Messor barbarus - Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Myrmicinae
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#65 AW: Messor barbarus - Haltungserfahrungen

Beitrag von TiGGa » 2. August 2008, 22:07

Was soll ich sagen. Seit gestern habe ich meine eigene Wohnung! Vorallem habe ich dort endlich ein funktionierendes Gefrierfach, sodass ich wieder Futter lagern kann.

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Da ich kein Auto mehr habe und darauf warten muss, bis mein Vater morgen kommt um die Kisten zu transportieren, musste ich mir gestern überlegen, was ich so per Straßenbahn rüberbringen könnte. Schuhe, Gitarre, Bettzeug… Ameisen? Ich schnappte mir eine große Tüte und stülpte sie über die Arena. Natürlich versuchte ich so wenig Erschütterungen zu erzeugen wie es nur geht und die Ameisen dankten mir insofern, dass sie nichts von dem bemerkten.

Der Weg von der alten Wohnung zur Haltestelle war schon anstrengend. Damit ich mit dem Oberkörper beim gehen nicht gegen das Becken knalle, hielt ich es ziemlich vom Körper weg. Das ging natürlich in die Arme. Außerdem hat es nach verlassen des Hauses angefangen zu regnen. Großartig!

Nachdem ich in die Bahn eingestiegen bin, musste ich erstmal das Becken auf den Schoß legen. Den Plan, das Becken während der Fahrt in der Luft zu halten, um Fahrbahnunebenheiten abzufangen, habe ich schnell verworfen. Es sind immerhin 30 Minuten Fahrzeit, die ich hätte überbrücken müssen. Die Fahrgäste nebenan guckten schon neugierig in die Tüte und tuschelten schon. Dann zischte eine Frau enttäuscht ganz leise “ich kann da nichts sehen”. Tja, Ameisen sind nun mal klein.

Die Bahn hielt direkt vor meiner neuen Wohnung an und es war ein leichtes das Becken auf den Schreibtisch zu stellen. Natürlich hörte es just in dem Moment auf zu regnen, als ich die Tür durchschreitete.

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Zwischenzeitlich hat meine Kolonie die gesamte Brut tief ins Nestinnere auf die linke Seite des Beckens gebracht. Nur wenige Augenblicke später waren sie wieder in der Hauptkammer, als wäre nichts geschehen. Mein Fazit: Umzüge sind problemlos möglich. Diese kurze Stressphase führt bei so einer großen Kolonie nicht mehr zu einem Brutfraß.

Was ich aber jetzt bemerke: Der neue Schreibtisch ist nicht so stabil wie der alte. Stöße werden jetzt heftiger übertragen. Vielleicht muss ich ein Regalsystem für meine Ameisen aufbauen, damit sie nicht jedes Mal einen Herzinfarkt bekommen, wenn ich mich an den Tisch setze.

Morgen oder übermorgen bekommen meine Ameisen endlich wieder ausreichend Futter. Ich habe bereits 50 Gramm Mehlwürmer für 1,50 € gekauft und diese sofort in das Gefrierfach gepackt. Da ich den Kühlschrank erst heute in Betrieb genommen habe, dauert es ein wenig, bis die Würmer einschlummern und sterben. Außerdem steht mein Wasserkocher noch in der alten Wohnung. Darf ich nicht vergessen, morgen mitzunehmen.

Hier noch ein kleines Video:

Youtube-Video <- Klick
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#66 AW: Messor barbarus - Haltungserfahrungen

Beitrag von TiGGa » 7. August 2008, 14:17

Mittlerweile sind so viele Ameisen vorhanden, dass die Hauptkammer fast vollständig mit Biomasse tapeziert ist. Schätzungsweise bis zu 100 Ameisen krabbeln nun durch die Gänge, obwohl sie kurzeitig hungern mussten. Die hohe Zahl schlägt sich auch auf den Platzbedarf nieder. Sie haben bereits angefangen, eine weitere Kammer zu erschließen.

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Auch Brut ist in unvorstellbaren Mengen vorhanden und muss natürlich versorgt werden. Ich füttere nun täglich einen, meistens aber zwei Mehlwürmer am Tag. Natürlich nur die fettesten Würmer kommen auf den Teller. Binnen weniger Sekunden tummeln sich mehrere Ameisen um die Speise herum. Seltsamerweise kann ich aber keine Überreste entdecken.

Fütterungsvideo <- Klick
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#67 AW: Messor barbarus - Haltungserfahrungen

Beitrag von TiGGa » 13. August 2008, 20:03

Meine Messors haben die Tage immer weiter im Nest herumgegraben und eine ganze Kammer freigelegt. Im 3. Kellergeschoss, direkt unter der Hauptkammer, halten sich halten sich nun ständig um die 30 Arbeiterinnen auf, die hin und wieder einige Puppen im Schlepptau haben.

