Terrarienpflanzen

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Moderator: Frederick

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Frederick

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#1 Terrarienpflanzen

Beitrag von Frederick » 5. März 2017, 20:13

Ich habe aufgrund des von swagman verfassten Beitrag erstmal einen allgemeinen Teil ausgelassen und direkt mit dem Anfang einer Liste potenzieller (oder wie in diesem Fall unten: öfters nachgefragter) Pflanzen für Formicarien begonnen.
Sagt mir, was ihr davon haltet - ob es verständlich ist, zu umfangreich, zu wenig Informationen, belanglos, Rechtschreibfehler etc pp :)
Wie schaut es eigentlich mit Copyrights aus, ist es möglich, Bilder der Pflanzen einzufügenvon externen Websites?


1. Fleischfressende Pflanzen

Des Öfteren wiederholt sich innerhalb des Ameisenforums die Frage, ob fleischfressende Pflanzen (sogenannte Karnivoren oder Insektivoren) für ein Formicarium geeignet seien.
Wie der Name schon sagt, zeichnet diese Gruppe nicht unbedingt näher verwandter Arten die Fähigkeit aus, (hauptsächlich) Insekten über diverse Mechanismen zu fangen und über Enzymflüssigkeiten zu verdauen, um die Nährstoffe selber verarbeiten zu können (hauptsächlich handelt es sich um Stickstoff). Diese konvergent entwickelte, evolutionäre Eigenschaft bildeten die Pflanzen aufgrund nährstoffarmer Umgebung aus: Moore, Astgabeln und steiniger Untergrund machten es nötig, die lebensnotwendigen Nährsalze auf anderen, gänzlich „unkonventionellen“ Wegen zu erbeuten.
Und genau das werden die meisten dieser Pflanzen mit Euren Ameisen machen.
Man sollte sich also überlegen, ob man dieses Risiko einiger bis hoher Verluste an Ameisen zugunsten der Ästhetik der „Blumen des Bösen“ in Kauf nehmen möchte.

Nicht jede fleischfressende Pflanze fängt ihre „Opfer“ gleich effektiv – auch kommt es dabei auf die individuelle Größe der Ameise an. Allgemein kann gesagt werden, dass Pflanzen mit Klebe- und Rutsch-/Reusenfallen (Drosera sp., Drosophyllaceae, Nephentaceae, Sarraceniaceae, Cephalotaceae, Lentibulariaceae) äußerst effektiv gegen Ameisen vorgehen können, während die klassische „Venusfliegenfalle“ (Dionaea muscipula) nicht auf die kleinen Vertreter des Insektenreiches spezialisiert sind – Kleine Ameisenarten sind also, je nach Größe, in der Lage, die Falle entweder nicht auszulösen oder aus ihr zu entkommen. Eine Garantie gibt es aber nicht!

Die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula)
Sollte man sich also für eine Venusfliegenfalle entscheiden, so seien folgende Pflegehinweise zu beachten:

- Licht: Damit D. muscipula ihr volles Wachstumspotenzial entfalten kann und sich die Fallklappen je nach Sorte wunderschön dunkelrot färben, ist eine Menge Licht erforderlich. Da Formicarien jedoch aufgrund des Gewächshauseffekts nicht an einem Südfenster stehen sollte, wird es höchstwahrscheinlich notwendig sein, Kunstlicht zuzuschalten.

- Temperatur: Die Venusfliegenfalle ist nicht ganzjährig warm zu kultivieren! An ihrem Ursprungsort in North und South Carolina ist sie Temperaturen im Winter von bis zu -10°C ausgesetzt und benötigt zumindest eine kurze, kühle Überdauerungsperiode. Hier eignet es sich zum Beispiel, die Pflanze im Kühlschrank mitsamt der Kolonie zu überwintern. Allerdings darf sie währenddessen nicht vollständig austrocknen! Ansonsten ist sie recht anspruchslos und kann durchaus bei 20-25°C gehalten werden.

