Solenopsis geminata - Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Myrmicinae
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donbilbo
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#1 Solenopsis geminata - Haltungserfahrungen

Beitrag von donbilbo » 27. Juli 2009, 20:02

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Einige von mir zusammengetragene und hoffentlich richtige Fakten über diese Art:

  • Name: Solenopsis geminata "Feuerameise"
  • Taxonomie: Myrmicinae
  • Es wird über monogyne sowie polygyne Kolonien berichtet
  • polymorph Minor (3mm) und Majorarbeiterinnen mit quadtratischen Köpfen (8mm)
  • Herkunft: Südamerika
  • Verbreitung: weltweit Tropen
  • Gefahren: schmerzhafter Stich, Ameisen können Angriffe angeblich koordinieren und stechen alle gleichzeitig zu. Invasive Ameise in (sub)tropischen Ländern weltweit, eventuell Hausameise
  • Besonderheit: Arbeiterinnen können nicht alle (keine?) Proteine verwerten, diese werden an die ältere Larvenstadien verfüttert die wiederum die Arbeiterinnen füttern.
Meine Haltungsparameter:

  • Arena: Staubtrocken bei Zimmertemperatur
  • Nest: Sehr feucht mit Kondenswasser an den Scheiben und durchgehend 30° Celsius

Anfang Juni 2009 bekam ich eine kleine Kolonie Solenopsis geminata mit ca. 30 Arbeiterinnen und etwas Brut. Sie sind dann schnell in ein Reagenzglas umgezogen welches ich in ein 20x10cm Becken mit "luftdichtem" Deckel und Gipsboden gelegt habe. Die Entwicklung war schleppend, sie hatten ein paar Larven und Puppen, ich hatte auch keine Möglichkeiten die Temperatur im Reagenzglas zu messen. Ich liess ihnen dann einfach ein paar Wochen Zeit, bis auf die Fütterung mit kleinen Heimchen und puren Honig habe ich sie in Ruhe gelassen.


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Mitte Juli wies mich dann ein anderer Halter dieser Art darauf hin, dass diese schleppende Entwicklung auf einen Haltungsfehler hindeutet.
Daraufhin habe ich mit gefühlten 500ml Silikon, ein paar Plexiglasscheiben und einem YTong ein neues Nest gebastelt. Mein Ziel war es, den YTong rundum komplett abzudichten, von oben zu bewässern und seitlich mittels Heizmatte einzuheizen um endlich tropische Verhältnisse herzustellen.

Die Ameisen sind sofort umgezogen, innerhalb der letzten 2 Wochen haben sie dann endlich eine unglaubliche Menge Brut produziert.
Erstaunlich sind auch die Verschmutzungen an der Scheibe, kenne ich sonst nur von Körnersammlern. Vielleicht sollt ich ihnen auch mal welche anbieten? ;)

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Täglich fressen sie nun zwei ausgewachsene Schokoschaben

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Nun erwarte ich jeden Tag meinen ersten Major oder Soldaten, anscheinend bilden sie auf ca. 100 Arbeiterinnen leider nur einen aus.

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donbilbo
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#2 AW: Solenopsis geminata - Haltungserfahrungen

Beitrag von donbilbo » 3. August 2009, 21:26

03.08.2009

Heute war ein schöner Tag ich habe eine adulte Schabe reingelegt und durch den harten Panzer wurde mein erster Soldat herausgelockt.

Es sind richtig schöne Tiere sie glänzen wie frisch poliert.

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donbilbo
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#3 AW: Solenopsis geminata - Haltungserfahrungen

Beitrag von donbilbo » 4. September 2009, 15:34

04.09.2009

Ich habe die Ameisen jetzt den vierten Monat und sie sind von 30 Arbeiterinnen auf unzählbar viele angewachsen. Sehr erfreulich ist die Kastenbildung, sie geizen nicht mit Majoren, einer ist wirklich gigantisch, leider kommt er nie raus wenn ich die Kamera bereithalte.

