Pincos Blue Ants - Ein Dauerhaltungsbericht mit Polyrhachis tubifex

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PincoPallino

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#1 Pincos Blue Ants - Ein Dauerhaltungsbericht mit Polyrhachis tubifex

Beitrag von PincoPallino » 19. November 2022, 18:44

Hallo zusammen,

ich weiß gar nicht, womit ich anfangen soll... Es ist nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe, aber jetzt sind sie da. Eigentlich sogar schon seit Dienstag.

Das Blau bekomme ich mit meiner Kamera (noch) nicht eingefangen.
Das Blau bekomme ich mit meiner Kamera (noch) nicht eingefangen.

Ich sollte eine kleine Kolonie mit 3 Königinnen, ein paar Arbeiterinnen und etwas Brut bekommen. Sie waren gut verpackt (Heatpack, Styropor-Box, Luftpolsterfolie, Schaumstoffschutz für's RG) und auch nur einen Tag unterwegs (Montag abgegeben, Dienstag bei mir). Die Ameisen selbst waren in einem Riesen-RG mit Wassertank und ein bisschen Moos. Das Moos müsste ihnen viel mehr Oberfläche und besseren Halt im RG gegeben haben als ein leeres RG. Beim Öffnen dann der erste Schock: Es bewegt sich gar nichts im RG! Kurz darauf habe ich dann aber doch ein bisschen Bewegung gesehen und war erst mal beruhigt.

Ich hatte ihnen natürlich schon etwas vorbereitet. Dafür war während des wochenlangen Wartens genug Zeit. Zum Einsatz kam mal wieder mein AC-Equipment.

IMG_20221112_175846.jpg
Einige Details haben sich noch geändert.
Einige Details haben sich noch geändert.

Die Testtube-Portals finde ich für kleine Kolonien super. Man kann an eine Miniarena bis zu 4 RGs oder Schläuche anbinden. Also haben sie ein RG mit Invertzucker bekommen und ein weiteres mit frischem Wasser und durch rote Folie abgedunkelt. Das sollte natürlich ihr neues Nest werden. Das Riesen-RG konnte ich daran aber nicht anschließen. Ich habe es direkt in die zur Arena umgewandelten Vorratsdose gelegt, den Wattestopfen rausgemacht und gewartet.

IMG_20221115_153932.jpg

In der Arena sind es dank Heizschlauch und wassergetränkter Kokosmatte 26 °C und ca. 80 % LF. Hoffentlich annähernd wie im balinesischen Regenwald. Da kommen sie nämlich her. Es sind auch ganz sicher tubifex. Der Verkäufer hat sie bestimmen lassen. Unter dem abgedunkelten RG läuft auch ein Heizschlauch. Darin dürfte es auch ein bisschen wärmer sein. Für den Anfang haben sie also hoffentlich alles, was sie brauchen: 2 Wasserquellen, ein RG mit Invertzucker, passende klimatische Bedingungen (habe dafür tagelang exprimentiert), ein bzw. 2 Nestangebote und abends bekommen sie immer eine Kleinigkeit von der Nico-Fütterung ab (bisher ein Heimchen-Arsch, eine Mini-Schoko-Schabe und gestern 4 Fruchtfliegen).

Kurz nach dem Öffnen kam dann auch die erste heraus und hat ziemlich schnell die komplette Anlage erforscht, nicht nur die Arena. Zwei andere haben ihr dabei geholfen. Was mir zuerst aufgefallen ist, ist ihre Größe. Der Körper ist zwar nicht riesig, aber ihre Beine sind echt lang. Das lässt sie viel größer wirken. Wenn sie laufen oder irgendwo mit ausgebreiteten Beinen sitzen, sehen sie fast aus wie Spinnen. Und sie sind durch ihre langen Beine sehr schnell.

direkt über dem Heizdraht
direkt über dem Heizdraht

Während die Ameisen ihre neue Umgebung erkundet haben, habe ich mir das Riesen-RG näher angeschaut, aber keine weitere Bewegung erkennen können. Irgendwann waren die 3 Kundschafterinnen alle im "unterirdischen" Teil der Anlage, die Arena war also frei. Da habe ich schnell das RG herausgenommen und das Moos herausgezogen. Darin waren nur noch Leichen und keine Brut! Ich habe 7 Tote gefunden! Danch habe ich das Moos wieder ins RG getan und das RG wieder in die Arena gelegt.

