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Diacamma rugosum - Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Ponerinae
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Ameisenhonsel
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#17 AW: Diacamma rugosum - Haltungserfahrungen

Beitrag von Ameisenhonsel » 20. August 2011, 00:39

Nabend

In den letzten Tagen haben wir testweise drei Einzelpflanzen des Ficus und die Tillandsia bulbosa eingepflanzt sowie einige Einrichtungsgegenstände untergebracht, um zu schauen, ob diese die Ameisen dazu verleiten, Nestbauversuche abseits des Ytongsteins zu unternehmen.

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Es zeigte sich dann, dass es die Tiere kalt ließ, somit haben wir heute Schritt für Schritt die geplante Einrichtung vollzogen :-)

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Im letzten Beitrag erwähnten wir, dass wir Sphagnum Moos unterbringen wollten. Wir dachten, es sei lebendes Moos, erfuhren das Gegenteil im Zooladen und haben nun wie gewollt lebendiges Moos im Terrarium.

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Im bloßen Licht des Strahlers kommt glatt der Eindruck auf, man würde mit einer Taschenlampe in die Nacht leuchten.

[align=left]Zu den Ameisen:
» Wir werden in der kommenden Zeit wieder mit Krullfliegen füttern, als Abwechslung (damit die Tiere auch ab und zu jagen können statt wehrlose Puppen als Futter vorzufinden) ist das einmal im Monat ganz gut. Ansonsten sind Mehlkäferpuppen inzwischen gut bewährt.

» Seit dem Umzug nimmt die Kolonie jeden Tag eine beträchtliche Menge Apifonda zu sich. Das letzte halbe Jahr über taten sie dies lediglich einmal alle 2 Wochen, obwohl alle zwei Tage frisches angeboten wurde.

» Die Erdaufhäufung auf dem Ytongnest wird weiter ausgebaut, ebenso die "Rampe" vorm Eingang. Jedoch seitlich vom Ytong, wo ebenfalls Erde zwischen Scheibe und Stein gequetscht wurde, ist eine Arbeiterin des öfteren dabei zu beobachten, wie sie versucht, sich durch die Ritze ins Innere des Nestes zu quetschen. Inzwischen wurde nun bestimmt schon 6-7 Mal dieses Zustopf-Werk einer Arbeiterin von einer anderen zunichte gemacht, sodass dort an manchen Tagen Erde vorzufinden ist und es am nächsten wieder sein kann, dass die Stelle aufs Neue offenliegt.

» Die Arbeiterinnen beschaffen sich Erde zum Nestausbau ausschließlich unterhalb diverser Einrichtungsgegenstände. Der blaue Stein rechts hinten wurde zum Beispiel ringsherum komplett freigelegt. Vielleicht liegt es daran, dass diese Erde feuchter ist, weil Spritzwasser dorthin vom Stein abfließt.

» Die neuen Einrichungsgegenstände werden natürlich direkt erkundet, lediglich wenn die Türen sich öffnen ist das Volk noch eher schreckhaft. Arbeiterinnen, welche scheinbar ziellos spazieren, rennen direkt ins Nest, jene, welche eine Aufgabe haben, wie zum Beispiel das Eintragen von Futter oder das Wegschaffen von Abfall, lassen sich nicht beirren.

» Der Nesteinblick ist durch die Erde, welche wir von vornherein innen platzierten, natürlich nicht vergleichbar, mit dem, der bei sterilerer Haltung erreicht wird. Die Scheiben sind größtenteils mit Erde verklebt, stellenweise lässt sich inzwischen aber gut hineinschauen. "Inzwischen", weil es sich von Tag zu Tag bessert und die Tendenz in Richtung "guter Einblick" verläuft. Die Ameisen scheinen nämlich eher Erde hinaus- als hineinzubefördern.