Deshalb habe ich ihnen vor ein paar Tagen das nächste Nest angeschlossen. Eine Arena vorrausschauend einzurichten macht keinen Sinn da ich absolut nicht abschätzen kann wohin die Reise noch geht. Wie man vielleicht sehen kann ist das neue Nest ziemlich trocken, trotzdem sind sie sofort eingezogen.
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Das alte Nest hockt leider auch noch voller Ameisen so dass ich es noch nicht abziehen konnte.
Ich kann auch schon die Beobachtungen von Dommsen bestätigen, es reicht die Pinzette eine Sekunde ins Becken zu stecken und schon rennen mehrere Ameisen daran hoch. Allerdings bin ich noch immer nicht gestochen worden.

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#4 AW: Solenopsis geminata - Haltungserfahrungen

Beitrag von donbilbo » 20. September 2009, 11:54

donbilbo hat geschrieben:04.09.2009

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20.09.2009

Es gibt nicht viel zu berichten, ich will hier nur kurz das Wachstum dokumentieren. Vergleicht man die zwei Bilder so haben sie sich in 16 Tagen schon wieder extrem vermehrt.
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#5

Beitrag von donbilbo » 3. Oktober 2009, 15:27

03.10.2009

Teil eins des Umbaus ist abgeschlossen. Ich habe das 10x10x20 Formicarium gegen ein 30x20x20 Becken von Antstore getauscht. Die Bohrung von 10mm habe ich bei dieser kleinen Art beibehalten.
Schade, eigentlich weiss ich, dass auch dieses Becken schon längst zu klein ist aber ich habe keine Ahnung, wie ich zB. ein Aquarium ausreichend sichern könnte. Vor allem, weil mir alle selbstgebohrten Scheiben bis jetzt nach einiger Zeit gesprungen sind.
Den Deckel habe ich mit Silikon fest aufgeklebt, eine kleine Lüftungsfläche ist mit stabiler Gaze versiegelt.
Dazu ein kleines Eingriffsloch welches mit Paraffinöl gesichert ist. Wobei das Öl so gut wie keine Wirkung zeigt, sie sind einfach zu klein und leicht um dadurch abzurutschen.

Der Umzug war radikal. Neues Becken neben das Alte stellen, Handschuhe anziehen, Schlauch vom YTong-Nest rausziehen und ins neue Becken reinstecken.
Dauer: 4 Sekunden. Ausgebrochene Ameisen: ca. 100. Es ist einfach unglaublich wie schnell diese Art reagiert.
Die grob geschätzten 500 Ameisen die in dem kleinen Becken furagierten werden überbrüht. Keine Ahnung wie ich sie umziehen lassen sollte.

Anbei Fotos vom schon wieder viel zu kleinen Nest, es hat nichtmal einen Monat gereicht.

In Phase zwei des Ausbaus werde ich einen kompletten YTong-Stein aus dem Baumarkt als Nest ausbauen. Also 100x20x20 oder was das grösste ist, was ich bekommen kann. ;)
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volles nest.jpg
schaben.jpg
gaze.jpg
honigfütterung.jpg

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#6

Beitrag von donbilbo » 29. Oktober 2009, 13:15

29.10.2009

Inzwischen habe ich das neue Nest angeschlossen und die Kolonie ist umgezogen. Der Block ist diesmal 7,5cm tief, die Kammern habe ich ca. 5cm tief gemacht. Zur Sicherheit und damit sich die Feuchtigkeit schön hält habe ich auch auf der Rückseite Plexiglas angeklebt.

Eine Scheibe des Glasbeckens ist vielleich 0,5mm tiefer eingeklebt als die anderen, diese Lücke nutzen die Ameisen um sich durchzuquetschen, bleiben dann allerdings am Tesafilm stecken. Damit habe ich den Deckel fest auf das Becken geklebt. Sieht nicht schön aus, das macht aber nichts da die Kolonie wie Messor begonnen hat, alle Scheiben mit weissem Kot zu verschmieren so dass optisch eh nichts mehr zu retten ist.

