Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

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Randers
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#1 Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

Beitrag von Randers » 27. Januar 2021, 21:23

Hallo zusammen,

es ist jetzt schon einige Monate her, dass ich das erste Mal etwas davon gehört habe, sich Ameisen zu halten. Irgendwie hatte mich die Idee damals angefixt und wollte mehr darüber wissen. Seitdem war ich immer wieder auf verschiedenen Shopseiten unterwegs, habe mir Videos großer und kleiner Youtube-Kanäle angeschaut und war auch regelmäßiger "stiller Leser" dieses Forums, das ich nach einiger Zeit dann entdeckt hatte. Nun ist es endlich soweit, seit zwei Wochen lebt eine kleine Gründerkolonie Ectatomma opaciventre bei mir Zuhause. Haltungsberichte werden hier ja anscheinend gerne gelesen, aber besonders bin ich für Ratschläge aller Art offen, die ich als Anfänger gut gebrauchen kann. ;) Vielleicht entdeckt ihr ja auch einen groben Haltungsfehler? Immer her mit konstruktiver Kritik!

Diskussionsthread: topic61464.html

Mit diesem ersten Beitrag möchte ich eine kurz beschreiben, warum ich mich letztendlich für diese Art entschieden habe und was sich in den ersten 14 Tagen so abgespielt hat.


Steckbrief: Ectatomma opaciventre
- Verbreitung: mittleres Südamerika
- Herkunft der Kolonie: Region Bahia, Brasilien
- Lebensdauer der Königin: 20-25 Jahre
- Lebensdauer Arbeiterin: 2-4 Jahre
- Größe Königin: 15-17mm
- Größe Arbeiterin: 12-16mm
- Koloniegröße: 100 (Natur) - 300 (Haltung)
- Tagaktiv
- Verhalten bei Störung: Können gut an Licht gewöhnt werden, reagieren mäßig auf Störung
- Temperatur Nest: 26°C
- Temperatur Arena: 23°C
- Luftfeuchtigkeit: 50-60%
- Nestform: Erdnest, Tiere graben gerne, leicht feucht
- Brutentwicklung: 5-6 Wochen, stark temperaturabhängig, Gründung im Reagenzglas wird als schwierig beschrieben
- Robuste Tiere, verzeihen einige Fehler

*Informationen habe ich den unterschiedlichen Shopseiten entnommen.


Warum Ectatomma opaciventre?
Ein Hauptkriterium war auf jeden Fall die Größe der einzelnen Tiere. Auch wenn ein großes Gewusel später sicherlich schön anzusehen ist, möchte ich auch die einzelnen Tiere gut beobachten können. Und das möchte ich gerne das ganze Jahr über, also fielen Arten mit Winterruhe auch durch das Raster. Und schließlich war es mir als Anfänger wichtig, dass die Anforderungen an Temperatur und Luftfeuchtigkeit nicht zu extrem ausfallen. Lange war deshalb Camponotus nicobarensis mein Favorit. Von vielen als Einsteigerart empfohlen gefielen sie mir sehr gut. Eine Sache bereitete mir allerdings noch etwas Kopfzerbrechen: Platzmangel. Ich war mir nicht wirklich sicher, ob ich später wirklich genügend Raum für tausende Tiere schaffen könnte. Als ich daher mehr zufällig über die Urameisen, mit Ihren eher kleinen Kolonien, stolperte, hatte es mir diese Ectatomma Art plötzlich angetan. Dass sie im Gegensatz zu den Nico´s gerne selbst Ihre Gänge und Kammern graben gefiel mir auch. Dann können sie es sich selbst so buddeln, wie es Ihnen passt. Noch eine Nacht darüber geschlafen und dann Nägel mit Köpfen gemacht..


Keine 22 Stunden später:
2210
"Hallo Welt!"


2209
Angekommen sind die Königin (unten), 2 Arbeiterinnen und ein ganzer Haufen Larven (schätzungsweise 8-10 Stück).


2206
Als erster Wohnort dient ein 20x20x20 Combinest. Inzwischen ist an der linken Seite eine kleine Heizmatte angebracht, mit der die Temperatur in der Arena zwischen 22-25° pendelt. Eine Napfschale für Flüssigkeiten hat auch noch ihren Weg hinein gefunden.
Der Nestbereich hinten ist mit einer Sand-Lehm Mischung befüllt.


