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Informationen für Einsteiger zu Schimmel und Milben

Weitere wissenswerte Informationen über Ameisen und deren Haltung.
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jkiefer
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#1 Informationen für Einsteiger zu Schimmel und Milben

Beitrag von jkiefer » 30. Dezember 2008, 15:38

Hallo,
da immer wieder Probleme mit Schimmel und Milben auftreten und das gerade bei Neulingen in der Ameisenhaltung (unbegründete?) Ängste schürt, habe ich mich entschlossen allgemeine Informationen über Schimmel und Milben, und verschiedene Möglichkeiten ihrer Vermeidung bzw. ihrer Hemmung vorzustellen.

SCHIMMELPILZE:
Links: Schimmelpilz – Wikipedia
Krankheiten Parasiten - AmeisenWiki

Zuerst muss man sich darüber im klaren sein, dass Schimmelsporen überall in der Luft sind. Und sobald die Wachstumsbedingungen von Schimmel einigermaßen erfüllt sind wird er auch nicht vor einem Formicarium halt machen. Allerdings ist Schimmel nicht immer schlecht, es kommt dabei sehr stark auf die jeweilige Art an. Die meisten Schimmelpilze sind sogenannte Saprobionten, d.h. Fäulnisfresser, die sich von abgestorbenem, organischem Material ernähren und dadurch größtenteils für unsere Ameisen ungefährlich, wenn nicht sogar nützlich sind, da sie deren Abfälle verwerten. Diese Schimmelpilze wird man wohl in so ziemlich jeder Ameisenfarm antreffen können, vielleicht nicht als das was wir normalerweise als Schimmel bezeichnen (die Sporangien), sondern vielmehr deren Mycel, welches mit bloßem Auge nicht sichtbar als Netz feiner Fäden das Substrat durchzieht. Allerdings gibt es auch unter diesen Schimmelpilzen Toxinbildner, die unter Umständen durch ihr Gift unseren Ameisen schaden könnten. Andere Schimmelpilz-Arten können auch direkt unseren Ameisen schaden und lebende Tiere befallen und töten. Als Beispiel ist hier der Fliegenschimmel zu nennen, welcher die Stubenfliegenpopulation jeden Herbst/Winter stark dezimiert und den praktisch schon jeder irgendwann einmal gesehen hat.
Leider ist es als Laie nicht möglich einen "guten" von einem "bösen" Schimmel zu unterscheiden. Farbe und Aussehen (z.b. der Sporangienform) sind dafür kein Anhaltspunkt. Tatsächlich können nur darauf spezialisierte Labore den Schimmelpilz soweit bestimmen, um sicher zu sein ob es sich um einen gefährlichen Toxinbildner oder nicht handelt.
Geeignete Bedingungen für Schimmelwachstum sind sehr leicht zu erreichen, ein bisschen feuchte Erde, Humus oder Staub reicht ihm schon als Nährboden. D.h. Schimmelpilze sind wahre Überlebenskünstler. Sie halten, anders wie die meisten Bakterien, auch sehr gut saure Bedingungen aus (z.b. hat Joghurt einen pH-Wert von 4-5 und Schimmel ist fast immer das erste was dort wächst). Vorübergehende Trockenheit bzw. nur kurzzeitige Feuchtigkeit (z.b. Kondenswasser) stellt kein Problem für den Pilz dar und hemmt ihn nur ein wenig im Wachstum. Tatsächlich können Schimmelpilze sogar durch Binden der Luftfeuchtigkeit bzw. das als Stoffwechselprodukt anfallende Wasser sich selbst feuchtere und dadurch bessere Bedingungen herstellen.


