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Ameisen bleiben 3 Monate im Reagenzglas

Eure Berichte & Beobachtungen - Meinungen & Fragen [einheimische und exotische Arten]
KiriKiriKiri
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#1 Ameisen bleiben 3 Monate im Reagenzglas

Beitrag von KiriKiriKiri » 2. August 2022, 11:16

Hallo liebes Forum,
mein erster Beitrag, ich hoffe mir kann einer von Euch helfen.
Meine Tochter hat sich zu ihrem Geburtstag Anfang Mai eine Ameisenfarm gewünscht. Im Vorfeld habe ich viel gelesen, wie eingie Amateure aber sicherlich einige Dinge unterschätzt und hätte mich statt 2-3 Tagen wohl lieber 2-3 Wochen intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt.

Ein Thema von dem ich immer wieder gelesen hatte im Vorwelf: Die Ameisen kommen nicht aus dem Reagenzglas. Ausschütten wird in den Beiträgen die ich gelesen hatte nicht empfohlen wegen des hohen Stresses. Deshalb haben wir es offen in die Mitte der Arena gelegt.
Wir haben die Ameisen also in einer ruhigen, nicht ganz hellen Ecke gelagert. Und ihnen Zeit gelassen. Inzwischen 3 Monate. Sie sind noch immer im Reagenzglas.

Auch damit haben wir kein Problem, wenn es ihnen gut ginge. Aber: Wir haben nun erstmals tote Ameisen gefunden, 4 sind gestorben in kurzer Zeit.
Die Flüssigkeit die bei Lieferung im Reagenzglas war ist inzwischen aufgebraucht, eventuell fängt die Watte leicht an zu schimmeln. Sicherlich schlecht für die Ameisen.
Sie verlassen das Reagenzglas regelmäßig um etwas zu trinken. Gehen dann aber auch zügig in Reagenzglas zurück. Anstalten die Arena (und vor allem das dort liegende Reagenzglas zu verlassen) haben sie bisher nicht gemacht.

Meine Frage ist nun was wir machen sollen. :( Ich möchte sie nicht dem Stress aussetzen sie aus dem Reagenzglas zu treiben, habe aber ebenso Angst dass die Umgebung nun schädlich für sie wird.

Wie schätzt ihr das ein?

Gäbi

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#2 Ameisen bleiben 3 Monate im Reagenzglas

Beitrag von Gäbi » 2. August 2022, 11:21

Haben Sie in der Arena noch zusätzliches Wasser?

Normalerweise bleiben Gründer Kolonien im Reagenzglas bis es ca. 50 Tiere sind also das ist bis jetzt in Ordnung.
Schimmel macht den Ameisen im Normalfall auch nicht wirklich was aus. Sind denn alle 4 Ameisen zur gleichen Zeit gestorben? Und wie gross ist die Kolonie denn schon ungefähr?

Ich würde ein zweites Reagenzglas mit neuem Wassertank präparieren und dieses den Ameisen anbieten. Evt direkt ans alte Glas anschliessen, damit Sie zum Umzug ins neue Reagenzglas überzeugt werden.

Vielleicht haben die Vollprofis hier drin auch noch ein paar weitere, gute Inputs
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#3 Ameisen bleiben 3 Monate im Reagenzglas

Beitrag von KiriKiriKiri » 2. August 2022, 11:39

Vielen Dank für Dein Feedback. Seit die Flüssigkeit im Reagenzglas weg war, hatte ich immer wieder einzelne Tropfen über eine Pipette auf der Futterstelle platziert. Sie halten sich aber eher an das blaue Zuckerwasser, das zum Start mitgeliefert wurde.
Ich kann aber gerne mal probieren ein zweites Reagenzglas mit Wasser zu präparieren und sie schonen zu einem Umzug direkt zu einer neuen Quelle zu animieren. Muss mir allerdings ein Reagenzglas dann erst bestellen. Ihr merkt schon, ich bin nicht gut ausgestattet.

Die 6 (meine Frau korrigierte mich gerade, es waren schon 6 tote) Ameisen starben alle innerhalb knapp einer Woche. Vorher war uns nie eine tote Ameise aufgefallen.

Zur Größe der Farm: Es waren etwa 25 Ameisen, jetzt sind es etwa 19. Am Anfang waren es etwa 15.

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#4 Ameisen bleiben 3 Monate im Reagenzglas

Beitrag von Joschi » 2. August 2022, 11:43

Eine Ameisenfarm ist leider für die meisten Arten völlig ungeeignet und inzwischen gibt es vielfältige bessere Lösungen. Leider werden die Farmen immer noch verkauft, da sie in den USA eine sehr fragwürdige Popularität erreicht haben. Ein Weg, eine Ameisenfarm richtig zu nutzen, wäre eine Korkplatte mit vorgeschnitzten Kammern zwischen die beiden Platten der Farm einzufügen. Wenige Ameisen werden sich aber in das Substrat buddeln, und wenn, dann wird man sie nicht sehen können, da sie die Scheiben zukleben. Auch fallen die Kammern bei der kleinsten Erschütterung in sich zusammen und begraben die Ameisen. Ameisenfarmen sind aus meiner Sicht eine Anfängerfalle, und für die Ameisen eine Todesfalle.