2208
Hier noch einmal ein besserer Blick in das Reagenzglas. Gut zu erkennen sind die Larven, die in den zwei Wochen stetig größer geworden sind.
Ein leerer Kokon der beiden Arbeiterinnen ist ebenfalls zu sehen. Während die eine Arbeiterin den immer wieder Richtung Ausgang bringt, schleppt die Königin den immer wieder zur Brut.. :roll:



Erste Beobachtungen und Überlegungen
Die drei lassen es ruhig angehen, sehr ruhig. Geduld in den Anfängen einer Ameisenkolonie zu haben, war ein sehr guter Tipp! In 14 Tagen habe ich nicht ein einziges Mal eine Ameise draußen gesehen. Einmal haben sie Müll nach draußen gebracht. Beobachten konnte ich das allerdings nicht.
Bis jetzt scheint sie auch nichts von dem, was ich Ihnen angeboten habe, zu interessieren. Wasser, Zuckerwasser und ein Tropfen Honig bleiben unberührt. Vielleicht naschen sie zur Zeit auch nur Nachts ganz geringe Mengen? Proteine von toten Schokoschaben oder erschlagenen Stubenfliegen scheint sie auch nicht zu reizen.
Im Reagenzglas sind noch Überreste einer Schabe erkennbar, die waren bereits in der Lieferung dort. Gegebenenfalls zehren sie davon noch.
Ein bis zwei Mal am Tag werfe ich einen kurzen Blick unter den Karton, stören lassen sie sich davon so gut wir gar nicht. Nur wenn ich versehentlich eine ganz hektische Bewegung mache, fixieren sie mich sofort und wackeln gespannt mit ihren Fühlern. In der Regel juckt sie die plötzliche Helligkeit aber überhaupt nicht. Manchmal wird an der Watte zum Wassertank geknabbert/getrunken oder die Brut umhegt. Vor ein paar Tagen konnte ich die beiden Arbeiterinnen dabei beobachten, wie sie sich ausgiebig gegenseitig zu putzen schienen. Jedes Bein wurde sorgfältig "beknabbert". Die Königin steht grundsätzlich nur Richtung Ausgang des Reagenzglases und bewacht den Nachwuchs.

Was könnte man also besser oder anders machen? In einem anderen Bericht hatte ich gelesen, dass diese Art lieber in einer kleinen Sand-Lehm Mulde gründet. Das ganze dann mit einer Scheibe und Karton bedeckt und einen kleinen Ausgang freigelassen. Ich überlege ob ich an der Seite, wo die Heizmatte angebracht ist, auch so etwas anbieten sollte. Beziehungsweise den Nestbereich (hinten auf den Bildern) erwärme. Solange sie in ihrem Reagenzglas bleiben, scheint es Ihnen ja allerdings zu gefallen.
So ein bisschen Kopf mache ich mir, weil sie scheinbar gar nichts von dem, was ich Ihnen an Kohlenhydraten und Proteinen anbiete, zu sich nehmen. Aber die Brut wird stetig größer, also scheint wohl alles zu stimmen. Seit gestern sind die Larven innen dunkler geworden, während sich an einem Ende ein dunkler Punkt ausgebildet hat. Mal sehen wie es sich die nächsten Tage so entwickelt. :)


Ich bin gespannt, Freude macht es mir auf jedenfall! 3)
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#2 Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

Beitrag von Randers » 18. Februar 2021, 14:52

Tag 35:

Es ist ein bisschen Zeit ins Land gegangen, viel passiert ist derweil nicht. Nach gut 3 Wochen heute also ein kleines Update zur Kolonie.
Das beste vorweg: Alle Ameisen und Brut sind noch am leben. Allzuviel falsch scheine ich also nicht gemacht zu haben. :D

Wasser, Zuckerwasser, Honig und (tote) Insekten wurden regelmäßig angeboten. Zwischenzeitlich kam mal eine erschlagene Stubenfliege dazu, ansonsten die Schokoschaben aus dem Gefrier.
Beobachten lies sich allerdings lange Zeit gar nichts. Die kleinen Schaben wurden schließlich noch von mir zerteilt um es den zwei Arbeiterinnen zu erleichtern. Spuren von Aktivität am Insekt
waren für mich allerdings nie zu beobachten.
Informationen über Vorlieben fand ich allerlei. Bei dem einen lieben sie beispielsweise das Zuckerwasser, bei den andern wird es verachtet. Darum gibt es bei mir einen bunten Mix, dann haben sie die Wahl ;)

