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Pheidole noda und das Nadelöhr

FrogsAreFriends
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#1 Pheidole noda und das Nadelöhr

Beitrag von FrogsAreFriends » 9. Dezember 2022, 00:13

Hallo liebe Ameisenfreunde,

ein kurzes Wort zu mir, das tl;dr für Eilige gibts unten in Fettschrift:
ich bin Neuling, was das Thema Ameisenhaltung betrifft, habe allerdings 25 Jahre Erfahrung in der Terraristik. Neben der Haltung von allerlei Reptilien und Amphibien im Lauf der Jahre habe ich auch umfangreiche Erfahrungen in der Haltung verschiedener Evertebrata, darunter auch teils unangenehm giftige Ausbruchskünstler, deren Nymphen man mit der Lupe suchen kann. Das Schaffen und Halten von Mikroklima, mehrstufiger Ausbruchsschutz und dichte Becken sind mir also geläufig - und wie man im Ernstfall die Nerven behält, auch =)*204

Die Beobachtung einheimischer Ameisen findet im eigenen Garten statt, so habe ich von Beginn an nach einer exotischen Art gesucht - auch weil ich über einen Terrarienraum mit dauerhaft tropischem Klima und Temperaturen nicht unter 25 Grad verfüge. Die Wahl fiel nach intensiver Recherche auf Pheidole noda.

Das Equipment ist nun hier. Die kleine Anlage besteht aus einer klassischen Ameisenfarm, die als Erdnest angelegt werden soll und einer kleinen 20x20 Arena.
Der Ausbruchschutz in der Arena besteht aus einer Talkumbarriere im oberen Drittel, einem aufgesetzten, beidseitig mit Paraffinöl eingeölten, innen überstehenden Rahmen und einem dicht aufliegenden (durch die beidseitige Ölung des Rahmens quasi "angesaugten") Glasdeckel mit herausnehmbaren 0,2mm Edelstahlgazestöpseln als Belüftung - und in einer stattlichen Anzahl Steatoda triangulosa im Raum, aber so weit sollte es gar nicht erst kommen.
Die Anlage ist deutlich erweiterbar, wenn die Kolonie wächst.

Der Aufbau der Anlage war für mich gut zu bewerkstelligen - aber ich stutze ein wenig bei der Konstruktion der Ameisenfarm.

Der Innendurchmesser der Farm beträgt 6mm, der Innendurchmesser des "Zugangstutzens" nur noch 4mm. Die Farm wurde vom Shop für die Gattung Pheidole empfohlen.
Bei allen Videos, die ich zu der Gattung gesehen habe, erfolgte der Nahrungseintrag jedoch weitgehend am Stück, das heißt die Beute wurde erst im Nest zerlegt.

- führt ein so schmaler Zugang zum Nest, der ja erst ganz am Ende des Transportweges offenbar wird, nicht zu einem völligen Chaos, wenn Futterstücke durch den 6mm-Schlauch bis zu dem Nadelöhr gezogen werden und es dann verstopfen?
- sollte ich daher den Schlauchzugang direkt an der Arena auf dieses Maß verengen, um ein Zerlegen in der Arena anzuregen?
- oder sollte ich die Farm als Mahnmal in den Schrank stellen und direkt eine mit einem größeren Zugang besorgen?


Herzlichen Dank für eure Gedanken
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Zitrus

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#2 Pheidole noda und das Nadelöhr

Beitrag von Zitrus » 9. Dezember 2022, 00:46

Hey, willkommen bei uns im Ameisenforum!

Hat ja lange gedauert, bis dich das Ameisenfieber infiziert hat, aber lieber spät als nie. =)*202
FrogsAreFriends hat geschrieben:
9. Dezember 2022, 00:13
führt ein so schmaler Zugang zum Nest, der ja erst ganz am Ende des Transportweges offenbar wird, nicht zu einem völligen Chaos, wenn Futterstücke durch den 6mm-Schlauch bis zu dem Nadelöhr gezogen werden und es dann verstopfen?
Von Vorteil ist es definitiv nicht und Pheidole noda ist meiner Recherche nach auch ein bisschen größer als die klassische Pheidole pallidula.
Ab einer gewissen Koloniegröße stelle ich mir das ziemlich klaustrophobisch vor, wobei Ameisen damit ja eigentlich kein Problem haben.

