Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

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Randers
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#1 Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

Beitrag von Randers » 27. Januar 2021, 21:23

Hallo zusammen,

es ist jetzt schon einige Monate her, dass ich das erste Mal etwas davon gehört habe, sich Ameisen zu halten. Irgendwie hatte mich die Idee damals angefixt und wollte mehr darüber wissen. Seitdem war ich immer wieder auf verschiedenen Shopseiten unterwegs, habe mir Videos großer und kleiner Youtube-Kanäle angeschaut und war auch regelmäßiger "stiller Leser" dieses Forums, das ich nach einiger Zeit dann entdeckt hatte. Nun ist es endlich soweit, seit zwei Wochen lebt eine kleine Gründerkolonie Ectatomma opaciventre bei mir Zuhause. Haltungsberichte werden hier ja anscheinend gerne gelesen, aber besonders bin ich für Ratschläge aller Art offen, die ich als Anfänger gut gebrauchen kann. ;) Vielleicht entdeckt ihr ja auch einen groben Haltungsfehler? Immer her mit konstruktiver Kritik!

Diskussionsthread: topic61464.html

Mit diesem ersten Beitrag möchte ich eine kurz beschreiben, warum ich mich letztendlich für diese Art entschieden habe und was sich in den ersten 14 Tagen so abgespielt hat.


Steckbrief: Ectatomma opaciventre
- Verbreitung: mittleres Südamerika
- Herkunft der Kolonie: Region Bahia, Brasilien
- Lebensdauer der Königin: 20-25 Jahre
- Lebensdauer Arbeiterin: 2-4 Jahre
- Größe Königin: 15-17mm
- Größe Arbeiterin: 12-16mm
- Koloniegröße: 100 (Natur) - 300 (Haltung)
- Tagaktiv
- Verhalten bei Störung: Können gut an Licht gewöhnt werden, reagieren mäßig auf Störung
- Temperatur Nest: 26°C
- Temperatur Arena: 23°C
- Luftfeuchtigkeit: 50-60%
- Nestform: Erdnest, Tiere graben gerne, leicht feucht
- Brutentwicklung: 5-6 Wochen, stark temperaturabhängig, Gründung im Reagenzglas wird als schwierig beschrieben
- Robuste Tiere, verzeihen einige Fehler

*Informationen habe ich den unterschiedlichen Shopseiten entnommen.


Warum Ectatomma opaciventre?
Ein Hauptkriterium war auf jeden Fall die Größe der einzelnen Tiere. Auch wenn ein großes Gewusel später sicherlich schön anzusehen ist, möchte ich auch die einzelnen Tiere gut beobachten können. Und das möchte ich gerne das ganze Jahr über, also fielen Arten mit Winterruhe auch durch das Raster. Und schließlich war es mir als Anfänger wichtig, dass die Anforderungen an Temperatur und Luftfeuchtigkeit nicht zu extrem ausfallen. Lange war deshalb Camponotus nicobarensis mein Favorit. Von vielen als Einsteigerart empfohlen gefielen sie mir sehr gut. Eine Sache bereitete mir allerdings noch etwas Kopfzerbrechen: Platzmangel. Ich war mir nicht wirklich sicher, ob ich später wirklich genügend Raum für tausende Tiere schaffen könnte. Als ich daher mehr zufällig über die Urameisen, mit Ihren eher kleinen Kolonien, stolperte, hatte es mir diese Ectatomma Art plötzlich angetan. Dass sie im Gegensatz zu den Nico´s gerne selbst Ihre Gänge und Kammern graben gefiel mir auch. Dann können sie es sich selbst so buddeln, wie es Ihnen passt. Noch eine Nacht darüber geschlafen und dann Nägel mit Köpfen gemacht..


Keine 22 Stunden später:
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"Hallo Welt!"


