Myrmecia pavida – Haltungserfahrungen

Unterfamilie: Myrmeciinae
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#1 Myrmecia pavida – Haltungserfahrungen

Beitrag von swagman » 5. November 2006, 14:17

[SIZE="5"][color="DarkRed"]Myrmecia pavida[/color] [/SIZE]


Bild

Ich habe mich entschieden einen zweiten Versuch mit Myrmecia pavida zu starten, da es bei meiner ersten Königin zu Problemen gekommen ist.
Siehe hier: Haltungsbericht Nr.1 Um einen besseren überblick zu behalten werde ich für die neue Königin einen eigenen Haltungsbericht schreiben.
Trotzdem sollen hier natürlich meine Erfahrungen mit der ersten Königin mit einfließen.
Hier darf diskutiertwerden.


Taxonomie
Subfamilia: Myrmeciinae
Tribus: Myrmeciini
Genus: Myrmecia Fabricius, 1804
Species: Myrmecia pavida Clark, 1951


Allgemeines
Heimat: Westaustralien, stellenweise auch Südaustralien.
Habitat: Sonnenexponierte Stellen, Steppenebenen bis lichte Wälder.
Kolonie: monogyn
Koloniegröße: In der Haltung etwa 250-350 Tiere.
Koloniealter: ?
Gründung: semiclaustral
Arbeiterinnen: Monomorph, aber mit deutlichen Größenunterschied.
Nestbau: Tiefe dauerhafte Erdnester.
Nahrung: Entomophag, Nektarien.
Winterruhe: Je nach Herkunft.
Fortpflanzung: ?


Bild
Lebensraum von Myrmecia pavida, hier ein lichter Trockenwald.

Bild
Straße durch den Busch in Westaustralien.

Aussehen/Färbung
Arbeiterinnen: Caput, Thorax der Ameisen. Der Begriff ist von den Spinnen entliehen, jedoch bei Ameisen eher fraglich, da es hier kein Prosoma gibt. Der Begriff Mesosoma soll auf die Umkonstruktion des Thorax aufmerksam machen, der ja ein zusätzliches Segment vom Abdomen dazu bekommen hat.">Mesosoma und Tarsen rot-braun, Abdomen schwarz
Königinnen: Caput, Thorax und Tarsen rot-braun, Gaster schwarz
Männchen: Caput, Thorax rot-braun, Gaster schwarz.


Größe
Arbeiterinnen: ca. 17 - 25 mm
Königinnen: ca. 24 - 26 mm
Männchen: ca. 21 - 22 mm


Entwicklungsdauer
Arbeiterinnen: ca. 9-10 Wochen
Ei - Larve: ca. 2 Wochen
Larve - Puppe: ca. 2-3 Wochen
Puppe - Imago: ca. 5 Wochen


Bemerkungen
Diese exotische Ameisenart sollte den fortgeschrittenen, erfahrungsreichen Hobbymyrmekologen vorbehalten bleiben.
Aufgrund des ausgeprägten Sehvermögens ist diese Art in der Lage, Beutetiere über eine lange Strecke hinweg zu verfolgen.
Diese Art ist in der Abenddämmerung sehr aktiv, aber auch tagsüber furagieren die Arbeiterinnen.
Arbeiterinnen jagen solitär, es findet keine Rekrutierung statt.


[color="DarkRed"]Haltungsbedingungen:[/color]

Temperatur:
Es ist ein deutlicher Jahresrhytmus vorhanden, ob dieser aber für die Ameisen wichtig ist oder nicht ist nicht bekannt.
Ideal hat sich bei mir eine Temperatur erwiesen von etwa 27-29°C am Tag und nachts etwa 20-24°C.
Für die Winterzeit sollten Temperaturen von 15-20°C am Tag und 5-15°C in der Nacht geboten werden. Aber Achtung in denn Nestern werden keine solchen Schwankungen vorkommen. Hier sollte man im Sommer etwa 24-26°C und im Winter 15-18°C wählen. Einige Bereiche des Nestes sollten aber im Sommer auf die oben erwähnten 27-29°C gebracht werden. Es müssen aber auch kühlere Bereiche vorhanden sein, damit die Tiere den ihnen zusprechenden Bereich wählen können.

