Futterinsekten - Guide

Weitere wissenswerte Informationen über Ameisen und deren Haltung.
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NIPIAN
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#9 AW: Futterinsekten - Zusammenfassung

Beitrag von NIPIAN » 20. Dezember 2008, 13:26

Grashüpfer/Heuschrecke/Heuschnarre/-hier bitte eigenes Synonym einfügen-

Oder wissenschaftlicher ausgedrückt: Vertreter der Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und Langfühlerschrecken (Ensifera), zusammengefasst als Springschrecken (Orthoptera oder Saltatoria).

Jedes Jahr in den Sommermonaten beginnen sie: die akustisch-spektakulären Schaukämpfe (Stridulation) dieser munteren Hü-Hüpf-Flips. Das macht sie sehr menschlich, bedenkt man deren Massenauftreten à les DSDS(S)-Teilnehmern mit vergleichbaren Gesangsqualitäten, allerdings mangelndem Kunstlichtgewitter. Wäre ja noch schöner. Stets in den Abendstunden geht es kreuzfidel, kunterbunt und mordsmäßig lautstark los, und verstummt erst bei herbstlich-ordentlichen Temperatureinbrüchen, wenn auch die Glühwürmchen ihren Hintern nicht mehr in Gang kriegen. Vermutlich frieren die Mega-Hax'n an den Flügeln fest, was die Fortbewegung zur nächsten Futterstelle stark einschränkt. Stelle man sich größenordnungsmäßig die Hax'n an einer Sau vor! Was allerdings aufwändigere Käfighaltung mit sich bringt... whatever.

Zwischen 1,5cm und 5,0cm (+-x) bewegen sich adulte Vertreter zahlloser Familien und Unterfamilien in einheimischen, unbehandelten Gräsern springend und flatternd fort. Da ein wenig Bewegung an der frischen Luft neuesten, wissenschaftlichen Studien zufolge nicht schadet (in bewusstem Maße auch Asthmatikern, Polyallergikern, Photoallergikern und Nudisten) lässt sich sicher der ein oder andere Versuch mit diesen Muntermachern starten. Aber Vorsicht: ihr militanter Flecktarn macht sie nahezu unsichtbar. Immer ein Schritt nach dem Anderen. Wenn etwas aufspringt, fokussieren und nicht aus den Augen verlieren.

Schwierigkeiten bei der Verfütterung bereiten möglicherweise die durchaus körperlangen Sprungbeine, welche auf kraftvolle Art und Weise den Torso in die Luft katapultieren und das hintere Flügelpaar für eine halbwegs elegante Gleitphase aus dem Formicarium ohne Deckel sorgt. Talkum, PTFE stellt somit kein echtes Hindernis dar.

Ebenso beachtenswert sind Sekrete, die gerne an dem mandibelbesetzten Ende hervorgewürgt werden. Diese sorgen oftmals für Ablehnung bei den Zöglingen.

Echte Wehrattacken mittels der Mandibeln sind dem Verfasser nicht bekannt.

Eine Zucht... nun, da gibt es Experten auf diesem Gebiet, die damit Erfahrung haben dürften. Auf jeden Fall mit Gespenstschrecken/Phasmiden (Phasmatodea).

Wertung:
"so gut wie geruchsneutral": Bis auf den hervorgewürgten, gelbbraunen Klecks an der Mundöffnung nahezu geruchsfrei.
"möglichst leise sein": Davon träumst Du nachts - oder eben auch nicht.
"wenig Arbeit machen": Lustige Fangspiele im hüfthohen, zecken- und pollenverseuchten Gras mit garantierten Stolperfallen missen wir doch alle seit unserer goldenen Kindheit, nicht wahr?
"leicht zu halten": Da bin ich überfragt.
"lecker und interessant für die Völker": Lecker durchaus, interessant unter Garantie - sofern kein Bein fehlt
"Bewegungsdrang": Mordsmäßig. Immer schön den Deckel draufhalten!


