Harpegnathos venator - Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Ponerinae
Christoph
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#1 Harpegnathos venator - Haltungserfahrungen

Beitrag von Christoph » 12. November 2011, 23:17

Liebe Ameisenfreunde,

seit ein paar Wochen bin ich stolzer Besitzer einer kleinen, aber feinen H. venator Kolonie. Seitdem die Tiere nun bei mir sind, werde ich von unterschiedlichsten Personen "genötigt" doch mal einen Haltungsbericht anzulegen. Bisher fehlte mir die Zeit, aber nun habe ich dich nachgegeben und werde einen HB anfangen.

Nachdem ich die Kolonie bestellt habe, kam diese am Donnerstag, dem 06.10.2011, gut gewärmt beim mir an. Die Kolonie bestand aus 10 Arbeiterinnen und einer Königin.
Da das richtige Formicarium noch nicht fertig war, musste die Kolonie erstmal provisorisch in ein Übergangsbecken einziehen.

Im Übergangsbecken lag die Luftfeuchtigkeit bei rund 70% und das Becken wurde auf ca. 25°C geheizt. Außerdem verwende ich als Bodengrund Humus. Man kann zwar die Ameisen dort schlechter erkennen als auf Sandboden, jedoch erschien mir dieser Untergrund geeigneter.

Kurz nachdem ich die Ameisen ins Übergangsbecken gesetzt hatte, zeigten die Arbeiterinnen auch gleich schon, womit sie ihre Beute erlegen. Leider wurde dieser Stich nicht bei einem Futtertier, sondern bei einer Arbeiterin angewendet, die sich noch rund eine Woche lang nach dem Stich krümmte und dann später verstarb. Nach dem Stich hatte ich die Arbeiterin aus dem Becken geholt und seperat gehalten.

Im Übergangsbecken begann dann schon gleich die Nachwuchsproduktion. Es wurde etwa alle 2 Tage ein Heimchen erlegt, dass dann auch gleich "bei lebendigen Leibe" aufgefuttert wurde. Nach gut 14 Tagen, als dann das richtige Formicarium fertig war, und ich die Ameisen einzelln umsetzte, waren bereits 6 Eier gelegt worden.

Dann gings nun ab ins Hauptbecken. Beim Hauptbecken habe ich dieses Mal etwas mehr probiert:

Das neue Becken gliedert sich nun in drei Bereiche für die Ameisen.

1. Der Nestbereich:
Ich habe mich dafür entschieden in dem Becken ein "unterirdisches" Nest anzulegen, also ein Nest, welches unter der Fläche liegt, auf dem die Ameisen später laufen. Dazu habe ich einen großen Ytong-Block genommen. In den Ytong-Block schnitt ich drei große, lange Kammern und passte ihn genau in der Formicarium ein, sodass er komplett als Bodengrund diente.

2. "Der Dschungel"
Ich wollte den Ameisen eine Möglichkeit geben, sich außerhalb des Nestes zu verstecken, geschützt zu jagen und auch zu klettern. Dazu pflanzte ich in den Bodenytong eine am Boden rankende Pflange, ähnlich wie Efeu, nur mit vielen kleinen Blättern, indem ich in den Bodenytong ein großes Loch für den Wurzelballen grub. So sind jetzt gut 30% der Bodenfläche bedeckt.

3. Die Arena
Ein bisschen wollte ich meine Ameisen dann doch noch beim Erkunden der Arena sehen und schuf einen gut einsehbaren Bereich ohne rankende Pflanzen. Dieser Bereich macht gut 60% der Arena aus. Als Highlight in diesem Bereich habe ich einen kleinen Teich angelegt. Ich habe einen alten, flachen Yogurtbecher genommen und in den Bodenytong gesetzt. Danach füllte ich den Becher mit Kies auf und konnte Wasser eingießen. Der Teich dient vorallem als Tränke und um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen und zu halten.

Die Haltungsparameter sollten die gleichen, wie im Übergangsbecken sein: 70% Luftfeuchtigkeit und rund 25°C Lufttemperatur. Außerdem verwende ich wieder Humus als Bodengrund.

Die Ameisen sind nun seit gut 14 Tagen im Formicarium und entwickeln sich sehr gut. Alle zwei Tage wird ein Heimchen erlegt und es liegen nun 12 Eier im Nest, die gehegt und gepflegt werden. Außerdem wird immer wieder Humus am Nesteingang zu einem kleinen Hügel aufgeschichtet. Ich hoffe, dass bald ein kleiner Eingangshügel entstanden ist.