2209
Angekommen sind die Königin (unten), 2 Arbeiterinnen und ein ganzer Haufen Larven (schätzungsweise 8-10 Stück).


2206
Als erster Wohnort dient ein 20x20x20 Combinest. Inzwischen ist an der linken Seite eine kleine Heizmatte angebracht, mit der die Temperatur in der Arena zwischen 22-25° pendelt. Eine Napfschale für Flüssigkeiten hat auch noch ihren Weg hinein gefunden.
Der Nestbereich hinten ist mit einer Sand-Lehm Mischung befüllt.


2208
Hier noch einmal ein besserer Blick in das Reagenzglas. Gut zu erkennen sind die Larven, die in den zwei Wochen stetig größer geworden sind.
Ein leerer Kokon der beiden Arbeiterinnen ist ebenfalls zu sehen. Während die eine Arbeiterin den immer wieder Richtung Ausgang bringt, schleppt die Königin den immer wieder zur Brut.. :roll:



Erste Beobachtungen und Überlegungen
Die drei lassen es ruhig angehen, sehr ruhig. Geduld in den Anfängen einer Ameisenkolonie zu haben, war ein sehr guter Tipp! In 14 Tagen habe ich nicht ein einziges Mal eine Ameise draußen gesehen. Einmal haben sie Müll nach draußen gebracht. Beobachten konnte ich das allerdings nicht.
Bis jetzt scheint sie auch nichts von dem, was ich Ihnen angeboten habe, zu interessieren. Wasser, Zuckerwasser und ein Tropfen Honig bleiben unberührt. Vielleicht naschen sie zur Zeit auch nur Nachts ganz geringe Mengen? Proteine von toten Schokoschaben oder erschlagenen Stubenfliegen scheint sie auch nicht zu reizen.
Im Reagenzglas sind noch Überreste einer Schabe erkennbar, die waren bereits in der Lieferung dort. Gegebenenfalls zehren sie davon noch.
Ein bis zwei Mal am Tag werfe ich einen kurzen Blick unter den Karton, stören lassen sie sich davon so gut wir gar nicht. Nur wenn ich versehentlich eine ganz hektische Bewegung mache, fixieren sie mich sofort und wackeln gespannt mit ihren Fühlern. In der Regel juckt sie die plötzliche Helligkeit aber überhaupt nicht. Manchmal wird an der Watte zum Wassertank geknabbert/getrunken oder die Brut umhegt. Vor ein paar Tagen konnte ich die beiden Arbeiterinnen dabei beobachten, wie sie sich ausgiebig gegenseitig zu putzen schienen. Jedes Bein wurde sorgfältig "beknabbert". Die Königin steht grundsätzlich nur Richtung Ausgang des Reagenzglases und bewacht den Nachwuchs.

Was könnte man also besser oder anders machen? In einem anderen Bericht hatte ich gelesen, dass diese Art lieber in einer kleinen Sand-Lehm Mulde gründet. Das ganze dann mit einer Scheibe und Karton bedeckt und einen kleinen Ausgang freigelassen. Ich überlege ob ich an der Seite, wo die Heizmatte angebracht ist, auch so etwas anbieten sollte. Beziehungsweise den Nestbereich (hinten auf den Bildern) erwärme. Solange sie in ihrem Reagenzglas bleiben, scheint es Ihnen ja allerdings zu gefallen.
So ein bisschen Kopf mache ich mir, weil sie scheinbar gar nichts von dem, was ich Ihnen an Kohlenhydraten und Proteinen anbiete, zu sich nehmen. Aber die Brut wird stetig größer, also scheint wohl alles zu stimmen. Seit gestern sind die Larven innen dunkler geworden, während sich an einem Ende ein dunkler Punkt ausgebildet hat. Mal sehen wie es sich die nächsten Tage so entwickelt. :)


Ich bin gespannt, Freude macht es mir auf jedenfall! 3)
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#2 Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

Beitrag von Randers » 18. Februar 2021, 14:52

Tag 35:

Es ist ein bisschen Zeit ins Land gegangen, viel passiert ist derweil nicht. Nach gut 3 Wochen heute also ein kleines Update zur Kolonie.
Das beste vorweg: Alle Ameisen und Brut sind noch am leben. Allzuviel falsch scheine ich also nicht gemacht zu haben. :D