» Vom von uns extra angebotenen Wasser hat die Kolonie immernoch nicht ein einziges mal gekostet. Vor ein paar Tagen testeten wir dieses Wassergel, was ebenfalls nicht auf Interesse trifft. Die Kolonie scheint ihr Wasser also tatsächlich ausschließlich durch die nestbefeuchtenden Maßnahmen zu beziehen.

» Gesprüht wird nach wie vor jeden Tag mit Regenwasser (was eventuell wieder auf einen Zweitagesrhythmus hinabgeschraubt werden wird).
Der Ytong wird mit Mineralwasser befeuchtet.

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#18 AW: Diacamma rugosum - Haltungserfahrungen

Beitrag von Ameisenhonsel » 3. November 2011, 03:01

Update

Leider war in letzter Zeit nicht genügend Gelegenheit, wobei doch recht viel passiert ist.

  • Wir haben seit ca. vier Wochen eine kleine 3 Watt Infrarotstrahlungsheizmatte am Ytongnest, da es nachts bereits vereinzelt zu kalt geworden ist (knapp unter 18°C und das schon im September) und die Bodenheizung dummerweise absolut ineffizient ist. Diese hebt die Beckentemperatur um kein einziges Grad an. Mit Sicherheit liegt das an der Blähtonschicht und dem allgemein eher hoch geschichteten Bodengrund.
    Die neue kleine Heizmatte am Nest ist seitlich an der Glasscheibe angebracht und verdeckt nicht die gesamte Nestseite, sondern lediglich ca. die Hälfte, damit die Tiere innerhalb des Nestes ein Wärme- und Verdunstungsgefälle haben. Vor etwaigem Wärmestau ist die Furcht recht hoch.
    Tatsächlich ist der Fall, dass sämtliche Larven tags und nachts an der kleinen Heizmatte gelagert werden, sie brauchen wie es aussieht wohl übermäßig viel Wärme, denn teils wird es dort tagsüber deutlich über 30°C warm.
  • Zweignester bzw. Nestausbau sind ein großes Thema.
    Die Ameisen begannen vor ca. 6 Wochen damit, sich geeignete Stellen für Zweignester auszusuchen. Unter anderem wurde unter der Korkröhre gebuddelt, jedoch ist man dort nicht eingezogen.
    Um der Kolonie entgegenzukommen, haben wir dann vor ca. 5 Wochen eine Korkplatte eingebracht, welche mit der linken Scheibe abschließt und sich hinter dem Ytongnest befindet. Sie ist nicht weit vom Hauptnest entfernt, bietet einiges an Platz und ist durch den Platz an der Scheibe zur Not ebenfalls leicht zu beheizen.
    Dieser Platz wurde aber ebenfalls nicht bezogen, da die Tiere sich für eine gänzlich andere Vorgehensweise entschieden: Die Hemigraphis repanda sind zu einer starken Größe herangewachsen und haben mit ihren Wurzeln direkt am Ytongnest Grundlage geschaffen, um unterhalb dieser durch Wurzeln stabilisierten Erde zu bauen. Seitlich vom großen Eingangshügel ist ein sekundäres Eingangsloch entstanden und es ist ersichtlich, dass die Tiere jetzt gleichzeitig das Innere des Ytongnestes und seinen "Vorgarten" unterirdisch nutzt. Wegen der Wärme im Ytong ist dieser Ort aber immernoch der einzige, an dem Brut gelagert wird.

