Erfolgreiche Milbenbekämpfung in der Haltung

Berichte & Beobachtungen - Meinungen & Fragen [einheimische und exotische Arten]
Antworten
Benutzeravatar
Fabienne
Halter
Offline
Beiträge: 1430
Registriert: 18. Mai 2007, 02:12
Hat sich bedankt: 4 Mal
Danksagung erhalten: 96 Mal

#1 Erfolgreiche Milbenbekämpfung in der Haltung

Beitrag von Fabienne » 14. September 2020, 16:57

Bitte entsprechend in die richtige Kategorie verschieben, da ich absolut nicht weiß, wo ein solches Thema hingehört.

Ich würde das Milbenproblem als größtes Übel für einen Ameisenhalter sehen. Naja zumindest ist die Panik bei den meisten ziemlich groß, wenn es um das Thema Milben geht. Die meisten sehen eine Milbe und sehen die Kolonie schon vor dem geistigen Auge sterben. Aber anscheinend gibt es Mittel und Wege, Kolonien auch bei starkem Befall zu retten, was oft sehr mühsam sein kann. Hier denke ich an die mechanische Methode mit Borstenpinsel den Ameisen viel Stress aufbürden und diese Ameise für Ameise und immer wieder ... also regelmäßig von Großteilen der Plage zu befreien. Ich habe auch schon von Methoden wie Ameisensäure dosiert, oder Ölen gehört, die genutzt werden. Bei meinem eigenen Milbenproblemen hat es gereicht, die Kolonien trockener zu halten, wodurch zwar mit Verlusten die Kolonien jeweils gerettet wurden. Jedoch ist es gerade bei tropischen Terrarien doch immer ein Problem, da es dort sehr feucht und schön kuschlig warm ist, was Milben ja sehr knuffig finden.

Hier ist schon mal das Verfüttern das erste Problem. Viele füttern an Poneri etc. lebendiges Futter wie Heimchen etc.
Von Heimchen würde ich persönlich aber generell abraten, da diese in der Zucht sehr milbenanfällig sind. Schaben scheinen hier robuster zu sein. Zumindest sind das so meine Erfahrungen. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege.

Aber mein Cousin hat mir letzte Woche in einem Telefonat etwas interessantes mitgeteilt. Ich habe davon bis her nirgends etwas gelesen. Sollte jemand dies schon ausprobiert haben, wären deren Berichte natürlich auch hilfreich und lesenswert.

Aber nun zu dem was mein Cousin gemacht hat:

Mein Cousin hatte bei einer Kolonie Neoponera apicalis vor kurzem ein Milbenproblem. Die Tiere hatten weiße Milben am Gaster, vor allem aber auf den Augen und auf den Mandibeln. Die Tiere konnten sich nur noch mit ihren Fühlern orientieren. Die Sicht war komplett eingeschränkt. Die Tiere (Ameisen) wirkten sogar mehr weiß als schwarz. Zudem hatten die Tiere an den Beinchen noch eine andere Milbenart (braune Milben), die ich als gefährlicher einschätzen würde (auch hier, korrigiert mich, wenn ich falsch liege).

Die apicalis leben bei ihm in tropischen Terrarien. Hohe Luftfeuchtigkeit, ständig feuchter Boden (Regenanlage). Ein Abtrocknen um den Milben die Lieblingsumgebung zu nehmen, hätte natürlich die Pflanzenwelt ebenfalls zerstört, soweit ich weiß hat er ebenfalls viele Nektarpflanzen, was sehr schade gewesen wäre.

Er hat aber ohne Veränderung der Haltungsparameter, also trotz feuchter Haltung die Milben komplett in den Griff bekommen. Kein Tier hat mehr Milben. Er nutzte dabei Raubmilben der Gattung Hypoaspis miles, die man im Internet problemlos kaufen kann. Er meinte, dies hat seine Springschwanzpopulation zwar auch extrem reduziert, aber nachdem die Milben auf den Ameisen weg waren, hat er die die Springschwänze wieder ansiedeln können.

Da die Raubmilben es aber ebenfalls feucht mögen, glaube ich nicht, dass dies bei trockenen Bedingungen hilft. Er meinte, er hat in der Milbenzeit nur wenig Tiere verloren. Er würde es auf 10 Tiere schätzen. Seine Kolonie bestand zu dem Zeitpunkt auf über 50 Tieren. Es gab keine Ameise, die nicht Milbenbefallen waren. Selbst die Königin war stark beeintächtigt. Die Königin hat keine einzige Milbe mehr am Körper und sorgt fleißig für Nachwuchs.