Bevor wir hier aber überhaupt weiterreden, fehlen einige sehr wichtige Infos: Allen voran, welche Art ist es überhaupt. Ohne das kann man gar nichts sagen, da es tausende verschiedene gibt.
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#5 Ameisen bleiben 3 Monate im Reagenzglas

Beitrag von Intro » 2. August 2022, 11:44

Um welche Art geht es hier eigentlich?

Edit: Joschi war schneller.
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#6 Ameisen bleiben 3 Monate im Reagenzglas

Beitrag von KiriKiriKiri » 2. August 2022, 11:53

Bei der Lieferung der Ameisenfarm lag eine kurze Anleitung bei (sorry, dummes Wort im Falle von Lebewesen, stand nur so drauf) und in der stand, dass es sich um Messor Barbarus oder Messor Capitatus handelt.

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#7 Ameisen bleiben 3 Monate im Reagenzglas

Beitrag von Rapunzula » 2. August 2022, 12:24

Messor, indemfall eine Körnersammelnde Art. Biete ihnen Körner an (was für welche findest Du hier im Forum bestimmt irgendwo, ich habe nämlich noch nie Messoren gehalten.)

Aber auch Messoren brauchen wie alle Ameisen Wasser, Achtung, die Wasserquelle sollte mittels Schwamm Löschpapier oder ähnlichem Abgedeckt sein, Messoren sind bekannt dafür in der kleinsten Wasserlache zu „ertrinken“.

Ansonsten können Ameisen mitunter sehr lange in ihrem Reagenzglas leben, sie fühlen sich darin wohl und geborgen! Biete ihnen einfach daneben ein neues präpariertes Reagenzglas an, vielleicht werden sie es aber nur brauchen um dort Wasser trinken zu gehen.

Das was Du als Schimmel bezeichnest muss nicht unbedingt Schimmel sein, denke nicht das es den Ameisen schadet.

Zu den Todesfällen: Die ersten Arbeiterinnen (sogenannte Pygmäen) sind vielfach kleiner und haben meistens eine kürzere Lebensdauer als ihre späteren Geschwister!

Ameisenhaltung hat sehr viel mit Geduld und Ruhe zu tun, ganz zum Leidwesen ihres Halters der eher Action haben will.

Gruss Rapunzula
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#8 Ameisen bleiben 3 Monate im Reagenzglas

Beitrag von Joschi » 2. August 2022, 12:30

Erstmal grundlegend: Messor barbarus sind Körnersammler. Sie brauchen auch Proteine in Form von Lebendfutter, und sind dankbar für eine Quelle mit Zuckerwasser oder Honigwasser, aber es sind primär Körnerfresser und das muss jedem Messor Halter auch klar sein.

Messor brauchen trockene Kammern für ihre Körner, doch für ihre Brut auch einen Bereich mit ein wenig Nestfeuchte (Gips, angefeuchteter Ytong, Kork nehmen sie auch) und vor allem gedeihen sie erst richtig gut, wenn man sie bei höheren Temperaturen hält. Zimmertemperaturen können bei einer gründenden Kolonie dazu führen, dass die Entwicklung nicht voran geht und die Kolonie einfach vor sich hin vegetiert. Da das Wasser im RG versiegt ist, liegt es nahe, dass keine guten Bedingungen mehr im Nest herrschen. Siedeln sie dann nah am Schimmel (dort ist es feuchter) oder auf dem Schimmel, können ganz neue Probleme beginnen, wobei ein wenig Schimmel selten schadet. Ameisen brauchen aber auch immer eine Wasserquelle!

Hier ist tatsächlich ein Fall, bei dem die Probleme an vielfältigen Stellen sein können und daher ist eine Diagnose sehr, sehr schwer. Ich würde an dieser Stelle ein komplett neues Setup empfehlen.

Im Idealfall hält man Messor mit einem zweigeteilten Nest: Einen oberen Bereich mit trockenen, etwas wärmeren Kammern (>25°C, z.b. durch Wärmelampe) und einen unteren, etwas feuchteren Rückzugsort. Messor barbarus wird oft als Anfängerart gehandelt, da die Kolonien ab einer gewissen Größe sehr vergebend sind gegenüber Haltungsfehlern. Gründungen sind aber besonders für Anfänger immer mit Herausforderungen verbunden.

Rapunzula war schneller :)
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