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Terrarienpflanzen - Pflegetipps

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swagman
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#1 Terrarienpflanzen - Pflegetipps

Beitrag von swagman » 27. Juni 2009, 15:23

Terrarienpflanzen - Pflegetipps

Ein beliebter Trend in der Ameisenhaltung sind bepflanzte, tropische Becken. Hier werden oft mehrere Ameisenarten und weitere Kleintiere zusammengehalten, um so ein kleines Stück natürlichen Lebensraum nachzugestalten.

An dieser Stelle möchte ich daher einen kleinen Überblick über die Pflege von tropischen Pflanzen in solchen Becken geben, da die meisten Information weit verstreut sind und mühsam zusammengetragen werden müssen. Natürlich kann ich nur einen kleinen Überblick geben, der aber das meiste abdeckt. Wenn jemand noch tiefer in die Materie einsteigen will, findet er dazu zahlreiche informative Seiten im Netz, oder auch entsprechende Bücher.

Denn, auch diese Pflanzen haben es verdient mit entsprechenden Aufwand versorgt zu werden. Genauso wie unsere Pfleglinge die Ameisen, können sie nur bei optimalen Bedingungen ihre ganze Pracht entfalten.



1. Licht

Lebenswichtiger Wachstumsfaktor.
Die wichtigste Voraussetzung für gesundes Pflanzenwachstum ist Licht.
Am Naturstandort wachsen Pflanzen an den für sie geeignetsten Plätzen um ausreichend Licht zu erhalten. Sie sind daher an bestimmten Lichtverhältnisse angepasst.

Manche Pflanzen wachsen im schattigen, dunklen Bodenbereich von Wäldern und kommen mit wenig Licht aus, andere wiederum wachsen gar auf den obersten Ästen von Bäumen um soviel Licht wie Möglich zu erhalten. Und dazwischen gibt es noch jede Menge weitere Abstufungen.
Je nach Bepflanzung muss man daher auch die Beleuchtung der Becken vornehmen.

Ist die Beleuchtung nicht ausreichend, werden die Pflanzen immer kümmern. Alle anderen Wachstumsfaktoren haben darauf auch keinen Einfluss mehr.

Wichtig:
Nur bei geeigneten Lichtverhältnis ist eine Pflanze imstande durch Photosynthese anorganische Verbindungen wie gasförmigen Bestandteile der Luft (Sauerstoff, Kohlendioxid, z.T. Stickstoff), Mineralsalze und Wasser aufzunehmen und in organische Substanzen umzuwandeln.

Das von Pflanzen genützte Strahlenspektrum des Lichtes liegt zwischen 350 und 670 nm.

Die Strahlungsleistung eines Leuchtmittels wird in Lumen angegeben, die Beleuchtungsstärke wird in Lux angeben und stellt das Verhältnis des einfallenden Lichtstroms (Lumen) zur beleuchteten Fläche dar. Für uns ist insbesondere die Beleuchtungsstärke (in Lux) wichtig, da wir so ausrechnen können welche Beleuchtung für die jeweilige Größe eines Becken nötig ist.

Daraus ergeben sich z.B. folgende Beleuchtungsstärken:

Für ein Becken mit den Maßen 40 x 40 x40 cm und zwei Leuchtstoffröhren mit je 15 Watt ergeben sich Beleuchtungsstärken von ca. 8000 Lux aus 10 cm Abstand und nur noch 1500 – 1800 Lux am Boden des Beckens. Das ist für so ein kleines Becken gerade noch ausreichend für die meisten Pflanzen. Selbstverständlich sollten auch entsprechende Reflektoren benutzt werden um die Lichtausbeute möglichst groß zu halten.

Besser jedoch eignen sich Energiesparlampen.

Eine 26 Watt Lampe im Warmton erreicht 1800 Lumen und erzeugt dann immerhin bei 10 cm Abstand ganze 15.000 Lux und in 50 cm Abstand noch immerhin 3.000 Lux. Man spart nicht nur Strom sondern hat auch fast eine doppelt so hohe Beleuchtungsstärke.