- Wasser und Substrat: Die Pflanze sollte stets „nasse Füße“ haben – dies entspricht ihrem natürlichen Lebensraum in Hochmooren. Dafür eignet es sich zum Beispiel, eine 1-2 cm dicke Schicht aus Blähton oder Seramis unter dem eigentlichen Substrat einzuarbeiten, welche man über einen eingelassenen Bewässerungsschlauch mit Wasser auffüllt.
Das Wasser sollte so weich wie möglich sein (Regenwasser!), bestenfalls destilliert. Leitungswasser schadet der Pflanze über kurz oder lang.
Das eigentliche Substrat, in welches gepflanzt wird, kann entweder zu 100% aus Torf oder mit maximal 30% eingemischten Sand, Perlite, Blähton, Sphagnum o.ä. bestehen. Wichtig ist hierbei, komplett ungedüngt Erde zu verwenden.

Es ist ein allgemeiner Trugschluss, dass fleischfressende Pflanzen „gefüttert“ oder gar gedüngt werden müssen! Im Gegenteil: Die Fallen zu oft zu aktivieren führt nach einiger Zeit zum Absterben des Blattes.

Wasserschlauch (Utricularia sp.)
Der Wasserschlauch fängt seine Beute mithilfe einer Saugfalle, die, einmal über kleine Härchen aktiviert, Wasser und somit das betreffende Tier einsaugt, um es anschließend zu verwerten.

Diese Vertreterinnen aller karnivoren Pflanzen dürften aufgrund ihrer überwiegend mikroskopisch kleinen Fallen den Ameisen nicht schädlich werden. Ihr Reiz liegt vor allem in den filigranen Blüten und der aquatischen Lebensweise.
Die verschiedenen Arten wachsen neben der schon erwähnten submersen Lebensweise terrestrisch im Hochmoor oder epiphytisch („Aufsitzerpflanze“).
Die jeweiligen Kulturbedingungen sollten dieser Lebensweise angeglichen werden, allgemein brauchen aber alle Utricularia, wie die Venusfliegenfalle, sehr viel Licht. Dazu kommt ebenfalls ständige Feuchtigkeit (falls terrestrisch kultiviert wird) und, wie für alle fleischfressenden Pflanzen, nährstoffarmes Substrat bzw. leicht saures, nährstoffarmes Wasser.

Symbiose zwischen Ameise und Nepenthes bicalcarata

Obwohl Nepenthes zu den Gleitfallen-Karnivoren gehören und dementsprechend äußerst effektiv auch Ameisen fangen können, gibt es einige Ausnahmen, die uns als Ameisenhalter besonders interessieren: Die Lebensgemeinschaft (Symbiose) einiger Ameisen mit Nepenthes-Arten.
Bei diesem Fall bietet die Pflanze den Ameisen in erster Linie innerhalb ihres Gewebes Hohlräume als sicheren Brutplatz und darüber hinaus Nektarien (Honigausscheidungen). Im Gegenzug, so wird momentan noch spekuliert, befreien die Ameisen die Pflanze von überschüssiger Beute (gegen Fäulnis) oder pflanzenschädlichen Organismen wie Blattläusen und -wanzen.

Eine solche Symbiose zwischen der tropischen Nepenthes bicalcarata und Camponotus schmitzi ist gut beschrieben, soll aber auch bei einigen Crematogaster sp. vorkommen. C. schmitzi ist dabei nicht nur in der Lage, die extrem glatten Wände der Kannenpflanze zu erklimmen, sondern sogar in der Verdauungsflüssigkeit zu schwimmen und zu tauchen!

Für weitere Informationen über fleischfressende Pflanzen, deren Biologie, Kultur und ausgewählte Arten sei dem Leser das Forum der „Gesellschaft für fleischfressende Pflanzen e.V.“ unter https://forum.carnivoren.org/ sowie das Buch „Karnivoren: Biologie und Kultur Fleischfressender Pflanzen“ von Barthlott, Porembski, Seine und Theisen (ISBN 3-8001-4144-2), auf deren Werk dieser Text beruht, empfohlen.