    Immernoch werden gelegentlich diverse Löcher irgendwo in die Erde gegraben, werden 2-3 Tage lang gut besucht, sind zu tief als dass man hineinschauen könnte, werden schlussletztlich aber wieder von den Ameisen verworfen und sogar wieder von ihnen zugeschüttet. Zeitweise hatte die Erdaufhäufung vorm Nest sogar ganze vier Eingangslöcher, zwei von ihnen sind mitlerweile aber ebenfalls wieder geschlossen. Über längere Zeit und bis jetzt etabliert ist als Nesterweiterung also bloß oben beschriebenes, mit seitlichem sekundärem Eingangsloch und unterhalb der Wurzeln der H. repanda.
  • Innerhalb des Nestes ist klar aufgeteilt, wo welcher Nachwuchs gelagert wird. Die Puppen befinden sich unten und sind so gut wie nie beaufsichtigt, während die Larven stets oben sind, in der Nähe des Wassertanks und gleichzeitig voll im Wirkungsbereich der Nestheizmatte.
  • Der bereits beschriebene Wall vorm Nesteingang ist riesenhaft, er ist schon fast so hoch wie der Ytongblock selbst. Dies ist allerdings nicht immer von Vorteil, die Tiere rutschen teilweise an diesem steilen Hang ab, da sich einzelne Erdfragmente lösen und stürzen den ganzen Weg hinab, wenn sie schwer mit Nahrung beladen sind. Dass der Hang dauernd durch die Tiere selbst beschädigt wird, führt dann dazu, dass stets Tiere dabei sind, wieder neue Erde aufzuschütten.
  • Zum Futter:
    » Seitdem am Nest eine Heizmatte ist, nehmen die Tiere abnormal viele Kohlenhydrate auf. Beschränkte sich der Konsum bisher immer auf geringe Mengen Apifonda einmal die Woche und eine generelle Abneigung gegenüber Honig, so wird jetzt stets innerhalb von 24 Stunden ein mehr als randvolles 14-mm Schälchen voller Apifonda und fast genausoviel Honig verputzt (wobei der Honig beliebter ist als die Zuckermischung. Und für jene Leute, die schon Unglück mit Honig erlebt haben oder diese, die soetwas befürchten: es handelt sich um den Blütenhonig aus dem Antstore. Wir konnten jetzt nach einigen Wochen nicht feststellen, dass er schädlich wirkt.)
    Dass größere Wärmezufuhr die Stoffwechselreaktionen anhebt, liegt natürlich auf der Hand, jedoch ist selbst, wenn sowohl diese Tatsache als auch die der inzwischen größeren Arbeiterinnenzahl in Betracht gezogen wird, der Anstieg des Apettits auf Kohlenhydrate schon beinahe erschreckend groß.
    » Erstmals haben die Tiere sogar etwas von einer Banane gefressen, die eigentlich als Futter für die (gleich noch erwähnten) Rosenkäfer diente. An Früchte sind sie bisher grundsätzlich nicht gegangen.
    » Pro Tag werden konstant 8-9 Mehlkäferpuppen und -larven gefressen. Der Proteinbedarf ist also ebenfalls stark gestiegen.
  • Wir haben einen Vergesellschaftungsversuch unternommen und drei männliche Rosenkäfer (Smaragdesthes africana mutica) ins Terrarium eingebracht. Zwar ist dies insofern geglückt, dass sich gegenseitig nicht geschadet wird, jedoch ist der Stressfaktor schon immens gestiegen, da die Ameisen anscheinend einfach zu aggressiv für die Haltung in Gesellschaft mit anderen Tieren sind und keine Gelegenheit auslassen, um die Käfer zu verprügeln. Teilweise stürzen sich gleich bis zu sieben der Ameisen auf einen Käfer, das passiert jedoch nur, wenn ein solcher sich zu nah an das Nest heranwagt bzw. auf dem Ytong herumläuft. Der Grund, warum noch kein Todesopfer gefordert wurde, ist, dass die Käfer zu gut gepanzert sind, um sich stechen zu lassen und zu stark sind, als dass man ihnen Beine ausreißen könnte.