Für größere Becken mit bis zu einem Meter höhe eignen sich dagegen HQL-Lampen sehr gut.

Eine 125 Watt Birne erreicht in 50 cm Abstand noch 6000 Lux und in 80 cm Abstand 2.200 Lux.

Diese Lampen benötigen jedoch ein Vorschaltgerät und sind nicht heiß zündbar.

Schaltet man die Lampe ab, benötigt sie einige Zeit zum abkühlen bevor sie wieder anlaufen kann.

Bei hohen Becken ist es sinnvoll, die HQL-Lampen mit weiteren Leuchtmitteln zu kombinieren.

Natriumdampflampen übertreffen die meisten anderen Leuchtmittel, sind aber schwieriger zu bekommen und meist recht teuer. Zudem kann die gelbliche Lichtfarbe sich unter umständen nachteilig auf die Optik auswirken.

Eine 70 Watt Natriumdampflampe eignet sich um Becken in einer höhe von 80 bis 120 cm ausreichend zu beleuchten.
Die Werte reichen von 22.000 Lux in 20 cm Abstand bis 3.000 Lux bei 80 cm.

Auch hier wird ein Vorschaltgerät benötigt und sie sind auch nicht heiß Zündbar.

Zudem werden die HQL und die Natriumdampf-Hochdrucklampen sehr heiß und es muss deswegen eine Sicherheitsabstand zu den Beckenoberflächen eingehalten werden.
Man kann jedoch die Vorschaltgeräte geschickt nutzen um durch die entstehende Abwärme die Becken gleich zu beheizen.

Zum Vergleich, an ihren Naturstandort erhalten die meisten Epiphyten in den obersten Baumregionen Lichtwerte zwischen 8000 – 130.000 Lux.

Dies sollte verdeutlichen, dass diese Pflanzen nur bei ausreichender künstlicher Beleuchtung entsprechend wachsen und blühen können. Auch die auffälligen Farben vieler dieser Pflanzen bilden sich erst bei genügender Beleuchtung aus.



2. Wasser

Quell des Lebens.
Am geeignetsten zum gießen und einsprühen der Pflanzen ist Regenwasser.
Allerdings sollte man gelegentlich den Säure-Basen-Wert (pH-Wert) kontrollieren, um sicherzustellen dass das Wasser nicht zu sauer ist.
Reines Wasser aus der Osmose ist neutral, d.h. es hat einen pH-Wert von 7.

Bei Regenwasser kann der Säuregehalt jedoch durch Luftverunreinigungen steigen, in Industriegebieten kann der pH-Wert dann teilweise um 4 liegen. Solch saures Wasser sollte natürlich nicht mehr benutzt werden.

Für die meisten Epiphyten und auch viele anderen Pflanzen ist leicht saures Wasser im Bereich zwischen 5-6 ideal, wie es unbelastetes Regenwasser aufweist.

Möglich ist es aber, zu saures Wasser mit basischen Wasser zu versetzen, um so einen geeigneten pH-Wert zu erhalten.

Auch ist Regenwasser weicher, d.h. die Leitfähigkeit liegt meist bei unter 50 mS (< 6° deutscher Härte [dH]). Zu hohe Konzentrationen von Kaliumchlorid (400-500 mS), wie bei Leitungswasser üblich, schädigen Pflanzen auf Dauer. Auch Quellwasser kann einen zu hohen Salzgehalt aufweisen und sollte deshalb überprüft werden. Die Salzkonzentration des Wassers welches verwendet wird, sollte immer unter 100 mS liegen.

Reinwasser aus Osmose-Anlagen ist daher auch sehr gut geeignet.

Wichtig:
Wasser ist Lebenswichtig, kann aber bei einem zufiel schnell negativ auf die Pflanzen wirken. Ein ständig nasses Substrat vertragen nur die wenigsten Pflanzen in unseren Becken.