IMG_20221115_174717.jpg

Es sind nur 3 von 10 lebendig angekommen! Ab dem Moment habe ich mich gefragt, ob überhaupt eine Königin überlebt hat. Bei dieser Art sind die Königinnen nicht viel größer als die Arbeiterinnen. Die Unterscheidung ist also nicht ganz einfach, wenn man keinen ruhigen Blick bekommt. Die Toten wiederum waren so zusammengekrümmt, dass sich eine Unterscheidung auch schwierig gestaltet hat. Irgendwann habe ich dann einen Ruhepause der aktivsten genutzt und mit der Lupe hingeschaut. Zu meiner Erleichterung hatte sie noch Flügelreste (s. erstes Foto). Damit war die erste Königin identifiziert. Eine der beiden anderen sah ihr sehr ähnlich, also auch eine Königin! Und die dritte ist kleiner und auch schmaler, bestimmt eine Arbeiterin. Immerhin haben 2 von3 Königinnen überlebt. Dann kam der Donnerstag. Im Laufe des Tages ist die zweite Königin dann auch gestorben. Jetzt ist nur noch die mit den Flügelresten übrig. Sie hat nur noch eine Arbeiterin und die Brut ist merkwürdigerweise auch nicht mehr da. Habe bei meiner RG-Inspektion genau nachgeschaut. Und die Ameisen haben auch danach gesucht, es sah zumindest so aus.

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links die Arbeiterin, rechts die Königin
links die Arbeiterin, rechts die Königin

Die ersten Tage mit meiner neuen Kolonie waren nicht so schön. Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Ich weiß jetzt erst richtig zu schätzen, wie ideal es damals mt meinen Nicos gelaufen ist. Die haben 2 Wochen gebraucht, bis sie die ganze Anlage erforscht hatten und waren viel vorsichtiger, ängstlicher und langsamer. Aber irgendwas muss den tubifex während des Transports passiert sein.

Ich hoffe jetzt natürlich, dass die anderen beiden sich einleben und die Königin wieder anfängt, Eier zu legen. Um das Protein-Angebot machen sie aber bislang einen weiten Bogen, egal was ich Ihnen anbiete. Der Verkäufer hat sie mit Heimchen gefüttert. Davon habe ich immer frische. Sie bekommen also erstmal hauptsächlich das, was sie kennen. Deswegen haben sie auch noch ein paar Tropfen Agaven-Dicksaft in die Arena bekommen. Den haben sie sonst auch bekommen. Ich will ihnen die Umstellung so einfach wie möglich machen.

Es sind aber von Anfang an meine Sorgenkinder. Ich hoffe, die Kolonie erholt sich wieder. Zumindest habe ich ein gutes Gefühl, was das angeht. Die letzten beiden machen einen fitten Eindruck.

Aber ich bin noch lange nicht fertig. Heute gibt es viel zu lesen... (Darum habe ich auch ein paar Tage mit dem Schreiben gewartet, ich hatte einfach nicht genug Zeit.)

Da ich zuerst eine Kolonie mit noch mehr Arbeiterinnen erwartet hatte (der Verkäufer hatte 2), habe ich ihnen auch schon ein Nest vorbereiten wollen. 30 große Ameisen in einem RG schien mir schon recht knapp bemessen zu sein. ich will es bei den tubifex ähnlich wie mit den Nicos machen. Zuerst wächst die Kolonie in einem künstlichen Setup mit Nesteinsicht unter Beobachtung auf, dann bekommen sie ein natürliches Setup. Ohne eine größere Menge an Larven können sie sowieso nicht ihre Nester in Büschen, Bäumen oder ähnlichem bauen. Das sind nämlich Weberameisen, die sich keine unterirdischen Nester anlegen, sondern selber welche zwischen Ästen und Blättern bauen. Dafür tragen sie die Larven zur Baustelle und lassen sie die Blätter mit gesammeltem Baumaterial zusammen verspinnen. Sie bauen mit allem, was sie in ihrer Umgebung finden. Damit ist es zugleich gut getarnt. Man könnte ihnen also pinkes Konfetti in die Arena legen und sie daraus ihr Nest bauen lassen (ich hatte in dieser Richtung schon einige verrückte Ideen :))...