    Wirklich geeignet zur Vergesellschaftung sind D. rugosum also eher nicht, da sie alles angreifen, was sich bewegt. Bei der inzwischen moderat großen Koloniegröße lässt sich sogar nichteinmal mit der Pinzette im Becken hantieren, ohne dass man in null Komma nix mehrere Arbeiterinnen auf dem Werkzeug hat, die versuchen es zu stechen, auch wenn man nicht in Nestnähe kommt.
  • Sonstige Beobachtungen:
    » Die Außenaktivität ist inzwischen immens und am Nesteingang ist schon ein richtiger Wuselfaktor zugegen, wie wir es von größeren Kolonien kennen.
    » Hemigraphis repanda blühte sehr häufig und stets werden diese Blüten von den Ameisen herausgerissen.... Ein einziges Mal waren wir gerade anwesend, als soetwas passierte: Eine Arbeiterin entdeckt die jeweilige Blüte, steckt den Kopf hinein als würde sie etwas darin suchen, reißt danach die Blüte ab und trägt sie zu den Müllplätzen, als wäre es ein normaler Futterrest.
    » Arbeiterinnen die beim täglichen Versprühen von Wasser unterwegs sind, suchen sich, sobald sie merken, dass es nass wird, bei nur wenig Hektik einen Unterschlupf, in welchem sie verharren, bis der "Regen" aufhört. Nurnoch selten begeben sich die Tiere so schnell sie können zum Nest.
    » Die Tiere können problemlos Silikon schneiden. Wir konnten eine Arbeiterin dabei beobachten, wie sie ein Stück Silikon von einer Glasscheibe abschnitt und herumtrug.
    » Erde, welche ins Nest eingetragen wird, wird wirklich unablässig gesammelt. Diese Erde wird stets von unterhalb der Steine oder sonstiger Gegenstände genommen, ist also sehr feucht. Allgemein scheint unsere Kolonie eher feuchtigkeitsliebend zu sein, entgegen der Auffassung vieler, man solle Diacamma nicht zu viel Feuchtigkeit aussetzen. Bei uns können die Tiere nicht genug nasse Erde bekommen und halten sich innerhalb des Nestes auch stets in der Nähe des Wassertanks auf, welcher ebenfalls grundsätzlich täglich bewässert wird.
    » Mit weißen Asseln scheinen die Tiere prima klarzukommen, die Anzahl der Asseln innerhalb des Nestes ist gewaltig und keine von ihnen wird getötet oder hinausbefördert.
    » Puppenhüllen werden nicht wie normaler Abfall weit vom Nest entfernt abgelegt, sondern liegen einfach immer am Fuß des Eingangswalls.
    » Abfall wird größtenteils nicht mehr einfach nur abgelegt, sondern die betreffende Arbeiterin läuft bis fast ganz oben eine Scheibe hinauf und lässt den Müll dann einfach zu Boden fallen, in dem Glauben sie hätte ihn nach weit weg befördert.
    » Dadurch, dass teilweise vereinzelt Korkstückchen als Baumaterial für den Wall herhalten, ist erkennbar, dass die Tiere durchaus Kork zerbeißen können und sich an der Korkröhre bedienen.
    » Es gab 2 zusammenhanglose Todesfälle. Eine Arbeiterin wurde schlicht tot aufgefunden, die andere hat sich schwächlich an einer Pflanze festgehalten, wurde dann von zwei anderen Arbeiterinnen entdeckt und musste gewaltsam "entfernt" werden. Sie versuchte noch sich zu wehren und hielt sich bei ihrem Abtransport an allerlei Gegenständen fest, war jedoch zu schwach, um ihrem Schicksal zu entgehen. Als man sie mit einer Pinzette aus den Mandibeln der tragenden Ameise stahl, zappelte sie noch eine Weile schwach weiter, war allerdings nicht mehr kräftig genug, um sich von selbst aufzurichten und starb dann nach ca. einer Stunde.


