Fragen eines "Wieder-Einsteigers"

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Vespa Crabro
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#1 Fragen eines "Wieder-Einsteigers"

Beitrag von Vespa Crabro » 9. Februar 2014, 11:18

Hallo Forum,

Seit ich 2010 überhaupt angefangen habe, mich in das Thema Ameisenhaltung einzulesen (davor wusste ich nicht einmal, dass außerhalb von Forschungseinrichtungen "gehalten" werden), hatte ich 2 Anläufe, die leider scheiterten. Es handelte sich jeweils um C. ligniperdus und C. herculeanus.

Das erste Mal starb mir die Kolonie während der Winterruhe, die Ameisen hatten sich zu tief in den Ytong verzogen und sind wohl, aufgrund der zu schlechten Wasserversorgung, eingegangen. Jetzt beim 2. Mal sind sie wieder während der Winterruhe (die 3. seit 2011) gestorben. Das Problem war, dass die Ameisen partout nicht aus ihrem Reagenzglas wollten, obwohl ein geräumiges Ytong-Nest bereit stand, sie haben sogar die Watte (und somit den Wasserspeicher) heraus getragen und sind in der trockenen Behausung geblieben.

Meine Gegenmaßnahme im Bezug auf das Austrockenen (die 2012/13 auch wunderbar funktionierte), sah so aus, dass ich einfach Seramis großzügig um und am Eingang ausgestreut und das immer mal wieder befeuchtet habe. Die Saison 2013 waren die Tiere ganz besonders inaktiv, haben so gut wie nie Nahrung angenommen, lebten aber. Woran sie jetzt gestorben sind, kann ich nicht sagen.

So viel zur langen Vorgeschichte. Ich hatte mir damals Dinge angelesen, die ich schlüssig fand und nie angezweifelt habe. Das war zum einen der häufige Hinweis, dass man Ameisen nicht zum Umzug "zwingen" darf, über Auskippen o.ä.. Die andere Geschichte war die, dass man sie während der Winterruhe nicht füttern soll, weil das den Tieren suggeriert, der Winter ist vorbei. Gegen letzteres habe ich neulich hier Widerspruch gelesen, gegen ersteres direkt im ameisenwiki. Der Schluss lautete also laienhaft formuliert "Im Winter schlafen die Tiere, lass sie in Ruhe und befeuchte nur hin und wieder mal".

Fragen:

Wie genau sieht nun die Kontrolle von Ameisen während der Winterruhe aus? Was darf man, was sollte man tunlichst vermeiden, wie "krass" darf der Eingriff ausfallen? Die wenigen Tiere, die ich im Herbst in die Winterruhe schickte, haben sonst keine Auffälligkeiten in Form von ziellosem Herumlaufen in der Arena gezeigt. Wie wichtig ist zudem die Qualität der Umgebungsluft? Ich überwintere sie im dunklen Keller, der leider während des milden Winters auch nicht kälter als 14° wurde, bei sonstiger "Ruhe" und aufgrund der Tatsache, dass diese Art einen endogenen Rythmus hat, habe ich da nie die großen Bedenken gehabt. Die Luftfeuchtigkeit ist im Keller höher, als die von vielen Quellen empfohlenen 50% aber das bezieht sich doch so weit ich weiss (und mir nur logisch erklären kann) auf die beste Luftfeuchtigkeit während der aktiven Phase. Reagieren sie dann vielleicht doch auf diese Feuchtigkeit derart empfindlich, dass sie daran zugrunde gehen können? "Atmen" sie dann das Wasser aus der Luft ein und "ersticken"?

Damit zunächst genug...

DermitderMeise
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#2 AW: Fragen eines "Wieder-Einsteigers"

Beitrag von DermitderMeise » 9. Februar 2014, 17:08

Hallo VC,
danke für deine ehrlichen Worte, denn so geht es wahrscheinlich deutlich mehr Ameisenhaltern - wir sprechen verständlicherweise nur nicht gerne darüber... :(

Vespa Crabro hat geschrieben:dass man Ameisen nicht zum Umzug "zwingen" darf, über Auskippen o.ä..

