Temnothorax cf. nylanderi

Unterfamilie: Myrmicinae
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Isi
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#1 Temnothorax cf. nylanderi

Beitrag von Isi » 8. Februar 2011, 18:28

Hallo,

im Juli/August 2010 hat bei mir im Formicarium Temnothorax cf. nylanderi (mehrere Kolonien mit Nestern in Eicheln) geschwärmt.

Am 06.02.2011 konnte ich im selben Formicarium eine dealate Königin beim Fouragieren (Arenatemperatur 9°C) beobachten, was mich doch ein wenig irritiert hat, da laut Artbeschreibung Temnothorax cf. nylanderi claustral gründet!

BildBild

Deshalb meine Fragen an euch:
-gründet die Art doch semiclaustral?
oder
-gibt es andere Erklärungen für das beobachtete Verhalten?

Gruß, Isi

Gast
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#2 AW: Temnothorax cf. nylanderi

Beitrag von Gast » 8. Februar 2011, 20:30

"Geschwärmt" heißt ja noch nicht, dass sich die Geschlechtstiere tatsächlich verpaart haben. Ob sie sich überhaupt im Formikarium verpaaren, ist auch nicht so sicher; hängt wahrscheinlich von allerlei nicht genau bekannten Umständen ab.

Gerade bei T. nylanderi, die spät im Jahr schwärmt, bleiben sehr oft mehrere unbegattete Jungweibchen im Nest, werfen die Flügel ab und betätigen sich zunächst wie Arbeiterinnen (furagieren z.B.). Im Freiland "verschwinden" diese Weibchen in der Regel im Frühjahr, sterben wahrscheinlich. Die Anwesenheit solcher unbegatteter Weibchen in den Nestern im Winter hat schon manchen dazu verführt, die Art als polygyn zu bezeichnen.

Die Deutung, dass es sich um ein unbegattetes Weibchen handelt, ist jedenfalls mit Abstand die wahrscheinlichste.

mfG,
Merkur

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DieGrosseKleine
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#3 AW: Temnothorax cf. nylanderi

Beitrag von DieGrosseKleine » 8. Februar 2011, 20:52

Hallo Isi,

ich habe im Nest meiner Temnothorax sp. auch mehrere Weibchen, die als "Arbeiterin" fungieren. Das Volk hat auch im Formikarium geschwärmt, allerdings sind die Geschlechter an unterschiedlichen Tagen geschwärmt und daher hat es im Formikarium keine Begattung geben können.
LG
Anja

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Isi
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#4 AW: Temnothorax cf. nylanderi

Beitrag von Isi » 8. Februar 2011, 20:56

Hallo Merkur,

danke für die verständlichen Erläuterungen.

Nach dem Schwärmen (sowohl Männchen als auch Weibchen aus verschiedenen Nestern) im Juli/August 2010 konnte ich mehrfach dealate Königinnen im Formicarium beobachten. Drei davon habe ich in RG`s gründen lassen (1 allein, 2 in Hesmose oder tödliche Kämpfe, es folgt keine weitere Adoption, die Kolonie stirbt mit dem Tod dieser Königin.">Pleometrose). Eier sind in der Saison 2010 nicht mehr gelegt worden (unbegattet?/zu kühl gelagert?). Bleibt abzuwarten was sich hier nach der Winterruhe noch tut.

Gruß, Isi

Edit
@DieGroßeKleine: Danke auch für die Beschreibung deiner Erfahrungen/Beobachtungen

cypher
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#5 AW: Temnothorax cf. nylanderi

Beitrag von cypher » 8. Februar 2011, 23:18

Ich weiß das gehört hier nicht so recht hin, aber da ja hier nur Kenner dieser Art sind habe ich mal eine Frage.
Wie groß wird dieses Volk? Ich weiß im Wissenteil steht schon eine Menge darüber. Nur kann man die größe des Volks irgendwie beeinflussen?

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Isi
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#6 AW: Temnothorax cf. nylanderi

Beitrag von Isi » 8. Februar 2011, 23:30

Hallo cypher,

nach Seifert (Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas: S.238/239) enthalten die Kolonien im Mittel 80-90 Arbeiterinnen.

Gruß, Isi

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#7 AW: Temnothorax cf. nylanderi

Beitrag von cypher » 8. Februar 2011, 23:32

Isi hat geschrieben:Hallo cypher,

nach Seifert (Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas: S.238/239) enthalten die Kolonien im Mittel 80-90 Arbeiterinnen.

Gruß, Isi


Ja das war mir schon so grob klar..(hatte jetzt 150 im Hinterkopf).
Aber wieso ist das so? Wieso bekommt diese Art nicht mehr Arbeiterinnen. Ich meine Platz genug hätte ich ja ;)

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Ossein
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#8 AW: Temnothorax cf. nylanderi

Beitrag von Ossein » 8. Februar 2011, 23:48

Die Frage nach dem Appel und dem Ei...
Warum sind das so kleine Kolonien? Weil sie sonst nicht in eine Eichel passen würden!
Warum leben sie in einer Eichel? Weil sie so wenige sind, reicht ihnen das...
Usw. usf.

Nein, im Ernst wird es halt eine Anpassung sein, wahrscheinlich begründet auch durch den z.T. erheblichen Druck anderer, dominanterer, Ameisenarten. Da kann es schon Sinn machen, viele kleine Nester zu unterhalten, sich im Verhalten eher zurückhaltend und vorsichtig zu zeigen, und so seinen Lebenserwerb eher im Verborgenen zu suchen. Und wenn, wie bei AmeisenWiki Seifert zitiert wird, 150 Nester auf 100qm zu finden sind, mit "wenigen Hundert" Ameisen (bei Temnothorax nylanderi), dann kommt man auch auf 22.500 Ameisen, selbst wenn man nur 150 Individuen pro Nest zählt.

Aber das sind nur Spekulationen meinerseits, begründet auf wenige Daten, und zur Frage nach dem Selektionsdruck haben bestimmt auch andere ihre Ideen oder gar Wissen. Vielleicht sollte man dafür aber dann wirklich einen neuen Thread aufmachen?

LG, Ossein.

EDIT: Isis Zahlen machen das ganze noch deutlicher: 30.000 Individuen auf 25qm, 120.000 Individuen auf 100qm - ganz ordentlich, oder?

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