Schon wieder eine Gyne [Serviformica sp.]

Bestimmungsanfragen - bitte auf genaue Angaben achten.
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Willix
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#9 AW: Schon wieder eine Gyne ...

Beitrag von Willix » 19. Juli 2010, 23:15

christian hat geschrieben:Allerdings sieht man auf dem zweiten und dem letzten Bild eine leichte RotfÀrbung auf der Gaster; auf jeder zweiten "Schuppe".
Auch fehlt der intensive Glanz der Gaster.
Ebenfalls meine ich auf dem zweiten Bild die charakteristische RĂŒckenzeichnung v. Formica clara/rufibarbis zu erkennen; wenngleich natĂŒrlich ziemlich dunkel.


Rotanteile hat sie insgesamt sehr wenig, außer an den leicht helleren Beinen eigentlich garnicht. Das tĂ€uscht auf den Bildern ein wenig. Sie ist tendenziell schwarz (durchaus glĂ€nzend) mit grauen Streifen (behaart) auf der Gaster.

christian hat geschrieben:Deshalb @Willix: Könntest du evtl. ein Bild der Gyne von oben machen (möglichst hell)? Da wĂŒrde man dann mehr Eigenschaften einer F. cunicularia sehen. Schöne Bilder bisher, extrem scharf, man sieht die Behaarung sehr gut auch im Detail!


Klar, ich mache morgen nochmal Bilder. Ich werde es mal mit Blitz versuchen. Ich hoffe ich bekomme bessere Aufnahmen hin. Dummerweise hab ich sie in ein Kunststoff-RG gesetzt, was ein wenig zerkratzt ist. Außerdem hat sie schon ordentlich Wattefasern verteilt, was die Sache auch nicht leichter macht. Ich geb mir MĂŒhe...

christian hat geschrieben:Edit: Wenn der Fund schon was lĂ€nger her ist, könnten es sich gerade entwickelnde Eier sein oder Futter, welches die Gyne nachtrĂ€glih aufgenommen hat (wohlgemerkt flĂŒssiges). Gibst du ihr Zucker/Honigwasser?


Nein, sie bekommt nichts.

Gruß
Willix



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Imilius
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#10 AW: Schon wieder eine Gyne ...

Beitrag von Imilius » 19. Juli 2010, 23:29

Ja, die Gyne hat es echt in sich. Es handelt sich auf jeden Fall um eine Serviformica sp. Genau wie Boro schon erwÀhnt hat, steht die Gaster insgesamt zum Thorax in einem eigenartigen VerhÀltnis.
Der Thorax ist auch ziemlich krĂ€ftig. Auch erkennt man eine leichte/mittlere Beharrung am ganzen Körper. Arbeiterinnen aus dem Fundort wĂŒrden bei der Bestimmung hilfreich sein.

Willix, ist es möglich am Fundort einige Arbeiterinnen zu fotografieren? Sie wĂŒrden die Bestimmung erleichtern.

MFG Imilius


Ich bin jetzt bei Eusozial.de und bei Ameisenportal.eu!

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#11 AW: Schon wieder eine Gyne ...

Beitrag von Willix » 19. Juli 2010, 23:57

Imilius hat geschrieben:Arbeiterinnen aus dem Fundort wĂŒrden bei der Bestimmung hilfreich sein.

Willix, ist es möglich am Fundort einige Arbeiterinnen zu fotografieren? Sie wĂŒrden die Bestimmung erleichtern.


Möglich wĂ€r das schon. Da am Fundort aber einige Ameisenvölker verschiedener Arten leben, könnte ich mir vorstellen nur noch mehr fĂŒr Verwirrung zu sorgen, wenn ich dann die falschen Arbeiterinnen fotografiere. Ich glaube es ist sicherer zu warten bis die ersten Arbeiterinnen geschlĂŒpft sind.

Ich werde auf jedenfall am Fundort die Augen offen halten, vielleicht kann ich das Nest ja tatsÀchlich ausfindig machen. Ich komme sowieso tÀglich auf meiner Hunde-Runde dort vorbei.

Gruß
Willix



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#12 AW: Schon wieder eine Gyne [Serviformica sp.]

Beitrag von christian » 20. Juli 2010, 19:09

Willix, ist es möglich am Fundort einige Arbeiterinnen zu fotografieren? Sie wĂŒrden die Bestimmung erleichtern.


Ähm, wieso das denn? Ameisenköniginnen legen ja schon eine ziemlich große Strecke mit ihrem Flug zurĂŒck. Und dort wo sie landen mĂŒssen nicht gleich Ameisen der gleichen Art sein, mit GlĂŒck vielleicht der gleichen Gattung weil das Habitat so halbwechs stimmt. Und die Gattung haben wir ja schon ziemlich einstimmig bestimmt, auch ganz ohne Arbeiterinnen.
Und das vorrausgesetzt, dass Willix die Arbeiterinnen einer unbekannten Art zweifelsfrei identifizieren und von z.B. Lasius- Arbeiterinnen unterscheiden kann ;).
Also, welcher Nutzen soll dahinterstecken?



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Imilius
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#13 AW: Schon wieder eine Gyne [Serviformica sp.]

Beitrag von Imilius » 20. Juli 2010, 20:31

christian hat geschrieben:Ähm, wieso das denn? Ameisenköniginnen legen ja schon eine ziemlich große Strecke mit ihrem Flug zurĂŒck. Und dort wo sie landen mĂŒssen nicht gleich Ameisen der gleichen Art sein, mit GlĂŒck vielleicht der gleichen Gattung weil das Habitat so halbwechs stimmt. Und die Gattung haben wir ja schon ziemlich einstimmig bestimmt, auch ganz ohne Arbeiterinnen.
Und das vorrausgesetzt, dass Willix die Arbeiterinnen einer unbekannten Art zweifelsfrei identifizieren und von z.B. Lasius- Arbeiterinnen unterscheiden kann ;).
Also, welcher Nutzen soll dahinterstecken?



