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Ein paar fragen zu Atta sexdens

Allgemeine Fragen und Themen über exotische Ameisenarten (hier keine Berichte)
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Arthur Dent
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#1 Ein paar fragen zu Atta sexdens

Beitrag von Arthur Dent » 10. Januar 2022, 10:18

Hallo zusammen,

ich überlege mir eine Kolonie atta sexdens zuzulegen. Dazu beschäftigen mich einige Fragen:

1. Populationskontrolle
Ich habe viel darüber gelesen, dass die Kolonien sehr riesig werden können (mehrere Millionen Arbeiterinnen). Ich habe zwar durchaus Platz, würde die Population aber nicht endlos wachsen lassen wollen. Ist es möglich, die Population auf einem stabilen Level zu halten, ohne, dass es den Tieren missfällt und diese z.B. ausbüchsen? Ich habe gehört, das ginge durch Begrenzung des Futterangebots in der Außenwelt, andere sagen das klappt gar nicht.

2. Fütterung
Was die Blätterversorgung angeht, stellt sich mir die Frage der Menge. Ich kann frische Blätter (vor allem Brombeeren) reichlich besorgen. Hier stellt sich mir die Frage, wie oft muss man neues Futter anbieten und wie sieht es mit den Mengen aus?

3. Pflanzen in der Umgebung
Ich plane eine Art Pflanzen/Dschungelecke um die Kolonie herum zu bauen, zu denen die Tiere aber keinen Zugang haben sollen. Nehmen die Attas das wahr und versuchen dann, dahin auszubüchsen?

4. Lichtverhältnisse
Den Pilz und das Abfallbecken würde ich dunkel halten. Die Außenwelt evtl. beleuchten. Passt das und was sollte man hinsichtlich der Beleuchtung beachten?

5. Bodengrund Pilz
Als Bodengrund für den Pilz dachte ich an ein Gemisch aus Sand und Seramis, um die Feuchtigkeit zu halten. Die Bewässerung würde ich über einen Schlauch machen, der direkt im Bodengrund endet. Dicke vom Boden 1-2 cm?


VG Arthur
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Erne
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#2 Ein paar fragen zu Atta sexdens

Beitrag von Erne » 11. Januar 2022, 14:33

Willkommen im Ameisenforum Arthur.

Das sind wichtige, elementare Fragen für die Haltung dieser Art.
Mehrere Millionen Arbeiterinnen in der Natur durchaus möglich, in der Haltung eher nicht.
Neben viel Platz wäre zudem eine entsprechende Anlagengestaltung notwendig.

Die Population nicht endlos wachsen zulassen, das lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen, ohne Futter kein Wachstum.
Futterbegrenzung, wie von Dir angemerkt, das lässt sich machen.
Allerdings nicht abrupt, sondern über längere Zeit eine langsame Reduzierung und dann den Futterlevel halten.
Das hört sich vielleicht einfach an, beruht viel auf Beobachtung, „Fingerspitzengefühl“, nein eher Erfahrung.
Z. B. sind nicht immer die gleichen Blätter vorhanden, eine unterschiedliche Verwertung kann dazu führen, dass das Blattvolumen angepasst werden muss um denselben „Futterlevel“ zu halten.
Bei Blattschneidern kommt noch dazu, dass sich erst das Pilzwachstum, bzw. der Pilzzustand verändert bevor sich Änderungen der Arbeiterinnenanzahl bemerkbar machen.

Wie oft füttern, wohl eine der interessantesten Fragen.
Der Zustand des Volkes entscheidet.
Passen Temperatur und Feuchtigkeit, der Pilz ist gesund, wächst gut, die Ameisen ziehen viel Nachwuchs auf, soviel an Futter wie sie nehmen, vorausgesetzt sie haben nicht schon den Entwicklungsstand erreicht der gehalten werden soll.
Jeden Tag frisch ist natürlich ideal, muss aber nicht sein.
Solange die Blätter nicht eingetrocknet sind oder gammeln, können sie bleiben.
Immer ganz wenige frische dazu, dann wirst ganz schnell beobachten können, ob ältere Blätter noch genommen werden.