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Der letzte Rest Honig wird aus der Schale gekratzt


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Unten links zu sehen: die Korkscheibe, welche als Zweignest zur Verfügung gestellt wurde

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Hier gut zu sehen, wie das Pflanzenwachstum förmlich explodiert ist

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Die neue Bromelie wurde zeitgleich mit den Rosenkäfern eingebracht

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Dies ist der gegenwärtige Zustand des Terrariums
H. repanda und F. pumila wurden stark zurückgeschnitten

Ebenfalls gut erkennbar: der Erdwall am Nest

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Auch hier ist nochmals der Erdwall gut erkennbar


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[align=left]Wir hoffen, dass dieses Update trotz der Fülle an Informationen und der unchronologischen Auflistung einigermaßen lesbar war.

Demnächst wird es wohl wieder Videos geben, da wir nun eine halbwegs angemessene Kamera zur Verfügung haben.



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#19 AW: Diacamma rugosum - Haltungserfahrungen

Beitrag von Ameisenhonsel » 4. Dezember 2011, 22:39

Guten Abend

Zwei Neuigkeiten: Ein merkwürdiger Todesfall und zwei Ladungen Männchen

Beide "Schübe" von Männchen beinhalteten ca. 13-15 Tiere. Vor ca. 2 Wochen kam die erste Gruppe zur Welt, diese ist inzwischen komplett verendet und seit ca. 2 Tagen schlüpft die besagte zweite Gruppe. Hoffentlich hat die Kolonie ihre Maximalgröße noch nicht erreicht....eigentlich wäre das aber unwahrscheinlich, da die Zahl der Arbeiterinnen erst bei knapp 50 liegen dürfte.

Der merkwürdige Todesfall ereignete sich vor ca. einer Woche und hat sich bisher nicht wiederholt. Einer Arbeiterin fehlte ein Hinterbein, sie hatte eine weißlich gefärbte Gaster und schob sich schwächlich durchs Terrarium. Wie sie ihr Bein verlor und, vor allem, wo diese krankhaft-anmutende weiße Färbung der Gaster herkam, wissen wir nicht.

Ansonsten gibt es noch zu sagen, dass die Zahl der Mehlwürmer, die inzwischen konstant pro Tag verwertet werden, gegen die 20 geht.

Hier ein Foto der verendeten Arbeiterin. Besser gings wie immer leider nicht, zumindest grob sollte man aber erkennen können, wie das ganze aussah...


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#20 Unser 1-jähriges :)

Beitrag von Ameisenhonsel » 12. Januar 2012, 16:23

[font=Georgia]Jubiläumstag[/font] :)

Vor exakt einem Jahr bekamen wir die Kolonie.
Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und Ungereimtheiten in Sachen Fütterung, Nistplatz und Nachwuchs hat sich die anfangs 10-Individuen-große Kolonie zu einer inzwischen ca. 50-Weibchen-starken Bande entwickelt, welche sich hier wie es aussieht sehr wohl fühlt. Im Sommer wie im Winter war die Pflege dieser Art angenehm, verzieh so einige Fehler und das Beobachten machte sogar noch mehr Freude als vorher gedacht.

Hier ein sehr aktuelles Video zur Fütterung, ausnahmsweise auch in ansehnlicher Qualität :o



Ansonsten:

  • Inzwischen hat sich eine dritte "Welle" von Männchen auf den Plan gerufen, von der aber nach ca. 2 Wochen ebenfalls sämtliche verstarben. Die Anzahl der Männchen, welche die Kolonie in unserer Obhut aufzog, beläuft sich bis dato also auf ca. 60 Stück.
  • Die benötigte Menge an Kohlenhydraten ist erneut drastisch angestiegen. Wie im Video sichtbar stürzen die Tiere sich schnurstracks aufs Apifonda, welches teilweise mehrfach pro Tag nachgelegt werden muss ( Bei gleicher Menge wie im Video sichtbar)
  • Der große Hügel vor dem Ytongblock ist nach wie vor stets eine Dauerbaustelle. Inzwischen wurde sogar das ehemalig einzige Eingangsloch an der Oberseite verschlossen, und 2 Seiteneingangslöcher sind jetzt die "Haupteingänge"
  • Erneut fällt uns in den letzten Tagen auf, dass Blüten von H. repanda rausgerissen und herumgetragen werden
Alles in Allem würden wir die Haltung inzwischen grob als "geglückt" bezeichnen, auch wenn sich noch zeigen muss, ob jetzt nurnoch Männchen aufgezogen werden oder ebenfalls weitere Weibchen entstehen.
In diesem einen Jahr verstarben genau 12 Weibchen, während ca. 50 neue zur Welt kamen.