Ja, dieses Credo habe ich auch einige Zeit befolgt; allerdings nach einem Schlüsselereignis vermehrt von dem beschleunigten Verfahren ("Reagenglasklaps") Gebrauch gemacht. Während ich es immer noch unangenehm finde eine Kolonie so durchzumischen und es es deswegen vermeide, sofern möglich, ist so ein Todesfall danach nicht wieder aufgetreten, mit einer unglücklichen Ausnahme die ich so nicht vorhersah.

Die andere Geschichte war die, dass man sie während der Winterruhe nicht füttern soll, weil das den Tieren suggeriert, der Winter ist vorbei.

Hm, dass dadurch die Winterempfindung getrübt wird denke ich nicht, es kommt nur zu einem Zeitpunkt wo die Tiere physiologisch nicht darauf eingestellt sind und es einfach nicht brauchen - warum sollte ich mein Kaninchen mitten in der Nacht wecken damit es etwas frisst? Das kann und wird es genauso gut dann machen, wenn es möglich und nötig ist, also in der Aktivitätsphase. Da die Fütterung in der WR grundsätzlich unnötig ist und es in dem kürzlich behandelten Fall um eine Fütterung im Reagenzglas ging empfand ich das noch einmal als verschärft, denn wenn nun einige ausprobierfreudige Neulinge beginnen Honig im RG zu deponieren handeln sie sich damit Probleme ein die sie anders nie gehabt hätten und die damit völlig vermeidbar gewesen wären (konkret: verschmierter Honig/Zucker, Schimmel, festgeklebte Ameisen).

Und zu deinen eigentlichen
Fragen:

Wie genau sieht nun die Kontrolle von Ameisen während der Winterruhe aus?

Das handhabt wohl jede/r ein wenig unterschiedlich, hier haben wir uns kürzlich dazu ausgetauscht.

was sollte man tunlichst vermeiden

Austrocknen und Überschwemmen.

wie "krass" darf der Eingriff ausfallen? Die

Da wäre die Frage was du unter "krass" verstehst. Ein mehrmaliges Hin- und Herrollen z. B. eines RG um schwer einsehbare Ecken kontrollieren zu können wird jedenfalls gut vertragen, ebenso ein händisches Umschütten (aus der Kälte in die Kälte, dann gibt es auch nur wenig Aufregung). Man sollte dann aber aufpassen dass die Brut nicht verstreut wird, denn die Fähigkeit zur Fürsorge ist im Winter begrenzt.

Ich überwintere sie im dunklen Keller, der leider während des milden Winters auch nicht kälter als 14° wurde, bei sonstiger "Ruhe" und aufgrund der Tatsache, dass diese Art einen endogenen Rythmus hat, habe ich da nie die großen Bedenken gehabt.

Das ist trotzdem ein Knackpunkt, denn auch wenn die Ameisen endogen auf Ruhestoffwechsel umstellen ist und bleibt der Grundumsatz temperaturabhängig; gegen physikalische und chemische Grundsätzlichkeiten sind auch soziale Insekten machtlos. ;) Bei 14 °C verbrauchen sie also (deutlich? - müsst man genauer untersuchen) mehr Energie als bei 4 °C.

Die Luftfeuchtigkeit ist im Keller höher, als die von vielen Quellen empfohlenen 50% aber das bezieht sich doch so weit ich weiss (und mir nur logisch erklären kann) auf die beste Luftfeuchtigkeit während der aktiven Phase.