Feuchtigkeit: Wie alle Ameisen braucht auch Myrmecia pavida immer frisches Wasser.
Das Nest sollte aber unbedingt neben einem feuchten Bereich auch einen recht trockenen Bereich aufweisen. Die Puppen verderben sehr schnell wenn es zu feucht ist!
Die Arena wird bei mir etwa zwei-drei Mal die Woche mit Wasser besprüht. Die Tiere trinken dann oft die Tropfen.

Futter:
Neben Honigwasser und süßem Obst, brauchen vor allem die Larven ausreichend Proteine in Form von Insekten. Aber auch die Imagines brauchen diese zum Eierlegen. Befruchtete Eier der Königin oder für die Futter Eier der Arbeiterinnen.

Unterbringung: Myrmecia pavida Kolonien können recht groß werden und brauchen deshalb ein großes Becken.
Die Haltung in Ytong ist recht einfach.
Das Becken kann mit Sand, einigen Ästen und Gras oder kleinen Sträuchern eingerichtet werden.

Warnhinweis!
Das Gift von Myrmecia ist dem von Bienen und Wespen ähnlich und kann deshalb zu allergischen Reaktionen führen. Es muss deshalb unbedingt darauf geachtet werden, dass keine unbeteiligten Personen mit den Ameisen in Kontakt kommen und versehentlich gestochen werden.
Infektionsthread (Klick!)

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#2

Beitrag von swagman » 5. November 2006, 14:20

[SIZE="5"][color="DarkRed"]Haltungsbericht[/color][/SIZE]

Wie im ersten Bericht wurde auch diese Königin in einer Faunabox mit 10 Litern Inhalt untergebracht.
Der Aufbau ist im Prinzip der gleiche, nur wurde diesmal auf die Seramis Schicht verzichtet um die Feuchtigkeit des Ytongsteines besser kontrollieren zu können.
Auch wurde das Ytongnest verschlossen damit die Königin vorerst im abgedunkelten Reagenzglas bleibt.

03.11.06 Ankunft
Heute ist meine neue Myrmecia pavida Königin angekommen. Sie hat bereits zwei Puppen.


Bild

Bild

Ich habe das Reagenzglas mit Alufolie abgedunkelt und in die Arena gelegt. Um zu verhindern das die Puppen im feuchten Ytongnest verderben, habe ich dieses vorerst verschlossen. Die Königin soll weiter im Reagenzglas bleiben.
Nachdem ich die Watte am Eingang des Reagenzglases entfernt hatte, kam sie langsam heraus. Aber immer nur ein kleines Stück weit, dann ist sie wieder ins Nest zurück.
So hat sie nach und nach immer mehr der Arena erkundet.
Bald hat sie auch das Honigwasser gefunden und ausgiebig davon getrunken.
Sie hatte keine Schwierigkeiten zum Eingang des Reagenzglases zurück zu finden.

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#3

Beitrag von swagman » 8. November 2006, 20:01

08.11.06
Habe heute leider eine Puppe in der Arena gefunden. Hab sie vorsichtig aufgemacht und eine tote Larve entdeckt, welche eingetrocknet und leicht schimmlig war.
Nun hat die Königin nur noch eine Puppe. Ich hoffe das diese sich wenigstens zu einer Arbeiterin entwickelt.
Da ich ja nicht weis wann diese sich verpuppt haben kann ich natürlich auch nicht sagen wann die Arbeiterin in etwa schlüpfen sollte. Macht sie es aber wie meine andere Königin müsste sie etwa zu dem Zeitpunkt an dem die Arbeiterin schlüpft erneut Eier legen. Und zuvor dann aber Insekten fressen.
Kann ja nicht ins Reagenzgals sehen, darum sind solche Indikatoren für mich wichtig. Im Moment ignoriert sie die angebotenen Insekten. Beginnt sie welche zu fressen, weis ich das sich etwas tut.