Anmerkung: Wie ein User in seiner Bewertung korrekt bemängelt hat, sind von den knapp 84 bekannten Heuschreckenarten bundesweit eine nicht unerhebliche Zahl dieser munteren Gesellen stark gefährdet. Meine Empfehlung: Die nicht gefährdeten Vertreter einer Art in mäßigen Mengen von städtisch gepflegten Wiesen entnehmen. Naturschutzgebiete und nicht entsprechend beschilderte Gebiete mit markanten Landschaftsmerkmalen (z.B. Tümpel, Teich mit reichlich unterschiedlichem Pflanzenbewuchs; "Erhalt der Artenvielfalt" beachten!) sind zu meiden. Nähere, allgemeine Informationen sind unter NABU zu finden. EGGE-WESER geht auf den Kreis Höxter in Westfahlen ein, ist jedoch angenehm beschreibend und ein hilfreicher Anhaltspunkt.


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NIPIAN
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#10 AW: Futterinsekten - Zusammenfassung

Beitrag von NIPIAN » 20. Mai 2009, 15:47

Aus alt (Baculum extradentatum) mach neu (Medauroidea extradentata), oder simpler: Annam-Stabschrecke

Was ist lang, dünn und wird eng assoziert mit einem deutschen Baum? Richtig, n Ast.
Was ist lang, dünn und wird eng assoziert mit einem vietnamesischen Baum? Wieder richtig, n Ast.

Was aber macht man, wenn sich der Ast bewegt? Man freut sich über die kühle Briese, welche die Schwüle ein wenig erträglicher macht.

So, genug rumgelabert. Ne Stabschrecke sieht aus wie'n Ast, verhält sich tagsüber wie'n Ast und bewegt sich bei Windbewegung wie'n Ast.

Sorry, aber viel mehr gibt's über die Dinger nicht zu schreiben...

Well, vielleicht ist erwähnenswert, dass sich alleinstehende Weibchen dieser Insektenart auch ohne männlichen Einfluss erfolgreich fortpflanzen können. Zwar gibt's dann erstmal nur degenerierte (haploider Chromosomensatz) Männchen, aber Frauen bevorzugen bekanntlich Männer mit Witz, ohne auf das Äußere zu achten (Glöckner-von-Notre-Dame-und-Mittermeier-Prinzip).
Das macht diese Stabschrecke zum Schrecken jedweder kleinen Behausung, da sie recht aktiv mit Nachkommen um sich werfen kann, sofern genügend Blattwerk zur Verfügung steht.
[EDIT=05.08.2010]Habsch fast vergessen: es entstehen keine degenerierten Männchen, sondern voll funktionsfähige Weibchen. Das Ei ensteht aus einer diploiden Keimbahnzelle. Diese Variante der Parthenogenese lässt also Klone der Mutter entstehen - nix mit Chiasmatabildung und Rekombination von Genabschnitten. Durch die Klonierung können allerdings Gendefekte, verursacht durch freie Radikale und fett-krasse Röntgen- und UV-Strahlung, auf die folgende Generation übertragen werden. Aus diesem Grund sollte immer wieder ein Männchen dabei sein.
Den dämlichen Witz lass ich trotzdem stehen. Soll jeder sehen, was für nen fachlichen Schwachsinn ich fabrizieren kann -_-'.[/EDIT]

Damit kommen wir zu einem weiteren Punkt. Als Nahrungsmittel werden Brombeerblätter und Himbeerblätter empfohlen. Erfolgreich angenommen werden allgemein rosenartige Gewächse wie Apfelblätter, Birnenblätter, Rosenblätter... am besten ungespritzt und vor allem ganzjährig. Mit ner Umgebung voller wildlebender Brombeerbüsche ist die ausreichende Nahrungszufuhr also relativ sicher. Notfalls kann man im Winter auch gewaschenen Salat nehmen. In diesem Fall ist Endiviensalat der Retter in der Not gewesen.

Vielleicht ist noch zu erwähnen, dass man anhand ihrer Farbe ihren Gesundheitszustand erahnen kann:
Grün (bei dauernd bestehender, hoher Luftfeuchte): quickfidel
Hellbraun: jut geht's!
braun: baast scho...
dunkelbraun: irgendwas fehlt mir.
schwarz: post mortem


Wertung:
"so gut wie geruchsneutral": Riecht nach frischem Blattwerk.
"möglichst leise sein": Da rascheln die Bäume vor dem Fenster lauter... vor allem wennste inner Stadt wohnst.
"wenig Arbeit machen": Alle heilige Zeit den Kot zu entfernen; bekommt jeder halbwegs bewegungsfähige Halter hin.
"leicht zu halten": Jepp.
"lecker und interessant für die Völker": Is nich viel dran an so ner Larve... aber bei Adulten geht scho was.
"Bewegungsdrang": Erinnert ihr euch an eure letzte Verfolgungsjagd mit einem Ast? Eben.