Hallo Christian

das ist halt so ne Sache. Das stimmt nicht ganz.
Nicht immer legen Gynen eine große Strecke zurĂŒck. Ein zu langer Flug kann die Königin zu stark schwĂ€chen und eine GrĂŒndung gefĂ€hrden.

Ich fand mal 3 Gynen der Art Formica rufibarbis. Die ohne FlĂŒgel und nicht weit vom Nest dieser Art umherliefen. Die Arbeiterinnen, die ich probeweise in der NĂ€he einsammelte, haben die Gynen ohne AggressivitĂ€t akzeptiert. Doch 50 Meter weiter sah es anders aus, sie waren aggressiv gegenĂŒber der Gynen, obwohl sie definitiv zur selben Art gehörten.

Da das Habitat groß war und von dieser Art viele Nester vorkamen, fand die Begattung vermutlich in dieser Zone statt.
Wieso sollte die Königin unnötig weit fliegen und ihre Ressourcen verbrauchen, wenn doch das Habitat gleich hier ist?

Die Gyne wurde noch nicht 100% bestimmt. Wenn es eine Möglichkeit gibt die Bestimmung zu erleichtern, wieso sollte man dann nicht nach Arbeiterinnen Ausschau halten, wenn die Strecke ohnehin des Öfteren besucht wird. Und wenn man etwas zurĂŒck verfolgen möchte, so sollte man am Fundort anfangen, was aber nichts garantiert. Also ich sehe darin ein Nutzen :)

Gruß Imilius


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#14 AW: Schon wieder eine Gyne [Serviformica sp.]

Beitrag von christian » 20. Juli 2010, 22:00

Die Arbeiterinnen, die ich probeweise in der NÀhe einsammelte, haben die Gynen ohne AggressivitÀt akzeptiert.


Was relativ eindeutig nicht fĂŒr Formica rufibarbis spricht, sondern fĂŒr die Schwesterart Formica clara, die ja polygyn ist. Die nehmen natĂŒrlich Königinnen an. Deshalb sind die Gynen wohl auch zu ihrem alten Nest zurĂŒckgekehrt, um dort Aufnahme zu finden.

sie waren aggressiv gegenĂŒber der Gynen, obwohl sie definitiv zur selben Art gehörten.


Anderes Nest= Agressiv. Ist soweit ich weiß auch bei polygynen Arten so, sie nehmen nur ihren eigenen Nachwuchs auf.

Wieso sollte die Königin unnötig weit fliegen und ihre Ressourcen verbrauchen, wenn doch das Habitat gleich hier ist?


1. Deshalb:
und von dieser Art viele Nester vorkamen


Andere Nester besonders gleicher Art stellen eine brandgefÀhrliche Konkurrenz da.

2. Verbreitung der Art.



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#15 AW: Schon wieder eine Gyne [Serviformica sp.]

Beitrag von Imilius » 21. Juli 2010, 20:28

Hallo Christian,

ich finde es bemerkenswert, wie du aus so wenigen Fakten auf Formica clara schließt. Laut Seifert ist sie in Deutschland die seltenste Art der rufibarbis-Gruppe, nur regional in WĂ€rmegebieten der planaren bis submontanen Höhenstufen vorkommend.
Hauptlebensraum: sehr xerotherme Sand- und Kalktrockenrasen, auch ruderal beeinflußte FlĂ€chen.

Auch sind die Arbeiterinnen deutlich grĂ¶ĂŸer als bei cunicularia und rufibarbis. Da ich schon einige Nester der Art Formica rufibarbis entdeckt habe, wĂ€re mir der GrĂ¶ĂŸenunterschied schnell aufgefallen. Auch finde ich das die Arbeiterin auf dem Foto ("Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas" von Bernahrd Seifert auf Seite 300 unten) gewisse Unterschiede aufweist. Sie wirkt krĂ€ftiger als die, die ich entdeckt habe.

Und noch zur SchwÀrmzeit.
Eine Königin, die eine viele zu lange Flugzeit beansprucht, wird stÀndig in Gefahr sein, zum Beispiel von Vögel oder Raubinsekten erbeutet zu werden. Oder sie verausgabt sich völlig.
Ihre Aufgabe ist es, schnell eine Kolonie zu grĂŒnden.
Und sollte sich in der nĂ€he des Mutternestes eine Möglichkeit ergeben, eine GrĂŒndung zu vollziehen, so wird sie es machen.
NatĂŒrlich stellen andere Nester besonders gleicher Art eine brandgefĂ€hrliche Konkurrenz da. Auch andere Ameisenarten stellen eine enorme Gefahr dar. Und wiederum andere Tiere.
Aber das muss sie doch nicht abhalten in der NĂ€he zu grĂŒnden, oder?
Gefahren sind allgegenwĂ€rtig. Auch wenn zahlreiche Gynen in den SozialmĂ€gen anderer Ameisen enden, werden es einige wenige oder vielleicht auch nur eine Gyne schaffen, erfolgreich zu grĂŒnden.


Wie eine Gyne nun endlich entscheidet (sofort hier oder einige Kilometer weiter weg grĂŒnden) kann niemand mit Genaugikeit sagen. Die Gyne trifft letztendlich diese Entscheidung.


Gruß Imilius


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#16 AW: Schon wieder eine Gyne [Serviformica sp.]

Beitrag von Willix » 22. Juli 2010, 20:04

Hallo!

Leider hatte ich die letzten Tage keine Zeit Bilder zu machen. Daher kommen sie wie versprochen, nur etwas verspÀtet.

BildBildBild

Gruß
Willix



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