Wildbienen - eine vielseitige Gruppe der Hautflügler

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#1 Wildbienen - eine vielseitige Gruppe der Hautflügler

Beitrag von Ameisenstarter » 25. Mai 2019, 19:14

Ich möchte hier heute einen kleinen Bericht zu Wildbienen starten.

Mit Wildbienen meint man alle Bienen, die keine aus der Imkerei stammenden Honigbienen sind.
Diese Gruppe gerät in letzter Zeit zunehmend in die Medien, weshalb ich es sich für eine gute Idee halte, auch hier im Forum einmal etwas zu Wildbienen zu schreiben.

Der Unterschied zu den meisten Arten der Honigbienen (Apis spp.) liegt darin, dass die Wildbienen eben nicht zur Honiggewinnung (hierbei spielt die Westliche Honigbiene Apis mellifera die größte Rolle) gehalten werden.
Honigbiene (Apis mellifera)
Honigbiene (Apis mellifera)


Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass die meisten Wildbienen-Arten solitär, also ohne ein Volk zu bilden, leben.
Hierbei gibt es einige Ausnahmen, am bekanntesten sind wohl die Hummeln als (primitiv) eusoziale Wildbienen.

Die Gattung der Hummeln (Bombus) umfasst in Deutschland 41 Arten. Davon sind einige Vertreter recht bekannt. Wie beispielsweise die Steinhummel (Bombus lapidarius).
Steinhummel (Bombus lapidarius)
Steinhummel (Bombus lapidarius)


Momentan lassen sich einige Hummelköniginnen beobachten, die sich morphologisch nicht von den Arbeiterinnen unterscheiden, aber deutlich größer sind.

Ebenso gibt es einige (primitiv) eusoziale Furchenbienen.
Als Furchenbienen bezeichnet man die zwei Gattungen Halictus und Lasioglossum. Da es sich hierbei und eine sehr artenreiche Wildbienengruppe handelt, ist mir eine Bestimmung auf Artniveau leider nicht möglich.
Furchenbiene
Furchenbiene

Doch nun zurück zu den solitären Wildbienen.
Bei diesen gibt es keine Kasteneinteilung, wie wir sie hier von Ameisen kennen.

Nur Weibchen und Männchen.

Eine der bekanntesten solitäre Wildbienen dürfte die rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) sein. Sie ist weniger anspruchsvoll was den Nistplatz betrifft, weshalb sie, verglichen mit anderen Wildbienen, sogar recht häufig ist.
Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) Männchen
Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) Männchen

Der Trivialname stammt von der roten Behaarung, die vor allem bei Weibchen stark ausgeprägt ist.
Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) Weibchen
Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) Weibchen


Das wäre es erstmal für heute, wobei ich durchaus noch mehr zu schreiben habe.

Meine Frage wäre jetzt, gefällt euch der Bericht? Und wenn ja, wie würdet ihr euch die Weiterführung wünschen? Momentan bin ich mir unschlüssig, ob dieser Bericht mehr in Richtung von kleinen Artenporträts mit Bildern gehen soll oder eher allgemeiner zu Wildbienen geschrieben.

Ich freue mich über eure Meinung.

Liebe Grüße :)
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#2 Re: Wildbienen - eine vielseitige Gruppe der Hautflügler

Beitrag von Erne » 25. Mai 2019, 23:20

Tolle Bilder und dann noch Recherche für Bestimmungen. :clap:

Wildbienen, besonders Hummeln sind seit Jahrzehnten meine Leidenschaft.
Wo es mir möglich ist, versuche ich Hummeln Nestmöglichkeiten anzubieten.
Hoffe das es nicht stört, das ich hier ein Nestbild von Steinhummel (Bombus lapidarius) Gründungsphase
poste.

Steinhummel (Bombus lapidarius).jpg

Grüße Wolfgang
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#3 Re: Wildbienen - eine vielseitige Gruppe der Hautflügler

Beitrag von Safiriel » 26. Mai 2019, 16:02

Für mich: Beides!
Du kannst Allgemeines schreiben, und das immer wieder mit Artenportraits spicken.
Ein tolles Thema!
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#4 Re: Wildbienen - eine vielseitige Gruppe der Hautflügler

Beitrag von Ameisenstarter » 30. Mai 2019, 18:56

Das Bienensterben.

