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Sind die Camponotus herculeanus wirklich sooooo langsam?

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kartodis
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#1 Sind die Camponotus herculeanus wirklich sooooo langsam?

Beitrag von kartodis » 17. September 2020, 14:01

Hallo zusammen,

nachdem vor zwei Jahren meiner erste Kolonie Camponotus herculeanus den Winterschlaf leider nicht überstanden hat (vermutlich zu warm), startete ich diesen Sommer einen zweiten Versuch.

Am 03.07. zog eine Königin mit 5 Arbeiterinnen und zwei Larven ein. Da ich von meinem ersten Versuch noch die Arena und das Korknest hatte, legte ich das Reagenzglas direkt in die Arena. Nach ein paar Tagen sind sie dann auch schon ins Nest umgezogen.

Nun bin ich mir aber nicht sicher, ob wirklich alles in Ordnung ist. Die erste Larve war irgendwann nicht mehr da und ich vermute mal, dass sie verspeist wurde. Die zweite liegt nach wie vor bei der Königin, allerdings hätte da ja auch schon mal was passieren müssen. Deswegen gehe ich mal davon aus, dass sie tot ist?

Ist es möglich, dass vor der Winterruhe nichts mehr passiert und sie erst wieder im neuen Jahr Eier legt? Ansonsten sehen sie fit aus. Wasser, Fliegen und Honigwasser wird angenommen, wenn auch selten zu beobachten. Wenn das eurer Meinung nach normal ist, würde ich mich freuen. Wenn nicht, wäre ich über Hinweise dankbar.

Viele Grüße

Frank

Edit: Kann es sein, dass bereits die Winterruhe vorbereitet wird und langsam aber sicher alles heruntergefahren wird?

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Maddio

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#2 Sind die Camponotus Herculeanus wirklich sooooo langsam?

Beitrag von Maddio » 17. September 2020, 15:46

Hi Frank,
kartodis hat geschrieben:
17. September 2020, 14:01
Ist es möglich, dass vor der Winterruhe nichts mehr passiert und sie erst wieder im neuen Jahr Eier legt?
Ja, das ist absolut möglich.

Mir ist jetzt nicht ganz klar, wie du an die Kolonie gekommen bist. C. herculeanus schwärmt ja im Frühjahr. Daher gehe ich davon aus, dass du sie gekauft und nicht gesammelt hast, wenn sie erst im Juli zu dir gekommen ist. Richtig?

Wenn sie es also im Gründungsjahr schon zu 5 Arbeiterinnen geschafft hat, ist das grundsätzlich eine tolle Leistung und es besteht kein Anlass, sich zu sorgen.
kartodis hat geschrieben:
17. September 2020, 14:01
Edit: Kann es sein, dass bereits die Winterruhe vorbereitet wird und langsam aber sicher alles heruntergefahren wird?
Das ist zu dieser Zeit des Jahres so. Ich bin auch im Begriff, meine Kolonien einzuwintern. Ob jetzt Ende September oder Anfang Oktober macht nicht den großen Unterschied, aber ja, du kannst damit beginnen, schrittweise die Winterruhe einzuleiten.

Als Aussicht für das nächste Jahr solltest du die Erwartungen allerdings nicht zu hochschrauben. Da wird auch noch nicht so viel passieren. Ich sage das jetzt nicht, um dich zu entmutigen, aber das ist bei den großen einheimischen Camponotus nunmal so.

Bei meinen C. herculeanus hat sich im zweiten Jahr nichts Wesentliches getan. Es sind einige Arbeiterinnen hinzu gekommen; die Aktivität in der Arena ist aber immer noch extrem gering. So ab der dritten Saison wird es dann langsam interessant und die Aussenaktivität nimmt enorm zu.

Es ist also Geduld gefragt, dafür wird man dann nach einigen Jahren mit dutzenden Majoren im Außendienst belohnt!

LG Maddio

kartodis
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#3 Sind die Camponotus Herculeanus wirklich sooooo langsam?

