Camponotus compositor im 200l Becken

Unterfamilie: Formicinae
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Zitrus

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#9 Camponotus compositor im 200l Becken

Beitrag von Zitrus » 3. September 2020, 18:05

Irgendwann im Laufe des gestrigen Abends hat sich die Gyne zur Einweihungsparty in den Ytong gesellt. Oder wurde sie von ihren Arbeiterinnen
reingezerrt? Wer weiß. Sie scheint sich jedenfalls wohl zu fühlen im neuen Zuhause. Auf diesem Bild wird sie gerade gefüttert:

20200903_174935.jpg

Wenn ich mich nicht irre, wurden inzwischen auch alle restlichen Larven und Eier ins Ytong-Nest überführt, im Reagenzglas sind aber noch einige
Arbeiterinnen zu erkennen.
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#10 Camponotus compositor im 200l Becken

Beitrag von Zitrus » 10. September 2020, 00:36

Der Umzug ist nun abgeschlossen und ich konnte nach über einem halben Jahr endlich das Reagenzglas raus nehmen!
Erstmal das Dach entfernt, unter welchem der größte Teil der Kolonie in den letzten Monaten lebte:

P1070511.JPG

Mithilfe der umherliegenden Nadeln, Steinchen etc. hatten sie es noch ein bisschen gemütlicher gemacht.
Das Stück Pappe rechts ist übrigens die Abdeckung vom Außenthermometer. Wie ein wahrer Meteorologe messe ich die Schattentemperatur. :lol:

Das hier werden sie nicht mehr brauchen.

20200907_175700.jpg

Die rote Folie ist wie gesagt sehr reflektiv aber dennoch, hier ein Überblick vom Nestinneren:

20200908_124207.jpg

Wie man sieht, bevorzugen sie eindeutig die linke Seite, auf welcher die Heizmatte etwas wärmer ist; dort herrschen durchgehend 27-28°C.


Nun gibt es das versprochene...


Zwischenfazit

Einer der Gründe, warum meine Wahl ausgerechnet auf diese Art fiel, ist, dass es zu ihr noch keine Haltungsberichte gibt und ich gespannt war,
wie sie sich in der Heimhaltung macht. Meine bisherigen Erfahrungen und Beobachtung fasse ich im Folgenden in ein paar Punkten zusammen.

Verhalten
Von Beginn an war ich verwundert, wie aktiv diese Ameisen sind. Nachdem ich das RG ins Becken legte, dauerte es nur wenige Tage, bis die erste
(zu dem Zeitpunkt einzige) Arbeiterin im ganzen Becken unterwegs war und das wohlgemerkt tagsüber, nicht erst im Schutz der Dunkelheit. Jetzt
kann ich täglich dutzende Arbeiterinnen furagieren sehen. Sie trinken, sie laufen umher und am allerliebsten tragen sie ihren Müll durch die
Gegend, ohne ihn jemals abzulegen... :lol: Erst nachts kommen sie zur Ruhe.
Wenn es sein muss, können sie aber auch Ernst machen; mit der Anzahl der Arbeiterinnen ist auch ihre Aggression angestiegen. Nehmen sie eine
vermeintliche Bedrohung wahr, gehen sie in eine Angriffshaltung über, in welcher sie blitzschnell umherlaufen oder minutenlang verharren können,
bis andere Arbeiterinnen Entwarnung geben. Sie sind äußerst mutig, schrecken auch vor größeren, noch agilen Beute-Insekten, wie Pferbremsen,
nicht zurück und sparen nicht mit ihrer Säure. Auch meine Pinzette wurde schon mit Säure attackiert. :roll:

Gruppenaggression ;)

20200908_124408.jpg

All das gilt aber in erster Linie für die Minor-Arbeiterinnen, welche zur Zeit etwa 90% der Kolonie ausmachen. Die Medias und Majore sind für gewöhnlich
nur dann außerhalb vom Nest zu sehen, wenn es darum geht, Insekten zu zerlegen und ins Nest zu transportieren. Die Majore werden ganz offensichtlich
auch als lebende Flüssigkeitsspeicher verwendet, wie es für viele Camponotus-Arten typisch zu sein scheint. Man sieht sie nie an der Tränke oder am
Ahornsirup aber sie haben bei weitem die dicksten Gaster!

Größe/Aussehen
Camponotus compositor gehört definitiv zu den kleinen Vertretern der Gattung, keine Frage. Die durchschnittliche Minor-Arbeiterin ist mit 5-6mm etwa
so groß, wenn nicht kleiner, als eine Arbeiterin von Serviformica fusca und auch die schwarze Färbung mit Grau-/Silber-Anteilen in Kombination mit den
roten Extremitäten und dem für eine Camponotus untypisch kurzen Thorax erinnert an eine Serviformica. Die Majore schaffen es auf etwa 7-8mm und ein paar sehr große Exemplare sind einen guten cm groß; hoffentlich bekomme ich die auch mal vor die Linse. Die Königin ist etwa 12mm groß.
Bei dieser Media-/Major-Arbeiterin sieht man gut, wie stark behaart diese Ameisen sind:

20200907_174037.jpg

Je nach Lichteinfall sieht man es mehr oder weniger.

Koloniewachstum
Da nun die ganze Kolonie für mich einsehbar ist, habe ich eine grobe Zählung vorgenommen oder besser gesagt bis 100 gezählt und das als Maßstab für
den Rest der Kolonie genommen. Es sind etwa 300 Arbeiterinnen und gemessen an der Anzahl der Puppen sind es bald um die 400; für mich sehr
beeindruckend und bei weitem mehr, als ich innerhalb eines halben Jahres erwartet hätte. Die Angabe bei MyAnts "Maximale Koloniegröße: in der
Heimhaltung bis 300 Tiere" ist denke ich etwas knapp bemessen. ;)
Ich bin mir sicher, dass die schnelle Wachstumsrate nicht zuletzt damit zutun hat, dass die Temperatur im Formicarium tagsüber fast immer über 26°C
und nachts im Nestbereich, wo sich auch das RG befand, dank der Heizmatte unter dem Nest, selten unter 25°C lag, was mich zum nächsten Punkt bringt.