In diesem Sinne geht es erst einmal in das zweite Haltungsjahr. Hoffentlich macht's die Gamergate noch gut eine Weile ;)
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#21 AW: Diacamma rugosum - Haltungserfahrungen

Beitrag von Ameisenhonsel » 13. Mai 2012, 17:32

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Nach sehr langer Zeit wieder ein Update + neue [font=Georgia]Videos [/font]:)


Tatsächlich liegt es daran, dass kaum noch etwas neues passiert, weswegen wir den Bericht etwas schleifen lassen. Zwar ist inzwischen der Teufel los im Terrarium, jedoch läuft alles nach dem selben Muster ab.

Zwar ist alles in einem stetigen Wandel (Eingänge zum Ytongstein werden zugeschüttet, andere durch Buddeln "eröffnet", dann wird der alte wieder freigelegt und genutzt, Gänge werden gebaut, verworfen, neu gebaut etc...), jedoch bewegt sich alles tendenziell in die gleiche Richtung: Expansion (außer dem Ytongstein ist nun ebenfalls der Bereich unter der Korkplatte komplett bewohnt und überall wo Wurzelwerk es durch Stabilisierung der Erde ermöglicht, werden kleinere unterirdische Gänge gegraben).

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Futtertechnisch ist die Kolonie inzwischen wesentlich weniger wählerisch. Hauptnahrung sind nach wie vor Apifonda, Blütenhonig und überbrühte Mehlwürmer/Mehlkäferpuppen, jedoch wird nun ebenfalls das zu Anfang eher verschmähte Trockenfutter eifrig rangeschleppt. Der Konsum von Futter ist (wie wir finden ^^) gewaltig, pro Tag werden konstant geschätzte 3 cm³ Apifonda verputzt und die ca. einmal wöchentlich angebotenen ca. 50 Mehlwürmer sind in unter 10 Minuten komplett in den Nestern verschwunden, wo sie nach spätestens 4-5 Tagen verspeist sind und in Form von Abfall herumbugsiert werden.

Unsere Angst, es könnten sich jetzt nur noch Männchen ausbilden, als die ersten "Schübe" jener auftraten, hat sich nicht bewahrheitet. Tatsächlich hat sich sogar ein äußerst angenehmes Verhältnis von Männchen und Arbeiterinnen eingestellt. Es werden parallel ständig sowohl die einen als auch die anderen in die Welt gesetzt, jedoch mehr Arbeiterinnen als Männchen. So ist es ein Dauerzustand, dass permanent ca. 3-8 Männchen herumflattern, jedoch noch genug Arbeiterinnen produziert werden, um die Kolonie wachsen zu lassen. Natürlich sind die Hintergründe dieses permanenten Männchenaufziehens sicherlich weniger angenehm (dürfte es an einer Verwirrung über die Jahreszeiten und den richtigen Zeitpunkt für Schwarmflüge liegen, die durch das im Terrarium nicht exakt naturnah abgebildete Klima ausgelöst wird?), aber in der Haltung macht es keine Unannehmlichkeiten.