Wasser, Zuckerwasser, Honig und (tote) Insekten wurden regelmäßig angeboten. Zwischenzeitlich kam mal eine erschlagene Stubenfliege dazu, ansonsten die Schokoschaben aus dem Gefrier.
Beobachten lies sich allerdings lange Zeit gar nichts. Die kleinen Schaben wurden schließlich noch von mir zerteilt um es den zwei Arbeiterinnen zu erleichtern. Spuren von Aktivität am Insekt
waren für mich allerdings nie zu beobachten.
Informationen über Vorlieben fand ich allerlei. Bei dem einen lieben sie beispielsweise das Zuckerwasser, bei den andern wird es verachtet. Darum gibt es bei mir einen bunten Mix, dann haben sie die Wahl ;)

Hin und wieder sah ich jemanden sich bis an den Eingang des Reagenzglases vortasten, allerdings wurde immer schnell wieder der Rückzug angetreten. Ich hatte den Eindruck, dass ihnen irgend etwas
da "draußen" nicht zu passen scheint. (Frage: Was sind Faktoren, die die Arena für die Ameisen unangenehm oder unattraktiv machen?) Sorgen habe ich mir aber erst einmal nicht gemacht. Kleine Kolonie, vorsichtig und passiv. Passt schon.
Aber als nun nach fast 3 Wochen auch bei den Larven kaum bis gar kein Wachstum mehr zu erkennen war, hatte ich doch etwas Sorge. Also gab es vor 2 Tagen dann ein kleines Experiment:

Schokoschabe angeritzt und direkt an den Eingang des Reagenzglases gelegt. Am nächsten Morgen dann die Überraschung: Die Schokoschabe war komplett verschwunden! Im Nest bot sich dann folgendes Bild:

2271
Aktivität!! :lol:
Zu sehen: Links die Königin, rechts eine Arbeiterin, mittig eine Larve beim "Mittagessen" an der Schabe.

Seitdem wurde sie schon mehrfach fachmännisch "gewendet" und die Larven knabbern sichtbar von allen Seiten daran herum. Einigen ist deutlich der Inhalt anzusehen.
Fazit: Die letzten Wochen wurden die Insekten in einer kleinen Schale angeboten, deren Rand, wie ich nun denke, für die beiden Arbeiterinnen einfach zu hoch war, um die Schabe herauszuziehen. Die einzelnen Stücke
anscheinend auch. Vielleicht ist es auch einfach ein riesengroßer Zufall, aber davon gehe ich nicht aus. Ich werde es die nächste Zeit einfach weiter testen. DIe Schale ist nun erst einmal herausgeflogen.


Was war sonst zu beobachten?
Obwohl ich ihnen etwas grabfähiges Material zur Verfügung gestellt habe, war Ihnen die Watte aus dem Reagenzglas lieber, um damit den Eingangsbereich etwas zu verkleinern.. :roll:
Auf dem Bild im Reagenzglas links neben dem "Versteck" ganz gut zu erkennen.
2272

Eine steht immer Wache. Meistens ist es die Königin, aber manchmal bewacht auch eine der Arbeiterinnen den Nesteingang. Der Blick ist permanent auf den Ausgang gerichtet, während die anderen beiden die Brut pflegen.


Mal sehen wie sich die Larven in den nächsten Tagen nun entwickeln werden, ich werde berichten sobald sich wieder etwas tut :)
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#3 Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

Beitrag von Randers » 23. Februar 2021, 08:42

Tag 40:

Man könnte ja fast meinen, die Racker lesen den Bericht hier im Forum mit. Seit meinem letzten Eintrag sehe ich sie plötzlich fast täglich außerhalb des Reagenzglases herum rennen. Vorsichtig wird dabei jeder Winkel der kleinen Arena erkundet.
Vielleicht schaue ich auch nur unterbewusst öfter hin. :lol:


2276

Die letzten Tage ist es hier bei uns merklich wärmer geworden. Im Vergleich zu letzter Woche sind es fast 30 Grad Temperaturunterschied und man läuft im T-Shirt draußen herum. Auch wenn sich die Temperatur in der Kolonie nicht so drastisch verändert hat,
scheint auch dort der Frühling angekommen zu sein. Wobei im Biorhytmus dieser Art nun eher der südamerikanische Herbst anstehen würde. Nichtsdestotrotz gab es gestern den ersten großen "Frühjahrssputz". Die Watte, mit der der Nesteingang verkleinert worden war
ist zusammen mit einem ganzen Haufen anderem Dreck rausgeflogen. Ich habe es noch eine Weile so liegen gelassen, falls sie noch etwas damit anfangen wollten. Denn dass sie ihren Müll direkt vor den Eingang kippen war mir Anfangs etwas suspekt. Doch auch nach Stunden
tat sich nix und so habe ich den Kram zusammen mit der alten Schokoschabe ausgeräumt. Die kurz darauf von mir neu angebotene Schabe wurde nach nur wenigen Augenblicken ins Nest gezogen. Inzwischen macht sich die Brut bereits darüber her.

Generell scheint die Brut in den letzten Tagen mehr gewachsen zu sein, als die ganzen Wochen davor. Der Fehler lag scheinbar wirklich bei mir und in was für einer Schale ich ihnen bis letzte Woche die Schaben angeboten hatte. Freue mich sehr darüber, dass jetzt jeden Tag viel
Aktivität (für so eine kleine Kolonie) und so ein deutliches Wachstum bei den Larven zu sehen ist.

Das heute nur als kleines Update :)
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#4 Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

Beitrag von Randers » 7. März 2021, 13:58

Tag 52:

Irgend etwas scheint bei der Aufzucht schief gelaufen zu sein. Von den anfänglichen 8-10 Larven unterschiedlicher Größenordnung war eines Tages eine plötzlich komplett
braun geworden. Am Tag danach konnte ich nur noch die 4 größten Larven entdecken. Ein paar Tage später waren es heute Morgen nur noch 2. Von Puppen fehlt allerdings jede Spur.
Sie hatten keine Schaben mehr angenommen, also dachte ich erst, sie wären einfach satt. Aber ist es möglich, dass sie stattdessen die kleineren Larven an die weiter fortgeschrittenen
verfüttert haben? Vielleicht ist ihre Entwicklung auch einfach etwas gestört worden, durch meinen anfänglichen Fehler beim Futter anbieten. Rund 7 Wochen sind sie jetzt schon im Larvenstadium. :roll:


Vorgestern wurde dann doch wieder eine Schabe ins Nest gezogen und gründlich zerlegt. Heute Morgen hatte ich dann die Gelegenheit, eine der Arbeiterinnen beim gründlichen Untersuchen der gesamten Arena
zu beobachten. Besonders interessant war für sie die Seite an der ich saß. Manchmal hatte ich direkt das Gefühl, sie würde mich einfach beobachten. Wenn ich ihr nahe kam, zeigte sie sich ziemlich unbeeindruckt.
Ich habe ihr dann vorsichtig einen Finger von außen an das Glas gehalten und da war sie ganz aufgeregt mit den Fühlern am tasten. Sowieso sehr faszinierend zu beobachten, wie die ständig in Aktion sind. :D

Hier ein paar Bilder, dich ich machen konnte:

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So ganz nah bekommt man noch einmal einen ganz anderen Eindruck von der Größe der "Kleinen".


Und noch etwas konnte ich heute beobachten:

2285

Diese Übergänge in den (hoffentlich) zukünftigen Nestbereich hatte ich ihnen beim Einzug etwas mit der Pinzette vorgebohrt. Das ganze wurde allerdings ganz schnell als Abfallort benutzt.. :roll:
Heute rannte die Arbeiterin von oben allerdings immer wieder neugierig in das Loch, das nahe der kleinen Heizmatte ist. Es ist dort immer angenehm warm, allerdings auch recht trocken.
Also habe ich die Stelle vorhin ein klein bisschen angefeuchtet. Und schon dauerte es keine Viertelstunde, und der Müll war rausgeschmissen worden (Siehe Bild). Ob dort schon nach einem alternativen Nestbereich geschaut wird?
Etwas von der Watte, mit der sie den Eingang zum Reagenzglas abgesichert haben, wurde auch schon hingebracht. Die Zeit wird es zeigen, was sie dort vorhaben.