Sonst tut sich aber nicht so viel. Die Ameise kommt nur hin und wieder aus dem Reagenzglas raus und erkundet das Becken.
Das macht sie meistens wenn ich Honigwasser nachfülle oder Wasser mit einem Luftbefeuchter ins Becken sprühe.
Aber das man bei Myrmecia viel Geduld braucht weis ich ja inzwischen.

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#4

Beitrag von swagman » 18. November 2006, 19:51

18.11.06

Die Arbeiterin ist immer noch nicht geschlüpft.
Aber die Königin hat in den letzten Tagen begonnen Futter nicht mehr gleich auf den Müll zu werfen sondern zu fressen.
Bis jetzt hat sie eine Fliege, zwei Spinnen und eine kleine Zikade verputzt. Die scheint ja einiges vor zu haben bei der Menge an Proteinen.
Hab mal nachgesehen im Reagenzgals, aber es wurden noch keine Eier gelegt.
Heute Nachmittag hab ich sie dann noch beim Naschen am Honigwasser erwischt.
Ob die bei sich zu Hause nichts zu essen bekommt?:ironie

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#5

Beitrag von swagman » 22. November 2006, 20:56

22.11.06 Arbeiterin geschlüpft!!! :bdancer

Als ich heute von der Arbeit kam, schaute ich wie immer zuerst ins Becken meiner Myrmecia. Und da lag der Kokon vor dem Reagenzglas. Hatte schon die Befürchtung das diese Puppe jetzt auch kaputt ist. Aber als ich genauer hin gesehen habe, konnte ich erkennen das der Kokon am Kopfende geöffnet war. Hab ihn rausgeholt und er war leer.
Natürlich habe ich dann das Reagenzglas rausgenommen und nachgeschaut. Zuerst war nur die Königin zu sehen die versucht hat den Eingang zu verteidigen. Der war aber mit Watte verschlossen.
Und dann am Ende des Reagenzglases sahs eine kleine Arbeiterin. :D
Die war noch ziemlich hell und noch nicht ganz ausgefärbt.
Jetzt muss die Königin nur noch Eier legen.

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#6

Beitrag von swagman » 24. November 2006, 18:26

24.11.06
Heute sind meine kleinen in das Ytongnest umgezogen. Nachdem die Arbeiterin geschlüpft ist, habe ich den Eingang geöffnet um ihnen ein besseres Nest zu bieten.
Die Königin ist seit einigen Tagen recht unruhig. Immer wieder läuft sie lange in der Arena herrum als ob ihr etwas nicht passt. Ich hoffe das sie nur nach einen besseren Nistplatz gesucht hat. Das Reagenzgals war jedenfalls schon recht schmutzig. Auch ist etwas Wasser aus der Watte gelaufen.
Das neue Nest scheint ihnen aber zu gefallen. Die Königin hat die Spinne die ich ihr heute mitgebracht habe gleich in den Ytongstein geschleppt.
Das Reagenzgals habe ich gleich rausgenommen.
Jetzt kann ich meine kleinen beobachten ohne sie groß zu stören.


27.11.06 Erkundungstour
Heute ist die Arbeiterin zum ersten Mal im Becken unterwegs gewesen.
Anfangs noch recht vorsichtig ist sie bald vertrauter mit der Umgebung geworden. Naja und dann hat sie das Honigwasser gefunden und sich erstmal voll gefressen.
Sie ist jetzt öffter unterwegs und zeigt auch keine Angst wenn ich ans Becken komme.
Im Nest bewacht sie meist den Eingang. Konnte einmal beobachten wie sie die Königin geputzt hat. :braver
Eier wurden noch keine gelegt und Insekten werden gerade nicht beachtet.

06.12.06
Es wurden noch immer keinen Eier gelegt.
Die Arbeiterin hat begonnen das Ytongnest mit Sand nach ihren Wünschen zu gestalten. Die Spalten zwischen Stein und Scheibe werden mit Sand gefüllt.
Futter wird ab und an genommen, besonderst die Arbeiterin frisst die Insekten die ich anbiete.