Vermeidbarkeit von Schimmel im Formicarium:
Schimmel ist zumindest im Nest unvermeidbar aufgrund der von den Ameisen benötigten Feuchtigkeit. Das Sand-Lehm-Gemisch aus den Ameisenshops hat allerdings eine hemmende Wirkung, da nur sehr wenige organische Stoffe vorhanden sind. Ansonsten könnte z.b. gewaschener und geglühter Quarzsand verwendet werden welcher nahezu keine organischen Stoffe beinhaltet. Allerdings werden sich selbst hier Staub und Abfälle der Ameisen sammeln und dadurch früher oder später ein Nährboden für Schimmelpilze entstehen.
Bei Holz hat es sich bewährt dieses monatelang in Torfmoos einzuweichen. Dank der Huminsäure aus dem Torfmoos, welche antibakterielle und fungizide Wirkung hat, sollten Pilze hier keine Chance haben.
Bei Becken die Bepflanzt sind und deswegen feucht sind kann auch ein Besprühen mit verdünntem Torfextrakt die Schimmelpilze ein wenig hemmen. Allerdings könnte dies auch für die Pflanzen bzw. die Ameisen bei Übertreibung schädlich sein.
Eine weitere Möglichkeit um die Schimmelbildung zu hemmen ist die Verwendung einer belebten Streuschicht. Hierzu später mehr.
Was allerdings auf keinen Fall gemacht werden sollte, ist das verwendete Substrat abzubacken. Vorallem bei Substraten wie Humus, Erde usw. die reich an organischen Stoffen sind wird dies den Schimmel sogar noch begünstigen, da alle Mikroorganismen, welche in Nahrungskonkurrenz mit Schimmel stehen, abgetötet werden.


MILBEN:
Links: Milben – Wikipedia
Milben - AmeisenWiki

Ca. 40.000-50.000 Arten sind bekannt und stellen damit die größte Gruppe der Spinnentiere. Eine genaue Bestimmung ist auch hier nahezu unmöglich. Der Lebenszyklus einer Milbe beträgt im Allgemeinen nur einige Wochen, beginnend als Ei. Nach kurzer Zeit schlüpfen daraus dann Larven, welche sofort mit der Nahrungsaufnahme beginnen. Milben wachsen kaum, sondern durchlaufen verschiedene Entwicklungsstadien, bei denen sich Größe, Aussehen und Fortpflanzungsfähigkeit ändert. Die mittleren Stadien werden als Nymphen bezeichnet, wobei es je nach Art Unterschiede in der Anzahl der Stadien gibt. Das letzte Stadium ist die adulte (geschlechtsreife) Milbe. Nach der Begattung legt eine Milbe je nach Art wenige bis hunderte Eier und stirbt meist kurz darauf.
Ihre Lebensweise umfasst unterschiedlichste Bereiche. Manche als Parasit an Pflanzen und Tieren, als Räuber, als Saprobionten und viele ernähren sich auch von Pilzen. Die Ernährungsweise kann dabei auch je nach Entwicklungsstadium der Milbe variieren z.b. bei der roten Samtmilbe, wo die Larven sich parasitär ernähren und die Nymphen und adulten Milben als Räuber leben.
Auch ihr Verbreitungsgebiet ist sehr vielschichtig, praktisch auf jedem Kontinent gibt es sie. Auch im Wasser und als Endoparasit in Tieren sind sie zu finden. Ähnlich wie beim Schimmel kann man sagen, dass Milben überall sind, ob nun als Hausstaubmilbe in unseren Betten oder an den Haarwurzeln der Augenwimpern.