Ich hoffe nun aber erst einmal, dass die verbleibenden Larven gut durchkommen und nicht auch noch verschwinden. :? Ich lasse mich mal überraschen. Für Anregungen bin ich gerne zu haben!

Bis zum nächsten Mal :)
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#5 Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

Beitrag von Randers » 16. März 2021, 10:54

Tag 61:

Jetzt komme ich doch so langsam ins Grübeln. Irgend etwas an den Haltungsparametern scheint Ihnen gar nicht zu gefallen.
Vor 2 Tagen fand ich eine der Arbeiterinnen tot in der Arena. Sie "klemmte" zwischen Reagenzglas und dem Karton, den ich als Lichtschutz darüber
liegen habe. Die Tage davor lief sie permanent in der Arena umher, meistens immer den Rand entlang, als ob sie einen Ausweg suchen würde.
Besonderes Interesse hat sie den beiden Löchern in der Sand-Lehm Mischung geschenkt, da war sie immer wieder drin verschwunden.

Die größte Larve ist gestern nun auch eingegangen, sie verfärbte sich ganz braun, und es sah fast so aus, als ob die Königin an ihr knabbern würde.
Jetzt liegen noch 2 Larven im Reagenzglas. Eine mittelgroße, und eine ganz kleine, wenige Millimeter groß.

Ich habe immer wieder ein bisschen rotiert, was Kohlenhydrate angeht. Unterschiedliche Mischungsverhältnisse von Honigwasser und Zuckerwasser, auch ein
Stück Mandarine mal angeboten. Proteine wurden gar nicht mehr angenommen, Leider konnte ich da bis jetzt keine große abwechslungs anbieten.

Was könnte das wahrscheinlichste Problem sein? Ist es zu trocken? Zu warm? Für eine südamerikanische Art mag ich das gar nicht glauben, bei vielleicht 24 Grad in der Arena. Wobei ich die
Temperatur im Reagenzglas selbst natürlich nicht messen kann.. Stichwort Stauwärme?

Ich wollte nun mal ein kleines Porenbeton Nest basteln, und Ihnen das als Alternative anbieten. Vielleicht sind die Parameter im Reagenzglas einfach nicht gut genug?
Mal schauen was zu retten ist..

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#6 Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

Beitrag von Randers » 10. April 2021, 23:10

Tag 86:

Soviel zu "Ich schreibe aktualisiere den Bericht jetzt häufiger" :lol: Asche auf mein Haupt.
Das Wichtigste zuerst: Die Kolonie lebt noch. Fast ein Monat ist vergangen, seitdem die letzte Larve der "ersten" Generation eingegangen ist.
Da mehrere von euch der Meinung waren, es könnte zu trocken im Reagenzglas gewesen sein, habe ich kurz darauf den Eingang des Reagenzglases mit
etwas Sand verkleinert und diesen regelmäßig angefeuchtet.
Generell habe ich etwas an den Haltungsparametern gedreht. Die Luftfeuchtigkeit ist bei 70-80%. Nachdem ich mich nochmal durch die Klimatabelle der Region
Bahia in Brasilien, aus der die Kolonie angeblich stammen soll, gelesen habe, ist die Temperatur im Formicarium tagsüber konstant bei 25°. Das entspricht der dortigen
Jahresdurchschnittstemperatur. Nachts geht es dann auf 22-23° runter.
Da die Fliegen bei mir zuhause eher rar gesät waren, und auch im Keller, sowie dem Schuppen, nichts annehmbares auftreiben lies. habe ich kurzerhand einen Zuchtansatz
flugunfähiger Fruchtfliegen bestellt. Man, vermehren die sich vielleicht schnell.. )=99

