" Nahrung liegen. Meine Kleinen wollen Abwechslung und kriegen sie auch! Möglicherweise liefern Mehlwürmer als alleinige Eiweißlieferanten nicht alle nötigen Inhaltsstoffe, dann neigen einige Arten dazu, die eigene Brut aufzufressen. Ich hab festgestellt, dass sie bei immer gleicher Eiweißnahrung diese mit der Zeit nur widerwillig nehmen oder ablehnen. Stubenfliegen, einmal eine Spinne, Insekten, die man bei einer Wanderung findet, jüngere Heuschrecken oder Puppen anderer Ameisen (ich nehme Puppen von Lasius niger, die sind im Garten extrem häufig!), Junikäfer etc. bringen Abwechslung.
An den Temperaturschwankungen liegt es sicher nicht, die sind in der Natur noch viel größer, bei Schlechtwetter, kühlen Phasen (wie jetzt im Juni) kommt es dort auch zu Diapausen.
Mit meinem Sohn halten wir derzeit: C. ligniperda, herculeanus (die finde ich etwas schwierig), vagus, piceus, lateralis, cruentatus. Außer C. lateralis und cruentatus werden alle ab einer gewissen Volksstärke nach einigen Jahren in geeignete Biotope ausgewildert.
Gruß Boro



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#5

Beitrag von Stefan » 15. Juni 2006, 20:43

Hallo Kris,
Feuchtigkeit/Trockenheit oder sogar Nässe sind auch Oft die Ursache für Verpuppungsschwierigkeiten.

Wenn sie eher den trockeneren Teil bevorzugen (lagern sie da auch ihre Larven?), dann reduziere mal die bewässerung auf einmal die Woche. Normal müsste das reichen.



K Kris
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#6

Beitrag von K Kris » 15. Juni 2006, 21:04

Danke für euer Interesse!

Boro: Du magst recht haben aber ich habe desöfteren (z.B.: Herman Stiz, "Ameisen oder Formicidae"; aber auch anderswo) gelesen, dass Camponotus ligniperda ohne Probleme auch nur mit Honigwasser (falls ausreichend gefüttert natürlich) überleben kann und sogar Geschlechtstiere produziert. Bei ausreichender Versorgung mit Honigwasser werden Futtertiere desöfteren sogar ignoriert.

Stefan: Nachdem ich das Nest eher wenig befeuchtet habe, bin ich langsam der Überzeugung, das vielleicht das Nest viel zu trocken liegt. Ich hatte bald nach der Überwinterung Probleme mit Schimmel (deswegen auch der Umzug) und habe vorsichtshalber weniger befeuchtet. Die Larven samt aller anderen Brut (zur Zeit wieder zwei Puppen und cca. 20 Larven aller möglichen Grössen) werden ständig zusammen auf sehr engem Raum gelagert - ich denke mal, dass die Kolonie noch zu klein ist um Brut umzulagern.

Ich habe mich jetzt entschlossen wirklich regelmässig (einmal, hin und wieder zweimal, pro Woche) zu bewässern so das eine Kammer immer leicht feucht bleibt (diese Zementartige Farbe bekommt).



K Kris
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#7

Beitrag von K Kris » 21. Juni 2006, 23:27

Jetzt mal ein „Update“,

Seit meinem Beitrag hier ist einiges passiert. Ich habe mit regelmässigerem Befeuchten angefangen (ich weiss immer noch nicht wieso ich C. ligniperda für eher xerotherm gehalten hatte und wieso ich es deswegen mit der Befeuchtung nicht so ernst genommen habe).

Jedenfalls wurde seit meinem Eintrag nur ein Kokon aufgerissen und die Puppe verspeist, jedoch sah das Kokon irgendwie falsch aus. Das Gespinst war viel zu dursichtig - ich nehme mal an zu dünn und es sah ziemlich kleingeraten aus, und gerade deswegen war ich nicht besonders überrascht.

Es wurden zahlreiche neue Kokons (10) gesponnen und sind jetzt schon einige Tage alt – ich will natürlich nicht voreilig sein aber es sieht dennoch zuversichtlig aus, denn die Kokons wurden davor nach ein bis zwei Tagen zerstört.

Die Königin hat vor zwei/drei Tagen eine neue Runde Eier gelegt (wenigstens 11) und desöfteren befindet sich eine Arbeiterin über einen längeren Zeitraum hinweg in der feuchteren Kammer.

Wie gesagt, ich will keine voreiligen Schlüsse ziehen aber vielleicht war das Problem wirklich die Feuchtigkeit.

Ich melde mich wieder.



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