Daraus lässt sich schließen, dass auch hier nicht alles schädlich ist was Milbe heißt. Viele könnte man als Nützlinge bezeichnen, welche sich von abgestorbener Biomasse ernähren und damit maßgeblich an der Humusbildung beteiligt sind. Und viele ernähren sich auch räuberisch von anderen Milben und Kleinstlebewesen.
Auch werden Milben es immer schaffen in unsere Formicarien zu kommen, z.b. die in den Foren sogenannte Futtermilbe, welche sich von Futterresten ernährt und es trotz bester Hygiene und Sicherheitsvorkehrungen immer wieder in die Formicarien schafft.
Auch parasitär lebende Milben können es ins Formicarium schaffen, ein einfaches und durchaus im Bereich des Möglichen liegende Beispiel wäre, beim im Wald spazieren gehen an der Kleidung hängen bleiben und danach bei der nächsten Fütterung der Ameisen mit eingebracht werden, oder auch sehr häufig durch nicht überbrühte Futtertiere.
Ist dies der Fall bedeutet es meistens den schnellen und unvermeidbaren Tod der Kolonie. Denn bei der am meisten praktizierten "sterilen" Haltung der Kolonie fehlen jedwede Fressfeinde dieser Parasiten und Nahrung in Form von Ameisen bzw. Brut ist auch reichlich vorhanden. Auch scheinen diese Kolonien anfälliger für extremen und plötzlichen Milbenbefall sein.
Ein kleines Beispiel wie schnell das gehen kann: 5 adulte Milben schaffen es ins Formicarium, jede legt 100 Eier, von denen alle durch Fehlen von Feinden begünstigt, überleben. Diese Entwickeln sich in 4 Wochen wiederum zu adulten Milben und legen wiederum Eier. Nach 2 Monaten und in der dritten Generation hätte man dann 50.000 adulte Milben und die Ameisenkolonie wäre wahrscheinlich schon tot oder stark dezimiert. Keine Chance die Ameisen dann noch zu retten. Tatsächlich ist dieses Beispiel durchaus plausibel, deckt es sich doch sehr stark mit den Berichten über Milbenbefall in der Ameisenhaltung.
Dies ist vergleichbar mit Monokulturen und Massentierhaltung, wo oft nur noch Chemie hilft um die Schädlingspopulation klein zu halten. Allerdings gibt es meines Wissens keinerlei Chemie, die Milben tötet aber den Ameisen nicht schaden würde. Somit ist ein Milbenbefall bei unseren Ameisen auch durch Chemie nicht kontrollierbar.


Vermeidbarkeit von "schädlichen" Milben im Formicarium:
Die Vermeidbarkeit ist gering bis unmöglich, je nach Hygiene und Sicherheitsvorkehrungen.
Ein gutes Mittel um die Wahrscheinlichkeit eines Milbenbefalls zu senken ist das Überbrühen von Futtertieren, doch selbst dann können Milben eingeschleppt werden. Auch die Ameisen möglichst trocken zu Halten wird die Wahrscheinlichkeit eines Milbenbefalls senken. Inwieweit dies klappt hängt von der gehaltenen Ameisen-Art und von der Milbenart ab.
Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung einer belebten Streuschicht und dadurch natürliche Feinde der Milben einzubringen, welche einer massenhaften Vermehrung der Milben entgegenwirken werden.
Bei bereits bestehendem Milbenbefall kann durch trockenere Haltung und durch mechanisches reinigen der Ameisen und des Formicariums die Kolonie unter Umständen gerettet werden. Dies hängt allerdings auch wieder von der Stärke des Befalls und der Milbenart ab.



BELEBTE STREUSCHICHT:
Links: Springschwänze – Wikipedia
Raubmilben – Wikipedia

Hier noch eine kleinere Erklärung zur von mir favorisierten Möglichkeit der Hemmung von Schimmelpilzen und Milben.
Durch Einbringen einer belebten Streuschicht in die Formicarien wird eine Art Micro-Naturkreislauf geschaffen, welche Schimmel und Milben hemmen werden.
Dabei spielen Raubmilben und Springschwänze eine große Rolle. Die Springschwänze sollen die Abfälle und Pilzmycelien fressen und die Raubmilben die schädlichen Milben. Auch verschiedenste andere nützliche Kleinstlebewesen und Mikroorganismen werden eingebracht.
Allerdings besteht die Gefahr dass auch weniger nützliche Kleinstlebewesen oder sogar schädliche Parasiten sich zu unseren Ameisen gesellen.
Doch da wir hierbei von einem Micro-Naturkreislauf sprechen sollte diese Gefahr nicht überschätzt werden. Ein kleines Beispiel hierfür ist z.b.:
Viele schädliche Milben, wenige Milbenfresser -> Milbenfresser vermehren sich durch das hohe Nahrungsangebot -> wenige schädliche Milben, viele Milbenfresser!
Die Fauna im Formicarium wird sich dementsprechend mit der Zeit selbst regulieren, was ja schließlich das Prinzip eines Naturkreislaufs ist. Um dies zu gewährleisten sollte das Formicarium am besten erst einmal ohne Ameisen eingefahren werden, d.h. erst ein paar Wochen nachdem das Formicarium eingerichtet und "beimpft" wurde die Ameisen hineinsetzen um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.
Als belebte Streuschicht eignet sich z.b. feuchtes Moos, Humus, Laub aus dem Wald bzw. Garten zu nehmen und eine dünne Schicht davon im Auslaufbecken zu verteilen.
Allerdings muss diese Schicht feucht gehalten werden, ansonsten werden die Nützlinge nicht überleben. Gerade Springschwänze brauchen es sehr feucht.