Ich denke, das bald die ersten Larven schlüpfen und es mit der Kolonie weiter vorrangeht.

Ich werde bald Fotos von dem Formicarium nachreichen. Momentan suche ich noch meine Kammera. Ich hoffe, der Anfang dieses Berichtes gefällt euch. Meldet euch ruhig bei Fragen oder Anregungen bei mir!

Alles Liebe

Christoph





Christoph
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#2 AW: Harpegnathos venator - Haltungsbericht

Beitrag von Christoph » 13. November 2011, 14:04

Da nur Text etwas langweilig ist, reiche ich hier die versprochenen Bilder nach. Viel Spaß beim durchgucken!

Bild

Hier seht ihr einmal die Gesamtansicht des Formicariums. Normalerweise ist das Nest mit dicker, Licht undurchlässiger Pappe verdeckt und wird beheitzt.


Bild

Auf diesem Bild steht ihr den Arenateil des Formicariums. Da, wo die Kieselsteine liegen, befindet sich der kleine Teich. Momentan ist dort aber kaum Wasser drin, da die Luftfeuchtigkeit hoch genug ist.

Bild

Auf diesem Bild steht ihr "den Dschungel", in dem sich die Ameisen auch bei der Jagd gut verstecken können.

Bild

Und hier gibt´s nochmal einen netten kleinen Einblick in das Nest.

Christoph
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#3 AW: Harpegnathos venator - Haltungsbericht

Beitrag von Christoph » 20. November 2011, 21:58

So, hier kommt die erste Aktualisierung:

Leider muss ich mit einer nicht so schönen Nachricht beginnen: Eine Arbeiterin starb leider aus mir unerklärlichen Gründen. Dabei starb sie so, wie ich schon viele Ameisen sterben gesehen habe: Erst versagen die Beine ihren Dienst, danach zuckt sie noch einwenig und dann ist Schluss.

So leben also "nur" noch 8 Arbeiterinnen und eine Köngin in der Kolonie.

In der gleichen Zeit wurden allerdings zwei weitere Eier gelegt und aus einem Ei ist eine kleine Larve geschlüpft.

Grob geschätzt beträgt damit die Zeitspanne vom Ei bis zur Larve etwa gut 25 Tage. Falls jemand da einen besseren Wert hat, freue ich mich sehr über eine Antwort im Disskusionstread.

Der Futterbedarf steigt somit weiter. Bis jetzt fraßen sie alle zwei Tage ein Heimchen, nun muss ich fast täglich ein kleines Heimchen füttern.

Ich hoffe mal, dass weitere Larven schlüpfen und die Kolonie mal größer und nicht weiter kleiner wird.

Christoph
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#4 AW: Harpegnathos venator - Haltungsbericht

Beitrag von Christoph » 25. November 2011, 17:39

Hier kommt ein weiteres Update:

Futter wird in nun in "großen Mengen" eingetragen und verwertet. Mittlerweile sind auch drei weitere Eier geschlüpft, sodass die Brut jetzt aus vier Larven und zehn Eiern besteht.

Die Larven fressen sehr viel und wachsen schnell. Die Größe der Larven nimmt fast täglich sichtbar zu.

Außerdem konnte ich eine Art Häutung einer Larve beobachten. Dabei wurde sie von einer Arbeiterin gehalten, während eine andere Arbeiterin der Larve die "Haut" abschälte. Danach wurde die Larve wieder zum Fressen auf ein Futtertier gelegt.

Christoph
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#5 AW: Harpegnathos venator - Haltungserfahrungen

Beitrag von Christoph » 11. Dezember 2011, 21:39

So, hier kommt ein kleines Update:

Die Anzahl der Larven hat sich verdoppelt, während die Anzahl der Eier gleich geblieben ist. Der Futterbedarf steigt weiter.