Mit meinen Camponotus ligniperda habe ich ein ähnliches Problem; der Adapter am Becken hat einen Innendurchmesser von 1cm, der Schlauch
aber nur 8mm und folglich bleibt vieles, was in den Adapter passt, dort stecken. Was die Brutversorgung angeht, scheint das wurscht zu sein und
sie haben sich mehr oder weniger daran gewöhnt, die größeren Futtertiere gar nicht erst zum Adapter zu schleppen. Es wird in der Arena bzw.
im Adapter alles verwertbare aufgenommen und dann im Nest sozusagen wieder hochgewürgt. Hin und wieder schafft es tatsächlich mal eine
kleinere Schabe/Fliege ins Nest.
FrogsAreFriends hat geschrieben:
9. Dezember 2022, 00:13
sollte ich daher den Schlauchzugang direkt an der Arena auf dieses Maß verengen, um ein Zerlegen in der Arena anzuregen?
Das würde ich so machen. Es könnten sich sonst mit der Zeit eine Menge Reste im Schlauch ansammeln. Der erwähnte Adapter ist am Ende der
Saison auch immer ziemlich verstopft.
FrogsAreFriends hat geschrieben:
9. Dezember 2022, 00:13
oder sollte ich die Farm als Mahnmal in den Schrank stellen und direkt eine mit einem größeren Zugang besorgen?
Ich würde einfach schauen, was passiert. Daran sollte es wirklich nicht scheitern, aber ich habe zugegebenermaßen auch Null Erfahrung mit
Pheidole. Vielleicht werden sich Erne/Harry noch zu Wort melden; die haben da glaube ich etwas mehr Ahnung.
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#3 Pheidole noda und das Nadelöhr

Beitrag von PincoPallino » 9. Dezember 2022, 00:50

Hallo und willkommen hier im Forum,

also erstmal: So einen Raum hätte ich auch gerne! Und die Spinnen musste ich erstmal googlen...

Du scheinst dich echt gut vorbereitet zu haben und hast schon wichtige Erfahrungen gesammelt. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Du hast bestimmt viel Spaß mit den Kleinen.

Deine Bedenken kann ich verstehen. Wenn sie ihre Beute wirklich komplett ins Nest bringen, sind 4 mm tatsächlich sehr eng und der Trichtereffekt ist bestimmt auch nachteilig.

Mein erster Impuls wäre, zu schauen, ob sich die Öffnung erweitern lässt. Ist aber vermutlich Glas, oder?

Dann bleibt eigentlich nur abwarten, wie sich die Ameisen verhalten oder neue Hardware kaufen. Kleiner Tipp: Du kannst das Nest vielleicht noch umtauschen. Ansonsten lassen sich gerade die Antstore-Teile eigentlich auch gut verkaufen, z.B hier im Forum...

Grüße vom Pinco
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#4 Pheidole noda und das Nadelöhr

Beitrag von FrogsAreFriends » 9. Dezember 2022, 09:47

Hallo zusammen,

da bin ich aber platt, wie ihr euch hier mitten in der Nacht noch die Zeit genommen habt, ausführlich zu antworten! Vielen Dank dafür!

Erweiterbar ist das enge Nestzugangsröhrchen leider nicht (abstehendes Röhrchen mit 6mm Außen- und 4mm Innendurchmesser).

Also wäre Plan A, den 6mm-Zugang in der Arena mittels Einsteckröhrchen auf die 4mm zu verengen und zu beobachten, was passiert.

Sollte es sich als nicht praktikabel erweisen, greift Plan B, ein größeres Nest zwischenstöpseln und das "alte" Nest durch Lichteinfall unattraktiv machen, um die Damen zum Umzug zu bewegen.
(so sie denn überhaupt eingezogen sind - derzeit noch sprichwörtlich ungelegte Eier, ich habe die Ameisen noch nicht hier, wollte sie allerdings zum Wochenende hin einsetzen)
Letztendlich wäre dann die ganze Nestkonstruktion von vornherein unbrauchbar, daran wollte ich beim Bezug über den Antstore mit all der Erfahrung im Formicarienbau nicht ganz glauben.

Ich freue mich aber auf jeden Fall über weitere Eingebungen.

