Ameisen präparieren - Entomologie

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marcsoziusnb87
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#9 Ameisen präparieren - Entomologie

Beitrag von marcsoziusnb87 » 26. August 2020, 00:32

Hallöchen,

ich habe mich jetzt mal an zwei Schmetterlingen versucht. Ich würde sagen, die sind ganz gut gelungen. Ob und wie ich das mit Ameisen mache, weiß ich noch nicht. Denn da zu nadeln dürfte fast unmöglich sein, so das sich nur ein Einschließen ergibt.

Was meinst du denn mit präparieren mit Silikon? Davon habe ich noch nie gelesen...

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#10 Ameisen präparieren - Entomologie

Beitrag von Ameisenstarter » 26. August 2020, 01:08

marcsoziusnb87 hat geschrieben:
26. August 2020, 00:32
Hallöchen,

ich habe mich jetzt mal an zwei Schmetterlingen versucht. Ich würde sagen, die sind ganz gut gelungen. Ob und wie ich das mit Ameisen mache, weiß ich noch nicht. Denn da zu nadeln dürfte fast unmöglich sein, so das sich nur ein Einschließen ergibt.
Hallo! Magst du einmal erklären und zeigen, wie du das gemacht hast?

Ich selbst präpariere schon seit einiger Zeit Schmetterlinge, vielleicht kann ich dir ja Tipps geben.


Ameisen nadelt man im Normalfall nicht, da diese zu klein sind und auch zu brechen drohen (Ausnahme sind hier sehr große Ameisen, von Myrmecia etc. sind einige der Präparate genadelt).
Stattdessen werden sie im Regelfall geklebt.

Da gibt es im wesentlichen zwei Methoden:
1. Aufkleben an allen 6 Tarsen. Mit einem wasserlöslichen, durchsichtigen Kleber werden die Ameisen mit möglichst kleinen Klebepunkten auf ein Stück Pappe aufgebracht (geeignetes Material hierfür gibt es im Fachhandel, beispielsweise Bioform oder Ento Meier München).

2. Das Aufkleben an nur einer Stelle, meist zwischen zweiten und dritten Beinpaar. Hierbei bleibt auch die Unterseite halbwegs einsehbar. Auch hier verwendet man einen durchsichtigen Kleber. Als Untergrund sind kleine, meist dreieckige Pappstückchen üblich, welche ebenfalls im Entomologiehandel verfügbar sind. Bei dieser Methode ist allerdings weniger Stabilität gegeben (wobei das natürlich auch mit der Größe des Pins zusammenhängt) und gerade für große, schwere Ameisen ist die Methode etwas umständlich, wie ich finde.


Schlussendlich funktionieren beide und sind wohl auch sehr gebräuchlich (für Trockenpräparation).



Wichtiger als die tatsächlich angewandte Methodik (solange dabei das Präparat auch heil genug bleibt) ist allerdings immer die Aufbewahrung und Beschriftung einer Sammlung.
Hierbei sind dicht schließenden Insektenkästen (ich beziehe von Ento Meier München) und am besten Schutzmittel wie Kampfer sinnvoll, um vor Museumskäfer und Co sicher zu sein.

Gerade wenn man keine aus der Zucht (bei Ameisen nicht möglich, aber beispielsweise bei einen exotischen Schmetterlingen ja doch verbreitet) stammenden Tiere präpariert, sondern zum Beispiel eine Ameise, die man bei sich zuhause gefunden hat, ist eine gute Etikettierung das A und O. Nur so kann eine Sammlung (und wenn man präpariert wächst diese ja zwangsläufig immer weiter an) auch einen tatsächlichen Wert erhalten. Eine gut erhaltene Sammlung kann immerhin Jahrzehnte später Rückschlüsse auf die Fauna eines Gebietes erlauben, weswegen umfangreiche Ortsangaben etc. auf den Sammlungsetiketten notwendig sind.