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Zum Stichwort Koloniewachstum: Die Sterberate von Arbeiterinnen ist unserer Meinung nach enorm hoch, so sterben bei einer geschätzten Gesamtgröße von über 100 Individuen beinahe täglich Arbeiterinnen (mal sogar 2-3 an einem Tag, pro Woche im geschätzten Durchschnitt ca. 7-10). Das Koloniewachstum zeigt sich aber nicht beeinträchtigt, so kommt es uns von Woche zu Woche "wuseliger" im Becken vor, was bedeutet, dass die geschätzte Leichenanzahl von der wöchentlichen "Geburtenrate" zur Genüge übertroffen wird.

In Sachen Nesterweiterung: Nun, es ist wirklich schwierig geworden, in dem Becken etwas anzustellen (mal ausgenommen das Sprühen). Überall wuseln Tiere und sind in dieser Volkszahl ziemlich aggressiv. Selbst mit Pinzetten und Schäufelchen etwas Wartungsarbeiten an Pflanzen und Erdreich zu unternehmen sind der Wahnsinn, da immer 2-3 Arbeiterinnen angerannt kommen und einem in Windeseile am Werkzeug hinaufkrabbeln, hineinbeißen, oder sogar versuchen es zu stechen. Somit haben wir ehrlich gesagt nicht großartig vor, noch ähnliche nesterweiternde Maßnahmen zu ergreifen, wie wir es bereits im Oktober (oder war das schon November?) mit der Korkplatte taten. Es wäre wirklich zu stressig und das bezieht sich ausnahmsweise nicht auf die Tiere, sondern auf uns ;-) Da sich aber auch gezeigt hat, dass sämtliche Gänge des Ytongsnestes erst seit kurzem genutzt werden, der Bereich unter Gegenständen wie Korkplatte und -röhre gut angenommen werden und die Kolonie es gut hinbekommt sich in Erdreich, welches von den vielen Pflanzenwurzeln stabilisiert wird, einzunisten, ist das aber auch sicherlich gar nicht nötig, zumindest nicht in absehbarer Zeit. Wir sind zuversichtlich, dass die Kolonie selbst bei ausgewachsener Größe noch genügend Nistplatz im Terrarium haben wird.

Ansonsten wäre eventuell noch zu nennen, dass die kleine Strahlungsheizmatte an der Seitenwand am Nest vor ca. einem Monat wieder entfernt wurde.




Bei dieser seit Wochen andauernden Vollversammlung. knabbern sich die Arbeiterinnen augenscheinlich einen weiteren Eingang ins Ytongnest. Es sieht tatsächlich so aus, als würden sie den Ytongstein an sich abtragen.




Hier einer der Jungs bei der Körperpflege
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#22 AW: Diacamma rugosum - Haltungserfahrungen

Beitrag von Ameisenhonsel » 29. September 2012, 00:47

Nabend,

wie manch einer vielleicht schon aus unserem Flohmarktthread entnommen hat, haben wir uns entschlossen, die Kolonie abzugeben. Es kam zum Schluss ein Zeitmangel durch Studium etc. auf, welcher dafür sorgte, dass man sich nicht mehr in vollem Umfang um die Tiere kümmern konnte. Nun sind sie an einen sehr erfahrenen Nachbesitzer abgegeben worden.

Die 21 Monate der Haltung waren sehr angenehm, die Kolonie war durchweg nicht unbedingt "schwierig" zu halten und wir hatten Glück mit dem Brutverhalten (keine reine Männchenproduktion o.Ä.). Außerdem können wir rückblickend behaupten, nicht ein einziges Mal gestochen worden zu sein:bananadancer: :baeh:

Alles in allem haben wir Diacamma rugosum als eine sehr schöne Art erlebt, welche in großem Maße Freude bereitet, wenig Angriffsfläche für das Begehen von Haltungsfehlern bietet, überaus aktiv und vielseitig ist und eine tolle "Wesensart" besitzt.

An den Nagel gehängt ist die Haltung nicht - sobald das Zeitfenster wieder mehr Spielraum lässt, werden wir uns mit Sicherheit die ein oder andere Art genauer anschauen.

Viele Grüße :yellowhopp:
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