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Natürlich muss der ganze Kies irgendwo auch abgeladen werden. Da meine Arbeiterinnen den Anblick meiner Plastickpflanzen nicht mehr ertragen konnten, haben sie sie halb mit dem herausgetragenen Kies eingegraben.

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Aber nicht nur Hügel können meine Landschaftsarchitekten anlegen. Sie können auch neue Löcher graben! Direkt neben dem Müllhaufen haben sie einen Zugang zu dem Zwischenraum zwischen Scheibe und Ytongstein erstellt. Auch an den Ecken haben sie fleißig Nach Erdöl gesucht. Mich hat es ja zuerst nicht gestört, da die Arbeiterinnen auch wieder rausfinden können, aber mittlerweile haben sie einiges an Müll dort hineingetragen.

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Da freue ich mich schon, wenn ich irgendwann das Nest erneuern und mich durch einen Schimmeldschungel kämpfen muss.

Ich habe hier noch ein kleines Video, welches das hervorragende Klettertalent meiner Ameisen demonstriert:

Klettervideo <- Klick!
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#68 AW: Messor barbarus - Haltungserfahrungen

Beitrag von TiGGa » 16. August 2008, 21:32

Ich habe ja recht früh versucht meinen Messors Honig anzubieten. Damals hat es denen eine Bohne interessiert, was da so leckeres vor dem Nest lag. Heute, mit 100 Arbeiterinnen mehr, habe ich es nocheinmal versucht. Mit einer Gabelspitze habe ich auf einem kleinen Stück Papier kleine Tröpfchen verteilt.

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Anfangs beschnupperte nur eine Arbeiterin die tropfen, schien aber nicht weiter Interesse zu zeigen. Ich habe schon resigniert, als dann doch auf einmal acht Tiere an den Honigtropfen waren. Sie führten dabei mit ihren Mandibeln Kau- bzw. Packbewegungen aus, vielleicht um den Honig reinzuschaufeln. Anscheinend ging es einigen Arbeiterinnen aber nicht schnell genug und sie holten aus der näheren Umgebung Kies, den sie in die Tropfen hineinschmissen. Anschließend wurde die mit Honig überzogenen Steinchen in das Nest geschleppt, wo sie in Gruppen daran leckten. Klar, im Nest ist es viel sicherer als draußen.

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Währenddessen habe ich eine Tupperdose, die ich eigentlich für meine anderen Königinnen reserviert hatte, an das Becken angeschlossen. Als Ausbruchschutz habe ich Talkum aufgetragen, der bereits jetzt schon mächtig an Substanz verloren hat. Ich bin ein wenig ungestüm beim Anschließen der Dose gewesen, sodass einiges an Pulver sich gelöst hat.

Kurze Zeit später lief bereits eine kleine Arbeiterin durch den Schlauch, um sich dann zaghaft der neuen Welt zu nähern. Immer wieder lief sie zur Schlauchmitte zurück. Immer weiter drang sie dann vor. Immer mehr wälzte sie sich im Talkum Pulver herum, bis sie einer Schneeameise glich. Ob das gut für den Chitinpanzer ist?

Ich mache mir ein wenig sorgen, dass die kleine Arbeiterin nicht wieder zurück findet. Auf dem Rückweg bleibt sie in der Mitte des Schlauches stehn und kehrt dann zur Tupperdose zurück. Ich dachte schon, dass der Schlauch vielleicht zu Steil war und habe die Tupperdose ein wenig erhöht. Dies hat auch nichts gebracht.

Was bleibt mir anderes übrig als abwarten und Zitronentee trinken…

Honigvideo <- Klick!
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#69 AW: Messor barbarus - Haltungserfahrungen

Beitrag von TiGGa » 17. August 2008, 21:57

Als hätte ich es nicht geahnt! Die Arbeiterin, die gestern in der Tupperdose war, wollte nicht zurück ins Hauptbecken. Stattdessen versuchte sie an den Wänden hochzuklettern, was ihr natürlich nicht gelang. Durch den ständigen Aufenhalt an den Seiten der Dose deckte sie sich immer mehr mehr mit feinen Pulver ein, wodurch wahrscheinlich ihre Tracheen, als die Atmungsorgane von Insekten, verstopft wurde. Sie wurde innerhalb einer Stunde immer inaktiver, bis sie stehen blieb.

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Ich musste meine Konsequenzen ziehen und die Tupperdose abklemmen. Einmal Talkum und nie wieder!
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#70 AW: Messor barbarus - Haltungserfahrungen

Beitrag von TiGGa » 27. August 2008, 18:21

Ich habe vor kurzem einen ganzen Mehlwurm in die Arena geworfen. Es wird ja oft gesagt, dass Mehlwürmer mit ihrem dicken Chitinpanzer besonders schwer zu knacken sind. Da meine 130 Frau starke Kolonie schon viele Majorinnen besitzt, sollte so ein Würmchen kein Problem darstellen. Immerhin knacken sie ja auch harte Körner.