Ich hoffe ich konnte ein wenig Licht in die Welt von Schimmel und Milben, und ihrer Vermeidung bzw. Hemmung bringen. Inwieweit man sich an meine Ratschläge hält (z.b. belebte Streuschicht) bleibt jedem selbst überlassen und soll nur einen Überblick über die Möglichkeiten, die ein Ameisenhalter hat, informieren.
Auch würde ich mich über eine rege Diskussion, Fragen, Kritik, Anmerkungen usw. sehr freuen :D
MFG

PHiL
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#2 AW: Informationen für Einsteiger zu Schimmel und Milben

Beitrag von PHiL » 30. Dezember 2008, 16:17

Hallo jkiefer,

Ich finde es toll von Dir, dass du damit das Forum bereicherst. Insbesondere Milben haben (leider) einen sehr schlechten Ruf, und man hört leider auch schon hin und wieder von Ameisenvölkern, welche durch parasitäre Milben zu Tode kommen. Und genau das sorgt bei Neulingen dazu, dass Erde und Einrichtung abgebacken werden, was natürlich zum nächsten Problem, dem Schimmel führt.
Ich hatte auch mal eine, ich nenne sie mal anfängertypische Milbenpanik, gehabt am Anfang meiner Haltung, ein paar Milben im Honig mitsamt einer toten Arbeiterin- Schnell die ganze natürliche Einrichtung raus und so weiter, und das Becken war danach natürlich komplett steril. Extrem viel Streß für die Ameisen.
Nunja, jetzt habe ich aber einige spezielle Fragen.

1. Die parasitären Milben, welche wahrscheinlich mit unseren Futtertieren eingeschleppt werden (oder mit der Einrichtung?), ernähren sie sich ausschließlich parasitär? Oder anderst herum gefragt, können kleine räuberische Milben die in der normalen Streuschicht eines Waldes leben, eine Gefahr für unsere Ameisen sein? Es wurde schließlich schon berichtet, dass bestimmte Milben die Brut von unseren Ameisen fressen.

2. Inwiefern können überhaupt Fressfeinde o.ä. helfen, die Milben los zuwerden? Typische Milben sind beispielsweise die kleinen weißen (welche man z.B. auf Rolandes bildern gut erkennen kann) welche sich wohl "festsaugen" (oder wie ernähren sie sich? schließlich gibt es auch Milben, die nur auf den Tieren herumsitzen, und sich von ihren Ausscheidungen ernähren, oder welche, die z.B. auf Mistkäfern einfach nur rumsitzen, in der Hoffnung zum nächsten Futter getragen zu werden). Nun kann ich mir aber nicht vorstellen, das ein Fressfeind der Milben sich an das betroffene Tier nahgenug herantraut, und diese auffrisst. Jetzt kommt es darauf an, wie vermehren sich solche Milben überhaupt? Werden Eier gelegt, und wenn dann ein Beutetier voll genug ist, krabbeln ein paar Milben los und suchen sich das nächste Beutetier? Wie kann ein Fressfeind denn überhaupt verhindern, dass sich parasitäre Milben vermehren- schließlich ist es allgemein bei Ameisen so, dass sie im Nest eng aneinander leben, und es somit den Milben um ein Vielfaches leichter wird, sich auf einem weiteren Tier auszubreiten.

3. Gibt es spezielle Gattungen/Familien oder gar Arten, auf welche man eine Milben einschränken könnte, wenn sie z.B. klein und weis ist und auf einer Ameise sitzt? Ich stelle mir die Bestimmung sehr schwer vor, was sie wahrscheinlich auch ist. Wie groß sind die Unterschiede innerhalb einer parasitären Gattung/Familie (oder ähnliches) in Sachen Vermehrung und Verbreitung?