In den Medien geht es darum, Parteien greifen das Thema auf, in Bayern ein Volksbegehren "Rettet die Bienen!". Wichtig dabei ist zu beachten, dass nicht das Nutztier Honigbiene (die häufig mit "Biene" gleichgesetzt wird), sondern die Wildbienen wirklich gefährdet sind.

Von den über 550 Wildbienenarten, die es in Deutschland gibt, gilt ungefähr die Hälfte als gefährdet (davon über 100 vom Aussterben bedroht und einige sogar schon verschollen oder ausgestorben).
Aber wieso sind Wildbienen eigentlich so wichtig?
Andrena sp. Männchen
Andrena sp. Männchen


Klar, sie sind Bestäuber. Um die nächste Generation zu sichern, werden Pollen gesammelt, welche ein reichhaltiges Mahl für die Larven in den Brutzellen, die ein Bienenweibchen anlegt, bieten.
Die Imagines, Männchen wie Weibchen, stärken sich am Nektar der Blüten (teilweise wird auch Nektar zur Versorgung der Larven verwendet).

Bestäuben kann eine Honigbiene aber auch, der Unterschied liegt jedoch darin, dass Wildbienen sich stärker spezialisieren und somit effizienter bestäuben können.
Die Pflanzen brauchen Wildbienen.





Wie transportieren Wildbienen eigentlich den Pollen?


Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie der Pollen zum Nest gebracht wird.

Einerseits gibt es bei der Familie der Megachilidae eine sogenannte Bauchbürste. Eine spezielle Behaarung an der Abdomenunterseite.

Zu dieser Familie gehört unter anderem die Gattung Osmia (siehe z.B. erster Beitrag).



Andere Arten nehmen Pollen in ihren Kropf auf und "spucken" sie quasi am Nest wieder aus.
Hierzu gehört beispielsweise die Gattung der Maskenbienen (Hylaeus). Sie gehören zu den kleinsten Wildbienen.

Die Maskenbienen zeichnen sich, wie ihr Name schon sagt, durch die "Maske" der Männchen aus.
Hylaeus cf. pictipes Weibchen
Hylaeus cf. pictipes Weibchen

Weibchen haben ebenfalls eine spezielle Zeichnung am Kopf, jedoch keine durchgehende Maske.



Auch Behaarung am Propodeum (am Thorax) wird bei vielen Arten zum Pollentransport verwendet. So zum Beispiel bei einigen Sandbienen (Andrena).

Die graue Sandbiene (Andrena cineraria) ist eine recht große, stark behaarte Wildbienenart, die man von weitem auch schnell mal mit einer Hummel verwechseln kann.
Andrena cineraria Weibchen
Andrena cineraria Weibchen


Die Art ist zwar nicht bunt gefärbt, sieht aber trotzdem sehr schön aus.


Eine andere Andrena sp. mit deutlich weniger Behaarung habe ich im letzten Jahr abgelichtet:
Andrena sp.
Andrena sp.
Andrena sp.
Andrena sp.



Die letzte typische Sammelart (die auch in Kombination mit anderen Sammelarten vorkommt) ist der Transport auf den Beinen. Stark behaart, so kann der Pollen dort hängen bleiben.

Als interessante Art, wäre hier zum Beispiel die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae) zu nennen. Diese ist (primitiv) eusozial. Die Weibchen dieser Art sammeln sich in einem Nest, wobei dann nur eines Eier legt. Der Rest fungiert also quasi als Arbeiterinnen.
Halictus scabiosae Weibchen
Halictus scabiosae Weibchen
Halictus scabiosae Weibchen
Halictus scabiosae Weibchen

Besonders die Männchen dieser Art sind recht auffällig:
Halictus scabiosae Männchen
Halictus scabiosae Männchen



Eine ähnliche Art ist die Dichtpunktierte Goldfurchenbiene (Halictus subauratus). Bei diesen finden sich ca. 5 unbegattete Weibchen mit einer Begatteten zusammen und bilden eine Art Kolonie. Im Unterschied zu Halictus scabiosae sind sie jedoch recht klein.
Halictus cf. subauratus
Halictus cf. subauratus






Liebe Grüße :)
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