Da sie also in der Höhe leben und man nicht all zu viel über ihre Lebensweise weiß, habe ich vermutet, dass sie in der Gründungsphase gerne kleine Höhlen in Bäumen nutzen. Scheint mir naheliegend, ist vielleicht aber auch komplett falsch. Also habe ich mir überlegt, ihnen ein Nest aus Holz anzubieten. Dabei habe ich mich an liegenden Ytong-Nestern orientiert. Eine Baumscheibe bekommt Nestkammern, einen seitlichen Zugang mit Schlauchdurchmesser und eine Scheibe obendrauf. Dann nur noch wässern und den Heizdraht drunterlegen. So einfach hatte ich mir das vorgestellt. War es auch... bis ich das Holz gewässert habe.

Der Druchbruch in der Mitte war nicht beabsichtigt. Glücklicherweise war die Kammer noch nicht durch Gänge angeschlossen.
Der Druchbruch in der Mitte war nicht beabsichtigt. Glücklicherweise war die Kammer noch nicht durch Gänge angeschlossen.
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Während der folgenden Stunde gab es mehrere laute Knack-Geräusche. Das nur teilweise feuchte und aufgequollene Holz wollte sich ausdehnen, nein, hat sich ausgedehnt. Das letzte Knacken war das lauteste und hat dem Neste den Todesstoß versetzt. So ist es nicht mehr ameisensicher.

Trotzdem hat mir die Idee gut gefallen, ich gebe sie noch nicht auf. Die letzten beiden Ameisen haben noch nicht ihren Platz gefunden. Es scheint, sie suchen noch danach. Da ich eh schon ein schlechtes Gewissen habe, möchte ich ihnen doch schon ein gemütliches Plätzchen für die Gründung anbieten. Ich werde hoffentlich noch dieses Wochenende ein neues Nest bauen. Dieses Mal werde ich es vorher komplett wässern. Wenn es dann im Gebrauch nicht austrocknet, dürfte es nicht nochmal platzen. Oder ist das eine falsche Einschätzung? Es wäre natürlich blöd, wenn das Nest irgendwann beschließt, sich zu öffnen...

Ich hatte auch schon überlegt, 2 oder 3 Bretter übereinander zu legen und daraus ein Nest zu bauen. Das obere Brett mit Gängen und Kammern durchlöchern, auf das mittlere schrauben und in das untere Brett kommt die Heizung. Wäre das eine bessere, also sicherere Konstruktion?

Das waren ihre ersten Tage bei mir. Aber wie kam es eigentlich dazu, dass ich jetzt eine zweite Kolonie habe?

Ich wollte schon lange eine zweite Kolonie haben. Für mehr ist leider kein Platz. Genau deswegen musste es aber auch die richtige Art sein. Ich habe immer mal wieder danach gesucht und leider nie die richtige gefunden. Auf Blattschneider hätte ich natürlich auch Bock, aber bei meinen Ansprüchen habe ich dafür nicht genug Platz. Also hatte ich 4 Jahre lang nur meine Camponotus nicobarensis. Das "nur" ist wirklich nicht abwertend gemeint (s.hier pincos-nicos-t61360.html). Irgendwann sind mir dann die Blue Ants aufgefallen. Es gibt einige unterschiedliche Gattungen (?) mit blauen Ameisen, aber nur eine bzw. 3 davon, haben mich sofort umgehauen. Das war tatsächlich Liebe auf den ersten Blick.

Polyrhachis cyaniventris
Polyrhachis cyaniventris

Es gibt noch 2 andere Arten, die sehr ähnlich aussehen: Polyr. pirata und baca

Im Sommer habe ich dann mal wieder das Netz danach abgesucht und zum ersten Mal überhaupt Polyrhachis cyaniventris angeboten gesehen, einmal in Polen und einmal in Deutschland. Aber leider waren beide Angebote schon abgelaufen und die Ameisen verkauft. ich habe die Verkäufer trotzdem kontaktiert und daraus ist dann ein Kontakt entstanden. Nach einer relativ kurzen Weile meinte er, er könnte mir tatsächlich eine Kolonie anbieten, die ein Freund von ihm hätte. Zu dem Zeitpunkt war die genaue Art noch nicht bestätigt. Ich konnte es kaum glauben. Ich hätte nicht mal gedacht, dass eine Chance bestehen würde, dass ich jemals eine dieser Arten bekommen könnte.

Irgendwann war dann klar, dass es tubifex ist. Die Art ist auch blau, aber nicht so intensiv. Online findet man fast nur Fotos von toten Exemplaren, bei denen die Farbe irgendwie verblasst scheint. Der Verkäufer konnte auch keine wirklich guten Fotos davon machen (genau wie ich bisher). Sie sind zwar fotogen, aber schwer zu erwischen. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich sie nehmen oder weiter warten will. Die Entscheidung kennt ihr. Alleine wegen der Toten hätte ich es mit dem Wissen von heute anders gemacht. Aber nachher ist man immer schlauer.