Zum einen, wollte ich ein Antimilbentopic wieder in Erinnerung rufen, zum anderen war ich überrascht über die Möglichkeit der Entfernung von Milben durch andere Milben. Falls jemand auch noch gute Ideen zur Bekämpfung oder Erfahrungen mit oben geschilderten Verfahren (fett gekennzeichnet) gemacht hat, könnte er ja auch etwas hier hinzu schreiben. Ich denke gerade neuere Halter helfen solche Hinweise sehr.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Fabienne für den Beitrag (Insgesamt 4):
anthalter_19ddocGeryErne

ddoc
Einsteiger
Offline
Beiträge: 112
Registriert: 25. Juli 2020, 23:08
Hat sich bedankt: 106 Mal
Danksagung erhalten: 59 Mal

#2 Erfolgreiche Milbenbekämpfung in der Haltung

Beitrag von ddoc » 14. September 2020, 19:37

Hi!
Fabienne hat geschrieben:
14. September 2020, 16:57
Falls jemand auch noch gute Ideen zur Bekämpfung oder Erfahrungen mit oben geschilderten Verfahren (fett gekennzeichnet) gemacht hat, könnte er ja auch etwas hier hinzu schreiben. Ich denke gerade neuere Halter helfen solche Hinweise sehr.
Das ist alles sehr interessant zu lesen! Ich als neuling würde mich auch über jegliche Informationen freuen was Milben Arten, deren aussehen und Verhalten sowie jegliche Erfahrungen ob schlecht oder gut im Zusammenhang mit Milben freuen. Ich habe Milben in meiner Messor barbarus Anlage und vermehrt tote. Da ich aber keine an den Toten oder sterbenden Ameisen gesehen habe, frage ich mich ob diese schädlich sind oder nicht. Meine Versuche die vermeintliche Plage ein zu dämmen beschränken sich aktuell ausschließlich darauf fast täglich den Müll raus zu holen und dabei großzügig Bodengrund ab zu tragen, worin immer reichlich Milben zu finden sind.
Ich werde mir die Milben bestellen und berichten ob sich was tut mit der Plage.
Gruß Michael

ddoc
Einsteiger
Offline
Beiträge: 112
Registriert: 25. Juli 2020, 23:08
Hat sich bedankt: 106 Mal
Danksagung erhalten: 59 Mal

#3 Erfolgreiche Milbenbekämpfung in der Haltung

Beitrag von ddoc » 16. September 2020, 21:37

Guten Abend!
So, meine Bestellung von 5000 Milben der Art Hypoaspis miles (wie auch immer man das zählen will) sind heute angekommen. Ich habe mir die ganze Zeit Gedanken gemacht wie ich sie in die Anlage einbringen kann, da ich nur eine 20x20 Arena habe und die quasi voll ist und in die Nester kann ich es ja nicht einfach schütten. Also werde ich eine kleine zusätzliche Arena fertig machen und diese an die vorhandene anschließen. Den Schlauch werde ich Ameisen sicher, aber so das die Milben durch kommen, verschließen. Laut Anleitung suchen sich die Milben anschließend selber ihr Futter.
_20200916_213458.JPG
Soviel zur Theorie, morgen folgt die Praxis. Werde dann nochmal Fotos hoch laden und berichten.
Gruß Michael
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor ddoc für den Beitrag:
Fabienne

ddoc
Einsteiger
Offline
Beiträge: 112
Registriert: 25. Juli 2020, 23:08
Hat sich bedankt: 106 Mal
Danksagung erhalten: 59 Mal

#4 Erfolgreiche Milbenbekämpfung in der Haltung

Beitrag von ddoc » 17. September 2020, 20:17

Guten Abend zusammen!
Habe jetzt endlich die Zeit gefunden meine 5000 neuen Schützlinge zu versorgen. Mittlerweile bin ich davon abgekommen ein extra Milben Becken zu integrieren, da es mir momentan zu aufwendig ist und eine schnelle Lösung her musste, da in der Anleitung steht das sie schnellst möglich eingesetzt werden sollen. Ich hatte mir schon vorher diese Petrischalen als Näpfe besorgt und welche über gehabt.
_20200917_200220.JPG
Dies habe ich nun schön gehäuft mit dem Milbensubstrat gefüllt,, nicht angedrückt, da ich das Substrat nicht einfach in die Arena kippen wollte. Vier stk könnte ich so verteilen.
_20200917_200200.JPG
Es wuselte nur so da drin, ich denke ihr könnt euch das vorstellen und die Milben sind sofort ausgeschwärmt. Ich habe geschätzt noch 8x soviel in zwei Plastik Dosen abgefüllt und hoffe das bei regelmäßigem befeuchten die Milben sich noch ein wenig halten, sodass ich sie auch noch irgendwann ein bringen kann.

Es wird nur schwierig werden den Erfolg zu beurteilen, da die Milben mit dem bloßen Auge nich von den Milben in meiner Anlage zu unterscheiden sind.

Gruß Michael

Antworten

Zurück zu „Ameisenhaltung“