Thelytoke Parthenogenese bei Messor capitatus

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#1 Thelytoke Parthenogenese bei Messor capitatus

Beitrag von Gast » 8. Februar 2012, 11:59

[font=Times New Roman]Zwar nichts Neues, aber aus der Wissenschaft:[/font]

[font=Times New Roman]Es steht seit 2003 hier im Ameisenforum, hat aber anscheinend bisher doch wenig Beachtung gefunden: Arbeiterinnen von Messor capitatus können Eier legen, aus denen sich nicht Männchen, sondern weitere Arbeiterinnen entwickeln:[/font]
[font=Times New Roman]http://www.ameisenforum.de/66139-post6.html[/font]

[font=Times New Roman]Nachdem M. capitatus inzwischen häufiger gehalten wird, wollte ich auf diese Besonderheit doch noch mal hinweisen.[/font]

[font=Times New Roman]Vielleicht hat der eine oder andere Halter, dem die Königin verstorben ist, diese Fortpflanzungsmöglichkeit bei seiner verwaisten Kolonie beobachtet.[/font]
[font=Times New Roman]Aber: Vorsicht! Nach dem Tod einer Königin können aus der noch vorhandenen Brut junge weibliche Tiere (Arbeiterinnen, manchmal auch Gynen) entstehen, die noch Töchter der Königin sind. Man muss so eine Kolonie also doch länger halten, bis man sicher ist, dass neue Brut aus Eiern von Arbeiterinnen heranwächst. Wäre jedenfalls interessant, wenn das jemand beobachten könnte.[/font]

[font=Times New Roman]Zu Messor capitatus wird hier Informationsmaterial zusammen getragen:[/font]
[font=Times New Roman]http://www.ameisenwiki.de/index.php/Messor_capitatus [/font]

[font=Times New Roman]MfG,[/font]
[font=Times New Roman]Merkur[/font]

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#2 AW: Thelytoke Parthenogenese bei Messor capitatus

Beitrag von Boro » 8. Februar 2012, 17:19

Danke für diese sehr interessante Mitteilung, sie findet jetzt in unseren "Steckbriefen" Berücksichtigung!
L.G. Boro

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Saskia80

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#3 Re: Thelytoke Parthenogenese bei Messor capitatus

Beitrag von Saskia80 » 9. Dezember 2017, 06:36

Könnte man dann auch eine neue Kolonie mit ein paar getrennt gehaltenen Arbeiterinnen ohne Königin gründen? Ist dann nicht auch jede ausgebrochene Arbeiterin in der Wohnung eine potenzielle neue Kolonie? (sofern genug Körner in der Wohnung gefunden werden)
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#4 Re: Thelytoke Parthenogenese bei Messor capitatus

Beitrag von Maddio » 9. Dezember 2017, 09:07

Da hast du ja etwas interessantes ausgegraben. Zumal immer wieder die Behauptung aufkommt, Einsteiger in die Ameisenhaltung würden sich nicht des reichhaltigen Fundus des Wissens bedienen, welcher von der Community über viele Jahre zusammengetragen wurde.

Saskia80 hat geschrieben:Könnte man dann auch eine neue Kolonie mit ein paar getrennt gehaltenen Arbeiterinnen ohne Königin gründen? Ist dann nicht auch jede ausgebrochene Arbeiterin in der Wohnung eine potenzielle neue Kolonie? (sofern genug Körner in der Wohnung gefunden werden)


Es wird davon ausgegangen, dass bei den wenigen Ameisenarten bei denen Thelytokie vorkommt, es sich um die Form der automiktischen Parthenogenese handelt. (Ebenso bei der Kapbiene, Apis mellifera capensis)

In automictic (or meiotic) parthenogenesis, the first stages of meiosis are similar to the ones in sexual reproduction, but fusion occurs between two nuclei originating from the same individual. Gene recombination can occur.

[...]

In ants, thelytokous parthenogenesis has been unambiguously demonstrated in six phylogenetically distant species only: Cataglyphis cursor (Cagniant, 1973), Pristomyrmex pungens (Itow et al, 1984), Cerapachys biroi (Tsuji and Yamauchi, 1995), Platythyrea punctata (Heinze and Hölldobler, 1995; Schilder et al, 1999), Messor capitatus (Grasso et al, 2000) and Wasmannia auropunctata (Fournier et al, 2005).


https://www.nature.com/articles/6800813

Nur bei Platythyrea punctata soll die hingegen Form der apomiktischen Parthenogenese vorkommen.

In der Arbeit von Grasso, Wenseleers, Mori, Le Moli und Billen wurde nachgewiesen, dass bei Messor capitatus keine Infektion mit dem Bakterium Wolbachia für die Vorgänge verantwortlich ist. Die Arbeit ist hier einsehbar:

https://bio.kuleuven.be/ento/pdfs/gwmlmbeee2000.pdf

Auch deine Frage, ob Gruppen von Arbeiterinnen theoretisch neue Kolonien gründen können, wird dort mit Ja beantwortet:

One month after orphanage […], both worker groups started to lay eggs. These eggs hatched and matured into workers after an average development time of 55 […] days. No males were produced during this initial period. Subsequently, the egg-laying activity increased, and a large amount of brood was produced in the following 10 months, all of which eclosed into workers. [..] After this initial 10 month period however, we also started to record some large larvae in both colonies that developed into males.

[…]

[…] under certain conditions, workers of M. capitatus produce female offspring by thelytokous parthenogenesis. In the laboratory, a large amount of workers were produced for almost a year, allowing both colonies to flourish in absence of the mother queen.

[…] wokers of this species can be considered deuterotokous, being able to generate both male and female offspring parthogenetically.


Dort wird auch geschildert, dass die Kapbiene die einzige Bienenart ist, die ihre Königin selbst ersetzen kann, so dass es auch für M. capitatus möglich erscheint:

Rearing of replacement queens as a factor favouring facultative worker thelytoky has support form the parthogenetic cape bee, since it is the only honey bee race where replacement queens can be reared only through thelytokous worker reproduction[…].
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