Die Ameisen müssen ihr Futter (Blätter) finden, das erfolgt oftmals mit dem Geruchssinn, wenn sie die rundherum angeordneten Pflanzen riechen können, für mich durchaus vorstellbar, dass sie versuchen da ran zukommen.
Natürlich hängt das davon ab, ob es sich um Pflanzen handelt die sie für ihren Pilz brauchen.
Ein durchdachter, guter Ausbruchsschutz muss bei diesen Arten immer sein, von der Seite machen die zusätzlichen, abgeschotteten Pflanzen keine zusätzlichen Maßnahmen erforderlich.

Nur die Pilzbecken dunkler, das reicht vollkommen, das Abfallbecken sowie Futterbecken und Laufwege hell.
Sand und Seramis als Bodengrund ist machbar.
Bewässerung ist nicht unbedingt richtig.
Diese Ameisen brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit, kleine Völker brauchen da oftmals Unterstützung.
Feuchte Blätter können schon ausreichen, wenn nicht, mit einer Spritze den Bodengrund befeuchten.
Besser wäre ein feiner Wassernebel mit einer Sprühflasche, allerdings darf der nie direkt auf den Pilz treffen.
Bei größeren Völker ist überwiegend mit zuviel Feuchtigkeit im Pilzbecken zu rechnen, das sind gute Belüftungsmöglichkeiten angesagter.

Martin H. berichtet hier
Berichte Martin H.
ausgiebig über die Haltung von Atta, mit vielen Informationen und Anregungen.

Grüße Wolfgang
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Ameisenwissen – Hilfe für Einsteiger
Futter für Ameisen

Ameisenhaltung über viele Jahre, nach zu lesen auf meiner Homepage

Arthur Dent
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#3 Ein paar fragen zu Atta sexdens

Beitrag von Arthur Dent » 11. Januar 2022, 15:57

Danke Wolfgang.

Ja ich bin fleißig am planen, dabei hat mir deine Antwort geholfen.

Ich hätte noch zwei Nachfragen:

1. Würde jetzt unten eine Gipschicht ausbringen und darauf Seramis oder ähnliches verteilen. Ist das ok?

2. Hinsichtlich des Wassers und des Sprühnebels frage ich mich wie das klappen soll den Pilz nicht zu treffen. Daher meine Idee einen schlauch von außen in den Gips münden zu lassen. Könnte das klappen?

Viele Grüße und danke

Arthur

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Harry4ANT

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#4 Ein paar fragen zu Atta sexdens

Beitrag von Harry4ANT » 11. Januar 2022, 16:44

Du könntest Anfangs über den (wahrscheinlich noch kleinen) Pilz eine zusätzliche Haube legen und dann das Granulat im Becken etwas besprühen.
Viel ist da auch gar nicht notwendig, besonders wenn dein Pilzbecken über eine entsprechend kleine bzw. feine Belüftung verfügt hält die Luftfeuchtigkeit über Wochen.

Ich habe z.B. bei meiner Acromyrmex Haltung in den knapp 2 Jahren insgesamt meine ich nur 3 oder 4 mal in den ersten Monaten klein wenig Wasser ins Pilzbecken gesprüht inkl. der ersten Befeuchtung beim Einrichten des Pilzbeckens.
Und das eigentlich auch nur wenn ich beim Reinigen oder Austausch der Pilzabdeckung länger den Deckel weg hatte.


Bei Interesse kannst du dir das hier anschauen - Fomricarium war ein Eigenbau aus Aquarium und Frischhaltedosen:

vorstellung-formica-acromyrmex-cf-octos ... acromyrmex
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Arthur Dent
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#5 Ein paar fragen zu Atta sexdens

Beitrag von Arthur Dent » 11. Januar 2022, 22:54

Wow, da hast du ja viel Arbeit reingesteckt. Mein Becken wird auch in meinem Büro stehen. Danke für die wertvollen Tipps.

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