..und in der Arena! Im Nest messen schon aus technischen Gründen nur wenige Halter; ich halte das auch für unnötig, solange die Ameisen dort selbst einen Ort mit geeigneter Luftfeuchte auswählen können - denn das werden sie tun (außerhalb der Ruhephase)!
In der WR hat sich auch bei mir die von Merkur empfohlene Lösung bewährt, im gesamten "Überwinterungsraum" durch Verdunstung eine hohe Luftfeuchte zu schaffen. Mit dem Seramis hast du das im Prinzip auch getan, daher kann ich da keinen Fehler erkennen.

Reagieren sie dann vielleicht doch auf diese Feuchtigkeit derart empfindlich, dass sie daran zugrunde gehen können? "Atmen" sie dann das Wasser aus der Luft ein und "ersticken"?

Nein, dann müssten in der Natur nach mehreren regennassen Tagen reihenweise Kolonien "umkippen" - das habe ich aber noch nicht beobachtet.

So weit, so schlecht, so rätselhaft - in dem Totentafel-Thema sieht man, dass die Todesursache bei einigen Kolonien unklar ist und leider auch bleibt. Damit muss man in diesem Hobby anscheinend zurecht kommen. :(

Vespa Crabro
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#3 AW: Fragen eines "Wieder-Einsteigers"

Beitrag von Vespa Crabro » 9. Februar 2014, 19:24

Hallo,

danke zunächst für deine ausführliche Antwort.

Während ich es immer noch unangenehm finde eine Kolonie so durchzumischen und es es deswegen vermeide, sofern möglich, ist so ein Todesfall danach nicht wieder aufgetreten, mit einer unglücklichen Ausnahme die ich so nicht vorhersah.
Ich fand es seit jeher nachvollziehbar, dass man ein im Prinzip "dauerträchtiges" Tier, wie eine Ameisenkönigin, nicht in Form von direktem "Heraus-ekeln" unter Stress setzen darf. Anders herum kann in der freien Natur natürlich durchaus auch mal ein Wildschwein o.ä. Getier durch Wühlen eine Ameisenkolonie derart stören, dass auch die Königin was "abbekommt". Bei direktem Kontakt mit wühlenden Pfoten/Klauen, etc., wird sie zwar in aller Regel tot sein aber "offen" legen ihres Aufenthaltsortes wird sicher auch ab und an "da draussen" stattfinden.

Dieses "Klopfen" hatte ich tatsächlich probiert, um zu "stören", nicht, um die Tiere in Panik zu versetzen. Hat aber wie erwähnt alles nichts gebracht.

Da die Fütterung in der WR grundsätzlich unnötig ist und es in dem kürzlich behandelten Fall um eine Fütterung im Reagenzglas ging empfand ich das noch einmal als verschärft, denn wenn nun einige ausprobierfreudige Neulinge beginnen Honig im RG zu deponieren handeln sie sich damit Probleme ein die sie anders nie gehabt hätten und die damit völlig vermeidbar gewesen wären (konkret: verschmierter Honig/Zucker, Schimmel, festgeklebte Ameisen).
Mir ging es dabei um die Frage, ob die Tiere vielleicht eigentlich Futter gebraucht hätten, weil sie eben doch nicht wirklich in der Winterruhe sind und ob es hier sinnvoll gewesen wäre, was bereit zu stellen, bzw., sogar doch nah an das Reagenzglas zu legen, sodass sie es "wittern" und sich holen. Die Regungslosigkeit der Ameisen war nur für mich Anzeichen, dass da kein Bedarf herrscht.

Da wäre die Frage was du unter "krass" verstehst.
Zugegeben, das war zu allgemein formuliert. Unter "krass" verstehe ich dann doch z.B. das bewusste Bewegen des Reagenzglases, um Reaktionen zu überprüfen, starke Tempererhöhungen, Anleuchten und eben auch das Bereitstellen von Futter.