Hin und wieder sah ich jemanden sich bis an den Eingang des Reagenzglases vortasten, allerdings wurde immer schnell wieder der Rückzug angetreten. Ich hatte den Eindruck, dass ihnen irgend etwas
da "draußen" nicht zu passen scheint. (Frage: Was sind Faktoren, die die Arena für die Ameisen unangenehm oder unattraktiv machen?) Sorgen habe ich mir aber erst einmal nicht gemacht. Kleine Kolonie, vorsichtig und passiv. Passt schon.
Aber als nun nach fast 3 Wochen auch bei den Larven kaum bis gar kein Wachstum mehr zu erkennen war, hatte ich doch etwas Sorge. Also gab es vor 2 Tagen dann ein kleines Experiment:

Schokoschabe angeritzt und direkt an den Eingang des Reagenzglases gelegt. Am nächsten Morgen dann die Überraschung: Die Schokoschabe war komplett verschwunden! Im Nest bot sich dann folgendes Bild:

2271
Aktivität!! :lol:
Zu sehen: Links die Königin, rechts eine Arbeiterin, mittig eine Larve beim "Mittagessen" an der Schabe.

Seitdem wurde sie schon mehrfach fachmännisch "gewendet" und die Larven knabbern sichtbar von allen Seiten daran herum. Einigen ist deutlich der Inhalt anzusehen.
Fazit: Die letzten Wochen wurden die Insekten in einer kleinen Schale angeboten, deren Rand, wie ich nun denke, für die beiden Arbeiterinnen einfach zu hoch war, um die Schabe herauszuziehen. Die einzelnen Stücke
anscheinend auch. Vielleicht ist es auch einfach ein riesengroßer Zufall, aber davon gehe ich nicht aus. Ich werde es die nächste Zeit einfach weiter testen. DIe Schale ist nun erst einmal herausgeflogen.


Was war sonst zu beobachten?
Obwohl ich ihnen etwas grabfähiges Material zur Verfügung gestellt habe, war Ihnen die Watte aus dem Reagenzglas lieber, um damit den Eingangsbereich etwas zu verkleinern.. :roll:
Auf dem Bild im Reagenzglas links neben dem "Versteck" ganz gut zu erkennen.
2272

Eine steht immer Wache. Meistens ist es die Königin, aber manchmal bewacht auch eine der Arbeiterinnen den Nesteingang. Der Blick ist permanent auf den Ausgang gerichtet, während die anderen beiden die Brut pflegen.


Mal sehen wie sich die Larven in den nächsten Tagen nun entwickeln werden, ich werde berichten sobald sich wieder etwas tut :)
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#3 Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

Beitrag von Randers » 23. Februar 2021, 08:42

Tag 40:

Man könnte ja fast meinen, die Racker lesen den Bericht hier im Forum mit. Seit meinem letzten Eintrag sehe ich sie plötzlich fast täglich außerhalb des Reagenzglases herum rennen. Vorsichtig wird dabei jeder Winkel der kleinen Arena erkundet.
Vielleicht schaue ich auch nur unterbewusst öfter hin. :lol:


2276

Die letzten Tage ist es hier bei uns merklich wärmer geworden. Im Vergleich zu letzter Woche sind es fast 30 Grad Temperaturunterschied und man läuft im T-Shirt draußen herum. Auch wenn sich die Temperatur in der Kolonie nicht so drastisch verändert hat,
scheint auch dort der Frühling angekommen zu sein. Wobei im Biorhytmus dieser Art nun eher der südamerikanische Herbst anstehen würde. Nichtsdestotrotz gab es gestern den ersten großen "Frühjahrssputz". Die Watte, mit der der Nesteingang verkleinert worden war
ist zusammen mit einem ganzen Haufen anderem Dreck rausgeflogen. Ich habe es noch eine Weile so liegen gelassen, falls sie noch etwas damit anfangen wollten. Denn dass sie ihren Müll direkt vor den Eingang kippen war mir Anfangs etwas suspekt. Doch auch nach Stunden
tat sich nix und so habe ich den Kram zusammen mit der alten Schokoschabe ausgeräumt. Die kurz darauf von mir neu angebotene Schabe wurde nach nur wenigen Augenblicken ins Nest gezogen. Inzwischen macht sich die Brut bereits darüber her.

Generell scheint die Brut in den letzten Tagen mehr gewachsen zu sein, als die ganzen Wochen davor. Der Fehler lag scheinbar wirklich bei mir und in was für einer Schale ich ihnen bis letzte Woche die Schaben angeboten hatte. Freue mich sehr darüber, dass jetzt jeden Tag viel
Aktivität (für so eine kleine Kolonie) und so ein deutliches Wachstum bei den Larven zu sehen ist.

Das heute nur als kleines Update :)
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