Harpegnathos venator - Haltungserfahrungen

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skateduffy
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#1 Harpegnathos venator - Haltungserfahrungen

Beitrag von skateduffy » 15. Oktober 2011, 16:36

Hier ein paar interessante Beobachtungen meine Harpegnathos venator Kolonie:

Die Kolonie ist mit ihren 11 Arbeiterinnen noch in den Anfängen und doch lassen sich viele Details erkennen. Die allgemeinen Daten zu den Tieren spare ich mir. Kann ja jeder nachlesen.

Meine Haltungsbedingungen:

Zwei 20 x 30 cm Becken im Verbund
Erstes Becken 28 Grad mit 70% Luftfeuchte und Sand-Lehmgemisch (1:1)+ Seramis-Schicht am Boden
Zweites Becken 26 Grad mit 50 bis 60% Luftfeuchte + Ytong (teilweise feucht gehalten/teilweise trocken)
Eigentlich sollten das feuchtere Becken als Arena dienen und das "Ytongbecken" als Nest.

Der Umzug:

Der Umzug dauerte vier Tage. Ich stellte das Döschen mit der Kolonie in das trockene Becken. Die Arbeiterinnen untersuchten beide Becken, saßen teilweise im Ytong (zur Hälfte abgedunkelt), teilweise noch in ihrem Döschen oder der Arena. Auffällig war, dass sich immer 2-3 Arbeiterinnen sammelten. So saßen (noch bis heute) drei in dem Ytong (zwischenzeitlich mal fünf mit vermutlicher Königin). Bis gestern konnte ich jedoch immer wieder Aktivität im Döschen erkennen. Seit heute ist diese leer. Der Umzug ist also erfolgt.

Momentane Lage:

Jetzt kommen einige Beobachtungen, die ich durchaus für interessant halte, mir jedoch auch zu denken geben. Das Nest kann ich nicht ausmachen, da es drei Gruppen von Arbeiterinnen zu geben scheint. Die erste Gruppe bestehend aus drei Arbeiterinnen sitzt im nicht abgedeckten trockenen Teil des Ytongs und essen zu dritt das Bein eines Heimchens. Dieses dürfte dann nach endlich fünf Stunden aufgefressen sein. Die Arbeiterinnen sind sehr langsam beim essen (ich würde es als Knabbern) bezeichnen. Jedoch sind sie sehr geschickt. Eine Arbeiterin hält das Bein, die anderen beiden knabbern dran rum (Bilder dazu gibt es im Fotothread - da waren sie noch zu zweit)
Die zweite Gruppe ist, wie ich sehen konnte in dem feuchtem Becken in einer Korkröhre. Wie viele Arbeiterinnen es sind, kann ich nicht sagen.
Die dritte Gruppe scheint sich unter dem Pflanzenkübel der Bromelie eingerichtet zu haben. Eine einzelne Arbeiterin zeigt ein eigenartiges Verhalten. Sie hat sich in einer Ecke des feuchten Beckens (also in dem Becken wo die anderen beiden Gruppen sind) vergraben. Sie läuft rückwärts in das Loch/die Ecke und schaut mit dem Kopf heraus. Sie beobachtet deutlich die ganze Arena. Ab und zu kommt eine Artgenossin. Es gibt keine Probleme. Beide kommunizieren. Die Arbeiterin zieht wieder ab. Manchmal kommt die Zurückgezogene aus ihrer Ecke heraus und scheint sich zu einer der Gruppen zu gesellen, sitzt dann aber meist später wieder in der Ecke.

Ich hoffe es finden sich einige Meinungen zu der Aufteilung der Kolonie. Keine Ahnung was da los ist. Rangkämpfe gibt es keine. Die Gruppen scheinen untereinander auch zu wechseln. Bereits im Döschen konnte ich zwei Gruppierungen beobachten.

Brut konnte ich nicht erkennen, da ich den Umzug nicht mitbekommen habe und die Dose gut abgedeckt war. Bis jetzt habe ich zwei Heimchen reingeworfen. Vorerst wurden diese ignoriert. Jetzt sind beide tot. Wo sich diese jetzt befinden kann ich nicht sagen.

Das Springen:

Ich konnte schon des Öfteren das "Springen" der Arbeiterinnen beobachten. Einmal beim Jagen, ein anderes Mal beim Einfangen einer ausgebrochenen Arbeiterin (beim Füttern nicht aufgepasst). Harpegnathos venator springt also nicht nur bei der Jagd, sondern allgemein um sich schnell fortzubewegen bzw. wenn sie sich bedroht fühlen. Selbst auf dem Heimweg einer Arbeiterin von Becken eins zu Becken zwei sprang sie ca. 10 cm weit mit einer sehr niedrigen Höhe von geschätzten 1-2 cm. Sie sprang also mehr nach vorne.