Das ist trotzdem ein Knackpunkt, denn auch wenn die Ameisen endogen auf Ruhestoffwechsel umstellen ist und bleibt der Grundumsatz temperaturabhängig; gegen physikalische und chemische Grundsätzlichkeiten sind auch soziale Insekten machtlos. Bei 14 °C verbrauchen sie also (deutlich? - müsst man genauer untersuchen) mehr Energie als bei 4 °C.
Gut, damit hatte ich tatsächlich nicht gerechnet. Ich hatte das mit dem endogenen Rythmus so verstanden, dass die Tiere den Kreislauf komplett temperaturunabhängig "runter fahren". Wenn da trotz der eigentlichen Inaktivität dann doch ein anderer Grundumsatz herrscht, sind sie eventuell doch "verhungert"? Die Nahrungsaufnahme war wirklich das ganze Jahr 2013 so gut wie gar nicht vorhanden, erinnere mich gut daran, dass ich Honig-Tropfen oder auch gespendete Insekten öfters mal von der Petrischale wegputzen musste (Schimmel), bzw., wegen Austrocknung der Kadaver wieder entfernt habe.

Noch eine Frage am Rande wegen Einsteiger-Tauglichkeit:

C. herculeanus bzw. C. ligniperdus werden als einsteigerfreundlich eingestuft, oftmals deswegen, weil sie "langsam" in der Zahl wachsen und man sie so gut überschauen kann. Mir scheint das im Nachhinein anders herum auch als mögliches Problem, je länger die als kleine Kolonie verharren, desto eher könnte ich mir vorstellen, dass sie "reservierter" handeln und man dadurch Mängel oder Krankheiten schlechter/später erkennt?

the chekar
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#4 AW: Fragen eines "Wieder-Einsteigers"

Beitrag von the chekar » 9. Februar 2014, 20:14

Hallo
bezüglich deiner letzten Frage.
Meine erste Kolonie war auch C. herculeanus.
Hatte sie damals (vor ca. 2 Jahren) von einem User aus dem Forum gekauft.
Am Anfang fing auch alles gut an es gab 3 Larven 1 Königin und 3 Arbeiterinnen.
Doch eine Nacht brach mir eine Arbeiterin aus und ich fand sie nie wieder.
Die Kolonie entwickelte sich nicht mehr und ging schließlich ein.

Dann letztes jahr fing ich eine Königin (Lasius niger) beim Schwarmflug und bin jetzt bei ca. 60 Arbeiterinnen.
Musste sie früher aus der Winterruhe nehmen weil sie sehr aktiv wahren und auf meinem Dachboden über 15 °C herschen.
Im Moment sieht es gut aus hoffe die verkürzte Winterruhe macht ihnen nichts aus :).

Mfg the chekar
Halter von
Lasius niger

DermitderMeise
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#5 AW: Fragen eines "Wieder-Einsteigers"

Beitrag von DermitderMeise » 9. Februar 2014, 22:04

Gerne, dazu haben wir ja dieses Forum! :)

Vespa Crabro hat geschrieben:Zugegeben, das war zu allgemein formuliert. Unter "krass" verstehe ich dann doch z.B. das bewusste Bewegen des Reagenzglases, um Reaktionen zu überprüfen, starke Tempererhöhungen, Anleuchten und eben auch das Bereitstellen von Futter.

Dann sehen wir das ähnlich! Man muss es natürlich auf die Situation beziehen: Wenn man eine Kolonie im Sommer durch Temperaturerhöhung/Licht zum Umzug animiert, z. B. indem man eine kleine Lampe ins Nest leuchten lässt, ist das eine Situation mit der Ameisen umgehen können. Das mit einer Kolonie in der Winterruhe zu veranstalten wäre dagegen schon voll krass, denn die kann darauf nicht angemessen reagieren. Anders herum löst man eine wilde Abwehrreaktion aus wenn man das RG im Sommer herumdrehen würde, bei der sich die Tiere u. U. mit Ameisensäure selbst vernichten; im Winter dagegen kann man das bei einer gekühlten Kolonie ohne Probleme machen, die Tiere purzeln schlimmstenfalls durch die Gegend und laufen noch etwas umher bevor ihnen wieder einfällt dass es kalt ist.

