Myrmecia pavida – Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Myrmeciinae
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#65 AW: Myrmecia pavida – Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 20. September 2009, 13:50

20.09.2009

Zwischenbericht.
Die Kolonie hat im August wieder Geschlechtstiere aufgezogen, zahlreiche Jungköniginnen aber auch einige Männchen.
Brut ist in allen Stadien vorhanden und es schlüpfen auch ständig neue Arbeiterinnen.
Leider sind auch wieder etliche Tiere an Altersschwäche gestorben. Da die Eier immer zyklisch gelegt werden sind natürlich auch sehr viele Arbeiterinnen gleich alt und sterben dann recht zeitnah.

Ansonsten gibt es nichts neues zu berichten.
Die Kolonie hat ihre Endgröße erreicht und im Prinzip gibt es keine großen Veränderungen mehr zu beobachten. Es wird nur nach Futter gesucht, Brut aufgezogen, Arbeiterinnen sterben und neue schlüpfen und einmal im Jahr entstehen Geschlechtstiere.
Die spannende Frage lautet nun, wie alt die Königin werden kann und wie lange eine Kolonie dieser Art lebt.

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#66

Beitrag von swagman » 7. November 2009, 15:12

07.11.2009

Umsetzung der Kolonie.

Da sich das Terrarium für die Haltung dieser Art als nicht sehr geeignet erwiesen hat, habe ich die Kolonie in ein anderes Becken umgesetzt.
Das Terrarium hatte den Nachteil das beim offnen der Schiebetüren immer die Gefahr bestand, dass die im Becken furagierenden Ameisen sehr einfach hinausgelangen konnten. Für mich als Halter nicht weiter tragisch, aber für dritte ohne Erfahrungen im Umgang mit diesen wehrhaften Ameisen war es nicht möglich die Kolonie zu versorgen. Da ich aber gerne verreise, musste hier Abhilfe geschaffen werden.
Das neue Becken ist ein Aquarium, an dessen oberen Rand ich eine durchgehende Leiste angebracht habe. Die Unterseite dieser Umrandung habe ich mit Paraffin bestrichen, so dass die Ameisen keine Chance haben zu entkommen, zumal sie diese Absperrung ja kopfüber überwinden müssten. Ein dichtschließender Deckel vervollständigt die Anlage. Das Ganze funktionierte beim Umsetzen der Ameisen wunderbar, keine Einzige der aufgebrachten Ameisen schaffte es zu entkommen. Es lässt sich nun ohne Risiko im Becken hantieren.

Als neues Nest hab ich mich für einen liegenden Ytong-Stein entschieden. Dafür hab ich einen 60x20x5 cm Block mit entsprechenden Kammern ausgestattet und das Nest in zwei Hälften aufgeteilt, in der Mitte geteilt durch den Bewässerungsgraben um die Befeuchtung zu erleichtern. Beide Nesthälften sind mit einem Tunnel verbunden und besitzen je einen eigenen Zugang.
Die hälfte der Kammern habe ich mit Sand komplett aufgefüllt um den Ameisen etwas Arbeit zu geben.

Die Umsetzung der Ameisen erfolgte in zwei Schritten, zuerst habe ich die furagierenden Arbeiterinnen in das neue Becken gesetzt und erstmal abgewartet wie sie es annehmen.
Zum einen wollte ich das neue Becken testen, zum anderen hatte ich die Hoffnung, dass der eigentliche Umzug leichter läuft wenn schon einige der Ameisen das neue Nest kennen.
Funktionierte auch wie geplant.
Als der komplette Umzug der Kolonie anstand, wurde die Brut recht zügig in das neue Nest gebracht.
Erstaunlich fand ich die eher zurückhaltende Aggression der Ameisen, als ich das alte Nest öffnete. Am aggressivsten verhielten sich nur die Arbeiterinnen, welche sich ausserhalb des Nestes befanden. Die meisten im Nest befindlichen Tiere drohten nur, zogen sich aber sofort zurück wenn ich versuchte sie mit der Pinzette zu ergreifen. Dennoch ging das Umsetzen recht schnell und ohne Probleme vonstatten. Natürlich nutze ich die Möglichkeit das Volk durchzuzählen.
Insgesamt besteht mein Myrmecia pavida Volk derzeit aus 224 Arbeiterinnen, einer flügellosen Jungkönigin und natürlich der Altkönigin. Weiterhin separierte ich 22 Jungköniginnen und 2 Männchen, welche später abgetötet wurden.
Die Brut hab ich nicht gezählt, schätze sie aber auf etwa 60 Puppen und etwa um die 100 Larven in allen Größen. Eier waren keine vorhanden, da ich mit dem Umsetzen abgewartet habe bis aus diesen die Larven geschlüpft waren um mir die Arbeit zu erleichtern.