Wenn sich die Königin dazu entschließt, wieder Eier zu legen, werde ich bestimmt viel Spaß mit ihnen und ihrer Lebensweise haben. Was ich mir schon alles an natürlichen Becken überlegt habe... Am weitesten gingen meine Überlegungen für ein Becken mit Polyrhachis pirata. Allein schon dieser Name...

Aber zurück zu den tubifex. Drückt mir die Daumen, dass sie sich eingewöhnen! Meine Aufmerksamkeit gilt zurzeit fast nur ihnen, die Nicos können sich wirklich vernachlässigt fühlen.

Die Haltung soll ähnlich wie für z.B. Polyrhachis dives sein. Kann mir da jemand Anfangs-Tipps geben? Oder bestätigen, dass ich auf dem richtigen Weg bin?

Ich glaube übrigens nicht, dass die letzte Tote auf "mein Konto" geht. Sie war von Anfang an viel inaktiver als die anderen beiden und saß meistens nur rum. Sie ist dann auch an ihrem Lieblingsplatz gestorben...

So, dann mach ich mich mal auf den Weg, Holz für ein neues Nest zu besorgen.

Grüße vom Pinco

PS: Die meisten hatten bestimmt auf coole Fotos gehofft (ich auch!), aber die sind mir noch nicht gelungen. Durch das Plastik scheint ein Teil des Blaus geschluckt zu werden. Dummerweise habe ich vergessen, Ausbruchsschutz aufzutragen. Dementsprechend ist es im Moment eine Sache des Timings, wenn ich an die Arena will. Ich habe einmal den Deckel angehoben, um Futter reinzulegen. Sofort waren 2 der 3 so gut wie draußen. Eine von ihnen ist direkt auf meine Hand gelaufen, die andere habe ich nur schwer wieder auf Kurs in die Dose bringen können. Danach die andere von der Hand zu bekommen, war auch nicht einfach. Sie wollte lieber bleiben. Zum Glück war sie nicht aggressiv. Dabei hat mir die Ameisen-Erfahrung schon ein wenig geholfen. Vor 4 Jahren hätte ich wahrscheinlich nicht so souverän reagiert. Wenn ich sie das nächste Mal beide unterirdisch erwische, trage ich einen Öl-Streifen am Rand auf. Oder doch besser eine Talkum-Wasser-Mischung trocknen lassen? Aber da drin ist es feucht... Öl hatte ich noch nie an einer senkrechten Wand...
Hat jemand einen Tipp, was am besten funktioniert? Meine bewährte Klebeband-Methode kann ich nachträglich nicht mehr nehmen. Ich will sie nicht mehr als nötig stören. Ich glaube, sie brauchen jetzt wirklich ihre Ruhe.
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#2 Pincos Blue Ants - Ein Dauerhaltungsbericht mit Polyrhachis tubifex

Beitrag von Zitrus » 19. November 2022, 19:24

PincoPallino hat geschrieben:
19. November 2022, 18:44
Ich hatte auch schon überlegt, 2 oder 3 Bretter übereinander zu legen und daraus ein Nest zu bauen. Das obere Brett mit Gängen und Kammern durchlöchern, auf das mittlere schrauben und in das untere Brett kommt die Heizung. Wäre das eine bessere, also sicherere Konstruktion?
Solche Stammquerschnitte sind generell anfällig für Risse. Verantwortlich dafür ist die Schwundbewegung des Holzes.
Auch herkömmliche Bretter verziehen und verformen sich mit der Zeit gerne, wenn sie nicht gerade festgenagelt sind.
Sicher spielen die Holzart und Umweltfaktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine Rolle, aber ich würde mich nicht darauf
verlassen, dass das Holz, selbst wenn es nach der Verarbeitung noch heil ist, es auch nach Jahren noch sein wird.
Wäre ziemlich blöd, nach Hause zu kommen und zu sehen, dass das Nest gerissen ist und die halbe Kolonie in der Bude... :?