Wärme
Wenn es eines gibt, was diese Ameisen lieben, dann ist es Wärme. Bei Temperaturen zwischen 25 und 30°C scheinen sie sich am wohlsten zu fühlen und
zeigen sich sehr aktiv. Zieht von draußen kühle Luft ins Zimmer, verkriechen sie sich oftmals im warmen Nest. Die südamerikanische Herkunft dieser Art
macht sich in dieser Hinsicht auf jeden Fall bemerkbar.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass diese Art eine Menge Spaß macht, man viel zu sehen bekommt und meiner Meinung nach auch für Anfänger
tauglich ist. Bis zum nächsten Update!
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#11 Camponotus compositor im 200l Becken

Beitrag von Zitrus » 20. September 2020, 20:55

Harry hatte recht... das Sand-Lehm-Gemisch ist grabfähig, ganz gleich wie hart es einem vorkommen mag.
Als ich heute die Tränke rausholte, um sie aufzufüllen, sah ich das hier:

Baustelle.jpg

Sogar den groben Kies können sie abbauen! :shock: Ich denke zwar nicht, dass das Tunnelbauprojekt all zu große Dimensionen annehmen wird,
aber mal sehen. Vielleicht wird das ja mal ein Zweitnest?
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#12 Camponotus compositor im 200l Becken

Beitrag von Zitrus » 23. Oktober 2020, 16:44

Vor ein paar Tagen stand ein weiteres Buddelprojekt auf dem Plan. Es wurde entschieden, dass das Perlite im linken Wassertank dort nichts
verloren hat und selbiges abgebaut werden muss. Glücklicherweise haben sie nach einer Weile aufgehört und nutzen den Wassertank nun als
eine Art Chill-Lounge zum abhängen und nichts tun. Wenn davon die Königin wüsste... :o

20201023_153605.jpg

Immerhin haben sie einen großen Teil vom Perlite in ihre Müllecke gebracht, was sehr aufmerksam von ihnen ist. Irgendwie werde ich das aber
alles rausholen. Vielleicht bastele ich mir einen Staubsauger-Adapter, wie Rapunzula.

20201023_153637.jpg

Das Nest, von welchem ich dachte, dass es ewig reichen würde, ist inzwischen gut gefüllt und bei der aktuellen Wachstumsrate der Kolonie wird
es in ein paar Monaten voll sein. Grob geschätzt sind es inzwischen um die 500 Individuen. Hätte man mir im Februar gesagt, dass sie so eine rasante
Entwicklung hinlegen werden... ich hätte es wahrscheinlich nicht geglaubt! Die Kammer unten rechts ist übrigens ihre Nest-Müllhalde.

20201022_094346.jpg

Wie ihr seht, ist immer noch die rote Folie auf der Scheibe, was keine besonders guten Bilder ermöglicht aber ehrlich gesagt will ich sie ungern
unnötig nerven. Vielleicht werde ich sie noch irgendwann wegmachen.

Was Proteine angeht, haben sie in letzter Zeit ausschließlich Schokoschaben bekommen, auf welche sie wirklich abfahren. Heute gab es aber
ausnahmsweise mal Katzenfutter:

20201023_155309.jpg

Normalerweise kommen die Major-Arbeiterinnen ja nur aus dem Nest, wenn eine Schabe ins Nest gezerrt werden muss aber wenn man Glück hat,
erwischt man sie früh morgens beim spazieren gehen. Diese hier ist erst vor kurzem geschlüpft:

20201022_092817.jpg

Als ich damals dieses dämliche Loch ins 8mm dicke Glas gebohrt habe, dachte ich mir noch, dass ich es eh nie brauchen würde aber bald ist es wohl
wirklich Zeit für eine Erweiterung. Mal sehn, was mir einfällt; ich werde berichten. :idea:
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#13 Camponotus compositor im 200l Becken

Beitrag von Zitrus » 10. November 2020, 22:22

Der letzte Weg einer Schabe. Für sie mag es ein trauriger sein, aber die Ameisen haben Kin.. ähm Larven zu versorgen. :roll:



In letzter Zeit bin ich leider nicht dazu gekommen, die geplante Erweiterung anzugehen, aber ich bin mir ziemlich sicher,
dass ich unten im Schrank, wo sich früher der Filter vom Aquarium befand, ein großes Ytong-Nest reinstellen werde.
Es hausen bereits um die 100+ Arbeiterinnen außerhalb vom Nest im ausgehobenen Wassertank und im Erdloch unter der Tränke.
Ist immer ganz witzig, wie sie aus dem Tank gerannt kommen, wenn ich das Nest befeuchte; ich hab ihnen versprochen,
nur noch den anderen Tank zu befeuchten. ;)
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#14 Camponotus compositor im 200l Becken

Beitrag von Zitrus » 16. November 2020, 21:24

Wenn mich mein Kater nachts weckt, weil er vor Hunger umkommt, schaue ich gerne bei den Ameisen rein und in letzter Zeit
kann ich jede Nacht beobachten, wie dutzende Arbeiterinnen auf der Tränke abhängen:

20201116_051032.jpg

Wenn der lange Arbeitstag endlich vorüber ist, laden sie einander gerne auf einen alkoholfreien Schluck Wasser ein. :)
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