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Nymphe
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#11 AW: Futterinsekten - Zusammenfassung

Beitrag von Nymphe » 13. Mai 2010, 20:39

Argentinische Waldschaben (Blaptica dubia)

Sehr einfach zu haltende Futtertiere. Du brauchst:

- Eine Plastikbox mit Deckel (muss nicht dicht schließen, da B. dubia keine glatten Flächen erklettern kann), beliebt sind z.B. IKEA "SAMLA", 45l
- stabile Plastik-Fliegengaze
- Heisskleber
- drei große Eierpappen
- eine ungelochte Heimchendose o.ä. und ein Stückchen Polypropylen-Seil
- optional zwei rauhwandige, flache Futternäpfe (z.B. unglasierte Tonnäpfe). Jeweils ein Stück Zewa tut's aber auch.
- Einen gemischten Zuchtansatz Argentinische Waldschaben, ca. 300 Tiere


In den Deckel der Box schneidest oder schmilzt du große Lüftungsflächen. Ich verwende dafür immer einen billigen Lötkolben. Optimal ist es, die komplette Deckelfläche auszuschneiden bis auf einen Rand aussenherum und einen Steg in der Mitte für Stabilität. Auf die Lüftungsflächen klebst du mit dem Heisskleber die Fliegengaze.

Die drei Eierpappen halbierst du und stellst sie locker aufrecht in die Box.

Bild

In den Deckel der (Heimchen-)Dose schneidest du ein kleines Loch, ziehst das PP-Seil durch (u.u. die Enden verschmelzen, dann hält das ganze länger) und füllst die Dose mit Wasser. Fertig ist die Dochttränke. Kein Naturseil verwenden, das fressen die Schaben gleich mit. Und immer drauf achten, dass die Dose von einer Pappe aus auch für die kleinsten Schaben zu erklettern ist, sie kommen keine glatten Flächen hoch!

Zuchtansatz in die Box kippen, fertig. Die Schaben brauchen keinen Bodengrund und werden trocken gehalten. Optimale Zuchttemperatur sind ca. 26-30°C (ggf. in der Box messen - größere Kolonien erwärmen sich selbst ein paar Grad). Am besten nutzt du die Abwärme eines Terrariums, PCs oder Kühlschranks, oder stellst die Box vor die Heizung oder gleich in den Heizungskeller.

Futter: Teich-Fischflocken (bei den Schaben beliebt, aber teuer), Haferflocken, Hundeflocken, (ungespritzes!) Obst und Gemüse ausser Zitrusfrüchte, tierisches Eiweiss (z.B. Magerquark, feuchtes Katzenfutter, Hundeflocken mit Fleischanteil). Meine Schaben bekommen meist nur Haferflocken, Möhrenstücke, gelegentlich Brombeerlaub und Magerquark. Überschüsse an Frischfutter nach ein, zwei Tagen entfernen, damit nichts schimmelt.

Zweimal die Woche füttern, Dochttränke je nach Größe regelmäßig auffüllen, alle paar Monate die Box ausmisten, und das war's. Sind wirklich sehr, sehr einfache Pfleglinge. Mit einem (für Ameisenhalter vielleicht besonder interessanten) Sozialverhalten. Und sie haben übrigens kein Schädlingspotenzial (allein schon, weil sie in der Wohnung aufgrund ihrer Kletterprobleme normalerweise nicht an Wasser kommen und irgendwann verdursten).


Bewertung nach NIPIAN:


"so gut wie geruchsneutral": Jepp.
"möglichst leise sein": Sie rascheln nachts.
"wenig Arbeit machen": Absolut.
"leicht zu halten": Jepp.
"lecker und interessant für die Völker": Lecker: jepp. Da ich kein Lebendfutter gebe, kann ich zum Thema "interessant" nichts beitragen.
"Bewegungsdrang": Laufen können sie schon, sind aber gut zu handhaben.
Bestand: Lasius cf. niger von 2009 (Haltungsbericht) - 2x Lasius cf. flavus von 2012
Ausserdem diverse andere Land-Wirbellose und eine Gruppe Blindschleichen (Anguis fragilis).

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