Mir ging es dabei um die Frage, ob die Tiere vielleicht eigentlich Futter gebraucht hätten, weil sie eben doch nicht wirklich in der Winterruhe sind und ob es hier sinnvoll gewesen wäre, was bereit zu stellen, bzw., sogar doch nah an das Reagenzglas zu legen, sodass sie es "wittern" und sich holen. Die Regungslosigkeit der Ameisen war nur für mich Anzeichen, dass da kein Bedarf herrscht.

Ich hatte das mit dem endogenen Rythmus so verstanden, dass die Tiere den Kreislauf komplett temperaturunabhängig "runter fahren".

Das können sie leider nicht, denn die Zellmembran muss "gewartet" werden - und viele andere Dinge die sich in einem lebenden Organismus nicht ausschalten lassen. Spezialisten wie Bärtierchen haben das zwar irgendwie gelöst, aber das hat seinen Preis.
Tiere mit überwiegend endogen gesteuerter WR bringt man durch zu warme Überwinterung in die ungute Situation, dass sie ihre Reserven verbrennen (bei "hoher Temperatur") ohne sie nachfüllen zu können (Bewegung nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich, Futtersuche nicht im Verhaltensprogramm, evtl. auch Verdauen nicht möglich). Die Regungslosigkeit lässt bei überwiegend endogen ruhenden Tieren nicht auf den Sättigungsgrad schließen, da "Hunger" von "Winterruhe" überlagert wird. Ähnlich war es bei meinen oben geschilderten Fällen, in denen die Tiere vertrocknet sind obwohl es Alternativen gab; ein Umzug ist anscheinend ebenfalls nicht möglich, selbst wenn sich einzelne Tiere bewegen.

Wenn da trotz der eigentlichen Inaktivität dann doch ein anderer Grundumsatz herrscht, sind sie eventuell doch "verhungert"?

Das halte ich in Zusammenhang mit der vorherigen mangelnden Nahrungsaufnahe für möglich.
Bzgl. "unerklärbares Gründungsversagen" scheinen die beiden heimischen Camponotus-Arten recht häufig betroffen zu sein, was auch mit den Sammelumständen zu tun haben kann. Nichts Genaues weiß man nicht.

C. herculeanus bzw. C. ligniperdus werden als einsteigerfreundlich eingestuft, oftmals deswegen, weil sie "langsam" in der Zahl wachsen und man sie so gut überschauen kann. Mir scheint das im Nachhinein anders herum auch als mögliches Problem, je länger die als kleine Kolonie verharren, desto eher könnte ich mir vorstellen, dass sie "reservierter" handeln und man dadurch Mängel oder Krankheiten schlechter/später erkennt?

Kann gut sein dass man das schlechte Wachstum dann auf die generell zugesprochene Eigenschaft "Kolonie wächt eben langsam" bezieht anstatt auf Ursachensuche zu gehen... Was das Temperament betrifft, kann ich erfahrungstechnisch nur auf eine Kolonie C. ligniperdus zurückgreifen, die schon mit einer Handvoll Arbeiterinnen leicht rüpelhaft war; ich weiß also nicht inwiefern man das übertragen kann.

Wie geht es bei dir jetzt weiter, noch ein Camponotus-Versuch? Oder in Anbetracht der Umstände eine andere Gattung?