4. Zu den Schimmel: Wird er tatsächlich gefressen? Ich konnte in meinen kleinen, waldähnlich eingerichteten Becken Schimmel festellen, auf einem Ast. Er wurde recht groß (der Fruchtkörper (oder gibt es da wiedder andere bezeichnungen bei Schimmel?)), und eines Tages war er aufeinmal fast komplett verschwunden. Eine Asseln konnte ich kurzezeitig in der dortigen Nähe sehen. Fressen Asseln und Springschwänze tatsächlich bestimmte Schimmelarten? Ich weis nicht warum, kann mir das aber doch recht schlecht vorstellen...

5. Ich habe schon ein paar Mal meine Miste untersucht, die verschiedenen Schichten (jetzt im winter). In der Humusschicht sind mir einige junge Tausendfüssler aufgefallen, und ich habe 2 Exemplare unter meinem Bino untersucht. Erschreckenderweise entdeckte ich gleich 2 verschiedene Milbenarten (soweit ich das beurtielen kann), die einen sahen ungefähr so aus die die auf Rolandes Bildern (also klein und weis), und die anderen waren größer im Vergleich zu den weißen, und erschienen mir "festgesaugter", also kaum beweglich (ich weis nichtmal, ob es Milben sind um ehrlich zu sein- auf jeden Fall etwas anderes parasitäres). Wenn ich diese Humusschicht in mein Formicarium reinstecke, wäre es wahrscheinlich, dass Milben von den Tausendfüsslern auf meine Ameisen gelangen?


Ja, ich weis sehr viele Fragen, und sehr komplitzierte. Hoffe trotzdem Du (oder jemand anderes) kannst mir ein wenig weiterhelfen.
Also :respekt: für deine Mühe hier,


Grüße, PHiL

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Frank Mattheis
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#3 AW: Informationen für Einsteiger zu Schimmel und Milben

Beitrag von Frank Mattheis » 30. Dezember 2008, 16:18

Schöner Beitrag, jkiefer, freut mich, dass Du einen Anlauf unternommen hast, die Thematik umfassend zu beleuchten.

LG, Frank

Gast
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#4 AW: Informationen für Einsteiger zu Schimmel und Milben

Beitrag von Gast » 30. Dezember 2008, 20:23

@ jkiefer,

Du hast dir viel Mühe gegeben, und das soll anerkannt werden.

Trotzdem muss ich mich wieder mal fragen, weshalb in Abständen diese Themen, Schimmel und Milben, aufkommen, mehr oder weniger kompetent diskutiert werden, und dann wieder in die Vergessenheit versinken. Die FAQ bringen anscheinend nichts dazu, aber die Suchfunktion liefert zahllose Beiträge.

Im Ameisenwiki Hauptseite - AmeisenWiki steht zumindest ein sehr kompetenter Artikel über Milben bei Ameisen:
http://www.ameisenwiki.de/index.php/Milben
Unter dem Stichwort „Milben“ ganz leicht aufzufinden, und inhaltlich ziemlich ähnlich dem, was du mühsam zusammen getragen hast. Eindrucksvolle Bilder sind enthalten, u.a. von Rolande, klare Berichte über Verluste von Völkern durch Milben (@ PHiL!).

Wenn es zu diesem Text weitere wichtige und gesicherte Erkenntnisse gibt, sollte man sie dort einfügen. Denn anders als im großen Wikipedia geht es hier ganz speziell um die Milben, die uns Ameisenhaltern Probleme bereiten.

Eine Unterscheidung von schädlichen und „nützlichen“ Milben ist keinem der Halter oder Händler möglich. Selbst die paar Fachleute an Universitäten sind in aller Regel auf bestimmte Verwandtschaftsgruppen von Milben spezialisiert und können Milben aus anderer Verwandtschaft nicht bestimmen. – Das ist so, wie wenn ein Hymenopteren-Spezialist, der sich auf Schlupfwespen spezialisiert hat, plötzlich Ameisen bestimmen soll. Oder umgekehrt: Es geht nicht! Und damit sind eigentlich alle Debatten um „nützliche“ Milben sinnlos.

Zu Schimmel im Formikarium steht auch bereits vieles im Ameisenwiki. Wäre schön, wenn da mal jemand einen zusammenfassenden Beitrag schreiben könnte.
Allerdings erinnert so manche Angabe über das Fressen von Schimmel durch Milben, Raubmilben und so vieles andere eher an Wunschträume als an gesicherte Erkenntnisse.

