Hallo zusammen,
eigentlich wollte ich zu diesem Bericht mal wieder Bilder vom Terrarium zeigen, aber darauf mĂŒsst ihr noch ein weing warten. Ich habe vorerst nur eins. Es ist ganz schön grĂŒn geworden und das Nachtlicht ist schon an.
Erstmal aber das Wichtigste vorab. Nachdem ich letzte Woche meine Pheidole wahrscheinlich mit abgelaufenem Invertzucker vergiftet habe, musste ich natĂŒrlich direkt an die Piraten denken. Die haben den selben Invertzucker bekommen. Es scheint sich aber auf sie nicht ausgewirkt zu haben. Ich kann keine VerĂ€nderung bei ihnen erkennen.
SelbstverstĂ€ndlich habe ich das RG auch direkt gegen Zuckerwasser ausgetauscht. Es hat nicht lange gedauert, dann waren sie auch daran. Bald gibt es aber wieder Invertzucker. Frischen. Und ich habe mir vorgenommen, ab jetzt immer zwei Quellen SĂŒĂes bei allen Ameisen anzubieten. Zum einen zur Sicherheit (s.o.), zum anderen natĂŒrlich auch zur Abwechslung. und ich kann zusĂ€tzlich ihre Vorlieben besser erforschen.
NatĂŒrlich gibt es aber auch bei ihnen Tote. Nur halt einzelne alle paar Wochen mal. Das sorgt bei mir aber auch nicht fĂŒr Unruhe. Ich habe die Kolonie schlieĂlich letztes Jahr im Sommer bekommen als sie schon um die 50 Arbeiterinnen hatte. Die Kolonie ist also schon "alt". Und damit ist es auch normal, dass hin und wieder Arbeiterinnen sterben. Eine Tote habe ich vor den Asseln gerettet.
Letzte Woche hatte ich doch tatsĂ€chlich eine TotengrĂ€berin als Ausbrecherin. WĂ€hrend ich die rechte Scheibe offen hatte, ist sie auf der linken Seite auf die AuĂenseite der TĂŒr geklettert. Es ist echt spannend, ein Becken ohne Ausbruchsschutz zu haben (wenn die Ameisen am Glas klettern können). Beim Versuch, sie auf der Hand zu fotografieren, ist die Tote dann schlieĂlich im Becken der Schnappis gelandet.

- Wie viele Menschen hatten wohl schon eine blaue Ameise auf der Hand, die eine tote blaue Ameise trÀgt? Bin ich vielleicht der erste?
Man sieht hier auch wieder, wie groĂ sie sind. Trotzdem fĂŒhlt man sie so gut wie gar nicht, wenn sie auf einem krabbeln. Und sie sind zum GlĂŒck ĂŒberhaupt nicht aggressiv. Mit meinen Schnappis wĂ€re ich da vorsichtiger bzw. Ă€ngstlicher.
Jetzt zum Wissenschaftlichen. Ich habe mal wieder zwei Arbeiterinnen beim Paarlauf beobachten können. Wahrscheinlich wurden der Neuen (neu auĂerhalb des Nests) die wichtigsten Landmarken gezeigt. Sie machen dabei wirklich jeden Schlenker nach, den die fĂŒrhrende Ameise macht. Wie so ein optisches Echo 
Jetzt, wo die Kolonie allmĂ€hlich gröĂer wird, ist auch ihre TagaktivitĂ€t nicht mehr so ausgeprĂ€gt. Ich kann sie immer hĂ€ufiger auch nach Einbruch ihrer Nacht drauĂen beobachten. Manchmal laufen sogar mitten in der Nacht noch welche herum. Vor allem wenn das Fressen mal wieder erst gegen Abens kommt, bleiben sie mittlerweile gerne lĂ€nger drauĂen. Und macnhmal fressen sie sogar am nĂ€chsten Tag wieder am Futter des Vortags. Das haben sie anfangs nie gemacht. Sie scheinen hungriger zu werden. Auch im RG fĂŒr SĂŒĂes ist viel hĂ€ufiger und mehr AktivitĂ€t als frĂŒher. Und auch hier nachts.
Vor ein paar Tagen hat die Sonne ins Terrarium geschienen. Ich weià nicht, ob es daran lag, aber in den Sonnenstrahlen am Boden waren ca. zehn blaue Piraten womit auch immer beschÀftigt. Ich habe dann die VorhÀnge vorsichtshalber weiter zugezogen und nach einer Weile waren sie wieder verschwunden. Am Boden sieht man sie sonst so gut wie nie. Nur manchmal beim Holen von Baumaterial.

- Ich muss auch da unten unbedingt mal wieder die Fenster putzen.
Und dieses Wochenende war dann auch mal wieder eine Arbeiterin fĂŒr ein Foto-Shooting zu haben. Darauf haben sie echt nur selten Bock.
Oh, ich habe noch etwas Wissenschaftliches. Diese Art macht bei Aufregung offenbar auch KlopfgerÀusche. Ich habe heute frische Heimchen in ihren Futtertopf gelegt, als noch zwei Arbeiterinnen darin waren. Eine hat sofort mit dem Klopfen angefangen. Dabei schlagen sie ihren Hinterleib gegen den Boden, wohl um Kolleginnen zu warnen. Kurz danach waren aus zwei Arbeiterinnen ungefÀhr zehn geworden.

Aber das Beste habe ich mir fĂŒr den Schluss aufgehoben. Ich hatte mir schon seit lĂ€ngerem vorgenommen, das Loch in der Kokosnuss, die ich ihnen als Nest angeboten habe, etwas aufzubohren, um den Eingang attraktiver zu machen. Zum GlĂŒck habe ich das nicht gemacht. Gestern habe ich mal wieder mit Null Erwartung zum Eingang geschaut. Bisher war da immer noch so eine ganz dĂŒnne Kokosfaser im oder vor dem Loch. Aber die war weg. Und das Licht der Taschenlampe im Eingang hat eine Bewegung provoziert. Es sah aus wie FĂŒhler. Und dann kam tatsĂ€chlich ein Pirat aus dem Loch. Jetzt gerade leuchte ich wieder rein und direkt sehe ich eine Bewegung. Ich glaube, sie sind umgezogen. Oder kurz davor. Zum Aufbohren ist es jetzt zu spĂ€t. Aber ich bint total froh, dass sie mein Angebot angenommen zu scheinen haben. Und es unterstĂŒtzt die These, dass sie zumindest anfangs gern in Holz nisten. Theoretisch wĂ€re es sogar möglich, dass die Kokosnuss aus ihrer Heimat kommt. Ich habe sie schlieĂlich am Strand in der selben Weltregion gefunden. Und diese Kokosnuss war schon lange unterwegs. Eine Weile sollte sie als Nest genĂŒgen. Ich hoffe, dass sie ab dem Moment, in dem es zu eng wird, ihr Nest selber bauen. Warten wirs ab. Fotos folgen...
GrĂŒĂe vom Pinco