Vespa Crabro
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#6 AW: Fragen eines "Wieder-Einsteigers"

Beitrag von Vespa Crabro » 10. Februar 2014, 11:42

Hallo,

Tiere mit überwiegend endogen gesteuerter WR bringt man durch zu warme Überwinterung in die ungute Situation, dass sie ihre Reserven verbrennen (bei "hoher Temperatur") ohne sie nachfüllen zu können (Bewegung nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich, Futtersuche nicht im Verhaltensprogramm, evtl. auch Verdauen nicht möglich). Die Regungslosigkeit lässt bei überwiegend endogen ruhenden Tieren nicht auf den Sättigungsgrad schließen, da "Hunger" von "Winterruhe" überlagert wird.
Dann lag genau da ein Irrtum bei mir vor. Ich hatte das eben echt so verstanden, dass der "Vorteil" dieser Art dann doch der ist, dass sie das irgendwie lösen können und wenn sie denn in der Winterruhe sind, mehr oder weniger temperaturunabhängig ruhen und auch der Grundumsatz der gleiche ist (von Temperaturen jenseits der 18° jetzt mal abgesehen) und dass sie erst wieder "hochfahren", wenn entsprechende Licht- und Nahrungsverhältnisse gegeben, so wie eine gewisse Zeit abgelaufen ist.

Ich sehe das mit dem endogenen Rythmus daher rückblickend betrachtend, ohne da von meinen Fehlern ablenken zu wollen, als trügerisch an, es macht die Sache im Grunde dann nicht einfacher, denn "gefährlich" ist es also dann doch, die Temperaturen unter 10° nicht einzuhalten. Dann könnte man ebenso gut sagen, die Tiere müssen doch wie "normale" einheimische Arten unbedingt im Kühlschrank o.ä. gelagert werden.

Gerade wenn du sagst, der eigentliche Bedarf an Nahrung wird nicht unbedingt sichbar in Form von Bewegungen. Aber gut, empfohlen wird es ohnehin, auch C. herculeanus, respektive ligniperdus kühl zu überwintern aber nach solchen Erfahrungswerten bin ich der Ansicht, sollte man den endogenen Rythmus als besonderen Vorteil nicht erwähnen.

Bzgl. "unerklärbares Gründungsversagen" scheinen die beiden heimischen Camponotus-Arten recht häufig betroffen zu sein, was auch mit den Sammelumständen zu tun haben kann.
Das ist ein interessanter Wert für die Statistik, denn tatsächlich fühlt man sich da ein wenig "hilflos" und da spreche ich auch gleichzeitig wieder den erwähnten Aspekt der langsamen Entwicklung dieser Tiere an. Zwischen "normaler" Inaktivität aufgrund allgemeiner Sättigung und schwerwiegenden Mängeln, die aufgrund der Schwächung nicht zum Ausdruck gebracht werden, wird man als Anfänger nicht gut unterscheiden können.

Wie geht es bei dir jetzt weiter, noch ein Camponotus-Versuch? Oder in Anbetracht der Umstände eine andere Gattung?
Das ist eine "Gewissensfrage". Im Totentafel-Thema liest man Berichte, dass es oftmals mehr oder weniger "banale" Gründe für das Sterben der Kolonien gibt aber grundsätzlich sage ich immer "Die Fehler anderer entschuldigen nicht die meinen". Da mag ein Vorwurf an die dort schreibenden heraus interpretierbar sein, so ist es aber nicht gemeint.

Ich versuche es nur immer so zu halten: Ich kann mich auch für Dinge begeistern, für die ich kein Talent habe. Dann sehe ich sie mir eben gerne an, führe sie aber nicht selber aus. Mir selbst zuliebe und vorallem zum Schutz der "dritten", die man damit schädigt und das können eben auch Ameisen (Lebewesen) sein. Wenn das mit dem plötzlichen Kolonie-Tod so ungewöhnlich nicht ist, dann liegt es vielleicht nicht nur an mir und ein weiterer Versuch wäre in Betracht zu ziehen. Dann allerdings wieder eine Camponotus-Art, nach Vergleich mit anderen Arten sind das für mich auch nach Ansehen von Videos, wo die Tiere "richtig" gehalten werden, die interessantesten Arten innerhalb der Anfänger-Klasse.