Der Bodengrund besteht eigentlich nur noch aus den Überresten der Schaben die ich täglich füttere. Die Erdschicht wird bei jeder Fütterung abgetragen bis die Futtertiere auf dem blanken Glas liegen, so entsteht fast jeden Tag eine neue Hügellandschaft.
Ein Teil der Ameisen lauert unter den Schalen und in den Erdhügeln obwohl das Nest gross genug ist. Der Luftzug der entsteht, wenn ich die Glasplatte von der Beckenöffnung hebe genügt um die ganze Kolonie in Alarmbereitschaft zu versetzen. Es reicht, wenn ich die Pinzette eine Sekunde reinhalte und sie sitzt voller Ameisen.
Weil die Reinigung also nur sehr schlecht läuft halte ich die Arena komplett trocken. Es gibt kein Zuckerwasser und kein Trinkwasser, nur Honig und Insekten. Die Insekten werden bis auf den Chitinpanzer rückstandslos verwertet so dass bis jetzt noch keine Milben, Schimmel oder sonstiges zu sehen ist.
Das Nest halten die Ameisen grundsätzlich sehr sauber, sie scheinen aber wie schon im alten Nest einen Klo-Ort festzulegen wo die Scheibe inzwischen komplett weiss verschmiert ist.
Flüssigkeit nehmen sie über das sehr feuchte Nest auf, sie trinken aus den Ytong-Poren.

Der neue Verbindungsschlauch ist 8mm breit und 1 Meter lang. Es kommt hier noch nicht zu Staus aber die riesigen "Soldaten" kommen leider nicht mehr in die Arena. Sie drehen meisst auf halber Strecke wieder um. :mad:

Fotos kann ich auch keine guten mehr machen weil erstens die Scheiben schmutzig sind und zweitens ein so grosses Gewusel herrscht, dass Futtertiere und der Boden einfach vollständig bedeckt sind.

Brut ist wie ihr sehen könnt massig vorhanden, ich bin gespannt, wann die ersten Jungköniginnen erscheinen.
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solenopsis nestblock.jpg
solenopsis becken.jpg
solenopsis futter.jpg
solenopsis ausbruch.jpg

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#7

Beitrag von donbilbo » 5. November 2009, 20:29

05.11.2009

Zu berichten gibt es nicht viel. Die Scheiben werden immer schmutziger, das Nest ist schon wieder voll und ich bin immernoch nicht gestochen worden.

Doch ich habe ein Video für euch erstellt, leider ist die Qualität nicht so gut, ich weiss nicht was ich falsch mache, vermute aber es liegt an meiner Beleuchtungsanlage die von hinten gegen die Formicarien und damit in das Camcorder-Objektiv strahlt.
Hier ist der Link zu Youtube für alle die lieber die HQ-Version anschauen wollen.


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#8

Beitrag von donbilbo » 14. November 2009, 22:12

14.11.2009

Innerhalb der letzten 48 Stunden ist die Kolonie Amok gelaufen. Es müssen parallel hunderte Ameisen geschlüpft sein, das Nest ist hoffnungslos verstopft und ein Teil der Brut wird offen in der Arena gelagert.
Ich versuche durch die Gabe von Wasser-Gel die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen ohne die Brut zu ertränken.
Dazu kommt, dass das Becken nun plötzlich stinkt, ich möchte sagen fast wie Urin.
Um ehrlich zu sein ich habe keine Ahnung wie ich weitermachen soll oder kann. Klar, ich kann eine zweite Arena anschliessen oder einen weiteren YTong zurechtmachen aber für wie lange wird es reichen? Einen Monat?

Ich tendiere im Moment zu einer grossen Plastikbox vom Baumarkt, bis fast oben hin mit normaler Gartenerde anfüllen und als Deckel eine Plexiglasplatte mit Silikon aufkleben. Da könnten sie sich ein gigantisches Nest graben. Aber ich befürchte, die Box würde durch das Gewicht der feuchten Erde splittern, deshalb kommt wohl auch kein grosses Glasaquarium in Frage. :(
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kleine racker 01.jpg
kleine racker 02.jpg
kleine racker 03.jpg

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