Und, was natürlich nicht vergessen werden darf, ist die Beachtung von geltenden Naturschutzregelungen, wenn Ameisen eingefangen werden.




Ein paar Posts vorher ist übrigens ein Beispiel eines Ameisentrockenpräparats, welches ich angefertigt habe, nachdem die Gyne in der Gründung verstorben war. Zwischenzeitig lagere ich Ameisen in 80%igem Ethanol ein, bis ich sie tatsächlich präpariere. Hierbei bleibt die Beweglichkeit, nach meinen Erfahrungen, auch Monate lang gut erhalten.


Liebe Grüße :)
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#11 Ameisen präparieren - Entomologie

Beitrag von di4per » 26. August 2020, 09:37

@Ameisenstarter: Danke für den sachdienlichen Beitrag.

Als Alternative zum Trockenpräparat können Exemplare natürlich auch im Ethanol verbleiben. Im Seifert und zahllos im Internet finden sich Anleitungen, auch zum Aufweichen bereits getrockneter Insekten. Das hier diskutierte Einschließen in Harz ist wohl eher eine Spielerei für die Schrankwand.

Insgesamt sollte sich jeder zumindest die Frage stellen, inwiefern man eine Sammeltätigkeit als privates Hobby angesichts der verschwundenen Entomofauna in den einheimischen Wiesen und Wäldern überhaupt vertreten will.

Zum Einstieg könnte man z.B. den Austausch in einer vielleicht verfügbaren örtlichen Fachgruppe für Entomologie oder dergleichen suchen. Da gibt es oft Projekte oder Exkursionen mit dem "höherem Zweck" z.B. einer Faunenerfassung auf Bauer Meiers Streuobstwiese usw. Da kann man natürlich auch Tipps zu praktischen Fragen bekommen. ...nur als Anregung.

Aber auch beim Beobachten, Steine drehen und "Totholzgewühl" sollte man im Gelände einige Regeln beachten, wie sie z.B. im Ehrenkodex entomologische Feldarbeit formuliert sind.
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#12 Ameisen präparieren - Entomologie

Beitrag von Ameisenstarter » 26. August 2020, 13:02

Hallo di4per!

Ja, das Eingießen ist wohl eher was, um die Tiere zur Schau zu stellen. Kann natürlich auch sinnvoll sein und ich kenne solche Präparate aus dem Biologieunterricht, aber um eine Belegsammlung aufzubauen oder ähnliches ist diese Methode natürlich eher ungeeignet.
di4per hat geschrieben: Insgesamt sollte sich jeder zumindest die Frage stellen, inwiefern man eine Sammeltätigkeit als privates Hobby angesichts der verschwundenen Entomofauna in den einheimischen Wiesen und Wäldern überhaupt vertreten will.
Das stimmt. Ich selbst richte mich hierbei zwar nach keinem vorgegeben Kodex, handle aber nach eigenen Grundsätzen, die für mich vertretbar sind.


Viel gefährlicher als das Absammeln von Individuen ist, wie du bereits geschrieben hast und auch der verlinkte Ehrenkodex beschreibt, die Zerstörung von Lebensräumen. Seifert schreibt in Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas von der Zerstörung von "Mikrohabitaten" durch ständiges "Umdrehen von Steinen" etc.
So fange ich zum Beispiel nur, wenn eine Ameise auch wirklich an der Oberfläche fangbar ist und grabe vorher nicht irgendwas rum oder spalte irgendwelche Holzstücke.

Solche Zerstörungen können zwar auch vertretbar sein, aber nur wenn sie von tatsächlichen Experten unter entsprechender Notwendigkeit durchgeführt werden. Das ist bei mir natürlich nicht gegeben, deswegen schließe ich sowas aus.

Wie mit jedem Naturgut bin ich der Meinung, dass ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang unabdingbar sein sollte.



Ist auf jeden Fall ein spannendes Thema, danke für den Link.


Liebe Grüße :)
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