Da dann die Frage zur Koloniegröße, die man sich anschaffen sollte, wenn man Risiken eindämmen will: Bestellt man C. lignierdus mit mehreren Arbeiterinnen, geht das schon "ins Geld". Für seine Interessen soll man natürlich bereit sein, auch mal mehr zu zahlen, das ist klar. Hat es denn nennenswerte Vorteile, wenn man statt 1-4 auch mal 11-25 oder sogar noch mehr Arbeiterinnen dazu bestellt? Oder ist dann der Verdacht zu groß, dass hier u.U. mit Langzeitschäden "nachgeholfen" wurde und ich mir eine Mogelpackung anschaffe?

PS: Die Überwinterung im Kühlschrank hatte ich tatsächlich sogar vor. Nur in einem abgedunkelten Reagenzglas (rote Folie), sind die Tiere dann derart dicht zusammengepackt, dass man ohne sie aus dem Schrank heraus zu holen, nicht sehen kann, was mit ihnen ist. Daher hatte ich immer gewartet, dass sie wenigstens in ein bereit gestelltes Übergangsnest ziehen, bei dem ich schon durch einen mehr oder weniger "flüchtigen" Blick sehen kann, ob sie sich bewegen oder tot sind. Mit dem Bewässern war auch schlecht, da ich ja auf das "Ausdünsten" gesetzt hatte und das im Kühlschrank zu realisieren wäre "abenteuerlich" geworden...

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#7 AW: Fragen eines "Wieder-Einsteigers"

Beitrag von DermitderMeise » 12. Februar 2014, 21:57

Vespa Crabro hat geschrieben:Dann könnte man ebenso gut sagen, die Tiere müssen doch wie "normale" einheimische Arten unbedingt im Kühlschrank o.ä. gelagert werden.

Ja, das würde ich auch durch die Bank weg empfehlen - wenn man nicht ein Experiment vorhat (was mit nur einer oder wenigen Kolonien aber wiederum nicht sinnvoll ist). Allerdings sammeln die Tiere normalerweise so viele Reserven an (nicht mit dieser Art ausprobiert, mit Lasius), dass sie damit trotzdem gut über den Winter kommen, daher vermute ich bei dir die Verkettung unglücklicher Umstände. Zwangsläufig wird unter warmer Überwinterung aber das Durchstarten im nächsten Frühjahr leiden; ein "nachgemessenes" Beispiel dazu findet sich im Ameisenwiki:
Von der Waldameisen-Art Formica aquilonia wurden im Herbst im Freiland gesammelte Arbeiterinnen bei +1 und +7 °C überwintert. Es stellte sich heraus, dass in der Gruppe der wärmer überwinterten Tiere der Fettkörperschwund größer war (wegen höherem Energiebedarf) und die Sterblichkeit höher lag als in der Vergleichsgruppe.


Dann allerdings wieder eine Camponotus-Art, nach Vergleich mit anderen Arten sind das für mich auch nach Ansehen von Videos, wo die Tiere "richtig" gehalten werden, die interessantesten Arten innerhalb der Anfänger-Klasse.

Verständlich, geht mir ganz ähnlich! :) Nach zwei Misserfolgen (unterschiedliche Gründe, einmal Vertretung in Abwesenheit und die zweite verstarb ohne äußere Ursache) mit Camponotus ligniperdus habe ich aber zu den mediterranen (maculatus) gewechselt. Soweit sieht es gut aus.

Da dann die Frage zur Koloniegröße, die man sich anschaffen sollte, wenn man Risiken eindämmen will: Bestellt man C. lignierdus mit mehreren Arbeiterinnen, geht das schon "ins Geld". Für seine Interessen soll man natürlich bereit sein, auch mal mehr zu zahlen, das ist klar.