Schnell kommt es zur Wurzelfäule, deren Symptome allerdings die gleichen sind wie bei einem vertrocknen der Pflanzen. Logisch, da die absterbenden Wurzeln kein Wasser mehr aufnehmen können.

Wichtiger ist eine hohe Luftfeuchtigkeit. Die Pflanzen selber und das Substrat sollten dabei aber immer wieder abtrocknen können. Nebelanlagen sind daher sehr gut geeignet um die Pflanzen zu versorgen. Mehr dazu unter Klima.



3. Dünger

Nahrung wird benötigt.
Die Pflanzen zu düngen ist unerlässlich um sie ausreichend mit allen nötigen Nährsalzen zu versorgen. Mangelt es an nur einem wichtigen Nährstoff, zeigen die Pflanzen schnell Mangelerscheinungen welche sich oft durch gelbliche Blätter und einem Einstellen des Wachstums bemerkbar macht.
Allerdings sollte man nur vorsichtig Düngen. Viele Terrarienpflanzen wie Epiphyten sind wahre Hungerkünstler und kommen mit wenigen Nährstoffen aus.

Gut geeignet sind handelsübliche Flüssigdünger, welche mit Wasser stark verdünnt werden.

Die Angaben zum Mischverhältnis sollten dabei mindestens halbieren werden um nur eine leichte Düngerlösung herzustellen. Eine Überdüngung wäre für die Pflanzen tödlich.

Wichtig:
Damit die Pflanzen den Dünger auch aufnehmen können, müssen sie mindestens eine Viertelstunde zuvor ordentlich mit Wasser eingesprüht werden. Die Blätter und Wurzeln müssen richtig nass sein, erst dann öffnen sich bestimmte Zellen, welche die Nährsalze aufnehmen können. Anschließen werden die Pflanzen in den Morgenstunden kräftig mit der Düngerlösung besprüht um diese im laufe des Tages aufnehmen zu können.

Möglich wäre auch noch eine Düngung durch Langzeitdünger, der oftmals in Form von Stäbchen oder kleinen Kügelchen verwendet wird. Allerdings können dadurch nur Pflanzen versorgt werden, welche in ausreichend Substrat wurzeln. Für epiphytische Pflanzen ist diese Form des Düngen´s nicht geeignet.

Die Düngergaben sollten während der Wachstumsphase im Abstand von 3-4 Wochen gegeben werden. Im Winter braucht man nicht zu düngen, um den Pflanzen eine nötige Ruhepause zu gönnen.

Der gebrauch von Naturdüngern ist heikel, da die Mengen der Inhaltsstoffe nie so genau bestimmt werden können wie bei Kunstdünger. Zudem kann es je nach verwendeten Naturdünger auch zu Geruchsbelästigung kommen.
Am besten sind Dünger mit geringem Stickstoff Anteil z.B. 6, 10, 15 NPK geeignet. (N= Stickstoff, P=Phosphor, K=Kalium)

Alle 6-8 Wochen werden die Pflanzen zusätzlich aufgekalkt, indem man sie mit abgestandenen Leitungswasser einsprüht.



4. Klima

Luft zum atmen.
Die Temperaturen am Naturstandort differenzieren im laufe des Tages meist sehr stark, dies muss auch in den Terrarien eingehalten werden. Auch unsere Pfleglinge sind schließlich an diesen Tag- Nachtrhythmus angepasst.
Zudem gibt es oftmals auch Jahreszeitliche Schwankungen, die man einhalten sollte.

Bei gleichbleibend hohen Temperaturen stagnieren z.B. viel Pflanzen im Wachstum, auch bleibt die Bildung von Blüten dann aus. Manche Pflanzen gehen gar ein, wenn es nachts nicht abkühlt.

Sehr wichtig ist auch ein ausreichender Gasaustausch in den Becken.
Nur bei ausreichend Frischluft, ist die Versorgung der Pflanzen mit Kohlendioxid gesichert. Gegebenenfalls sollte man über den Einbau von Lüftern nachdenken, die z.B. nachts für ausreichend Luftaustausch sorgen und die Temperatur im Becken senken. Auch können die Pflanzen so besser abtrocknen wenn man mit Nebelanlagen arbeitet und damit einem Pilzbefall entgegengewirkt werden.

