Erfahrungssammlung zu Ausbruchschutz

Wo braucht Ihr Hilfe, was an Fragen Eurer Ameisenhaltung möchtet Ihr diskutieren?
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Lidragon11
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#1 Erfahrungssammlung zu Ausbruchschutz

Beitrag von Lidragon11 » 18. Februar 2026, 23:38

Hallo zusammen,

mir scheint, dass der Ausbruchsschutz einer der wichtigsten Aspekte bei der Haltung von Ameisen ist. Dazu habe ich bereits einige Wissensartikel sowie vereinzelte Forenbeiträge gelesen, die sehr aufschlussreich waren.
Was mir allerdings noch etwas fehlt, sind praktische Erfahrungsberichte aus dem Alltag, um die verschiedenen Methoden besser einschätzen zu können.
Mich würden insbesondere folgende Punkte interessieren:

  • Welche allgemeine Erfahrungen habt ihr mit den unterschiedlichen Mitteln zum Ausbruchsschutz gemacht? (Teflon, Talkum, Paraffin, Graphit..)

  • Wie lange hält der Ausbruchsschutz bei euch in der Regel? Spricht man eher von Tagen, Wochen oder sogar Monaten?

  • Wie geht ihr vor, wenn der Schutz neu aufgetragen werden muss? Beispielsweise bietet Talkum ja keinen Schutz, solange dieser noch feucht ist.

  • Hat jemand Erfahrung mit Talkum-Alkohol-Gemisch auf Acrylglas, insbesondere im Hinblick auf Verfärbungen oder Spannungsrisse?

  • Wie handhabt ihr Situationen, in denen der Ausbruchsschutz unwirksam geworden ist, ihr aber dennoch den Deckel öffnen müsst – vor allem bei größeren Kolonien?

  • Gibt es irgendwelche Tipps die ihr gerne gekannt hättet als ihr angefangen habt?

Ich würde mich über eure Erfahrungsberichte und Tipps freuen und hoffe ich habe nicht irgendwo doch noch den Beitrag überlesen wo dies bereits alles Thematisiert wurde.

Beste Grüsse
Lidragon

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Veiget
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#2 Erfahrungssammlung zu Ausbruchschutz

Beitrag von Veiget » 19. Februar 2026, 05:40

Moin,

super Thema! =)*202

Gerade für Einsteiger ist das sehr interessant und hat bei mir am Anfang auch für große Fragezeichen gesorgt.

Letztendlich habe ich selber rum probiert.

Ich halte unterschiedliche Arten und habe beides, also Talkum und Öl (Paraffin) getestet.

Wie du es schon geschrieben hast, kann man Talkum auf unterschiedlichen Weisen auftragen und anmischen.

  • Trocken aufbringen war für mich immer doppelte Arbeit. Viel an Talkum ist direkt in die Arena gefallen und hat dafür gesorgt, dass ich anschließend die Arena etwas säubern musste. Schädlich soll es nicht sein, aber es ist unansehnlich.

  • Mit Wasser/ Isopropanol mischen war dann für mich die die Wahl was Talkum angeht.

Beides hat stark unterschiedliche Trocknungszeiten. Talkum mit Iso. habe ich ausschließlich zum Erstanstrich verwendet, da ich den Kolonien die Ausdünstungen ersparen wollte.
Zum schnellen ausbessern in einem kleinen Bereich, wird das denke ich kein Problem sein - Formicarium offen lassen!

Talkum hat Monate gehalten. Man konnte am Boden sehr gut die Ablaufspuren sehen, weil je größer die Kolonie wird, desto mehr versuchen neue Wege zu finden.

In Becken mit hoher Luftfeuchtigkeit braucht man Talkum gar nicht verwenden - So zumindest meine Erfahrung. Es bindet sehr schnell und ist dann unwirksam.

Letztendlich bin ich zum Öl gewechselt, da es mir persönlich einfacher fällt es aufzutragen und sorgt für weniger aufräumen. Wenn Talkum angemischt ist, ist es eine dickflüssige Paste die undurchsichtig ist und nimmt je nachdem wie breit man es macht, viel Sicht weg. Ich persönlich finde es auch nicht schön.