Bilanz nach einer Woche:
Bisher haben die Tiere den Umzug gut überstanden. Zwar sind sie noch immer dabei das Becken nach ihren Vorstellungen umzugestalten, aber das ist für mich nicht weiter tragisch.
Das Nest haben sie gut angenommen und es bietet doch reichlich mehr Platz als gedacht. Diese Erfahrung hab ich aber schon bei anderen Myrmecia Arten gemacht, ein liegendes Nest gibt deutlich mehr Platz für die Tiere her als ein stehendes. Ist zwar optisch nicht unbedingt ansprechend, aber für eine funktionelle Haltung deutlich besser geeignet.

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#67 AW: Myrmecia pavida – Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 5. Juni 2010, 10:44

[b]05.06.2010[/b]

[b]Der Kolonie geht es prächtig.[/b]

Das im letzten Beitrag beschriebene Nest habe ich noch im Dezember 2009 gegen ein anderes Nest getauscht was sich im Nachhinein als gute Entscheidung herausstellte.
Im letzten halben Jahr hat sich die Kolonie sehr gut entwickelt und sehr viel Brut aufgezogen.
Es sind in den letzten Wochen auch kaum Ameisen verstorben dafür eben entsprechend viele neue Arbeiterinnen geschlüpft. Die Koloniegröße ist wieder auf über 300 Tieren gestiegen.
Man kann jede Wochen etliche frisch geschlüpfte Arbeiterinnen im Nest entdecken, erkennbar an ihrer noch hellen Farbe.

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Theoretisch müssten auch bald wieder Geschlechtstiere aufgezogen werden.
Das letzte mal musste ich eine Jungkönigin im Nest belassen da ich nicht sicher sagen konnte welches die Altkönigin ist. Diese Jungkönigin verhielt sich wie eine Arbeiterin und jagte auch Futter um es ins Nest zu bringen.
Nach einigen Wochen begab sie sich jedoch nicht mehr ins Nest, sondern lebte ausserhalb in der Arena. Dort leben auch einige Arbeiterinnen welche sich im Wassergraben des Ytong-Nestes eingerichtet haben. Immer wenn ich dort Wasser einfülle gibt es eine ziemliche Aufregung, während aber die Arbeiterinnen auch wieder ins Nest gehen, blieb die Jungkönigin immer draußen.
Dort ist sie dann vor einigen Wochen gestorben, eine deutlich kürzere Lebenserwartung als selbst Arbeiterinnen haben.

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#68 AW: Myrmecia pavida – Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 3. November 2010, 20:20

03.11.2010

Vierjähriges

Seit vier Jahren ist dieses Volk nun schon bei mir und es entwickelt sich noch immer sehr gut.
Es gab zwar einige Höhen und Tiefen während der Haltung, aber alles im allem läuft es.

Brut ist in diesem Jahr immer reichlich vorhanden und die Kolonie hat wieder etwas zugelegt.
Vor zwei Wochen sind wieder einige Männchen aufgezogen worden, dabei dachte ich schon es gibt dieses Jahr keine Geschlechtstiere.
Sie sind auch spät dran und es sind nur sehr wenige Männchen, aber der Grund hierfür ist mir noch nicht so genau bekannt.
Ansonsten gibt es nichts neues zu berichten. Ich befürchte das wird auch so bleiben, hab ja über alles wichtige schon berichtet und nun ist jedes Jahr so ähnlich wie das letzte.

Stand: ca. 350 Arbeiterinnen, 30 – 50 Puppen und etwa 60 – 80 Larven.

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#69 AW: Myrmecia pavida – Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 26. Mai 2011, 16:21

26.05.2011

Der Kolonie geht es sehr gut.

Es sind zwar in den letzten Monaten viele Arbeiterinnen gestorben, dafür wurden aber massig neue Arbeiterinnen aufgezogen.
Das warme Wetter das gesamten Frühling über, hat die Königin scheinbar ordentlich animiert Eier zu legen, daher ist momentan reichlich Brut in allen Stadien vorhanden.
Jeden Tag schlüpfen neue Arbeiterinnen und das Nest ist nun endgültig zu klein. Es leben daher sicherlich schon über 100 Arbeiterinnen ausserhalb im Wassergraben. Vielleicht sollte ich wirklich mal eine größeres Nest bauen, allerdings entwickelt sich die Kolonie auch so ziemlich gut. Das Becken ist halt optisch nicht mehr so das Wahre.