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#7 Änderung der Haltungsbedingungen

Beitrag von swagman » 13. Dezember 2006, 17:01

13.12.06
Aus meiner eigenen Erfahrung und Erfahrungen andere Halter dieser Art weis ich das Myrmecia pavida zyklisch Eier legt.
Das bedeutet bei dieser Art das nur eine kurze Zeit eine bestimmte Menge an Eier gelegt werden. Erst wenn aus diesen Eiern Arbeiterinnen hervor gehen, werden erneut Eier gelegt. Das kann je nach Königin kurz vor dem schlüpfen der Arbeiterinnen sein, oder kurz danach.
Bis heute hat meine Königin aber keine Eier gelegt. Das erscheint mir nicht normal.

Überprüfung der Anlage:
Am Futter kann es ncht liegen. Wasser und Honigwasser bekommen sie morgens täglich frisch. Insekten werden 3-4 mal die Woche angeboten und auch angenommen.
Das ist auch die einzige Störung der Ameisen.
Das Becken ist sauber und es sind keine Schädlinge auszumachen. Die Beckengröße scheint für eine Arbeiterin und eine Königin ausreichen zu sein.
Das Nest scheint auch in Ordnung zu sein. Ein Teil ist trocken und eine feuchte Kammer steht zur verfügung. Diese ist auch nicht zu feucht.
Die Ameisen haben sich die Kammern mit Sand verbessert, das schein auch in Ordung zu sein.
Die Temperaturen... Tja das könnte es sein.
Das Becken steht auf einem Aquarium.
Eine genaue Überprüfung ergab das die Temperatur des Sandes im Becken im laufe das Tages auf etwa 33-35°C ansteigt. Nachts kühlt aber alles auf 21-23°C ab. Zum teil wurden auch nur 18°C gemessen.
Das könnte der Fehler sein.

Ich habe das Becken jetzt umgestellt.
Beheizt wird weiter von unten, diesmal mit einem Heizkabel. Das ist bei dem kleinen Becken einfacher.
Das Heizkabel ist aber an einen Temperaturregler angeschlossen und lässt sich so genau steuern.
Ich habe die Temperatur so eingestellt, dass der Sand im Becken tagsüber auf 28-29°C erwärmt wird. Nachts kühlt er dann auf 25-26°C runter.
Da es in Australien jetzt Sommer ist, sollte das Becken nachts nicht so stark runtekühlen wie es bei Zimmertemperatur der Fall ist.
Der untere Bereich des Nestes hat etwa die gleiche Temperatur wie der Sand. Nach oben wird es kühler. Das entspricht nicht den natürlichen Bedingungen, hat aber bei der Brutaufzucht meiner anderen Königin keine Probleme bereitet.

Jetzt heist es warten und hoffen das die Königin Eier legt.
Ich weis zwar nicht ob die Puppen und damit die Arbeiterin tatsächlich von meiner Königin stammen oder zugesetzt wurden, gehe aber davon aus. Ich Hoffe das es nur an den Haltungsbedingungen lag dass keine Eier gelegt wurden.

14.12.06
Die Temperatur im Nest liegt jetzt bei 24-26°C
Das scheint den Ameisen auch besser zu gefallen, zumindest ist die Arbeiterin öffter in der Arena unterwegs. Habe heute auch zum ersten mal eine lebende Fliege angeboten, welche erfolgreich gejagt wurde.

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#8

Beitrag von swagman » 23. Dezember 2006, 15:04

21.12.06 Endlich Eier

Die Arbeiterin ist schon einige Tage nicht mehr aus dem Nest gekommen.
Eine Spinne die ich vor das Nest gelegt habe wurde auch nicht wie üblich auf den Müll gebracht oder gefressen sondern liegen gelassen.
Als dann auch noch der Eingang zum Ytongstein mir Holzstückchen zugebaut wurde, hab ich abends mal ins Nest geschaut.
Die Königin und die Arbeiterin sind beide vor etwa 4 Eiern gesessen und haben diese bewacht.
Dachte schon das wird nichts mehr. Aber endlich haben sie doch noch Eier.
Werde bald noch mal nachsehen was sich getan hat, aber zuerst lass ich sie noch etwas in Ruhe.
Wenn sich die Myremcia um die Eier kümmern und diese nicht gefressen werden, müssten die Larven in etwa drei Wochen schlüpfen.

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