  • Beim Öl (Paraffin) ist alles irgendwie leichter. Da würde ich es aber abhängig von der Art machen, wie häufig man erneuern muss. Es gibt denke ich keine Faustformel. Kolonien werden unterschiedlich stark agieren.

Paraffinöl kann beim zuviel auftragen Tropfen bilden, die dann die Scheibe runter laufen. Ähnlich wie beim malen.

Ich erneuere das Öl sporadisch alle 2-3 Monate leicht. Ausnahme sind zu starke Verschmutzungen, da komme ich gleich noch zu.

Ausnahmen mache ich bei Tetraponera und Pheidole. Die bekommen weniger als 4 Wochen.

Meine Tetraponera rufonigra Kolonie zeigt mir sehr stark wann und wo das Öl nachlässt. Da lasse ich auch sofort alles stehen und liegen und habe immer das Öl und Pinsel bereit. :lol:

Mit weitem Abstand sind meine Pheidole sinica die Superhelden, was das Testen angeht. Die Kleinen Biester konnten über Talkum laufen! Ich habe es sehr häufig live beobachten können. Vielleicht habe ich beim Auftragen ein Fehler gemacht ... Ich habe Trocken und das Gemisch getestet, beides haben sie überwunden.

Ich bin zum Paraffinöl zügig gewechselt, was sie etwas länger aufhält. Das Problem beim Wechsel und einer sehr aktiven Kolonie ist, dass man am besten ein Ersatz Formicarium parat haben sollte. So habe ich es gehandhabt: Stopfen in den Schlauch, altes ab und neues ran. So konnte die Kolonie normal agieren. Die verbliebenen Ameisen mit einer Federstahl Pinzette ins neue übertragen. Pinsel ging auch gut bei super aggressiven Pheidolen. Sie haben den Pinsel als Feind angesehen und haben sich wie ein Terrier dran festgebissen.
Das Loslassen war dann immer ein Problem.

Meine Pheidole sinica überwinden aber mittlerweile auch das Öl indem sie fein säuberlich einen Weg mit Sandkörner oder Dreck/ Abfall bauen. Ich durfte vor kurzem bei den kleinen Biestern den ersten Ausbruch notieren. Die Damen hatten wohl großen Hunger. :D
Das war aber auch ein Zeichen, dass das Öl an der Stelle nachgelassen hat.

Neu einstreichen sehe ich weniger als Problem. Ich habe bei den meisten Formicarien ein Rahmen drauf. Lediglich manchmal eine Ameise am Schwamm nach dem auftragen.
Bei Tetraponera ist dann wieder Vorsicht geboten.

Ich habe viel Hobbyglas (Polystyrol) verwendet. Da habe ich bislang aber nur mit Paraffinöl Erfahrungen gemacht.
Gerade an Stellen wo auch der Kleber ist, verfärbt es sich leicht milchig durch das Öl.

Langer Text ... ich bin sehr gespannt auf weitere Erfahrungen der User.

Gruß Patrick

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#3 Erfahrungssammlung zu Ausbruchschutz

Beitrag von di4per » 19. Februar 2026, 07:08

Ich mache es kurz:
Für mich ist ganz klar Paraffinöl der Favorit. Dezent und flink aufgetragen. Weniger ist mehr. Wenn es runterläuft, war es zu viel zu viel. Lücken erkennt man nicht so leicht. Man sollte je nach Oberfläche und Koloniegröße eine Routine entwickeln, das regelmäßig zu erneuern. Es staubt bei offenen Behältern auch an vertikalen Wänden ein. Mit Rahmen hat man das Problem natürlich nicht.

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#4 Erfahrungssammlung zu Ausbruchschutz

Beitrag von Tara » 19. Februar 2026, 08:03

Ich benutze das Öl vom Antstore. Talkum hatte nicht mal eine Woche gehalten und ich hab nicht den Nerv, das dauernd zu erneuern. Das Öl erneuere ich etwas alle 6 Monate

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#5 Erfahrungssammlung zu Ausbruchschutz

Beitrag von Erne » 19. Februar 2026, 12:09

So wichtig und notwendig ein Ausbruchsschutz für viele Ameisenarten ist, so schwierig ist es, Beurteilungen abzugeben, was wirkt und wie lange der Ausbruchsschutz das macht, wofür er gedacht ist.
Neben Wirksamkeit und Wirkungsdauer zählen für mich die Handhabung der Mittel.