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#2 Re: Terrarienpflanzen

Beitrag von Frederick » 5. März 2017, 23:36

2. Pflanzen für feucht-tropische Terrarien

Wer sich exotische Ameisen hält, die ganzjährig dieselben klimatischen Bedingungen benötigen, wird mit Pflanzen, die eine Winterruhe einhalten müssen, auf Dauer nicht glücklich werden.
Die folgende Liste soll einen kleinen Überblick bieten, welche Pflanzen sich für solche klimatischen Bedingungen am besten eignen.
Eine Legende befindet sich unten.

Farne

Farne mögen auf den ersten Blick aufgrund fehlender Blüte nicht unbedingt sehr attraktiv wirken, allerdings haben sie einen entscheidenden Vorteil: Die meisten Vertreter benötigen nur wenig Licht, weshalb nicht zwangsläufig künstliches Licht zugeschaltet werden muss, sowie wenig Dünger.
Es sind im Allgemeinen sehr robuste Pflanzen, die auch kleine „Anfängerfehler“ gerne verzeihen und bei richtiger Pflege schnell auch mal wuchern können.

Frauenhaarfarn (Adiantum raddianum, A. caudatum, A. hispidulum, A. tenerum)
- Herkunft: tropisches Zentral- und Südamerika
- Wuchs: filigrane Grünpflanze mit gefiederten Blättern, 30-60 cm lange Stiele, bildet Rhizome aus, terrestrisch
- Lichtbedarf: ca. 1000 Lux, hell, jedoch keine direkte Sonne
- Temperatur: 20-24°C, im Winter auch 15-18°C möglich, aber nicht nötig.
- Wasser/Luftfeuchtigkeit: Das Substrat nie austrocknen lassen, aber Staunässe vermeiden. Beim Gießen nicht direkt in das „Herz“ der Pflanze wässern. Luftfeuchtigkeit bei ca. 60-70%, unter 50% nimmt die Pflanze schaden (→ vertrocknende Blätter)
- Substrat: Weißtorfbasis, pH ca 5.5, ein Sandanteil von max 50% empfiehlt sich gegen Staunässe. Bis max 30% auch Perlite oder Styropor möglich
- Nährstoffe: Salzempfindlich, der Größe der Pflanze anpassen, von 0,5 bis max 1,5 g/l eines Mehrnährstoffdüngers (Stickstoff- und Kaliumbetont, z. B. 15/10/15)
- Vermehrung: Über Rhizomteilung oder Sporenaussaat
- Schädlinge: Hauptsächlich Pilzbefall durch Staunässe oder direktes Gießen in das Herz der Pflanze, darüber hinaus Blatt-, Schild- und Wollläuse, Thrips, Trauermücken

Schwertfarn (Nephrolepis exaltata)
- Herkunft: tropisches Asien
- Wuchs: rhizombildende Staude, lange, gefiederte und feste Farnwedel, teils überhängend, insgesamt sehr dicht, terrestrisch
- Lichtbedarf: ab ca. 700 Lux, hell, keine direkte Sonne
- Temperatur: Dem Lichtangebot anpassen, minimal 18°C, dauerhaft maximal 27-28°C. Bodentemperatur bestenfalls 20°C.
- Wasser/Luftfeuchtigkeit: dauerhaft feucht, Staunässe jedoch unbedingt vermeiden. Wie beim Frauenhaarfarn nicht in das Herz (die Mitte der Pflanze) von oben gießen. Luftfeuchtigkeit nicht unter 50%
- Substrat: Weißtorf-Sand-Gemisch (3:1), pH ~ 5,5-6,5. Handelsübliche Grünpflanzen- oder nicht zu stark aufgedüngte Blumenerde ( > 2,5 g/l Salzgehalt)
- Nährstoffe: siehe Frauenhaarfarn
- Vermehrung: Über Sporen oder Rhizomteilung
- Schädlinge: Siehe Frauenhaarfarn

