Hier gab es bereits eine umfangreiche Diskussion:
http://www.ameisenforum.de/europaeische-ameisenarten-allgemeines/25315-unbekannte-ameise-2.html
Vor etwa 1 Woche habe ich durch Zufall wieder den Balzplatz auf meinem Steingarten gefunden! Er befindet sich immerhin rund 65cm vom bisherigen Platz entfernt. Das hat mich doch erstaunt, im Nachhinein konnte ich ganz in der Nähe des bisherigen Balzplatzes (Nestes) eine starke Kolonie von Solenopsis fugax entdecken. Das ist vielleicht der Grund für die Auswanderung.
Diese winzigen Tiere kann man überhaupt nur bei der Balz sehen und wenn man weiß, wo man suchen muss. Arbeiterin habe ich nach wie vor keine gesichtet: Die führen ein kryptisches Leben, das eigentliche Furagieren ist nur ein Lauern auf Beute, wobei sich die Arbeiterinnen noch mit Sand tarnen. Ich bin sicher, dass sie nur nachtaktiv sind.
Das ist nun das 4. Jahr ununterbrochener Beobachtung. Geschlechtstiere habe ich bereits im Vorjahr an Prof. Buschinger geschickt. Es fehlen aber noch die Arbeiterinnen für eine offizielle Bestimmung u. Bestätigung!
Inzwischen kann ich Folgendes festhalten:
1. Es handelt sich um den Erstfund in Österreich
2. Das Nest ist vital, es wurden mindestens in 4 aufeinanderfolgenden Jahren Geschlechtstiere produziert
3. Die Arbeiterinnen führen ein kryptisches Leben und sind sehr wahrscheinlich nur nachtaktiv
4. Pyramica
5. Die geografisch nächsten Vorkommen der Art sind in Norditalien. Von dort ist die Art entweder auf natürlichem Wege bis zu uns ins benachbarte Kärnten eingewandert oder die Tiere wurden mit Pflanzen eingeschleppt.
6. Diese Tiere leben so unscheinbar und sind so winzig, dass man sie nur sehen kann, wenn man sie kennt. Eine deutlich weitere Verbreitung, als bisher durch Funde bestätigt, ist daher mit Sicherheit anzunehmen.
7. Das Balzritual findet meist unmittelbar über dem nicht sichtbaren Nestausgang vorzugsweise auf einem Stein und den unmittelbar benachbarten Gräsern statt. Dieses Ritual mit häufiger Mehrfachbegattung findet zwischen 16 Uhr und 18,30 Uhr statt. Die untere Temperaturgrenze für das Zustandekommen der Zeremonie liegt bei 22/23° C.
8. Inzwischen muss ich annehmen, dass Inzucht häufig stattfindet, d. h. die Männchen und Weibchen stammen aus dem gleichen Nest und finden sich gemeinsam am Balzplatz ein.
9. Die Männchen sind hervorragende Flugkünstler und verstehen es - wie lebenslang fliegende Insekten - zwischen Gräsern zu manövrieren, sie heben zwischendurch ab und verschaffen sich einen besseren Platz für die "Brautwerbung". Sie sind auch einige Stunden früher vor Ort und erkunden fliegend die Gegend. Ich vermute, dass auch fremde Männchen zufliegen, kann es aber wegen der heuer sehr kurzen Beobachtungszeit nicht beweisen. Das würde bedeuten, dass wenigstens ein weiteres Nest in der Umgebung existiert.
10. Aus dem Beobachtungsprotokoll geht hervor:
a) Vom 31. 7. - 12. 8. 2008 konnten jeweils in der fraglichen Zeit einzelne Männchen fliegend beobachtet werden. Nest und Balzplatz blieben verborgen!
b) Endlich! Am 13. 8. u. 14. 8. konnte das Balzritual beobachtet und fotografiert werden.
c) Am 15. 8. konnten nach 16 Uhr nach und nach 5 Männchen am Balzstein
gesischtet werden. Das Wetter verschlechterte sich zusehends, die Temp. ging zurück und es begann ab 16,30 zeitweise zu tröpfeln. Um 17 Uhr hatte es nur mehr 20,2° und 76% LF. Die Männchen saßen inzwischen völlig bewegungslos am Stein. Kein Weibchen in Sicht! Einsetzender leichter Regen vertrieb schließlich die Männchen.
d) Am 16/17/18. 8 konnten trotz entsprechender Temperatur nur mehr vereinzelt Männchen gesehen werden. Die Balzzeit hat eindeutig ihr Ende gefunden.
1. Bild: Männchen auf einem Halm neben dem Balzstein sitzend

2. Das andauernde Schwirren mit den Flügeln deutet auf die starke Erregung hin und steigert sich bei Annäherung eines Weibchens

3. Männchen besteigt ein Weibchen

4. Ein Weibchen ist erschienen

5. Ein Weibchen vor dem Abflug

6. Ein Weibchen, mit Flügeln etwa 2mm lang!

7. 2 Männer wollen zur selben Zeit eine Frau! Da gings turbulent zu, daher etwas unscharf

8. Eine ähnliche Szene:

9. Ende der Vorstellung! Bei schlechter werdenden Wetterbedingungen warten 5 Freier fast regungslos auf ein Wunder: Keine

Beste Grüße v. Boro