Talkum kommt bei meinen Ameisen schon lange nicht mehr zur Verwendung.
Unterschiedliche Auftragungsverfahren haben nicht bewirkt, dass Ameisenarten, die ausbruchsfreudiger sind, davon abgehalten werden.
Einige sind einfach drüber gelaufen oder haben durch anhaltende Versuche die Talkumschicht abgetragen.
Bei Arten, die höhere Feuchtigkeit benötigen, versagt Talkum gerne, das Zeug wird klebrig.
Ein weiteres Manko, bei einer anstehenden Erneuerung der Schicht muss die alte möglichst vollständig entfernt werden, sonst ist der Neuauftrag oftmals zu uneben.
Handhabungen, die bei größeren Völkern mit schnellen Ameisenarten so gut wie unmöglich sind, gibt es zu viele Ameisen, die gerne mithelfen, mit anderen Worten, die Gelegenheit für Ausbrüche nutzen.

Paraffinöl ist von der Handhabung für mich deutlich einfacher.
Das alte, noch vorhandene Öl muss nicht zwangsläufig vor einem Neuauftrag entfernt werden.
Mit einem getränkten Tuch oder Tupfer wird über das noch vorhandene alte Öl gewischt.
Reste des alten Öls werden damit neu verteilt, neues wird aufgetragen und Schmutz wird entfernt.

Allerdings läuft das auch nicht unbedingt ohne Probleme ab.
Ameisen mit aggressivem Verhalten verkleben dabei im Tuch/Tupfer und sind verloren.
Es gibt Ameisenarten, wie die zum Beispiel die angesprochenen Tetraponera rufonigra, wo man auf die Finger achten muss, da sie sonst gestochen werden.

Als Allheilmittel erweist sich Paraffinöl auch nicht.
Das kann daran liegen, dass das Öl nicht lückenfrei aufgetragen ist, besonders bei kräftigerem Auftrag läuft es zusammen und kann Lücken bilden.
Ein gelungener, dünner Auftrag hilft auch nicht immer zuverlässig da sind mir selbst schon Lasius niger mehrfach ausgebrochen.
Wie überhaupt bei einigen Arten ein dünner Auftrag Ausbrüche nicht sonderlich verhindert.
Da hat sich ein richtig dicker Auftrag als wirksamer erwiesen.
Nicht unbedingt, dass sie vorm Rüberlaufen abgehalten wurden, eher weil sie darin verklebt sind.

Deutlich bessere Erfahrungen mache ich mit einem oben am Becken nach innen umlaufenden Rand, der von unten mit Paraffinöl behandelt ist.
Dabei kann der Auftrag auch etwas dicker sein, ohne dass das Zeug wie sonst gerne den Rand herunterläuft.
Wenn auch gut wirksam, ist das der Weisheit letzter Schluss nicht, Arten wie z. B. Pheidole pallidula, Pheidole sinica, Cearbera diversa überwinden auch solche Maßnahmen.
Jegliche Partikel, die sie bewegen können, werden ins Öl verklebt, bis sie darüber laufen können, durchaus können das auch Ameisen sein.
Letztendlich hilft da nur ein Gitterdeckel mit all den Unpässlichkeiten bei erforderlichen Handhabungen in der Anlage.

Letztendlich zu bewerten, welcher Schutz brauchbar ist und wie lange er hält, aus meiner Sicht lässt sich das nur für einen speziellen Fall beantworten und ist nicht zu verallgemeinern.
Ameisenarten verhalten sich unterschiedlich, darunter auch Arten, die nicht an Glaswänden laufen können.

