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Pachycondyla cf. striata - Gründungsbericht

Unterfamilie: Ponerinae
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AIS
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#1 Pachycondyla cf. striata - Gründungsbericht

Beitrag von AIS » 5. April 2012, 14:40

Haltungserfahrungen und Gründung bei Pachycondyla striata

=> Zum Diskussionsthread geht's hier!

Nach einigem Überlegen konnte ich es mir doch nicht verkneifen, hier einen Haltungsbericht über diese schöne Art zu beginnen. Eigentlich wollte ich warten bis die Gründung geklappt hat,
aber selbst wenn etwas schiefgeht kann es für spätere Halter ja vielleicht von Nutzen sein. Schließlich ist es immer mit einem gewissen Risiko verbunden, eine neue Art zu halten. Die passenden
Haltungsparameter müssen erst ausgetestet werden; Futter, Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Habitat, usw. Aber genug geredet:

Zunächst einmal die relativ spärlichen Informationen zu dieser Art:
-Unterfamilie: Ponerinae
-Gattung: Pachycondyla
-Vorkommen: Uruguay, Südbrasilien, Argentinien, Paraguay
-Größe Königin: ca. 2,1cm (eigene Messung)
-Größe Arbeiterinnen: 1,6cm +/- (wird sich noch herausstellen)

Die Vorgeschichte im Schnelldurchlauf:
Als mir ein befreundeter Ameisenhalter das schöne Tier im September 2011 anbot, konnte ich natürlich nicht nein sagen. Mit mehreren Eiern aber ohne Larven kam sie da bei mir an.
Ich hatte ein kleines Becken für sie vorbereitet und bot ihr dort ein frisches Reagenzglas und eine umgedrehte Teelichthülle mit kleinem Eingangsloch an. Das Reagenzglas traf auf kein großes Interesse,
hatte sie doch sichtbar Mühe sich darin umzudrehen. Die Teelichthülle wurde jedoch problemlos bezogen.
Jetzt begann das Warten. Monatelang passierte gar nichts. Es gab eins zwei mal eine kleine Larve, die bald jedoch wieder verschwand. Eier waren zwar immer einige vorhanden, aber sie wollten einfach nicht
zu Larven werden.
Vor etwa fünf Wochen habe ich deshalb ein neues Becken eingerichtet. Diesmal mit einem knapp 10cm hohen Sand-Lehmgemisch. Eingegraben hat sie sich zwar nicht, sie lebt immer noch unter der Teelichthülle.
Aber interessanterweise geht es seitdem gut voran. Futterprobleme gibt es nicht mehr, ich füttere jeden Tag eine kleine Laufspinne und eine Larve ist inzwischen schon zu einer stattlichen Größe herangewachsen.
Auf eine Heizung jeglicher Art verzichte ich, da sie auf höhere Temperaturen sehr empfindlich reagierte. Derzeit hat sie also Zimmertemperatur, etwa 22-24°C, relativ trocken.

Die Sache mit dem Futter
Weil es lange Zeit mit der Brut nicht voranging, musste ich natürlich verschiedenes Futter ausprobieren. Zuckerwasser stößt bei ihr auf totale Ablehnung, noch nie konnte ich sie davon trinken sehen,
sobald sie es entdeckt, wird es fleißig mit Erde bedeckt. Am Leitungswasser aus einer Tränke konnte ich sie schon wenige Male beobachten. Sorgen hat mir zunächst die Larvenfütterung gemacht.
Hineingelegte Insekten wurden meist nicht angenommen. Mein Fehler: Entscheidend ist die Größe der Futtertiere. Die hineingelegten Kellerspinnen und Heimchen waren einfach zu groß.
Seit ich die kleinen schwarzen Springspinnen füttere, die man überall draußen herumlaufen sieht, kann ich jeden Tag etwas anbieten, sie nimmt es sofort an. Auch kleine Heimchen werden problemlos
angenommen. Lebendfütterung ist kein Problem, diese Ameisen sind ausgesprochen gute Jäger.

Hier noch Fotos von der Königin mit der großen Larve (zum Vergrößern klicken):

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#2 AW: Pachycondyla cf. striata - Haltungserfahrungen

Beitrag von AIS » 14. April 2012, 14:47

Freitag, der 13.
Gestern fand ich vor dem Nesteingang eine leere Puppenhülle. Was ist passiert? Die Larve hatte sich frisch verpuppt und aus irgendeinem Grund hat die Königin die Puppe geöffnet und die Larve mit mehreren Bissen getötet.
Ob sie wohl wusste, welcher Tag es war? Ich kann mir nicht erklären woran es lag, Stress kann ich eigentlich ausschließen und Futter gab es auch genug. Es geht jetzt also wieder von vorne los..

Bild

[color="Gray"]Die Puppenhülle war noch sehr dünn, anscheinend konnte sich die Larve nicht fertig verpuppen.[/color]
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#3 AW: Pachycondyla cf. striata - Haltungserfahrungen

Beitrag von AIS » 30. April 2012, 19:27

Auf ein Neues..
Die regelmäßige Fütterung zahlt sich aus: Nach gut zwei Wochen ist wieder ein Ei vorhanden. Für ein Update werdet ihr euch jetzt wahrscheinlich länger gedulden müssen, da ich kein Risiko mehr eingehen will.
Soll heißen, ich werde die Königin nun nicht mehr stören um nach der Brut zu schauen. Ich füttere alle zwei Tage eine kleine Spinne, die immer sehr gierig angenommen wird. Außerdem habe ich heute einen
kleinen Hügel aus Kokoshumus über die Teelichthülle modelliert, um erstens ausreichend Feuchtigkeit und außerdem der Königin mehr Ruhe und Dunkelkeit bieten zu können. Natürlich hat sie das sofort mitbekommen
und alles ersteinmal genau inspiziert:

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Hier ist der Eingang:
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#4 AW: Pachycondyla cf. striata - Gründungsbericht

Beitrag von AIS » 23. Juni 2012, 12:16

Knapp zwei Monate später

7 Wochen hat es gedauert, jetzt ist endlich eine Larve geschlüpft. Somit ist jetzt auch die Entwicklungszeit vom Ei zur Larve geklärt.
Ich störe die Königin weiterhin nicht und verdanke den Überblick über die Brut nur der Sonne; wenn es tagsüber warm wird zieht sie mit der Brut unter den Stein, nachts
wieder in die Teelichthülle. Mit etwas Glück kann ich dann immer einen kurzen Blick auf die Brut in ihren Mandibeln erhaschen. Vor zwei Tagen waren ca. 5 Eier vorhanden,
jetzt endlich eine Larve! :)

Insekten werden problemlos angenommen, auf Honigwasser verzichte ich derzeit, da sich ihr Interesse daran auf null beläuft.
Hier noch Fotos vom heutigen Frühstück:

Die Fliege wird ausgiebig betrillert,

Bild

gepackt,

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abtransportiert...

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...und verschwindet unter dem Niststein:

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Drückt mir die Daumen, dass es mit dieser Larve etwas wird!

Liebe Grüße, AIS
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#5 AW: Pachycondyla cf. striata - Gründungsbericht

Beitrag von AIS » 22. Juli 2012, 12:42

Einen Monat später:

Große Freude bei einem begeisterten Ameisenhalter - endlich hat es eine Larve bis zu einer ordentlichen Puppe geschafft!
Gleichzeitig ist noch eine weitere, inzwischen ziemlich große Larve vorhanden, die sich in 1-2 Wochen auch verpuppen dürfte.

Es sieht also sehr gut aus, dass sie es endlich schafft. :)

Interessant finde ich, dass die Entwicklung der Brut plötzlich so
schnell vonstatten geht. Die Sommersonne scheint ihnen zu gefallen. Außerdem haben die Larven großen Hunger, inzwischen
füttere ich jeden Tag und es bleibt nie etwas übrig. Was wohl eine große Kolonie dieser Art an Proteinen verschlingt?
Bin mal gespannt..

Fotos kann ich im Moment keine interessanten liefern, deshalb hier ein kleines Video (Noch im alten Becken wie man sieht):


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#6 AW: Pachycondyla cf. striata - Gründungsbericht

Beitrag von AIS » 5. August 2012, 10:14

Zwei Wochen später:

Schon mal vorneweg um euch zu enttäuschen: neue Bilder hab ich immer noch keine.

Allerdings hat sich auch die zweite Larve verpuppt und es gibt 3 neue Eier. :) Auffällig ist das lange Eistadium, gefolgt von einer sehr kurzen Larvenzeit, in der die Larve extrem schnell wächst.
Bleibt abzuwarten, wie lange die Puppen bis zum Schlupf brauchen.

_________________________________________________

Aktueller Stand:

Königinnen: 1
Puppen: 2
Larven: 0
Eier: 3

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#7 AW: Pachycondyla cf. striata - Gründungsbericht

Beitrag von AIS » 20. August 2012, 15:24

Wieder zwei Wochen später:

Noch immer ist keine der Puppen geschlüpft (die ältere Puppe ist jetzt 4-5 Wochen alt).
Heute wurde die gesamte Brut zeitweise an der Oberfläche in der Sonne gelagert, so kam ich endlich dazu die Brut zu fotografieren:

Bild
[SIZE="2"][color="grey"]Inzwischen sind es deutlich mehr Eier geworden.[/color][/SIZE]

Bild
[SIZE="2"][color="grey"]Als ich mit der Kamera herumhantierte, brachte sie den Nachwuchs lieber in Sicherheit.[/color][/SIZE]

Gestern Abend konnte ich die Königin auch das erste mal beim Trinken beobachten. Nachdem ich das Becken eingesprüht hatte,
fuhr sie mit den Mundwerkzeugen an den nassen Grashalmen entlang und sammelte so die kleinen Tropfen auf.

_________________________________________________

Aktueller Stand:

Puppen: 2
Larven: 0
Eier: ca. 12 (Vermutlich teilweise Futtereier!)

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#8 AW: Pachycondyla cf. striata - Gründungsbericht

Beitrag von AIS » 24. August 2012, 17:42

Bloß vier Tage später

Ich habe beschlossen, das Becken ein wenig mit Moos zu begrünen. Ob es wohl anwächst? An den Stellen wo sich Kokoshumus befindet
hat sich sogar von alleine Moos angesiedelt.

Nach der Verschönerung sieht das Becken jetzt so aus:

Bild

Da das Becken auf der Fensterbank sehr viel Sonne abkriegt, muss ich dreimal am Tag bewässern; so ist die Oberfläche trocken und darunter bzw. auch unter dem Niststein leicht feucht.
Vorher habe ich einfach etwas Wasser ins Becken gegossen, seit ich beobachtet habe, dass diese Art gerne Tautropfen aufleckt, kommt die Sprühflasche zum Einsatz.

Bild

Das Schönste und Wichtigste kommt am Schluss: Es ist endlich eine erste Arbeiterin geschlüpft, schaut her:

Bild

Ich warte schon sehnsüchtig darauf, sie das erste Mal zu Gesicht zu bekommen. :) Ein klein wenig bleibt die Angst, dass es ein Männchen sein könnte, ich hoffe sie ist unbegründet.

9 Monate sind bereits seit Haltungsbeginn vergangen, endlich die erste Arbeiterin, da freut man sich richtig. :)

Viele Grüße, AIS

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