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Der Wurm wurde sofort als Beute erkannt und in das Nest gezogen. Unmittelbar im Nest kamen noch mehr Arbeiterinnen zur Hilfe und zogen das Tier in die unterste Ebene, wo sie im engen Gang dann anfingen an den Wurm zu arbeiten. Immer mehr kleinere Arbeiterinnen gesellten sich dazu bis der Wurm fast vollständig mit Ameisen bedeckt war. Dies hat aber alles nichts geholfen.

Nach einer halben Stunde kam eine Arbeiterin auf die Idee den Wurm in die Kammer darüber zu ziehen, wo auch einige Majorinnen an kleineren Mehlwurmstückchen fraßen. Als sie endlich mit der Mahlzeit fertig waren, rückten die Majorinnen aus, um den unaufgeschnittenen Mehlwurm aufzuknacken. Zwanzig Minuten später konnte ich bereits einen deutlichen Schnitt erkennen. Von da an war es ein leichtes den Wurm zu zerteilen.
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#71 AW: Messor barbarus - Haltungserfahrungen

Beitrag von TiGGa » 31. August 2008, 15:32

Heute wollte ich es genau wissen und habe versucht meine Ameisen zu zählen. Dafür habe ich von jeder hochfrequentierten Kammer ein Foto geschossen und anschließend die Köpfe gezählt. Das Ergebnis war erschreckend und wich deutlich von meinen bisherigen Schätzungen ab!

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Gezählt habe ich 286 Ameisen! Ständig sehe ich, wie frische Arbeiterinnen gesäubert werden und ein Ende ist nicht in Sicht. Alleine die gigantische Eiertraube zeugt von einer äußerst fertilen Königin. Möglicherweise erreichen wir vor der Winterruhe noch die 400er Marke. Na dann, abwarten und Fencheltee trinken.
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#72 AW: Messor barbarus - Haltungserfahrungen

Beitrag von TiGGa » 1. September 2008, 22:52

Der rasante Anstieg der Koloniegröße war für mich Ansporn genug, die Tupperdose wieder herauszukramen. Ich nahm ein Taschentuch und wischte erstmal das Pulver ab, welches ich anschließend so gut es ging per Staubsauger aufsaugte.

Als Ausbruchschutz habe ich Sonnenblumenöl per Wattebällchen aufgetragen, was nach bisherigen Beobachtungen vollzüglich funktioniert. Die Ameisen schrecken zurück, sobald sie an das Öl kommen.

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Nachdem ich dann den Schlauch wieder angeschlossen habe, dauerte es nicht mal eine Minute, bis die ersten zwei Arbeiterinnen zögerlich wieder den Schlauch erkunden.

Eine Arbeiterin erreichte tatsächlich das Ende des Schlauches und erkundete die Brotdose. Rasch fand sie ein Körnchen, welches sie direkt mitnahm. Auf der Suche nach dem Ausgang lief sie aber erst ein paar Umwege, bevor sie dann mit vollem Lauftempo gegen die Wand neben dem Schlauch knallte. Sie schaffte es aber mit Müh und Not doch noch zum Nest zurück.

Mit der Zeit kamen immer mehr Arbeiterinnen, die teilweise die Orientierung im Schlauch verloren. Einige stießen auf ein Hinderniss und wichen aus, wobei sie sich dann anschließend wieder auf dem Rückweg befanden. So kam es vor, dass einige Arbeiterinnen die Körner wieder in die Tupperbox trugen, bevor sie ihren Fehler merkten. Dies verbesserte sich nach einiger Zeit. Wahrscheinlich war am Anfang die Duftspur noch nicht intensiv genug zur einwandfreien Orientierung.

Interessant war auch, dass die Ameisen freiwillig oder auch nicht einen Zwischenlager im Schlauch errichtet haben, wo sich die Körner leicht auftürmten. Auch konnte ich einige Arbeiterinnen beobachten, wie sie die Körner im Bereich des Zwischenlagers direkt an andere Arbeiterinnen weitergegeben haben. Durch dieses etappenweise Vorgehen muss die Körnersammlerin nicht den ganzen strapaziösen Weg zum Nest zurücklegen. Die Last wird dadruch gleichmäßig auf mehrere Beine verteilt.

Leider waren noch Reste vom Talkumpulver vorhanden, die zwischen Sand und Plastikwand sich befanden. Ich merkte dies, als eine Ameise völlig weiß aus den Zwischenräumen krabbelte. Eine weitere Ameise war nur leicht bepudert. Schnell füllte ich diese Löcher mit Kies auf, damit keine weitere Ameisen ran kamen. Wie auf Drogen versuchten sie weiterhin an das weiße Zeug zu kommen, bis sie dann völlig benebelt herumtaumelten. Schließlich wurden beide immer langsamer bis sie sich nicht mehr von der Stelle rührten. Im Moment sterben sie so vor sich hin.

Deshalb plädiere ich für einen absoluten Verbot von Talkumpuder in der Ameisenhaltung!

Tupperdosenvideo <- Klick!
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