Auch die „belebte Streuschicht“ ist wohl eher Wunschtraum. Es kann funktionieren. In der Regel aber nimmt dann doch der eine oder andere Organismus überhand, der sich dann auch an den eigentlich gewünschten Bewohnern, den Ameisen, vergreift. Es ist schließlich etwas ganz anderes, ob eine Handvoll Laub im Freien dem Temperatur- und Feuchtigkeitswechsel, dem Licht und dem Luftaustausch ausgesetzt ist, oder ob dasselbe Substrat im dauerfeuchten, oft zu warmen und wenig gelüfteten Formikarium vor sich hin modert.

Man sollte also bei den Einsteigern, an die sich der thread ja richtet, keine Vorstellungen erwecken, die sich dann doch nur sehr begrenzt, wenn überhaupt, erfüllen lassen.

MfG,
Merkur

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#5 AW: Informationen für Einsteiger zu Schimmel und Milben

Beitrag von Frank Mattheis » 30. Dezember 2008, 23:01

Naja. Ich glaube, Debatten über "nützliche" Milben wollte jkiefer nicht anstossen. Scheint mir überhaupt nicht so, als wäre sein Beitrag ein Aufruf zum Debattieren.
Wenn Du, lieber Merkur meinst, die Beobachtungen und v.a. Einlassungen der Halter, die hier im AF von solchen belebten Bodengrunden berichten, wären zu diffus und die Halter könnten nützliche von schädlichen Mitbewohnern kaum unterscheiden, es gäbe ausserdem keine hinreichenden Erkenntnisse selbst bei Fachleuten usw., dann ist das sicher Deine Meinung. Ich denke, es gibt seit langem Erkenntnisse über die verschiedensten Bodenorganismen, es ist bekannt, wovon Springschwänze, Asseln und auch viele Milben sich ernähren, anders gesagt, welche Rolle sie im Stoffkreislauf spielen. Sicher nicht von allen, sicher ganz besonders nicht von allen Milben, aber vieles ist bekannt.
Der Hinweis von jkiefer zur Anfälligkeit von Monokulturen oder einfältigen Lebensräumen :) ist sicher berechtigt. Der Versuch, ein funktionierendes Habitat zu errichten, ist legitim, wenn auch schwierig bzw. sicher nicht vollständig erreichbar.
Schädliche/unschädliche Milben? Die schädlichsten Milben sind doch sicher jene vielen Arten, die als Ektoparasiten den Ameisen anhaften, sich direkt von ihnen ernährend. Unschädlich oder zumindest ungefährlich für starke, gesunde Kolonien sind Milben, die im Substrat nach Resten und org. Abfällen suchen.
Unschädlich sind dann übrigens auch die sogenannten Samtmilben. Diese ernähren sich von Insektenkadavern. So kommt es, dass man sie mitunter auch an toten Ameisen fressend sieht. Man kann diese Tiere im Sommer an Waldwegrändern bei ihrem Geschäft beobachten.

LG, Frank.

Gast
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#6 AW: Informationen für Einsteiger zu Schimmel und Milben

Beitrag von Gast » 31. Dezember 2008, 09:19

"Schädliche/unschädliche Milben? Die schädlichsten Milben sind doch sicher jene vielen Arten, die als Ektoparasiten den Ameisen anhaften, sich direkt von ihnen ernährend. Unschädlich oder zumindest ungefährlich für starke, gesunde Kolonien sind Milben, die im Substrat nach Resten und org. Abfällen suchen.
Unschädlich sind dann übrigens auch die sogenannten Samtmilben. Diese ernähren sich von Insektenkadavern"

- Dass es schädliche und unschädliche Milben gibt, habe ich nie bestritten. Dieses Wissen ist leider nur wenig hilfreich, wenn man die Milben eben nicht bestimmen kann, wenn man für die einzelne Art nicht sagen kann, zu welcher Gruppe sie gehört.
- Samtmilben: Hier ist ein Bild, das eine Samtmilbenlarve zeigt, wie sie im Genick einer Plagiolepis ihrem unschädlichen Gewerbe nachgeht.
De parásitas y mochileras. | AIM (zum 2. und 3. Bild runterscrollen)