Geweihfarn (Platycerium bifurcatum)
- Herkunft: tropisches Amerika, Afrika, Australien, Asien
- Wuchs: epiphytisch (Aufsitzerpflanze), die auch auf Xaxim, Astgabeln o.ä. innerhalb eines Moosbetts (am besten totes Sphagnum) aufgebunden werden kann. Wedel ähnlich einem „Geweih“ gespalten (Name!). Habitus kugelförmig, Wedel liegen ähnlich einem Salat eng übereinander. Manchmal bildet der Geweihfarn ein Phytotelma (Zisterne) aus. Rhizombildend. Achtung: Der Geweihfarn kann bis zu einem Meter groß werden.
- Lichtbedarf: ab ca. 800 Lux
- Temperatur: Dauerhaft bei ca. 20-27°C. Eine Winterruhe ist bis minimal 10°C möglich.
- Wasser/Luftfeuchtigkeit: Aufgrund der epiphytischen Lebensweise benötigt der Geweihfarn eine hohe - Luftfeuchtigkeit ( >60%). Bei aufgebundener Kultur das Rhizom 1-2 mal täglich mit weichem Wasser besprühen, bei terrestrischer Kultur während der Wassergaben leicht antrocknen lassen.
- Substrat: Falls nicht aufgebunden wird eine lockere Mischung aus Weißtorf, Sand, Rindenanteile
- Nährstoffbedarf: Gering. Falls aufgebunden kultiviert nur mit stark verdünntem Orchideendünger das Rhizom einsprühen. Ab einem gewissen Alter produziert der Geweihfarn durch abgestorbene, alte Blätter seinen eigenen Humus.
- Vermehrung: Sofern das Rhizom stark genug ist über Teilung
- Schädlinge: Vorwiegend Blatt- und Schildläuse, Spinnmilben bei zu geringer Luftfeuchtigkeit, Pilzbefall durch Staunässe

Nestfarn (Asplenium nidus)
- Herkunft: tropisches Asien und Australien
- Wuchs: hellgrüne, gelappte Wedel, deren Breite vom Lichtangebot abhängig ist (wenig Licht → schmale, lange Blätter). Bildet ein Phytotelma (Zisterne) und wächst epiphytisch.
- Lichtbedarf: Höher als bei anderen Farnen, allerdings direkte Sonneneinstrahlung vermeiden. Ab ca. 1000 Lux
Temperatur: 20-25°C
- Wasser/Luftfeuchtigkeit: Mind. 60-70%, Wassergaben der Größe und dem Wachstum anpassen: Bei terrestrischer Kultur nicht austrocknen lassen und Staunässe vermeiden, bei aufgebundener Kultur ca. 1 mal am Tag sprühen. Weiches Wasser verwenden!
- Substrat: Jungpflanzen humos, ältere Exemplar in Grünpflanzenerde mit etwas Sand ca. 30% Sand vermischt. PH ~ 5,5-6,5.
- Nährstoffbedarf: Etwas höher als bei den anderen Farnen mit 1,5 bis max. 2 g/l eines handelsüblichen Grünpflanzendüngers. Bei aufgebundener Kultur wöchentlich mit 0,5 bis 2 Promille(!) in den Wurzelbereich sprühen.
- Vermehrung: Aussaat der Sporen
- Schädlinge: Schild- und Wollläuse, Pilzbefall des Wurzelhalsbereichs, Trauermücken

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#3 Re: Terrarienpflanzen

Beitrag von Frederick » 5. März 2017, 23:40

Die Legende werde ich innerhalb dieses Beitrags dann stetig erweitern :-)

Legende (alphabetisch)