Die Anzahl der jeweils gelegten Eier hat sich inzwischen bei etwas 50 – 60 Stück eingependelt. Im ersten Jahr, als das Volk die Wachstumsphase erreichte, wurden ja manchmal sogar über 100 Eier gelegt. Diese Legerate wurde seither eigentlich nicht mehr erreicht.
Dafür scheint die Kolonie wieder leicht zu wachsen, die Schlupfrate liegt deutlich über der Sterberate. Die derzeitige Arbeiterinnenanzahl kann ich leider nicht sagen, schätze aber dass es etwa 400 – 450 sein müssten.
Demnächst werden vielleicht auch wieder Geschlechtstiere aufgezogen, wobei es letztes Jahr nur einige wenige Männchen waren. Bleibt also abzuwarten was sich dieses Jahr tut.
Bisher also noch keine Anzeichen das die Kolonie, bzw. die Königin bald sterben könnte. Es bleibt weiter spannend was die Lebenserwartung angeht.

Dazu noch eine kleine Geschichte aus Australien:
In Alice Springs habe ich bei meinem ersten Besuch zum Jahreswechsel 2004/2005 ein sehr großes und ein kleineres Nest von Myrmecia desertorum entdeckt. Als ich zum Jahreswechsel 2009/2010 wieder vor Ort war, lebte die große Kolonie noch immer, die kleine wurde augenscheinlich mutwillig zerstört. Allerdings sah der Nesthügel des großen Volkes kaum anders aus als beim ersten Besuch, weswegen ich vermute, dass das Volk damals schon ausgewachsen war. Es könnte also durchaus sein, dass Myrmecia Völker* deutlich älter werden könnten als bisher vermutet. Es gibt hierzu einfach noch zu wenige Beobachtungen und Daten.

* Natürlich lässt sich das nicht auf alle 89 Arten übertragen, dafür sind manche Artengruppen zu unterschiedlich. Aber zumindest innerhalb einer Artengruppe könnte es ähnliche Werte geben. Das sind allerdings nur meine Vermutungen, letztendlich muss man abwarten bis sich Daten aus den gehaltenen Völkern sammeln lassen.

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#70 AW: Myrmecia pavida – Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 3. November 2011, 11:08

03.11.2011

Und wieder ein Jahr vergangen. :geburtstag:

Die Königin ist immer noch quietschfidel und legt fleißig Eier, so dass Brut in allen Stadien im Nest vorhanden ist.
Wie schon im letzten Jahr, wurden auch dieses Jahr nur einige wenige Männchen aufgezogen und keine Jungköniginnen. Die Koloniegröße ist dabei recht stabil und pendelt zwischen 200 – 300 Tieren.
Ansonsten ist der Kolonialtag der selbe wie die vorherigen Jahre schon. Neues gibt es nicht zu berichten.

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#71 AW: Myrmecia pavida – Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 25. August 2012, 16:54

25.08.2012


Die Königin ist tot!

Tja, das war es jetzt mit dieser Kolonie.
Die Königin machte bis zuletzt einen normalen Eindruck, so dass ihr baldiges Ableben nicht unbedingt vorhersehbar war.
Allerdings gab es einige andere Indikatoren, wie zum Beispiel dass die Anzahl an Arbeiterinnen immer stärker zurück ging. Auch Brut wurde nur noch in geringer Menge aufgezogen.
Aktuell sind noch einige Larven im Nest, aber bei weitem nicht mehr so viele wie zuvor.
Auffällig auch deren fast schon extrem langsame Entwicklung, bleibt abzuwarten ob und was sich daraus entwickelt.
Noch gibt es einige Arbeiterinnen die sich auch nach wie vor um die Brut kümmern.
Leider kann ich auch nicht genau sagen wann genau die Königin gestorben ist, da ich nicht so oft kontrolliert habe. Lediglich ein, zwei Mal im Monat. Aber von ihrem Zustand her würde ich vermuten, dass es noch nicht sehr lange her sein kann.
Werde mal weiter beobachten was die restlichen Arbeiterinnen jetzt machen und ob sie die Brut noch durchbekommen.

Jedenfalls haben wir jetzt den ersten Anhaltspunkt zur Lebenserwartung von Königinnen dieser Art.
Natürlich bräuchte es noch einige Halter mehr die darüber berichten könnten, um einen Durchschnitt zu erhalten.
Nur wenn sich da nicht viel tut, muss dieser Wert leider erst einmal so stehen bleiben.

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