Aus diesem Grund wollte ich größere Heimchen füttern und nahm, statt den "mittleren" die "normalen" Heimchen. Nachdem ich ein Futterheimchen ins Formicarium gesetzt habe, sprang dieses nach kurzer Zeit in das Nest der Kolonie.
Davon waren die H. venator Arbeiterinnen scheinbar sehr irritiert und befühlerten das Heimchen, statt es zu stechen. In dieser kurzen Zeit begann dann das Heimchen eine große Larve einfach zu fressen. Ich konnte nichts machen und musste zusehen, wie die Larve fast komplett gefressen wurde.
Ich fürchtete schon um die restliche Brut, als endlich die Arbeiterinnen das Heimchen attackierten und es zu viert abstachen. Das, was von der Larve übrig blieb wurde übrigens einfach von den anderen Larven gefressen.

Damit soetwas nicht mehr passiert, füttere ich ab jetzt wieder kleine bzw. mittlere Heimchen, welche sofort angegriffen und gestochen werden.

Christoph
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#6 AW: Harpegnathos venator - Haltungserfahrungen

Beitrag von Christoph » 20. Dezember 2011, 16:28

Die Entwicklung der Kolonie geht weiter vorran: Zwei Larven haben sich verpuppt, zwei weitere stehen kurz davor.

Ich habe jetzt die Temperatur im Becken durch eine Schreibtischlampe erhöht und bemerke gleich eine viel größere Aktivität, sowohl bei den H. venator, als auch bei den Futtertieren, die solange im Becken leben, bis sie erjagt werden.

Ich hoffe jetzt auf baldigem Nachwuchs. Leider weiß ich überhaupt nicht, wie lange die Entwicklungszeit einer Puppe dauert, sodass ich nichtmal schätzen kann.

Christoph
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#7 AW: Harpegnathos venator - Haltungserfahrungen

Beitrag von Christoph » 30. Dezember 2011, 15:45

Kurz vor dem Jahreswechsel gibts hier von mir nochmal ein kleines Update:

Der Kolonie geht es gut. Mittlerweile liegen viele Eier, etwa acht Larven und ganze vier Puppen im Nest. Die Kolonie hat den Eingang zum Nest verschlossen. Somit liegt die aktuelle Außenaktivität bei null.

Ich deute das mal so, dass nachdem in den vorherigen Wochen viele Heimchen erjagt und gefressen wurden, nun die Mägen voll sind und es daher für die Kolonie nicht notwenig ist das Nest zu verlassen.

Hier habe ich auch noch ein neues Foto vom Nestleben:

Bild

Diskussionsthread:

http://www.ameisenforum.de/meinungen-fragen-zu-den-haltungsberichten/45156-diskussionsthread-zum-haltungsbericht-f-r-harpegnathos-venator-von-christoph.html

Christoph
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#8 AW: Harpegnathos venator - Haltungserfahrungen

Beitrag von Christoph » 21. Januar 2012, 20:59

Update:

Heute war es endlich soweit! Das lange Warten hatte endlich ein Ende. Meine H. venator haben Nachwuchs! Die erste Puppe ist geschlüpft.

Leider weiß ich jedoch nicht so richtig, was ich von dem Ergebnis des Schlupfes so recht halten soll: Es schlüpfte eine geflügelte Königin!

Ich hoffe, dass aus den anderen drei Puppen bald richtige Arbeiterinnen schlüpfen werden. Allerdings gehe ich alleine von der Größe der Puppen davon aus, dass aus mindestens einer der drei Puppen ein Männchen schlüpfen wird, da diese deutlich kleiner als die anderen beiden Puppen ist.

Jetzt warte ich erstmal ab, wie sich die neue Königin so in der Kolonie erhält und auch ob sie vllt anfängt Aufgaben von einer normalen Arbeiterin zu übernehmen.

Die Außenaktivität der Kolonie ist weiterhin bei null. Ich biete auch schon seit gut 3 Wochen kein Futter mehr an. Seit meinem letzten Post ist der Nesteingang verschlossen worden und bisher wurde er nicht wieder geöffnet.
Eier werden weiterhin gelegt. Die Larven wachsen jedoch nicht mehr, sondern verbleiben bei ihrer momentanen Größe.

Ich hoffe mal, dass nach dem ersten Schlupf jetzt bald wieder die "Jagd" beginnt und Futter eingetragen wird. Immerhin muss die neue Königin ja auch was zu fressen bekommen.

Ich freue mich sehr, wenn mir jemand im Diskussionstread ein paar Tipps geben kann, was ich von der neuen Königin halten soll und wie sich dies auf die Kolonie auswirken könnte.

Fotos werde ich nachliefern.

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