Sperrholz ist die weitaus bessere Wahl für Holznester. Ja, es sieht nicht ganz so schick (geschweige denn natürlich) aus,
aber Funktion ist letztendlich entscheidend.
PincoPallino hat geschrieben:
19. November 2022, 18:44
doch besser eine Talkum-Wasser-Mischung trocknen lassen?
Meiner Erfahrung nach ist trocken aufgetragenes Talkum mehr als gut genug. Die Oberfläche sollte dafür zuvor mit Alkohol
entfettet werden, dann hält es monatelang und fällt nicht so sehr auf wie eine meterdicke Talkum-Kruste. ;)
Selbst bei meinen X-Tausend Camponotus compositor verhindert es Ausbrüche immer noch zuverlässig, solange ich es an den
kritischen Stellen, also den Ecken, oft genug auffrische.

Was Haltungstipps angeht, werde ich hier wohl kaum helfen können, aber ich hoffe, dass sie sich erholen und gut entwickeln
werden. Immer erfrischend, hier was neues zu sehen und mutig von dir, dass du trotz des hohen Risikos, dass oftmals mit solchen
Exoten einhergeht, die Sache angehst. Viel Glück!
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#3 Pincos Blue Ants - Ein Dauerhaltungsbericht mit Polyrhachis tubifex

Beitrag von PincoPallino » 19. November 2022, 20:36

Hallo Zitrus,

danke für die Tipps. An Sperrholz hätte ich nicht gedacht. Das ist doch verleimt. Ich hätte gedacht, dass könnte ihnen evtl. schaden. Kann man das ausschließen?

Ich hätte noch ein passendes Kieferbrett. Bei dem würde ich solche Aufplatzer nicht erwarten. Es muss ja auch nicht ewig halten. Irgendwann sollen sie sich schon ihr eigens Nest bauen. Andererseits wird es eine Weile dauern, bis die Kolonie eine entsprechende Größe hat. Das sollte man wirklich nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich habe auch noch ein liegendes Plastik-Nest, das sollen sie aber eigentlich nur bekommen, wenn ich eine Übergangslösung brauche.

Ich mache jetzt meine Versuche mit der neuen Baumscheibe und nächste Woche besorge ich mir ein bisschen Sperrholz zum Basteln.

Talkum trocken auftragen ist natürlich das einfachste und auch leicht wieder zu entfernen, falls es sie nicht abschreckt. Wird ausprobiert. Mit jedem Nachfeuchten des Untergrunds wird es zu Kondenswasserbildung an den Scheiben kommen. Das düfte kontraproduktiv sein, oder? Drum hatte ich zuerst an Öl gedacht.

Grüße vom Pinco
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#4 Pincos Blue Ants - Ein Dauerhaltungsbericht mit Polyrhachis tubifex

Beitrag von Zitrus » 19. November 2022, 21:10

PincoPallino hat geschrieben:
19. November 2022, 20:36
An Sperrholz hätte ich nicht gedacht. Das ist doch verleimt. Ich hätte gedacht, dass könnte ihnen evtl. schaden. Kann man das ausschließen?
Ziemlich, ja. Korknester bestehen letztendlich auch aus Korkstückchen und Kleber/Harz.
Ich habe noch ein Zitat von Erne dazu gefunden:
Erne hat geschrieben:
1. April 2021, 20:15
Mit mehrfach verleimten Sperrholz (mindestens 6 Schichten), aus Hartholz habe ich brauchbare Erfahrungen gemacht.
Die einzelnen Lagen sind gegeneinander um 90 Grad versetzt verleimt, was Verformungen entgegen wirkt.
Auch eine gute Maßnahme, Kunststoffglas als Abdeckung zu verwenden und das nicht verkleben sondern mehrfach verschrauben.
So gesichertes Kunststoffglas verformt sich mit.
PincoPallino hat geschrieben:
19. November 2022, 20:36
Mit jedem Nachfeuchten des Untergrunds wird es zu Kondenswasserbildung an den Scheiben kommen. Das düfte kontraproduktiv sein, oder?
Ja, stimmt... nasses Talkum ist nicht so besonders effektiv. Vielleicht wäre das Öl da doch die bessere Wahl.
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#5 Pincos Blue Ants - Ein Dauerhaltungsbericht mit Polyrhachis tubifex

Beitrag von PincoPallino » 25. November 2022, 22:13

Hallo zusammen,

wie das so in der Gründiungsphase ist, in der sie sich hoffentlich befinden, passiert nicht viel. Beide sitzen mal hier und mal dort, mal zusammen, mal alleine. Ob und was sie fressen, bekommt man nicht mit und stören will man sie nur, wenn es nicht anders geht. Diese Woche habe ich sie aber doch einmal an einer Fruchtfliege knabbern sehen. Ich werte das mal als gutes Zeichen. Von Brut noch keine Spur. Von Ausbruchsschutz übrigens auch noch nicht.