  • Die Anzahl der vorhandenen Arbeiterinnen

  • Die Bewegungs- und Erkundungsdrang der Ameisenart

  • Die Futterversorgung

  • Der Brutstatus

  • Klimatische Verhältnisse

  • Gestaltung der Anlage

  • Wissen und Erfahrung mit Ausbruchsschutz Anwendung

  • Die Sorgfalt, mit der der Ausbruchsschutz aufgetragen und überwacht wird

  • Unterschiede des verwendeten Mittels, unterschiedliches Talkum, unterschiedliche Viskosität der Öle

Alles Begebenheiten die zu anderen Ergebnissen führen.

Eine überaus umfangreiche, wichtige und interessante Thematik.

Wolfgang

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Joachim

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#6 Erfahrungssammlung zu Ausbruchschutz

Beitrag von Joachim » 19. Februar 2026, 12:38

Wahrscheinlich bin ich auch seit 25 Jahren so ziemlich der einzige, der Wassergräben als primären Ausbruchschutz verwendet. Dieser ist nicht für alle Ameisen geeignet, aktive Formica oder Camponotus z.b. (wie nicos) lernen über das Wasser zu laufen und man hat immer wieder Ausbrecher oder Ameisen die versuchen durch das Wasser zu laufen und ertrinken. Für andere Ameisen, wie Pheidole oder Odontomachus, stellt es eine absolute Sperre dar die nie überwunden wird.

Mit einer kleinen Pumpe kann man den Wassergraben die ganze Zeit in Bewegung halten, wie einen Bach. Dies ist für die meisten Ameisen nicht zu überwinden und viele versuchen es gar nicht erst. Aber diejenigen Arten, die es versuchen, werden viele Arbeiterinnen im Laufe der Zeit an das Wasser verlieren.

Vorteile:

  • Ein natürlicher Ausbruchschutz ohne Chemie, Öle oder Pulver
  • Die Arena muss kein Glasbecken sein, man kann seine Ameisen "frei" auf einer Insel halten
  • Es bietet eine ständige Wasserquelle
  • Das Wasser wird als Mülldeponie benutzt, das ist für einen Aquarianer wie mich ein Vorteil, kann aber für andere ein Nachteil sein. Durch wöchentliches Absaugen und Wechseln des Wassers kann man leicht allen Dreck entfernen. Macht man das aber nicht, kann das Wasser selbst mit einer Pumpe umkippen und riechen.

Nachteile:

  • Man muss die Arena dafür auslegen, es braucht einiges an Platz und Technik
  • Schöne Tropenbecken mit Pflanzen sind hier nicht machbar
  • Nicht für Arten geeignet, die regelmäßig einen Übertritt versuchen

Ein Wassergraben ist sehr inkonsistent, je nachdem welche Art man hat, oder was man erreichen möchte. Ich benutze ihn heute noch weil so eine Insel einfach zu bauen ist und man damit gut Kolonien bis auf eine gewisse Größe aufziehen kann, ohne sich zu viele Sorgen zu machen. Eine große Kolonie mit mehreren tausend Arbeiterinnen, besonders größere und gut organisierte Ameisen wie Formica oder Camponotus, werden auf Kosten vieler Arbeiter Wege suchen, diesen Graben zu überwinden. Das schließt übrigens auch den Bau von Brücken ein, den ich bei Camponotus nicobarensis ständig beobachte.

Am Ende bekommt der Wassergraben mit Pumpe daher nur eine 5/10 von mir.

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#7 Erfahrungssammlung zu Ausbruchschutz

Beitrag von Lidragon11 » 19. Februar 2026, 18:21

Vielen Dank für die informativen Beiträge!

Mir geht es nicht zwingend darum, DEN perfekten Ausbruchschutz zu benennen. Vielmehr ein Gefühl und Beispiele zu bekommen die jemandem wie mir helfen die verschiedenen Optionen und Situationen besser einschätzen zu können.
Mir persönlich bringt das viel mehr, als ein einfaches: "Hier, das sind die Moglichkeiten. Mach mal wie du denkst und lerne."
So kann ich von euren Erfahrungen lernen und dann hoffentlich bei meinen ersten Schwierigkeiten gezielter agieren.

Beste Grüsse
Lidragon

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