MfG
Merkur

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#7 AW: Informationen für Einsteiger zu Schimmel und Milben

Beitrag von Frank Mattheis » 31. Dezember 2008, 10:04

Zurück zu den Terrarien. Ich halte meine Gigantiops seit fast einem Jahr in ihrem Terrarium. Den Bodenaufbau habe ich beschrieben. Er beinhaltete eine Streuchschicht, Erde, Waldstreu, Pinienmulch usw.. Hier leben viele Kleinstorganismen versch. Art, Springschwänze, Hundertfüsser, Asseln, Milben, Pilze, kleine trop Grillen usw.. Ich muss nie Futtereste, verstorbene Ameisen oder verfallende Pflanzenteile entfernen. Grillenleichen und andere tote Futtertiere, an denen die Gigantiops tagsüber gefressen haben und die sie bei einbrechender Dunkelheit zurücklassen, werden von den anderen Bewohnern binnen kurzer Zeit verwertet.
Meine Eingriffe beschränken sich auf hin und wieder nötiges Zurückschneiden der Vegetation, auf Energiezufuhr in Form von Futter, Wärme und Licht. Ganz ähnlich wie bei einen eingefahrenen Aquarium.
Es ist natürlich ganz klar, dass wir in einen kleinen Terrarium kein selbstständig und autark funktionierendes Biotop einrichten können. Regulierende Eingriffe sind nötig. Eben Energiezufuhr, Fütterung, Licht.
Das grösste Regulativ in einen solchen Terrarium sind die Pflanzen. Aquarianer wissen, was ich meine.

Zu den Samtmilben. Man wird immer solche Bilder finden, dass weisst Du sicher ganz genau, lieber Merkur. Sicher gibt es im Web auch Bilder von Ameisen, die einen Ameisenlöwen überwältigen. Wenn nicht, kann ich solche gerne im nächsten Sommer inszenieren und liefern.
Dass Samtmilben keine erfolgreichen Ameisenjäger sind und wie viele Milben vorrangig Aas fressen, bestenfalls sterbende Myrmica ungeschickt angreifen, sind meine Beobachtungen in der Natur. Also dort draussen.

LG, Frank.

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#8 AW: Informationen für Einsteiger zu Schimmel und Milben

Beitrag von Joschi » 31. Dezember 2008, 13:42

Die Vorteile einer belebten Streuschicht kann ich auch nur noch einmal unterstreichen. Frank und jkiefer haben da schon das Wesentliche erwähnt. Es ist sicher kein Ding der Unmöglichkeit, und wenn man etwas aufpasst, nimmt auch weder Tier noch Pflanze Überhand.

Als zusätzlichen Faktor möchte ich auch den großen Beobachtungsvorteil anbringen. Nehmen wir mein aktuelles Waldbecken: Bis auf die Winterruhe (die läuft ja erst seit kurzem) hat das Becken inzwischen einen Jahresrhythmus durchfahren. Es war sehr interessant zu beobachten, wie sich die Landschaft je nach Jahreszeit veränderte.
Das ging bei den Pflanzen von den typischen Frühblühern des Frühlings über Nachtschattengewächse und Baumkeimlinge des Sommers bis hin zur Fruchtkörperbildung diverser großer Pilzarten im Herbst. Allein die Konkurrenz der Pilze untereinander ist beeindruckend. Gerade befürchtet man, ein Pilzsaum breitet sich aus, da erscheint ein konkurrierender Saum, beide nehmen sich in kurzer Zeit Nahrungs- und Platzgrundlage weg und sterben wieder.

Die Pflanzen- und Detritusfresser sorgen für eine nachhaltige Veränderung der Streuschicht, die Populationen der Räuber (Hunderfüßer, Afterskorpione, ...) sind bisher stabil. Asseln werden besonders im Frühjahr und Sommer im Zaun gehalten, da sie die großflächige Sonneneinstrahlung nicht gut vertragen. Andere Arten dagegen profitieren genau davon, nicht zuletzt die Ameisen.

So ein Kreislauf ist nicht nur nützlich, sondern auch was für das Auge. Auch wenn es nur im "Mini" Format ist, kann man einiges über einen biologischen Jahresrhythmus dabei lernen.
vG Joschi

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