Hat das ganze etwas gebracht? Anscheinend schon.
Wenige Tage später konnt ich die ersten neuen Eier/Larven entdecken. Aktuell sind es 5 Larven, davon eine schon so groß wie die bereits existierende Arbeiterin. Heute haben sie
diese Larve etwas weiter von den anderen weg deponiert. Vielleicht verpuppt sie sich bald?
Das nun deutlich besser wechselnde Angebot Schokoschaben/Fruchtfliegen wird sehr gut angenommen. Man muss nur kurz wegsehen, schon ist eine weitere Fliege verschwunden.
Da gibt es zur Zeit einen ganz schönen Durchsatz.

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Es ist angerichtet. Im kleineren Reagenzglas unter dem Wasserkarton befindet sich seit ein paar Wochen ein seperater Wassertank, mit Watte "verschlossen".


Heute Mittag zeigte sich die Königin für rund 5 Minuten am Eingang des Reagenzglases, während die Arbeiterin neue Fliegen am einsammeln war. Dort lies sie sich in Ruhe
für ein paar Fotos ablichten. Zur Größeneinordnung, das Reagenzglas hat einen Außendurchmesser von 22mm.

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Das war es nun erst einmal wieder für heute, schönes Restwochenende! :)
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#7 Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

Beitrag von Randers » 17. April 2021, 13:02

Tag 93:

Da lassen sie tagelang Fruchtfliegen und Schokoschaben achtlos links liegen, aber als ich ihnen gestern die "erjagte" großen Stubenfliege in die Arena gelegt habe, dauerte es keine 30 Minuten, da war sie mit aller Kraft ins Reagenzglas gezerrt. Jetzt wo die Temperaturen, und damit auch das Insektenaufkommen, immer weiter steigen, werde ich nun wohl öfter auf die Jagd gehen müssen. Auf Variation stehen sie scheinbar. :lol:

Letzte Woche ist mir aufgefallen, dass die Luft in der Arena richtig muffig roch. Seitdem lasse ich den Deckel vollständig weg, denn die beiden Bohrungen darin reichen anscheinend nicht aus, um eine anständige Luftzirkulation zu gewährleisten. Da ich den Boden jetzt regelmäßiger befeuchte stieg damit auch die Luftfeuchtigkeit bis zu 90%. Auf Dauer hat das anscheinend nicht gut getan.
Beheizt wird nun auch anders. Um die Temperatur in Bodennähe anzuheben, wurde das Formicarium "aufgebockt" und das Heizkabel von unten angebracht. Jetzt ist ca. die Hälfte des Bodens angenehm warm und es herrschen 23-24 Grad. Bis jetzt scheint es ihnen gut zu gefallen.

Als Alternative zum Reagenzglas ist seit gestern ein 15x15cm Fertignest angeschlossen. 26° und 60% Luftfeuchtigkeit sind dort drin viel schöner zu regulieren. Ein erster Besuch durch die Arbeiterin hat bereits stattgefunden, jetzt sollen sie es sich aussuchen, wo es ihnen und ihrer Brut besser gefällt.

Einen Blick ins Nest werde ich nun nur noch 1x die Woche machen, so schwer es auch fällt :lol: Aber im Nachhinein muss ich selbstkritisch gestehen, dass ich viel zu oft "mal kurz" hineingeschaut habe.

Jetzt lasse ich mich einfach überraschen, was feuchter Sand, Bodenheizung, viel mehr Frischluft und ein alternatives Nest ausmachen werden. Die Arbeiterin ist heute jedenfalls schon fleissig unterwegs, ich werte das mal als gutes Zeichen.