Beitrag von kartodis » 17. September 2020, 16:33

Maddio hat geschrieben:
17. September 2020, 15:46
Hi Frank,

Mir ist jetzt nicht ganz klar, wie du an die Kolonie gekommen bist. C. herculeanus schwärmt ja im Frühjahr. Daher gehe ich davon aus, dass du sie gekauft und nicht gesammelt hast, wenn sie erst im Juli zu dir gekommen ist. Richtig?
Richtig, nachdem ich keine "Schwärmerinnen" gefunden habe, habe ich dann doch bestellt.
Maddio hat geschrieben:
17. September 2020, 15:46
Wenn sie es also im Gründungsjahr schon zu 5 Arbeiterinnen geschafft hat, ist das grundsätzlich eine tolle Leistung und es besteht kein Anlass, sich zu sorgen.
Na das freut mich doch zu hören. Als ich eben nach Hause gekommen bin, war eine Arbeiterin auch wieder am trinken. Also ganz wollen sie sich noch nicht zur Ruhe begeben.
Bin eben ein gebranntes Kind und habe etwas Angst davor, dass es wieder schief geht. Vor allem, weil eben eins der beiden Eier verschwunden ist.
Maddio hat geschrieben:
17. September 2020, 15:46
Das ist zu dieser Zeit des Jahres so. Ich bin auch im Begriff, meine Kolonien einzuwintern. Ob jetzt Ende September oder Anfang Oktober macht nicht den großen Unterschied, aber ja, du kannst damit beginnen, schrittweise die Winterruhe einzuleiten.
Ich warte noch etwas ab, bis wirklich noch mehr Ruhe einkehrt. Also bis auch keiner mehr zum Wasser kommt.
Maddio hat geschrieben:
17. September 2020, 15:46
Als Aussicht für das nächste Jahr solltest du die Erwartungen allerdings nicht zu hochschrauben. Da wird auch noch nicht so viel passieren. Ich sage das jetzt nicht, um dich zu entmutigen, aber das ist bei den großen einheimischen Camponotus nunmal so.
Da bin ich eigentlich ganz geduldig und das war mir auch bewusst. Mache mir nur etwas zu schnell Sorgen:)


Danke dir für deine Antworten. :) 1)
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#4 Sind die Camponotus herculeanus wirklich sooooo langsam?

Beitrag von Maddio » 17. September 2020, 18:54

kartodis hat geschrieben:
17. September 2020, 16:33
Richtig, nachdem ich keine "Schwärmerinnen" gefunden habe, habe ich dann doch bestellt.
Falls es dich tröstet, ich habe auch noch keine Camponotus-Königin in der Natur gefunden. Bei mir im Flachland sind diese Arten einfach nicht aufzufinden. Immerhin habe ich dieses Jahr im Sauerland "meine" erste C. herculeanus-Kolonie in NRW im Freiland gefunden. Ich hatte schon fast nicht mehr dran geglaubt, die noch bei uns zu finden.
kartodis hat geschrieben:
17. September 2020, 16:33
Na das freut mich doch zu hören. Als ich eben nach Hause gekommen bin, war eine Arbeiterin auch wieder am trinken. Also ganz wollen sie sich noch nicht zur Ruhe begeben.
Bin eben ein gebranntes Kind und habe etwas Angst davor, dass es wieder schief geht. Vor allem, weil eben eins der beiden Eier verschwunden ist.
In der Regel wird nur mit Larven überwintert, nicht mit Eiern oder Puppen. Es schadet sicher nicht, noch 1-2 Wochen zu warten, aber dann sollten sie eingewintert werden.

Wichtig bei der Überwinterung sind folgende Dinge:
1. Die Ameisen schrittweise an die Kälte gewöhnen. Laut Seifert soll C. herculeanus bis zu -38,5°C ertragen können, ist also extrem frosthart. Aber eben nicht von einem Moment auf den anderen, sondern die Ameisen müssen sich auf die Kälte vorbereiten können.

2. Die Ameisen müssen Zugang zu Wasser haben. Gründerkolonien lassen sich optimal im RG-Nest mit Wassertank überwintern. Wenn ich das richtig verstehe, sind deine schon im Korknest, da solltest du darauf achten, dass sie Zugang zu einer Tränke haben und die Luftfeuchtigkeit insgesamt nicht zu niedrig ist. Da können auch schon simple Dinge wie ein Deckel (mit Luftlöchern!) auf der Anlage helfen, dass es nicht zu trocken wird. Insgesamt ist C. herculeanus aber recht unempfindlich gegen Austrocknen, Gattungen wie Myrmica sind da wesentlich empfindlicher.

3. Staunässe vermeiden. Es dürfen sich vor allem im Nest keine großen Pfützen bilden, um ein Ertrinken zu verhindern.
kartodis hat geschrieben:
17. September 2020, 16:33
Da bin ich eigentlich ganz geduldig und das war mir auch bewusst. Mache mir nur etwas zu schnell Sorgen:)
Das sind schon mal gute Voraussetzungen. Ich muss da immer an die japanische Kultur denken, wo oft von jungen Männern Käfer herangezogen werden, die mitunter mehrere Jahre bis zum Imago brauchen. So soll dort Geduld gelehrt werden, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Und wir halten halt Rossameisen 1)

LG Maddio

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