- Epiphyt/epiphytisch: Epiphyten nutzen andere Pflanzen als Grundlage zur Verankerung und wachsen in Moosbetten oder frei auf Baumrinden, um auf diese Weise in höheren Stockwerken näher an Licht zu gelangen.
- Habitus: Äußeres Gesamterscheinungsbild
- Lux: Einheit für Lumen/Quadratmeter. Ein Maß für die „Helligkeit“, Messbar z.B. über einen Luxmeter. Viele Leuchtmittel geben die abgegebene Luxzahl in Relation zu ihrem Abstand an. Eine Kerze in 1 Meter Entfernung sendet ca. 1 Lux, ein wolkiger Tag im Winter liegt bei ca. 3500 Lux.
- Mehrnährstoffdünger (15/10/15): Die Zahlen beziehen sich auf die Kernnährstoffe, die eine Pflanze für ihr Wachstum benötigt: Stickstoff/Phosphor/Kalium. Die Angaben sind in Prozent. Neben den drei oben genannten Kernnährstoffen benötigt eine Pflanze zusätzlich Kalzium, Magnesium, Schwefel und Spurenelemente (z.B. Eisen)
- Rhizom: Ein nicht photosynthetisierender, unterirdischer Spross, der als Speicher- und oft auch Überdauerungsorgan dient. Das Rhizom dient oft auch der unterirdischer Verbreitung.
- Sporen: Farne vermehren sich sexuell über Sporen. Die Entwicklung ist zwar insgesamt anders als bei den Blütenpflanzen über Samen, kann aber für hiesige Zwecke damit verglichen werden.
- Terrestrisch: Anders als Epiphyten wachsen terrestrische Pflanzen in Erde.
- Xaxim: Ein in der Terraristik beliebtes Naturmaterial aus Baumfarnen, auf dem Pflanzen aufgebunden werden können. Es wird vor allem in tropischen Terrarien als Boden- und Hintergrund verwendet.

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#4 Re: Terrarienpflanzen

Beitrag von Frederick » 30. März 2017, 21:00

Hi Leute

Also der erste Teil (Fleischfressende Pflanzen und Farne) ist soweit fertig und kann online gestellt werden.
Der nächste Teil sind die Orchideen, da fehlen aber noch einige Arten, deshalb würde ich den gerne noch bis Ende der Woche überarbeiten (jetzt habe ich die Zeit dazu :-) )

Toll wäre am Anfang des Threads ein Inhaltsverzeichnis über Hyperlinks, die Du (Erne) es ja auch schon in dem "Systematik der Ameise - EIn phylogenetischer Ansatz" getan hast.

LG Frederick

Orchideen

Eine weitere Pflanzenfamilie, die im Allgemeinen gut in Terrarien gepflegt werden kann, ist die der Orchideen.
Da die Familie der Orchideen die an Artenzahl zweitgrößte Pflanzenfamilie überhaupt darstellt (sie werden nur von den Korbblütern, den Asteraceae geschlagen), kommen sie nicht nur in den tropischen Regionen, wie die klassische Phalaenopsis Cultivars, vor, sondern in allen Klimaregionen der Welt.
Deutsche, unter Artenschutz stehende Arten sind zum Beispiel das Knabenkraut und der Frauenschuh.

Orchideen wachsen sowohl terrestrisch, epiphytisch als auch lithophytisch - die meisten im Handel erhältlichen Arten jedoch epiphytisch.
Sie benötigen deshalb eine spezielle Pflege, die sich aber wegen der wunderschönen Blüten durchaus lohnen kann.
Im Folgenden wird nur ein kleiner Überblick über die unterschiedlichen Arten gegeben. Anfängern seien die robusten Hybriden empfohlen, die auch mal größere Fehler verzeihen und deren Verlust ökonomisch gut zu verkraften ist.
Wer jedoch nach raren Arten wie z.B. Naturformen strebt, der lässt sich am besten in einer Spezialgärnterei oder im Internet beraten. Oft werden vor allem auch im Frühjahr in handelsüblichen Gärtnereien "Orchideenausstellungen" veranstaltet.