Hm, ob diese Kolonien wirklich derart viel mehr Geld "wert sind" wage ich zu bezweifeln; wie das kritische Thema oben zeigt wird schon bei den kleinen nach Gusto "gemixt", da kann man nur spekulieren wo jedes Jahr die größeren herkommen... :confused:

Hat es denn nennenswerte Vorteile, wenn man statt 1-4 auch mal 11-25 oder sogar noch mehr Arbeiterinnen dazu bestellt?

Ich denke nicht, aus den genannten Gründen; wer möchte schon Formfleisch haben, wenn er - vermeintlich - Jamón Ibérico kauft.

Vielleicht hast du in deiner Umgebung in geeigneten Habitaten (trocken-warme Standorte, sonnige Waldränder) die Möglichkeit dich selbst auf die Suche zu machen? Ansonsten auch nicht schlimm - den Weg des "passiven Ameisenhalters" (nur angucken, nicht anfassen) sind auch andere hier schon gegangen. :)

Vespa Crabro
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#8 AW: Fragen eines "Wieder-Einsteigers"

Beitrag von Vespa Crabro » 13. Februar 2014, 17:42

Hallo,

Ja, das würde ich auch durch die Bank weg empfehlen - wenn man nicht ein Experiment vorhat (was mit nur einer oder wenigen Kolonien aber wiederum nicht sinnvoll ist). Allerdings sammeln die Tiere normalerweise so viele Reserven an (nicht mit dieser Art ausprobiert, mit Lasius), dass sie damit trotzdem gut über den Winter kommen, daher vermute ich bei dir die Verkettung unglücklicher Umstände.


Das klingt schlüssig und lässt sich leicht merken, in dem Punkt habe ich nun schon dazu gelernt - dankesehr :)

Es hätte sich auch an sich logisch herleiten lassen müssen, da habe ich mich einfach zu sehr vom endogenen Rythmus als besonderen "Vorteil" blenden lassen und bei der mageren Aktivität 2013 und der damit auch einhergehenden, kaum vorhandenen Nahrungsaufnahme liegt eine hierin begründete Todesursache schon nahe...

Vielleicht hast du in deiner Umgebung in geeigneten Habitaten (trocken-warme Standorte, sonnige Waldränder) die Möglichkeit dich selbst auf die Suche zu machen?


Obwohl mir schon bekannt ist, dass C. ligniperdus in ganz Mitteleuropa vorkommt, habe ich noch nie mit dem Gedanken gespielt, wirklich draußen in der Natur nach dieser Art zu suchen, sie also unterbewusst immer Richtung Süden Mitteleuropas eingeordnet. Hier in der Nähe ist mir kein geeigneter Fundort, der den überall angegebenen Lebensräumen entspricht, bekannt.

Zudem kommt dann ein Faktor hinzu, der rein sentimentaler und persönlicher Natur ist: Ich schätze nämlich, so blöd sich das bei einem solch winzigen Tier anhört, dass es noch mehr "weh tut", wenn es doch nichts werden sollte und die Königin stirbt, wenn ich selbst sie gefunden und mit genommen habe - quasi doppelt persönlicher Bezug. Irrational und "mein Problem", schon klar.

Ansonsten auch nicht schlimm - den Weg des "passiven Ameisenhalters" (nur angucken, nicht anfassen) sind auch andere hier schon gegangen.


Ich werde noch einmal in mich kehren und es mir gut überlegen (und sehen, ob die plötzlich wieder aufkommende Ameisenaffinität mehr mit dem Bastelhobby einher geht).

Daher bislang rein spekulativ gefragt: Das mit der Winterruhe bei den richtigen Temperaturen einzuhalten, wäre diesmal natürlich Pflicht. Wie schnell darf man denn gerade diese Art(en) herunter kühlen, bzw. wieder erhöht temperieren? Ist das bspw. wegen der eigens gesteuerten Inaktivität der Tiere von "jetzt auf gleich" möglich, sprich, von 16, 17 Grad Zimmertemperatur im Herbst auf Kühlschranktemperatur?

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