PincoPallino hat geschrieben:
9. Dezember 2022, 00:50
also erstmal: So einen Raum hätte ich auch gerne! Und die Spinnen musste ich erstmal googlen...
Die Spinnen erscheinen auf magische Weise in solchen Warmräumen mit gewisser Luftfeuchte und siedeln sich an. Die Vermehrung ist geradezu explosionsartig und sie sind zu meiner Freude nicht nur sehr hübsch anzusehen, sondern auch hocheffiziente Vertilger von Insekten. Von der winzigen Trauermücke aus der Pflanzenerde bis zur entwichenen Steppengrille erlegen sie alles, mit erstaunlicher Technik und bei einem Größenunterschied zum Beutetier, dass einem der Atem stocken kann :shock:
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#5 Pheidole noda und das Nadelöhr

Beitrag von PincoPallino » 9. Dezember 2022, 14:20

Hallo,
Letztendlich wäre dann die ganze Nestkonstruktion von vornherein unbrauchbar, daran wollte ich beim Bezug über den Antstore mit all der Erfahrung im Formicarienbau nicht ganz glauben.
Ich weiß nicht, wie sich andere Pheidole-Arten in Bezug auf ihre Beutetiere verhalten, es könnte ja auch sein, dass die noda da eine Ausnahme darstellen. Ich würde aber generell zu eher größeren Durchmessern raten. Mit zunehmender Koloniegröße werden sich die Ameisen die Zugänge dann ggf. selber zubauen und entsprechend verkleinern. Man sollte auch immer daran denken, dass gerade an den Übergängen immer besonders viel Verkehr ist und oft mehr als eine Ameise in jeder Richtung durch will. Und wenn dann noch eine beschließt umzudrehen, wird es schnell sehr eng.

Letztlich kommen sie aber auch bestimmt mit einem kleinen Nesteingang zurecht. Was bleibt ihnen auch anderes übrig...

Wie groß ist deine Kolonie denn, wenn sie ankommt? Wenn es noch ganz wenige sind, reicht evtl. auch erstmal ein Reagenzglas als Nest aus. Für kleinere Kolonien wird das oft sogar empfohlen.

Grüße vom Pinco
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#6 Pheidole noda und das Nadelöhr

Beitrag von FrogsAreFriends » 13. Dezember 2022, 11:27

Die Kolonie ist zwischenzeitlich mit ca. 50-70 Arbeiterinnen bei mir eingezogen, bewohnt aber derzeit noch ihr abgedunkeltes Reagenzglas in der Arena. Ich habe noch nicht so ganz herausgefunden, wie man Ameisen zählt :mrgreen: . In der nächsten Zeit ist das aber auch erstmal zweitrangig, ich möchte sie so kurz nach dem Einzug nicht stören.
Im Nest wird es später eine bessere Möglichkeit der Einsicht geben, mittels Rotlicht-Taschenlampe im dunklen Raum.
PincoPallino hat geschrieben:
9. Dezember 2022, 14:20
Letztlich kommen sie aber auch bestimmt mit einem kleinen Nesteingang zurecht. Was bleibt ihnen auch anderes übrig...
Mit ein wenig Abstand kommt mir meine eigene Frage seltsam vor, gerade Dein letzter Halbsatz war hier ausschlaggebend - ich gehe bei keinem meiner Tiere einen Kompromiss zu deren Lasten in den Haltungsbedingungen ein, also fange ich bei den Ameisen gar nicht erst damit an.
Ich habe nun noch ein größeres Nest mit einem Zugang von 10mm Innendurchmesser besorgt, nachdem ausgewachsene Steppengrillen ohne Probleme in einem passenden Schlauch probegelaufen sind.
Dorthin sollte wirklich jede Art von angebotener Beute transportiert werden können und solche Brocken gibt es vorerst auch eine ganze Zeit nicht.
Die kleinere Farm werde ich vielleicht später zur Erweiterung hinten an das große Nest anschließen, aber bis dahin dürfte auch noch reichlich Zeit sein.

Danke für eure Antworten und den Denkanstoß!

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#7 Pheidole noda und das Nadelöhr

Beitrag von PincoPallino » 13. Dezember 2022, 18:00

ich gehe bei keinem meiner Tiere einen Kompromiss zu deren Lasten in den Haltungsbedingungen ein, also fange ich bei den Ameisen gar nicht erst damit an.
Die Einstellung finde ich super!

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#8 Pheidole noda und das Nadelöhr

Beitrag von FrogsAreFriends » 19. Dezember 2022, 12:26

Hallo zusammen,

nur ein kurzes Update zum Schmunzeln - die neue Farm mit komfortablem 10mm-Zugang haben sie nach kaum mehr als einer Stunde angenommen und angefangen, ein Nest zu bauen.

Binnen zwei Tagen war die Kolonie eingezogen - und hat seither Nesteingang, Schlauch und Arenazugang auf ca. 4mm Durchgangsdurchmesser zugebaut.
Humor haben sie ja.

Schöne Feiertage schonmal!
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