Neues gibt es dann wieder in ein paar Tagen, beim nächsten Blick ins Nest. ;)
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#8 Haltungsbericht - Ectatomma opaciventre

Beitrag von Randers » 22. April 2021, 17:27

Tag 98:

Es sah sooo gut aus, dachte ich zumindest.. Nachdem ich gestern das erste Mal seit 5 Tagen wieder einen Blick ins Nest geworfen habe (ich übe mich ja in Geduld), war ich zuversichtlich, dass
es nun endlich klappen würde. Die verbleibende Arbeiterin hatte in den letzten Tagen immer wieder draußen gegraben und feuchten Sand ins Nest eingetragen. Damit wurde der von mir aufgeschüttete Eingang
noch einmal weiter verkleinert. Dort war es nun sichtlich feuchter, und die Larven bewegten sich munter. Aber sie waren wieder so "trocken" aus. Und seit dem letzten Bericht war auch nicht ein einziges Mal mehr etwas zu Futtern eingetragen worden.
Fliegen, zerteilte Schaben und frisch Erschlagenes wurde alles links liegen gelassen. Und doch zeigte die Arbeiterin immer wieder rege Außenaktivität, so dass ich mir nichts weiter bei gedacht habe.
Na gut, dachte ich mir. Sind die 2 verbliebenen Larven wohl einfach gut gesättigt. Doch heute rannte plötzlich die Königin aus dem Reagenzglas hervor, und war wie wild in der Arena hin und her. Sie bekam sich gar nicht wieder ein.
Etwas am Nest war nun wirklich nicht mehr für sie in Ordnung.
Ins Reagenzglas geschaut, beide Larven wie erstarrt, eingefallen, leicht bräunlich. Und auch wenn ich so gut wie gar keine Erfahrung auf diesem Gebiet vorweisen kann, gesund sah das nun wirklich nicht mehr aus. Bei näherer Inspektion konnte ich schließlich deutliche Anzeichen
von Schimmel unter dem Reagenzglas entdecken, grün/schwarz. Nun war es in Kombination mit der Bodenheizung wohl zu feuchtwarm geworden..

Heute gab es nun also den radikalen Schnitt. Vermutlich schütteln die erfahrenen Ameisenhalter nun mit dem Kopf, aber mir erschien es nach reiflicher Überlegung als logische Konsequenz.
In den letzten Wochen hatte ich ihnen auf anraten des Shops, bei denen ich die Ameisen bestellt hatte, ein alternatives Nest zur Verfügung gestellt. Erst eine abgedeckte Mulde im feuchten Sand, dann zusätzlich noch ein vorgefertigtes, 3D gedrucktes Nest. Beides wurde jeden Tag immer wieder
fleißig erkundet, und von mir leicht befeuchtet/angewärmt. Doch im Reagenzglas schien es ihnen besser zu gefallen. Heute wurden sie schließlich vor die Wahl gestellt, denn ich habe sie aus ihrem bisherigen Reagenzglas geschmissen und in eine vollständig neue Arena als Übergangslösung gepackt.

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Neues Reagenzglas eingerichtet, in dem sie nun vorerst untergekommen sind. Die beiden leblosen Larven wurden auch direkt wieder eingeschleppt. Als Alternative habe ich ihnen wieder eine Sandmulde vorgegraben und abgedeckt. Jetzt hilft wieder nur noch abwarten.

Ich fürchte, die bisherige Arena wurde von mir nun zu feucht gehalten, statt wie anfangs zu trocken. Ich werde mich jetzt darauf konzentrieren, nur noch den Sand vor den Nesteingängen zu befeuchten und die sonstige Erde per Wassersprüher zu benetzen. Gegebenenfalls habe ich sie mit der Bodenheizung
auch etwas überhitzt. Im Reagenglas selbst kann ich zwar natürlich nicht messen, aber der Temperaturfühler, der mit unter dem Stückchen Karton lag, zeigte als Maximaltemperatur immer nur 25°. Bei grundsätzlich empfohlenen 26° für das Nest. Abwarten was die nächsten Tage und Wochen nun passiert.
Vielleicht liegt die Königin morgen auch tot im Reagenzglas, dann war das eine Lektion für mich. :roll:
Ich habe wirklich noch viel zu lernen

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