Bei kleineren Behältern reicht es auch aus, diese wenigsten einmal am Tag zu öffnen und so für einen Luftaustausch zu sorgen.

Die Luftfeuchtigkeit sollte bei tropischen Pflanzen recht hoch sein. Dies bedeutet aber nicht, dass es ständig nass sein muss in den Becken. Die Kunst ist es, mit wenig Wasser für eine ausreichend hohe LF zu sorgen. Dazu sind Regenanlagen mit Nebeldüsen sehr gut geeignet.

Dennoch müssen die Pflanzen im laufe des Tages wieder komplett abtrocknen können. Lediglich das Substrat sollte die Feuchtigkeit länger halten können.



5. Substrat

Fest verankert.
An das Substrat stellen die Pflanzen weit weniger Anforderungen als an die anderen Faktoren.

Epiphyten brauchen kaum Substrat, sie wachsen auch direkt auf der rauen Rinde von Bäumen.

Bodenpflanzen dagegen sind fest im Untergrund verwurzelt. Am geeignetsten für die meisten dieser Pflanzen ist ein leicht saures Substrat. Natürlich gibt es auch Pflanzen die in kalkhaltigen Boden wachsen, da muss man sich vorher ausreichend informieren.

Das Substrat sollte für tropisch feuchte Becken über ausreichende Speicherfähigkeit für Wasser verfügen und sich nicht so schnell zersetzen, zudem sollte die Luftversorgung gewährleistet sein. Torf oder geeignete Ersatzprodukte sind daher eine optimale Basis. Für eine bessere Stabilität empfiehlt es sich noch Quarzsand und Lehm bzw. Ton beizumischen. Durch das zumischen von Tongranulaten und Perlit kann das Zusammenfallen noch weiter unterbunden werden.

Möglich ist aber auch die Haltung der Pflanzen in reinem Tongranulat wie Seramis.
Wichtig ist, dass die Pflanzen ausreichen halt finden, das Substrat genügend Wasserspeichern kann und die Versorgung mit Nährstoffen gegeben ist.

Bei alten, stark zersetzten Substrat kann es nötig werden es auszutauschen. Das Material wird immer feiner und fällt in sich zusammen, so dass der Gasaustausch unterbunden ist.



6. Fazit

Auf den ersten Blick ist es scheinbar recht kompliziert, Pflanzen in geschlossenen Becken wachsen zu lassen.
Jedoch ist es nur halb so wild wie es sich darstellt.

Ist die Beleuchtung ausreichend, braucht man nicht mehr viel machen ausser ab und an die Leuchtmittel auszutauschen wenn nötig.

Hat man die Möglichkeit an Regenwasser zu kommen, hat man zumeist keine Probleme damit die Pflanzen optimal mit dem richtigen Wasser zu versorgen.
Belüftung und Temperatur lassen sich heute leicht mit technischen Geräten einstellen, ohne dass man dafür noch viel Zeit aufwenden müsste. Oftmals ergibt sich dies sowieso aus den Ansprüchen unserer Pfleglinge.

Weitere Pflegemaßnahmen wie Düngen, Rückschnitt und Kontrolle auf Schädlinge oder Pilzbefall lassen sich neben der normalen Versorgung der Ameisen leicht mit erledigen. Mit der Zeit wird man da routinierter und bekommt vielleicht auch einen grünen Daumen.

Zum Dank erhält man ein Becken mit üppigen, gesunden Pflanzen, welche uns durch ihre Blüten, Farben und Formen belohnen. Von der optischen Verschönerung abgesehen, bieten wir damit auch unseren Tieren ein Stück Lebensraum mit verschiedenen Mikroklima, in welchen sie viel natürlicher agieren können als in einem sterilen Becken.

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