Das Sehvermögen:

Die Sehfähigkeit dieser Art ist wirklich grandios. Die Arbeiteinnen erkennen meine Bewegungen locker ab einem Meter. Darauf hin bewegen sie ihren Kopf geduckt nach links und rechts und wedeln mit ihrem Gaster in die entgegengesetzte Richtung. Ich denke mir, dass dieses Wedeln die Vorbereitung auf den Sprung sein könnte. Dies muss ich aber noch weiter beobachten.

Hingegen allen Erwartungen und Beschreibungen:

Momentan ist meine Kolonie ständig aktiv und im Becken unterwegs. Entgegen anderen Haltungsberichten muss ich auch sagen, dass sie nicht sehr passiv bzw. ängstlich oder gar zurückgezogen wirken. Das kann sich jedoch noch ändern und an den ungeregelten Nestverhältnissen liegen.

So, das war es erstmal von mir. Ich werde immer wieder mal neue Beobachtungen zu meiner Kolonie einstellen. Diskutiert werden darf hier auch.

LG

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#2 AW: Harpegnathos venator - Beobachtungen

Beitrag von skateduffy » 16. Oktober 2011, 14:12

Zwei Ereignisse:

Die Königin läuft im Becken (ca. 5 cm Radius vom Nesteingang) rum. Es sieht nicht so aus, als wenn sie das Nest längerfristig verlassen wollte. Sie bleibt immer in der Nähe und putzt sich viel. Ich konnte beobachten, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht so gut sieht wie die Arbeiterinnen. Ich war ganz nah am Becken und erst nach heftiger Bewegung, wedelte auch sie mit dem Gaster. Sie war aber lange nicht so panisch wie die Arbeiterinnen, drehte sich langsam um und zog ins Nest, das mittlerweile in und unter einer alten Korkröhre liegt.

Im anderen Becken sitzen vier Arbeiterinnen im Y-Tong. Meist einzeln. Hin und wieder versucht eine Arbeiterin die anderen in einer Kammer zu bewegen. Dass sieht so aus, dass sie diese "befühlert" und dann langsam los läuft. Oftmals ist ihr auch eine der andere Arbeiterinnen gefolgt, hat sich nach Begutachtung der neuen Kammer jedoch in ihre alte zurückgezogen. Einer der vier worker liegt geduckt in der Ecke einer Kammer. Es sieht so aus als ob er sich unterwirft. Bei den vier Arbeiterinnen handelt es sich ausschließlich um worker.

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#3 AW: Harpegnathos venator - Beobachtungen

Beitrag von skateduffy » 16. Oktober 2011, 20:55

Es scheint sich eine endgültige Formation ergeben zu haben. Fünf Arbeiterinnen hängen dicht beieinander in der untersten Kammer des Ytongs. In diesem Bereich dürfte es am kältesten und trockensten, bezogen auf beide Becken, sein. Die anderen fünf oder sechs (konnte ich noch nicht genau feststellen) Arbeiterinnen und die Königin hausen in der Korkröhre nahe der Öffnung, so dass ich mit etwas Geschick hineinspähen kann. Beide Gruppen zeigen momentan keine Außenaktivität. Interessant sind die unterschiedlichen Nestbereiche. Während die einen trocken, kühl (etwa 21 Grad) und völlig beobachtbar (Kammer ohne Schutzfolie) wohnen, nistet die andere Gruppe relativ feucht, warm (25 Grad) und dunkel. Hier kann man ganz typisch sehen, wie unterschiedlich doch die Haltungsbedingungen variieren können. Ich bin gespannt, ob sich da noch etwas tut und wenn nicht, was mit der Königinlosen-Gruppe passiert.

Zudem konnte ich in einem anderen Haltungsbericht über die so genannten Eck-Löcher lesen, dass diese für Abfälle etc. genutzt werden. Das kann ich nur bestätigen. Die Arbeiterin hat sich aus der Ecke entfernt. Heute morgen lag ein totes Heimchen ohne Gliedmaßen darin.

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#4 AW: Harpegnathos venator - Beobachtungen

Beitrag von skateduffy » 17. Oktober 2011, 16:27

Königin auf Wanderung:

Momentan kann ich folgendes berichten. Nach dem ich eine Arbeiterin aus der königinlosen Gruppe entnommen habe und sie zu den anderen gesetzt habe, sitzen nun doch wieder fünf von ihnen im Y-Tong. Ob es sich bei der fünften um die umgesetzte Arbeiterin handelt, kann ich leider nicht sagen. Außerdem ist die Außenaktivität der Gruppe mit Königin sehr hoch. Alle bis auf ein/zwei Arbeiterinnen laufen im Becken umher. Teilweise werden wieder Ecklöcher gegraben, teilweise einfach nur geklotzt. Auch die Königin läuft umher. Das macht mir natürlich ein bisschen Sorge. Sie lässt sich jedoch sehr viel Zeit und putzt sich dauerhaft. Ich dachte anfänglich, dass die Haltungsbedingungen alles andere als gut sind und experimentierte mit der Luftfeuchte und der Temperatur. Jedoch hat sich am Verhalten der Ameisen nichts verändert. Die Gruppe der Ameisen im Y-Tong zeigen kaum Außenaktivität. Wenn dann ist nur eine Arbeiterin draußen, die auch letztendlich für das Heimchen gesorgt hat, das jetzt im Nest liegt. Sehr auffällig ist, das die Gruppen einander nicht zu finden scheinen bzw. nicht die Becken der anderen Gruppe inspezieren. Ich dachte schon, dass sie sich nicht finden bzw. der Schlauch als Beckenverbinder nicht akzeptiert wird. Das schnelle zurücklaufen der umgesetzten Arbeiterin scheint aber das Gegenteil zu versprechen. Ich werde diesen Versuch mit einer Arbeiterin aus der anderen Gruppe wiederholen. Hier ist das Risiko auch nicht so hoch, da keine Königin vorhanden ist und diese auch nicht verletzt bzw. getötet werden kann.

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#5 AW: Harpegnathos venator - Beobachtungen

Beitrag von skateduffy » 18. Oktober 2011, 20:32

Hin und Her:

Die Gruppe im Ytong hat sich von fünf auf vier Arbeiterinnen verkleinert. Ich kann sie im Becken nicht finden und wenn ich mich nicht verguckt habe, sitzt sie jetzt in dem anderen Becken bei der Gruppe mit der Königin (Zumindest sieht es nach "mehr" workern aus). Die Königin hat sich übrigens beruhigt und scheint in der Korkhöhle zu sitzen. Beide "Kolonien" haben ein Heimchen im Nest. Auffällig ist, dass sie nur die Extremitäten zu essen scheinen. Wurde ja auch bereits in anderen Berichten erwähnt. Zudem sind sie beim Essen sehr langsam. Im Großen und Ganzen haben vier worker 2 Beine innerhalb von zwei Tage verspeist.

Und noch ein kleiner Zusatz: die Königin sieht doch recht gut. Ich würde nun nicht mehr sagen, dass sie schlechter sieht als die Arbeiterinnen.

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#6 AW: Harpegnathos venator - Beobachtungen

Beitrag von skateduffy » 18. Oktober 2011, 20:56


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#7 AW: Harpegnathos venator - Beobachtungen

Beitrag von skateduffy » 21. Oktober 2011, 14:51

Altes und Neues:

Im Wesentlichen geht es der Kolonie gut, denke ich. Es hat sich jedoch folgende Änderung ergeben. Die Gruppengrößen variieren. Wie ihr wisst, gibt es ja zwei Gruppen, da sich die Kolonie scheinbar geteilt hat. Mittlerweile denke ich, dass es sich um eine Art Zweignest handelt. Die Gruppe im Ytong besteht momentan aus zwei bis drei Arbeiterinnen. Zwei der Arbeiterinnen sind dauerhaft im Ytong, die anderen kommen immer mal dazu und gehen auch wieder (aus der anderen Gruppe mit Königin). Auch die Dauer des Besuches ist unterschiedlich lange. Mal sitzt eine "Gastarbeiterin" 1-2 Tage im Ytong, mal nur wenige Stunden, dann geht sie wieder in das andere Becken. Zudem konnte ich feststellen, dass die Kolonie gerade nach dem befeuchten des Nestes anfängt Löcher in die Ecken oder dicht an den Terrarienscheiben zu graben. Ich könnte mir vorstellen, dass das eine Maßnahme ist, um Überflutungen des Nestes zu verhindern, so dass das Wasser in diese ablaufen kann. In meinem Becken wird das natürlich nicht passieren. Ich habe ja schon davon berichtet, dass die Löcher auch als Abfallkammer oder sogar als Wachposten genutzt werden. Nun bleibt abzuwarten, was sich in nächster Zukunft beobachten lässt. Ich konnte jetzt schon dreimal beobachten, dass die Königin und fast alle Arbeiterinnen (bis auf zwei, die immer im Korknest bleiben, zur Mittagszeit durch das ganze Becken wandern. Jeder für sich. Was das bedeutet kann ich noch nicht sagen. Eine abhängige Variable konnte ich noch nicht finden.

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#8 AW: Harpegnathos venator - Beobachtungen

Beitrag von skateduffy » 22. Oktober 2011, 19:18

Reunion:

Nur eine kurze Info: die beiden Gruppen sind wieder vereint und haben es sich im feucht-warmen Becken außerhalb des Korknestes gemütlich gemacht (siehe Fotothread).

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