Phalaenopsis Cultivars: Malaiienblume, Schmetterlingsorchidee oder Nachtfalterorchidee

Sie ist der Klassiker unter den tropischen Orchideen und erfreut sich großer Beliebtheit. Dies ist nicht nur auf die Tatsache zurückzuführen, dass es sie kostengünstig vie Massenvermehrung (in vitro) überall zu kaufen gibt, sondern auch gröbere Haltungsfehler überlebt und als Blühfreudig gilt. Darüber hinaus gibt es sie in unzähligen Farb- und Größenvarianten.
Die Haltung dieser Pflanze ist bei Weitem nicht so schwer, wie sich manch einer vorstellt. Man sollte sich nicht durch die Fülle an Informationen im Internet verwirren lassen - es reicht aus, einige grundlegende Regeln einzuhalten, um lange Freude sowohl an Pflanze als auch an der Blüte zu erhalten.

- Herkunft: Regen und Monsunwälder Indiens, Indonesien, tropisches Nord-Australien, Philippinen, Neu-Guinea
- Wuchs: Monopodiale Staude mit leicht sukkulenten Blättern und dicken, silbrigen Wurzeln (die sich bei Feuchtigkeit aufgrund des Chlorophylls grün umfärben). Größe je nach Alter und Art sehr unterschiedlich (10-100 Blattlängen). Blüte aufgebaut in 2 Sepalen, 2 Petalen und die Lippe
- Lichtbedarf: gering, jedoch keine Dauerschattierung. Ab ca. 800 Lux. Reagieren vermutlich schwach auf den Kurztag mit der Blüteninduktion. Ost- oder Westfenster, Kunstlicht im Winter nicht notwendig, aber empfohlen.
- Temperatur: Eine Nachtabkühlung von bis zu 10°C in der Differenz fördert die Blüteninduktion, aber auch dauerhafte Kultivierung bei 22-25°C möglich. Nicht unter 10°C fallen lassen
- Wasser-/Luftfeuchtigkeit: Niemals Staunässe zulassen! Bei aufgebundener Kultivierung in Moosbetten o.ä. eine hohe Luftfeuchtigkeit halten und täglich mit weichem Wasser besprühen. Ein guter Indikator ist die Farbe der Wurzeln: Solange sie satt grün gefärbt sind, benötigen sie kein Wasser, erst bei silbrig-glänzender Färbung (eventuell einhergehend mit ledriger Konsistenz) wieder gießen/besprühen. Niemals jedoch Wasser in dem Pflanzenherz stehen lassen und/oder die Blüten benässen.
- Substrat: Sollte nicht aufgebunden werden, so empfiehlt sich eine fertige Orchideenerde. Diese kann aus Kiefernrinde, Seramis, Styropor und maximal 1/3 Torf bestehen. Auch totes und lebendes Sphagnum ist mit bis zu 100% einsetzbar (vor allem bei aufgebundener Kultur zu empfehlen). Das Substrat sollte die Wurzeln bedecken, die Rinde sollte grob gewählt werden, der pH-Wert bei ~ 6 liegen.
Ein "nacktes" Aufbinden, also ohne jegliches Moos o.ä., hat sich beim Autor nicht bewährt, trotz hoher Luftfeuchtigkeit.
- Nährstoffbedarf: Gering - bei wöchentlicher Düngung ca. 0,4-1 Promille eines Kaliumbetonten Mehrnährstoffdüngers (z.B. 15/11/15 oder 15/7/25). Auch längere Hungerperioden werden vertragen und können die Blüte induzieren.
- Vermehrung: Im Hobby über Kindelbildung. Aussaat ist kompliziert, da ein symbiontischer Pilz für die Keimung benötigt wird. Gärtnerisch wird im Labor über Meristeme vermehrt.
- Schädlinge: Vor allem Woll-/Schmier- und Blattläuse, Thripse und Spinnmilben (letztere oft bei zu geringer Luftfeuchtigkeit). Pilzbefall bei zu hoher Feuchtigkeit oder Staunässe (vor allem an den Wurzeln und im Herz).
- Blüte: Induktion über Trocken- oder Hungerperioden, teilweise auch Nachtabsenkung der Temperatur. Sollte die Traube dann verblüht sein, lässt sich der noch grüne, frische Blütentrieb einkürzen (z.B. auf drei Augen), um eine Verzweigung und damit eine erneute Blüte hervorzurufen.

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