Dafür ist dann heute Bastelstunde :) Vielleicht sagen ihnen die RG nicht zu. Ich hoffe, in einem besseren Nest, legen sie besser. Wie in der Hühnerhaltung...

Nach den Hinweisen aus der letzten Woche habe ich mir ein bisschen Sperrholz gekauft. Am Nestprinzip habe ich nichts außer dem Material geändert.

IMG_20221125_145827.jpg

Das Format ist wieder 20 x 20 cm. Dafür gibt's auch passende Acrylglas-Scheiben. Die drei Bretter sind je 12 mm stark. Wie ihr seht, habe ich sie von unten verschraubt. Das hat während der folgenden Arbeiten sehr gut gehalten. Dann war mal wieder der Forstnerbohrer dran.

IMG_20221125_145752.jpg

Die Entwürfe habe ich auf Klebeband gemacht. So kann man sich leichter korrigieren und hat später eine saubere Oberfläche. Korrekturen waren auch nötig. Nach zwei Löchern war der größte Bohrer zu stumpf. Er hatte schon zu viel Ytong hinter sich. Ich habe dann zum nächst größten gegriffen.

Links ist der Eingang geplant, rechts will ich RGs oder einen Ausgang machen.

IMG_20221125_145808.jpg

Mit einem normalen Bohrer habe ich die Locher gemacht und mit den Kammern verbunden.

IMG_20221125_152920.jpg
IMG_20221125_152958.jpg
Schlauch, Stopfen ider RG, passt alles perfekt
Schlauch, Stopfen ider RG, passt alles perfekt
IMG_20221125_153537.jpg

Fast fertig. Aber das Nest sollte auch Fussbodenheizung bekommen. Dafür habe ich vorne und hinten je einen Kanal für den Heizdraht gebohrt. Das sollte für unterschiedliche Temperaturzonen im Nest sorgen.

IMG_20221125_183313.jpg
IMG_20221125_183324.jpg
Die Klimatests laufen.
Die Klimatests laufen.

Wie bringe ich jetzt die Feuchtigkeit ins Holz? Am besten gleichmäßig im Wasserbad? Oder lieber ganz einfach Wasser von oben drauf geben und einziehen lassen? Ich tendiere zur ersten Variante.

Zum Nachfeuchten habe ich kleine Löcher in den Deckel und ins Holz gebohrt. Ich könnte es auch in eine Wanne stellen. Ich habe noch die vom Wasserbett, das sie eigentlich gar nicht braucht.

Grüße Vom Pinco

PS: Habe noch einen interessanten Artikel aus der Welt der Ameisen gefunden. Nein, es ist eine sensationelle Nachricht und eine biologische Sensation :)
https://www.der-postillon.com/2022/11/a ... rbaby.html
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#6 Pincos Blue Ants - Ein Dauerhaltungsbericht mit Polyrhachis tubifex

Beitrag von PincoPallino » 30. November 2022, 18:38

Hallo zusammen,

es ist echt verrückt!

Samstag Nachmittag habe ich das neue Nest angeschlossen.

IMG_20221126_205314.jpg
Ich find's richtig schick.
Ich find's richtig schick.
IMG_20221126_210041.jpg

Und was machen die Blaumeisen? Überhaupt gar nichts. Eigentlich sollte ich sogar froh sein.

Hier sitzen sie jetzt häufig.
Hier sitzen sie jetzt häufig.

Dass sie sich viel im abgedunkelten RG aufhalten, ist doch ein gutes Zeichen. Vorher sind sie eher unruhig durch alle Bereiche gelaufen. Aber seit Samstag Nachmittag habe ich sie nicht mehr in der Arena gesehen. Sie halten sich, so weit ich das beurteilen kann, nur im eingezeichneten Bereich auf.

RG.JPG
IMG_20221130_182221.jpg

Sie haben ihr neues Nest überhaupt noch nicht entdeckt! Unglaublich! Wenn sie wirklich seit mindestens 3 Tagen nicht in der Arena waren, haben sie seitdem auch nichts außer Wasser zu sich genommen. Muss ich mir Sorgen machen? Proteine scheinen sie weiterhin nicht zu interessieren.

Habe noch 2 Schrauben im Nest hinzugefügt. Die Scheibe stand mittig etwas hoch.

IMG_20221130_182234.jpg

Grüße vom Pinco
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